2007 | Richtfest

Oh, die erklärenden Zeilen in Wikipedia sind doch gleich nach meinem Geschmack: „Das Richtfest (auch Bauheben, Weihefest, Hebefest, Hebfeier, Hebauf, Hebweih, Hebmahl, Firstbier, Aufschlagfest oder Hiebschmaus; in Österreich Gleichenfeier, Firstfeier/-fest oder Dachgleiche; in der Schweiz Aufrichte, niederdeutsch Fensterbeer) wird gefeiert, wenn der Rohbau eines Gebäudes fertiggestellt und der Dachstuhl errichtet bzw. das Dach erstellt ist. Ein Richtfest findet typischerweise auf der Baustelle und zur Arbeitszeit statt, damit alle daran teilnehmen können. Bei Häusern ohne Dachstuhl wird stattdessen bisweilen ein „Deckenfest“ gefeiert und bei Sanierungsarbeiten an historischen Türmen ist auch ein „Knopffest“ denkbar.“

Die Fülle der regionalen Begriffe zeigt, wie wichtig dieser Moment ist. So viel schon geschafft, ein Gefühl der Erleichterung bricht sich Bahn.
Und auch der Dank an alle Beteiligten soll nach allem unausweichlichen Nerv zum Ausdruck kommen.

Das größte zu feiernde Dach in der Geschichte der Regenbogenfabrik war zweifellos das über dem Kino errichtete.

2006 begann alles – und vor allem alles gleichzeitig. Ein Fahrradschuppen musste her, der Stummel vom „kurzen L“ war nicht mehr zu halten und musste ersetzt werden und das Fabrikdach war unendlich oft repariert, doch der Regen fand immer weiter seinen Weg ins Innere. Da kam die Entscheidung des Bezirksamts gerade recht, den Dachneubau auch finanziell zu unterstützen. Dazu eine sog. Vergabe – ABM, mit der die Baugruppe für eine Weile finanziert werden konnte. Hier fürs erste ein kleiner Eindruck, Bauen ist eine große Fortsetzungsgeschichte.

Fotos: Antje Wobig

in memoriam – Gerhard Ptok, genannt Flocky

Vor neun Jahren, am 31.10.2012 ist Flocky gestorben. Ein leichter Tod war es nicht, der Weg dahin war von schweren Krankheiten geprägt.

Was er vor seiner Zeit in der Regenbogenfabrik getan hat? War damals nicht so Thema, aber ich kriegs vielleicht noch raus. Stadtteilzentrum sollte auch hier das richtige Stichwort sein. Spaß an Fußball gehört auf jeden Fall dazu.

Obwohl er trockener Alkoholiker war, hat er tüchtig/tapfer bei einem großen Fest den ganzen Abend Bier gezapft.

Unser erster Hausmeister ist er geworden und hat den Job viele Jahre gemacht. Er hatte auch die Durchsetzungsfähigkeit dafür, hat aber auch mal dabei übertrieben. Doch auch, wenn die Kinder Respekt vor seinem rauhen Ton hatten, man brauchte nie Sorge zu haben, dass er einem auch nur ein Haar krümmt.

Mit unser und meins nahm er es nicht so genau: Wenn er als Hausmeister der Regenbogenfabrik was geschenkt bekam: Wem gehörte das? Nach unserer Meinung: Der Fabrik. Er sah das manchmal recht anders! Doch so ist das, wenn jemand in jedem Ding noch eine Ressource entdeckt und eine Idee hat, was damit gebastelt werden kann. Siehe auch das doppelte Fahrrad, das in den Bildern vorkommt. Doch welcher Bastler hat schon ein großes Lager, das groß genug ist?
Jedenfalls verschwammen da die Abgrenzungen.

Zu den Einrad-Kindern: Die haben aber geizige Eltern, die haben jedem Kind nur ein Rad gegeben.

1985 | Flocky und David

24.7.1985 | Bausenator Franke hält sich zur Besichtigung von Selbsthilfeprojekten in Kreuzberg auf – die RegenböglerInnen veranstalten einen Umzug dorthin unter dem Motto: „Regenbogenfabrik tut gut!“ siehe unser Beitrag im Juli: https://regenbogenfabrik40.blog/2021/07/24/wer-bekommt-schon-eine-demo-zum-geburtstag-geschenkt/

25 Jahre Städtepartner Stettin

30.10.1997 | Gründung des Vereins Städtepartner Stettin im Wohnhaus der Regenbogenfabrik

Zu diesen Zeiten war der Fotoapparat nicht gleich zur Hand, es gibt von dem – aus heutiger Sicht denkwürdigen Treffen – keine Fotos. Auch sonst enthält die digitale Bilderkiste eher wenige Fotos aus dem letzten Jahrtausend. Der erste Fund zeigt einen Infostand im Jahr 1998, die „Kreuzberger Tage in Stettin“ sollten da im Schlosshof stattfinden. Wolkenbrüche vertrieben uns ins Schlossinnere und wir blieben erst mal noch unter uns. Das gelbe Plakat aus dem Jahr 2000 kündet von einer Ausstellung in Stettin-Turzyn über Grüne Höfe in Kreuzberg. Das ist der Startpunkt für eine wunderbare Serie von Aktivitäten rund um das Thema Hofbegrünung und legt den Grundstein für die intensive Zusammenarbeit mit dem Siedlungsrat dieses Stadtteils. Doch los ging es damit erst später. Erst kamen die Radfahrerinnen in der Begegnung zum Zuge. Dafür gabs einen naheliegenden Grund: Der erste, der systematisch für die Städtepartnerschaft gearbeitet hat – und das noch vor Gründung des Vereins – war Aloys Ebner. Er hatte am Osteuropainstitut der FU studiert und war darüber hinaus ein leidenschaftlicher Radfahrer und Zweiradmechaniker.

Spannend war für uns, dass 2000 Polen das Gastland der Frankfurter Buchmesse war. So stattete eine Delegation des Vereins und der Regenbogenfabrik dieser interessanten Ausstellung einen Besuch ab.

17.10.2000 Buchmesse in Frankfurt – Gastland Polen

„Nachdem im April 2000 in einer Turzyner Kirche die Ausstellung „Kiezgrün- grüne Höfe Kreuzbergs“ gezeigt worden war, hat der Siedlungsrat Turzyn zusammen mit Professoren und Studentinnen und Studenten der Universität und einem Architektenbüro für mehrere Höfe im Kiez Planungen entwickelt und schliesslich in einem Wettbewerb (Preisträgerin: eine Studentin) einen Hof als ersten für die Begrünung ausgewählt.

Am 16. November 2002 konnte die Kreuzberger Delegation dann im Rahmen eines Arbeitsbesuchs 12 Bäume, rd. 550 Sträucher, sowie zwei Bänke an die Bewohner:innen übergeben. Über 50 Anwohner:innen beteiligten sich aktiv an der Pflanzaktion. Später wurde berichtet, dass mit dem so verschönerten Hof sorgfältig umgegangen wird und eine Gruppe von Bewohnern schon weitergehende Pläne (Beseitigung von Garagen und Stellplätzen und deren Begrünung) entwickelt und die Bewohner anderer Höfe nachfragen, ob ihre Höfe auch so umgestaltet werden können. So ist es dann auch mehrfach geschehen.“ Aus dem Jahresbericht des Vereins

Der Herr mit dem blauen Blazer, der so tatkräftig den Baum in die Erde brachte, Herr Minz, war damals der Vorsitzende des Vereins.

Yeah, dann tauchen aus der Bilderkiste die Erinnerungen an den Ball der Völker auf, der 2006 gemeinsam mit den anderen Partnerschaftsvereinen des Bezirks im Nachbarschaftshaus Urbanstraße gefeiert wurde. Vorher waren alle vom Bezirksamt zum Empfang ins Haus der Kreuzberger Kinderstiftung eingeladen worden.

Begegnung funktioniert nicht ohne Organisation und Absprachen und so besuchten sich die Aktiven abwechselnd in Berlin und Stettin, hier zu sehen ist ein Treffen im Laden des Siedlungsrats in Szczecin-Turzyn.

2006 Arbeitstreffen in Turzyn

Feiern gehört natürlich auch dazu, sei es jährlich bei den Weihnachtsfeiern in Berlin und Stettin, sei es 2007 bei einer Ausstellungseröffnung an einem spannenden Ort.

2007 entwickelte sich auch Kontakt und Austausch mit dem Kulturhaus in Szczecin-Skolwin.

30.03.2007 Kulturhaus Skolwin – Vorbereitungen auf ein Art Prozessionstheater

Am 31. Mai 2007 dann Jubiläumsfeier in großer Runde. Der Verein lud in die wundervolle Kellerbar des Teatr Kana. Wolfgang Hahn war damals der Vorsitzende des Vereins. Ewa Maria Slaska maître de plaisir. Zusammen mit Maryla Ciechomska hat sie den Ablauf des großen Events wunderbar gesteuert.

Gemeinsam mit dem Kreuzberg-Museum stemmten wir 2007 einen Infostand bei den Ostseetagen. Zu diesem Anlass konnte Stettin zum ersten Mal das Finale der Tall Ships Races austragen.

Seminare zu bürgerschaftlichem Engagement im Nachbarschaftshaus Urbanstraße und der intensive Informationsaustausch in Sachen Grün in der Stadt waren weiterhin die wichtige Basis für die Zusammenarbeit. Die Fotos zeigen die Stettiner Besuchergruppe auf dem Gelände des Wriezener Bahnhofs.

20 Jahre Städtepartnerschaft

Hier ein Foto aus dem Hof des Nachbarschaftshauses Urbanstraße, es haben sich alle getroffen das 20. Jubiläum zu feiern. Da war ich endgültig nur noch Gast. Im Verein haben andere die Arbeit fortgesetzt und ich hatte das Vergnügen, verschiedene Kulturveranstaltungen zusammen mit Städtepartner Stettin zu organisieren. Brigitte Ungern-Sternberg hatte schon im Blog davon berichtet. https://regenbogenfabrik40.blog/2021/07/11/stadtepartner-stettin-in-der-regenbogenfabrik/

Städtepartner Stettin war für die Regenbogenfabrik immer ein wichtiges Standbein für den Kontakt nach Polen. Vielen Dank dafür!

So ein kurzer Abriss kann gar nicht allen engagierten Menschen gerecht werden, die sich über die vielen Jahre eingebracht haben, seien es die Vorsitzenden, da wären ja neben den Herren noch Christiane Reuter und Ewa Maria Slaska zu nennen. Andere, wie Hannelore Rath-Kohl, die sich mit großer Verve für die Begegnung von Senior:innen stark machte. Sport- und Jugendbegegnungen waren lange Zeit die Aufgabe von Achim Schlemme. Und ganz viel verdankt der Verein allen freundlichen Sprachmittler:innen und Übersetzer:innen ohne die wir nicht sehr viel hätten ausrichten können.

Nun müssen die Jungen erzählen! Last but not least sei hier mitgeteilt, wie es in diesem Jahr ans Feiern geht: https://staedtepartner-stettin.org/happy-birthday-sto-lat/

Auf die nächsten 25 Jahre! Wszystkiego Najlepszego

chz

Geburtstagskind des Tages – Moni

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Am 27.12.2011 machte ich mich auf den Weg zu meinem großen Abenteuer und Traum, einmal in einer funktionierenden Gemeinschaft zu leben.
Eigentlich wollte ich nur ein Jahr bleiben und danach wieder in mein Dorf im Pfälzer Wald zurückzukehren. Aber nach 6 Monaten war mir klar, dass ich einen großartigen Platz gefunden hatte und gerne länger bleiben würde. Gott sei Dank waren alle damit einverstanden und ich bekam „open end“.
Nun begann ich im Cafe und bei den Bäckerinnen zu helfen. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen. Da ich aber noch andere Verpflichtungen hatte, blieb mir bald keine Zeit mehr dafür. Nun half ich noch bei Veranstaltungen und Festen aus.

Herrlich, Winterbasar oder offenes Denkmal, es war einfach schön. Denke gerne zurück an diese tolle Zeit. Nach 7,5 Jahren, also genau am 17. Juli 2019, wurde es Zeit, wieder nach Hause zurückzukehren. Für mich genau der richtige Zeitpunkt.
Im Winter begann leider die Pandemie und es war mir erst im August 2021 möglich, die Regenbogenfabrik wieder zu besuchen.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Mein Lieblingsort war immer das Cafe. Dort traf man Leute aus der Nachbarschaft, konnte sehr leckere Kuchen und Torten genießen und das Wichtigste für mich, die hoch interessanten Kulturveranstaltungen.
Wann hört man schon mal Livemusik aus dem Tschad oder Schamanengesänge, aber auch Kabarett und Kunstaustellungen habe ich sehr genossen.
Ein Highlight für mich waren aber die Mitsingabende mit Jens Klein-Bösing.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Da wir Jahrtausende in Stämmen gelebt haben, glaube ich, es ist für die menschliche Natur besser, in Gemeinschaft zu leben. Die Regenbogenfabrik hat für mich eine Vorbildfunktion und immer mehr junge Menschen, weltweit, zeigen Interesse an diesem Projekt. Weiter so, auf das die Welt eine bessere wird.

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Von der Kantine bin ich nie enttäuscht worden. Eigentlich schmeckt mir alles da. Man bekommt ein super Essen für kleines Geld, isst in Gesellschaft und im Sommer noch schön im Freien. Was will man mehr. Super lecker fand ich die Buletten mit einer Spur Zimt.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Ich wünsche der Fabrik mehr mediale Aufmerksamkeit und einen Sponsor, der erkennt, was für ein Gewinn dieses Projekt für Berlin und besonders für die Menschen in Kreuzberg ist. Endlich geht es mal nicht um Gewinnmaximierung, Rendite und Aktionäre.

Ich danke dem ganzen Regenbogenteam für seine großartige Arbeit, die sie jeden Tag leisten.