Zum Tag des offenen Denkmals 2026: „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“

Sonntag, 13.09.2026 | 14:00 – 19:00

Wie jedes Jahr – seit 2004 – laden wir euch wieder herzlichst zum Tag des offenen Denkmals mit Hoffest ein.

Auf euch warten ein Kulturprogramm mit Musik, Kaffee & Kuchen, eine Führung durch das Ensemble, ein Vortrag, Schmackhaftes aus der Kantine, leckere Getränke für Groß & Klein, Trödelmarkt und natürlich Kinderprogramm.

Im Einzelnen:
15:00 Vortrag „Von der Feuerwache zur Regenbogenfabrik“
16:00 Musik
17:00 Führung durch die Regenbogenfabrik: „Überleben ohne doppelten Boden – aber mit Netzwerk“

Wir freuen uns sehr auf euch!

Euer Team von der Regenbogenfabrik

Die Organisator:innen schreiben in ihren Einladungen zum bundesweiten Tag es offenen Denkmals:

„Die Funktionsfähigkeit unserer Infrastruktur zu verbessern ist zweifellos eine der zentralen Kernaufgaben der nächsten Jahrzehnte.

Dies umfasst Netzwerke, die uns als Menschen in jeder Lebenslage verbinden und damit schon in der Vergangenheit Gesellschaft möglich machten. Denkmale, die diesen Austausch zwischen Menschen begünstigen, liegen insbesondere im Bereich der Infrastruktur: Historische Konstruktionen, die nicht nur ihren ideellen Zweck erfüllen, uns Identität und außergewöhnliche Ästhetik schenken, sondern teils auch aus praktischen Gründen gepflegt und erhalten werden sollten.

Wir alle werden von Netzwerken getragen: Ob familiär, im Freundeskreis, in Vereinen, Kirchen oder beruflich – wir existieren nie allein, sondern leben in Verbindung mit anderen, die unser persönliches Netzwerk bilden. Aus diesen persönlichen Netzwerken entsteht die Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten. Sie ist das Netzwerk, in dem wir uns im Land bewegen, in dem wir Waren und Dienstleistungen, vor allem aber Gedanken und Ideen austauschen, um unser Dasein zu sichern und zu entwickeln. All diese Netzwerke formen und stützen unsere Identität – individuell und kollektiv.

Soweit die offiziellen Worte aus der Broschüre zum Tag des offenen Denkmals.

An diesem Tag (13.09.2026) möchten wir in der Regenbogenfabrik darüber sprechen, welche Netzwerke uns halfen zu bestehen. Wir besinnen uns auf die Akteur:innen der Internationalen Bauausstellung, Stadtteilaktivist:innen, Bezirksamt, Mitarbeiter:innen aus Senatsverwaltungen, Pat:innen in der Hausbesetzerzeit und den Status als Denkmal innerhalb eines Ensembles.

Doch das ist andererseits auch Schnee von gestern. Wichtig sind uns aktuell die heutigen Netzwerke, die uns helfen, in die Zukunft zu gehen. Welche Gruppen kommen zu uns? Wer ist aktiv im Café? Mit welchen benachbarten Projekten arbeiten wir zusammen? Was geschieht im Kollektive-Netzwerk? Wer tritt ein in unsere Fördermitgliedschaft? Aber vielleicht ist es interessant mit einer neue IBA zu sprechen? Wir treffen weiterhin Stadtplaner:innen und Architekt:innen, die uns gerne besuchen, um auch bei uns lebendige Stadt zu studieren.

Wichtig bleibt: Zusammenhalt der Gesellschaft braucht Orte der Zusammenkunft und des Austausches und wir kämpfen darum, dass uns allen das erhalten bleibt. Dass die Struktur steht und die Menschen darin gut sein können.

Dafür braucht es unseren Eifer, unsere Kraft und ganz viel Unterstützung.

chz

20 Jahre in der Regenbogenfabrik – Erinnerung an Havvas Jubiläum

Welcher Tag ist besser geeignet als Havvas Geburtstag, um daran zu erinnern, dass wir nun schon über zwanzig Jahre zusammen arbeiten?

Gefeiert haben wir am 24. April. Gekommen sind nicht nur die aktuellen Kolleg:innen, sondern auch frühere Mitstreiter:innen und Supporter:innen. Die Kita-Kinder brachten Bilder und wir teilten unsere Erinnerungen in Wort und Bild. Dann schlugen wir uns am leckeren Buffet die Bäuche voll und stießen an, auf Havva, ihr Team, auf die Regenbogenfabrik.

Vor zwanzig Jahren hat auch die Regenbogenfabrik ein großes Jubiläum gefeiert – 25 Jahre. Und so haben wir uns damals gemeinsam mit Havva zum großen Gruppenbild aufgestellt.

chz

In unserer Nachbarschaft – Eine Straße für Regina Jonas

Regina Jonas (1902–1944) gilt als erste ordinierte Rabbinerin der Welt. Bereits in ihrer Abschlussarbeit hatte sie sich mit der Frage befasst, ob Frauen das rabbinische Amt ausüben dürfen.

Es war Elisa Klapheck, die im Jahr 2000 eine Biografie über die weltweite erste Rabbinerin publizierte.

Regina Jonas wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Berliner „Scheunenviertel“ auf. Nach dem Besuch des Oberlyzeums in Berlin-Weißensee begann sie ein Studium an der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“: Ihr Studium finanzierte sie durch Lehrtätigkeiten an verschiedenen Schulen. Sie studierte bei einflussreichen Gelehrten wie Leo Baeck und Eduard Baneth. Ihre Abschlussarbeit kam dann gleich auf den Knackpunkt zu sprechen: „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“. Nach ihrem Abschluss beschäftigte sich weiterhin mit der Rolle der Frau im Judentum.

Es dauerte noch fünf Jahre, bis Regina Jonas nach ihrem Studium durch den Offenbacher Rabbiner Max Dienemann als erste Frau in Deutschland ordiniert wurde. Das ging nicht ohne Diskussionen und Widerspruch vonstatten. So durfte sie auch in ihrer Berliner Gemeinde nur als Religionslehrerin und Seelsorgerin arbeiten, Predigten in der Synagoge wurden ihr weiterhin verwehrt.

Nach 1938 konnte sie als Predigerin und Seelsorgerin in verschiedenen Gemeinden im preußischen Landesverband arbeiten, die ihren Rabbiner aufgrund der Vertreibung der deutschen Jüdinnen und Juden verloren hatten. 1942 wurde Regina Jonas zur Zwangsarbeit verpflichtet. Am 6. November desselben Jahres wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert. Hier engagierte sie sich als Seelsorgerin in der psychischen Unterstützung der Gefangenen. Am 12. Oktober 1944 wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt und ermordet.

Für die Umbenennung von Straßennamen braucht mensch einen langen Atem. Die Diskussionen über die Ehrung von Regina Jonas begannen bereits 2021, das ist noch vergleichsweise schnell. Im November 2022 erschien eine Pressemitteilung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, die BVV hatte generell eine Straße für Regina Jonas beschlossen, nun waren die Bürger:innen dran. Per Postkartenaktion wurde gefragt: Welche Straße im Umfeld der Synagoge am Fraenkelufer sollte nun bald ihren Namen tragen? Die Admiralbrücke war im Gespräch, ebenso das Planufer und das Paul-Lincke-Ufer. Die Entscheidung fiel für die Kohlfurter Straße, die nun noch in 2025 ihren Namen wechseln soll. So hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am 27. Mai 2025 den Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg vom 13. Dezember 2023 (DS/0915/VI), die Kohlfurter Straße in ihrer ganzen Länge in Regina-Jonas-Straße umzubenennen, bestätigt.

Der Abschied von der gewohnten Adresse ist nicht immer leicht und so erreichten den Bezirk kurz vor der offiziellen Feierlichkeit im September 2025 noch Widersprüche. Nun musste noch die Klagefrist abgewartet werden, nun kann die Umbenennung in Kraft treten. Mit einer offiziellen Zeremonie ist im Dezember 2025 zu rechnen.

Zum Weiterlesen:

https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/ueber-den-bezirk/ehrungen-und-auszeichnungen/eine-strasse-fuer-regina-jonas-1056643.php

https://taz.de/Strassenumbenennung-in-Kreuzberg/!6110306/

https://www.kreuzberger-chronik.de/chroniken/2023/mai/strasse.html

chz

Beitragsfoto: alte Postkarte

Strohballenhäuser in Sieben Linden

Im Frühling 2025 waren wir zu Besuch im Öko-Dorf Sieben Linden. Eine liebe Bekannte hatte sich entschlossen, ihren Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Sie hatte alle wichtigen Prozesse und Entscheidungen hinter sich und war bereit, den Umzug zu starten. So war unsere Neugier endlich groß genug gewachsen. Wir wollten zwar längst alles mit eigenen Augen sehen, doch der Entschluss, zu fahren war immer wieder nicht kräftig genug. Denn eine Herausforderung ist es schon, mit Bus und Bahn von Berlin bis in die Altmark zu kommen. Zwei Regionalzüge und zwei Busse, dann standen wir dann aber doch auf der zum Dorf gehörenden Wendeschleife an der Bushaltestelle und wurden liebevoll empfangen.

Wir sind voll mit großen Erinnerungen in die Stadt zurückgekehrt. Ich muss dazu sagen, dass ich das Leben auf dem Lande in früher Jugend schon hatte und es nicht sehr cool fand. Freunde waren immer anderswo, die Busverbindungen miserabel, Kultur gab es nur in der Stadt. Ich war gepolt auf Landflucht, rein in die Stadt. Und ein bisschen gilt das bis heute. Und was hat mich nun –  ganz gegen diese Voreinstellung –  an dem Ökodorf fasziniert? Dem möchte ich mich in einzelnen Bereichen nähern. Seid also bereit für Fortsetzungen der Erzählung.

Das Ökodorf ist ein Gegenentwurf zum isolierten Wohnen, zur kulturfreien Zone, es bietet jede Menge soziale Kontakte vor Ort. Und oben drauf treffen hier Leute zusammen, die es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit. Sie wollen dringend ihren ökologischen Fußabdruck verringern. Sie wollen beweisen, dass eine andere Welt möglich ist. Und das meinen sie nicht nur technisch, sie haben sich auch viel Gedanken über das Zusammenleben und ihre wirtschaftliche Organisation Gedanken gemacht. Themen also, die uns als Bewohner:innen eines Selbsthilfehauses so richtig fragelustig machen. Also nichts wie rein in die Erforschung der anderen Welt, die da am Horizont leuchtet!

Zurück zur Wendeschleife: Gleich waren wir umfangen vom eigenen Flair des Ortes. Denn ab jetzt galt: autofrei und Handy aus. So kamen wir gleich beim ersten Schritt ins Dorf hinein ins Gespräch über die Regeln der Gemeinschaft, ein Gespräch, das über das ganze Wochenende nicht abriss. Denn es ist schon sehr auffällig, wie sorgfältig die einzelnen Aspekte des gemeinsamen Lebens durchdacht worden waren. Und wir trafen immer neu Menschen, die bereit waren, ihre Erfahrungen zu teilen und zu diskutieren.

Auch wenn die baulichen Aufgaben und der große Selbstversorgergarten schon beeindruckende Werke sind, die soziale Architektur beschäftigt einen dann schon ganz besonders, wenn eine gute Freundin so einen Schritt wagt und wir wissen wollen, wie es ihr damit geht.

Last but not least war der Umgang mit den ungewohnten Kompost-Toiletten einerseits faszinierend, aber die Phantasie konnte Einem auch durchgehen: Was wohl passiert, wenn einen die Verdauung besonders plagt? Alles Gewohnheit, klar.

Aber Schritt für Schritt. Fange ich die Erzählung mal an mit den offensichtlich besonderen Dingen und das sind vor allem die Strohballenhäuer, die inzwischen dreistöckig in den Himmel der Altmark ragen. Das ist ein sichtbares Statement! Hier geht es um Nachhaltigkeit, um Hygiene und gesundes Wohnen. Strohballenhäuser können weitgehend mit lokalen Baumaterialien hergestellt werden, was bereits den eigenen CO2-Fußabdruck reduziert. Und drinnen wohnt es sich gemütlich und gesund und vielleicht, bei sonniger Lage, sogar ohne Heizung! Doch geht es nicht nur um das einzelne Haus, es geht vor allem darum, diese Bauform auch in der Gesellschaft durchzusetzen, die Machbarkeit, die Sicherheit und die Finanzierbarkeit stehen da im Vordergrund.

Und tatsächlich sind seit 2014 Strohballengebäude in Kombination mit Holzständerbauweise in Deutschland bauaufsichtlich anerkannt worden. Das klassische Strohballenhaus hat als Konstruktionsbasis einen Holzrahmen, dessen Balken wesentlich dicker sind als beispielsweise die Dachbalken bei einem herkömmlichen Hausbau. Zwischen die Balken werden die einzelnen Strohballen eingedrückt und verdichtet. Diese Technik wird sowohl für die Dachdämmung als auch für den Bau und die Isolierung der Wände genutzt. Der Lehmputz von beiden Seiten sorgt für den Wetter- und Feuchtigkeitsschutz, innen kann auch Kalkputz verwendet werden.

Tiere gehen nicht in das Stroh eines modernen Strohballenhauses, weil es hoch verdichtet ist. Sowohl Insekten als auch größere Tiere wie Mäuse oder Ratten haben keine Chance einzudringen und auch keine Lust darauf, sie können darin keine Tunnel graben. Ein modernes Strohhaus ist, wenn es richtig gebaut wurde, frei von Ungeziefer in den Wänden.

Die dichte Komprimierung der einzelnen Strohballen ist auch Feuerschutz, denn im Inneren der Wände ist kein Platz für Sauerstoff. Wenn die Außenseite der Strohballen Feuer fangen würde, käme es aufgrund des Sauerstoffmangels also gar nicht bis ins Innere der Ballen. Die Holz-Stroh-Konstruktionen, verputzt mit Lehm oder Kalk, leisten 90 Minuten Widerstand gegen Feuer und erfüllten damit die Brandschutzklasse F90. Sollte ein Strohhaus brennen, entwickeln sich durch seine natürliche Bauart weniger giftige Dämpfe und Gase als bei einem Haus, das mit Styroporplatten gedämmt ist.

Aber Stroh schimmelt doch bei Feuchtigkeit! Ja, genauso wie es andere Dämmstoffe auch tun. Ebenso wie bei anderen Baumaterialien ist es eine Frage der guten Planung und Umsetzung, damit Schimmel erst gar keine Chance hat. Dazu gehört vor allem auch zu verhindern, dass Feuchtigkeit aus dem Inneren in der Dämmung kondensiert.

Die Entsorgung von Stroh ist denkbar einfach und im Gegensatz zu so manch anderen Dämmstoffen kann die Natur, wenn das Haus das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat, die Strohhalme innerhalb kürzester Zeit zersetzen.

Je nach Erfahrung können die späteren Bewohner:innen viel in Eigenleistung tun. Es macht Spaß, sein Haus mit aufzubauen und die Freude daran dauert danach an. Die eigene Arbeit macht alles kostengünstiger und hinterher kennt mensch sich mit dem Haus bestens aus. Wichtig ist, seine Grenzen zu kennen. Was kann ich schon, was kann ich lernen, wo frage ich die erfahreneren Fachmenschen? Gut aufgehoben ist mensch also für ein Projekt dieser Art in solcher Gemeinschaft.

Zum weiterlesen:

https://baubiologie.de/wissen/baubiologie-magazin/gemeinschaftliches-wohnen/oekodorf-sieben-linden-von-der-utopie-zur-realitaet/

Text und Fotos: chz