1985 | ein Brief an die Gesellschaft der Eigentümer

23. November 1985, mehr als ein Jahr nach der Legalisierung von Regenbogenfabrik und Wohnhaus. Aber die Zukunft des Hinterhauses scheint ungewisser denn je.

In nervtötender Wiederholung wird abwechselnd Fabrik gegen Haus ausgespielt oder manchmal auch umgekehrt. Wieder war es also notwendig geworden, die Beteiligten an den Verhandlungstisch zu bringen. Zweimal gehörte zu diesen Bemühungen auch, die Kommanditisten der beteiligten Firmen anzusprechen. Wir dokumentieren unseren zweiten Brief, der erste ist (noch?)nicht auffindbar. Dafür haben wir zu der ersten Briefaktion die Antworten parat. Dokumentiert in der Sondernummer des Südost Express zu Vogel-Braun von 1983.

Interessant zu lesen ist die Anschrift, denn komplizierter geht es kaum: AWE Gesellschaft für die Errichtung von Mieträumen mbh & Co. 2. Immobilien KG, bzw. Comforta Beteiligungsgesellschaft für Miethausbauten mbH & Co. 4. Immobilien KG

Wird heute nicht anders sein. Außer vielleicht auf Englisch.

1982 | Die Hinterlassenschaften der ehemaligen Chemiefabrik machen einen Bodenaustausch notwendig

Foto: Kostas Kouvelis
1982 Abriss des Giftschuppens

Dabei kommt es auch zum Abriss des komplett chemieverseuchten Schuppens. Vorausgegangen waren sehr aufreibende Verhandlungen, die Investoren hatten viel mehr Abriss vor. Auch davon hatten wir schon berichtet: https://regenbogenfabrik40.blog/2021/10/29/1982-vogel-braun-stellen-strafanzeige-gegen-besetzerinnen/

Am Ende war der Totalabriss abgewendet und es konnten die Voraussetzungen geschaffen werden für die Aktion der Freund:innen des Regenbogens im folgenden Mai: Es kam zur ersten Begrünungsaktion auf der alten Industriebrache.

Die Geschichte der Giftbeseitigung allerdings fing damit erst richtig an und ist bis heute nicht zu einem Ende gekommen.

chz

1983 | Besuchen Sie die Regenbogenfabrik, solange es sie noch gibt

Bericht von der sogenannten Ku-Damm Aktion am 17.11.1983:
Die Tischler hatten ihre Werkbank mitgebracht, die Fahrradwerkstatt schraubte zur Abwechslung mal im Freien, die Kinoleute zeigten recht „handgreiflich“, was sie unter Kino zum Anfassen verstehen, indem sie meterweise Film von der Rolle verschenken. Am Café-Gruppenstand konnte man sich an den selbstgebackenen Kuchen laben und die Eisfinger am heißen Kaffee wärmen. Die Kinder verteilten massenweise Luftballons und Unterschriften zur Forderung nach dem Erhalt der Regenbogenfabrik wurden gesammelt.

Wie kam es dazu?
1983 war noch kein Vertrag für die Regenbogenfabrik in Sicht, doch auch eine Räumung schien nicht bevorzustehen. Am 4. November jedoch änderte sich die Situation. Vogel & Braum schickten ein Ultimatum: Neben wüsten Beschimpfungen und Unwahrheiten, enthielt ihr Brief die Androhnung, die „sogenannte Regenbogenfabrik“ räumen zu lassen; es sei denn, der Senat habe das Geländer bis dahin gekauft. Oder die Regenbogenfabrik würde zu den gleichen Bedingungen wie ein angeblicher Gewerbeinteressent mieten – bei rund 7.000 DM/Monat. Und das nur für zwei Jahre, bis eine anhängige Klage auf Baugenehmigung entschieden ist.

Der Aktion war ein toller Erfolg beschieden. Viele Passant:innen wurden neugierig und trugen einen guten Teil zu den über 1.000 Unterschriften bei, die zur Unterstützung der Fabrik gesammelt wurden.

Der Artikel im Südost Express schloss mit den Worten: „Aber noch ist nicht aller Tage Abend und wie ist das mit dem Silberstreif am Horizont oder dem berühmten Stern von Bethlehem, als doch auch ein „Retter“ geboren wurde (und schließlich weihnachtet es doch wieder)?
Diesmal heißt er ahnenträchtig David, ist Johannas und Karls Sohn, die in der Regenbogenfabrik wohnen und ist wahrscheinlich dazu auserkoren wie einstmals David den Goliath, der diesmal Vogel & Braun heißt, zu besiegen: Mit List und Tücke und mit Steinschleudern statt Geldbomben.
Aber vielleicht woll’n wir ja gar nicht so lange warten, bis der aus den Windeln raus ist …“

Kann alles wieder nachgelesen werden im Archiv:

S. 10

Damals und heute

Vom Blechschaden zum Hostel

Blechschaden heißt es an der rohen Wand, das N mit einer Pfeilspitze nach oben. Dazu ein neues Fenster eine neu gesetzte Blechtür. Was steckt dahinter? Die Egerländer der Bewegung, die IG Blech!

Die Pfeilspitze am N erinnert mich ans Kraakerzeichen, halt nur ohne Kreis und ein bisschen verschoben in der Richtung, doch assoziativ genug. Oder?

1981 haben sich die wackeren Blechartist:innen bei uns eingerichtet, doch bis wann waren sie bei uns? Haben sie einen Raum gefunden, in dem sie so laut sein konnten wie nur nötig und nicht immer Stunden vorher einen zum Einheizen vorschicken? In unserem Jubiläumsfilm erinnern sie daran.

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/03/18/solidarische-okonomie-30-jahre-arbeit-am-regenbogen/ Die Episode zur IG Blech beginnt bei Minute 14:45.

Dass uns IG Blech immer wieder freundlich begleitet hat, das zeigen die folgenden Bilder.

2021 Eingang zum Hostel – früher Musikübungsraum der IG Blech

Und heute? Vorne im Bild ist es grüner geworden. Die Blechtür gibt’s noch immer, das Fenster hat einen Fensterladen aus Holz bekommen, gebaut von einem wandernden Gesellen.

Der Putz fällt wieder von den Wänden, manche Dinge ändern sich nie; da stehen wir zu sehr im feuchten Urstromtal. Und so muss die Fabrik auch baulich immer wieder neu gesichert werden.

chz

Fotos: Archiv der Regenbogenfabrik. Das aktuelle von 2021 von Serife aus der Reihe Damals und Heute