Dann machen wir’s halt selbst – 40 Jahre selbstorganisierte Räume in Berlin

Ausstellung im Kreuzberg Museum:

Dann machen wir’s halt selbst
– 40 Jahre selbstorganisierte Räume in Berlin

Mit: Casa Kuà, HeileHaus, Kinderbauernhof am Mauerplatz, Regenbogenfabrik, Schokofabrik

Ausstellungsdauer
27. August bis
12. Dezember 2021

Öffnungszeiten
Di-Do 12 – 18 Uhr
Fr – So 10 – 20 Uhr

www.dann-machen-wir-es-selbst.org

Bitte beachten Sie die aktuellen Covid-19 Regelungen.

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstr. 95a
10999 Berlin
fhxb-museum.de

In selbstverwalteten Initiativen drücken wir unsere Wünsche und Hoffnungen auf eine Stadt für alle aus. Fünf selbstorganisierte Projekte blicken zurück auf ihre bewegte, manchmal auch noch sehr junge, Geschichte, auf interne Konflikte und die gesellschaftlichen Kämpfe, in denen sie sich positionieren. Mit “Dann machen wir’s halt selbst” fragen wir in Form einer Ausstellung, wie in dieser ökonomisch unter Druck geratenen Stadt selbstorganisierte Räume politische Möglichkeiten offenhalten.

Projektgruppe „Dann machen wir’s halt selbst“: Heike Böziger, Barbara Bohl, Anke Peterssen, Hermann Schlegel, Andy Wolff, Christine Ziegler,

Kuratiert von: Inga Zimprich
Websitegestaltung: Judith Fehlau
Ausmalbilder von: Burcu Türker
Ausstellungsdesign: Inga Zimprich

Das FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum ist barrierearm. Über ÖPNV: U1, U3, U8 Kottbusser Tor (Fahrstuhl, 300 m); Bus M29: Adalbertstr./Oranienstr. (120 m). Das Museum hat genderneutrale und rollstuhlgerechte Toiletten (teilweise über Fahrstuhl mit Schlüssel aus dem Museumskontor zu erreichen).

„Dann machen wir’s halt selbst“ wird unterstützt von Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

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(English)

We’ll do it ourselves, then– 40 years of self-organised spaces in Berlin

With: Casa Kuà, HeileHaus, Kinderbauernhof am Mauerplatz, Regenbogenfabrik, Schokofabrik

Exhibition duration
27 August until
12 December 2021

Opening hours
Tue – Thu, 12 – 6pm
Fri – Sun, 10 – 8pm

www.dann-machen-wir-es-selbst.org

Please note the current Covid-19 regulations.

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstr. 95a
10999 Berlin
fhxb-museum.de

In taking part in self-organised projects, we express our wishes and our hopes for a city belonging to all. Here five self-managed projects look back on their eventful, sometimes still very young, histories, on internal conflicts, and on the social struggles in which they position themselves. With „We’ll do it ourselves, then“ we ask, in the form of an exhibition, how self-organised spaces keep political possibilities alive in a city under huge economic pressure.

Project group „We’ll do it ourselves, then“: Heike Böziger, Barbara Bohl, Anke Peterssen, Hermann Schlegel, Andy Wolff, Christine Ziegler.

Curated by: Inga Zimprich
Website design: Judith Fehlau
Colouring pictures by: Burcu Türker
Exhibition design: Inga Zimprich

The FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum is barrier-free. Via public transport: U1, U3, U8 Kottbusser Tor (lift, 300 m); Bus M29: Adalbertstr./Oranienstr. (120 m). The museum has gender-neutral and wheelchair-accessible toilets (partly accessible via lift with key from the Museumskontor).

„We’ll do it ourselves, then“ is supported by Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

(po polsku na koncu)

– 40 lat samorządnych przestrzeni w Berlinie

Pięć projektów: Casa Kuà, HeileHaus, Kinderbauernhof am Mauerplatz, Regenbogenfabrik, Schokofabrik

Czas ekspozycji: 27 sierpnia – 12 grudnia 2021
Godziny zwiedzania: Wt – Czw, 12 – 18 / Pią – Nie, 10 – 20

www.dann-machen-wir-es-selbst.org

Prosimy o przestrzeganie aktualnie obowiązujących przepisów Covid-19.

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstr. 95a
10999 Berlin
fhxb-museum.de

Biorąc udział w samorządnych projektach, dawaliśmy wyraz naszym potrzebom i nadziejom, że nasze miasto należy do wszystkich.

1. Kreuzberg-Stettiner Sommerfestival

1997 | Wir entwickeln unser Konzept für das deutsch-polnische Begegnungsprojekt. Wie wir schon erzählt haben, es gab in unseren Reihen nur einen Kollegen, der sich jenseits der Oder schon ein bisschen auskannte. Doch auch mitten in Berlin, so brachte er uns bei, leben viele Polinnen und Polen, merkt oft nur keine*r. Wir hatten also viel zu entdecken und so war es eine großartige Gelegenheit, dass wir im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Unterstützung des Bezirks dreimal ein großes Sommerfestival ausrichten durften; das erste gleich zweitägig am 16. und 17. August 1997.

Unsere Freundin und Kollegin Doro Knauß hat damals einen Artikel darüber verfasst:

Polnisch-Regenbogenbunt ging es rund …

Partnerschaftsengagement zwischen Kreuzberg und Stettin soll intensiviert werden – Regenbogenfabrik bietet Programm

Eine aufschlussreiche, offene Diskussion, ein multikulturelles Hoffest sowie zwei heiße Nächte mit polnischen und deutschen Bands bildeten den Rahmen für das gelungene Sommerfestival auf der Regenbogenfabrik.
Zusammen mit politisch gesellschaftlicher Prominenz wurden hierbei neue Akzente gesetzt für eine intensivere Annäherung der beiden Partnerstädte. Offene Gesprächsrunden zum Abbau von Vorurteilen, gegenseitige Besuche, Seminare, Workshops und kultureller Austausch prägen das entsprechende Konzept der Regenbogenleute, welches vom Bezirksbürgermeister nicht nur gerne angenommen wurde, sondern künftig auch unterstützt werden soll.

Kräftiges Händeschütteln begleitet von deutsch-polnischem Sprachengewirr, engagierte Musikanten, dazwischen bunt angemalte Kinder, belagerte Info-Tafeln und Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten; dieses Bild bot sich am Samstagnachmittag beim Hoffest zum Auftakt des Kreuzberg-Stettiner Sommerfestivals auf der Regenbogenfabrik. Prominenz aus beiden Partnerstädten, Bezirksbürgermeister Franz Schulz, Witold Kaminski, Vorsitzender des Polnischen Sozialrats, aus Stettin Grzegorz Depta und Maciej Denar sowie Beata Sałat, engagierte Studentin an der HU Berlin – sie hatte zur tatkräftigen Unterstützung gleich Freundinnen mitgebracht – bekundeten ihren Willen zur intensiven Zusammenarbeit.

Neueste Errungenschaft der Regenbogenfabrik sind zwei größere Gästezimmer, deren Richtfest auch gleich mitgefeiert wurde. Diese sollen allen künftigen Besucher*innen preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten bieten und sie wurden selbstverständlich neugierig in Augenschein genommen.

Heißen Sound boten die polnische Band „Dodna“, „B.Hungry“ und „Los Bigos“ aus Berlin beim nahtlosen Übergang in die Nacht, die mit einem feuchtfröhlichen Zusammensein im Regenbogen-Café bis in die frühen Morgenstunden ihren kommunikativen Abschluss fand.

Chancen und Risiken der Begegnungsarbeit
Festgefahrene Vorurteile, zu wenig Engagement, unterschiedliche Erwartungen sowie fehlende finanzielle Mittel sind Hauptursachen, für die sich seit einem Jahr nur mühselig hinschleppende Annäherung in der Partnerschaft zwischen Stettin und dem Berliner Bezirk Kreuzberg. Dies zog sich wie ein roter Faden durch die sehr aufschlussreiche Podiumsdiskussion am Sonntagmittag. Nach herzlichen Begrüßungsworten und betonter Freude über das „zuhörende Fullhouse“ erläuterte Christine Ziegler die geplanten deutsch-polnischen Vorhaben der Regenbogenfabrik: Man will sich gegenseitig in die Töpfe schauen – Kochkurse sind geplant, die Fahrradwerkstatt bietet Hilfe zur Selbsthilfe an, die ihren Höhepunkt in einer gemeinsamen Radtour nach Stettin finden soll. Für „geschickte Holzwürmer“ sind die Frauen der Holzwerkstatt zuständig. Gegenseitige Gastspiele planen die Musiker*innen, im kulturellen Austausch will sich nicht nur die Kinogruppe engagieren. Es sind entsprechende Seminare und Reisen geplant.

Gleich auf den Punkt kam Osteuropa-Historiker Aloys Ebner, der als Moderator fungierte, als er von einem Widerspruch in den deutsch-polnischen Beziehungen sprach, die sich politisch verbessert, aber zwischenmenschlich verschlechtert haben. Witold Kaminski, Vorsitzender des Sozialrats und seit 16 Jahren in Berlin, schilderte seine Schwierigkeiten, die vor allem mit den bestehenden Vorurteilen und der mangelnden finanziellen Unterstützung zusammenhängen.

Nach einem kurzen Abriss über den deutsch-polnischen Jugendaustausch, der sich in vier Jahren verdoppelt habe, stieg auch Michael Lingenthal, Geschäftsführer des deutsch-polnischen Jugendwerkes, in die Problematik ein, sprach über Vorurteile und Verlust an Kultur und Chancen für die Begegnungsarbeit, da vor allem die polnischen Kinder in Berlin nicht auffallen wollen.

Eine deutsch-polnische Schulpartnerschaft sowie ein aktiver Lehreraustausch prägen das Engagement von Ulrich Fiedler, Oberstudienrat am Carl von Ossietzky Gymnasium. Zusammen mit seinen polnischen Kollegen hat er von 1990 bis 1995 ein Schulbuch erarbeitet, welches unter anderem mit vertauschten historischen Rollenspielen und Collagen Nähe und Verständnis füreinander aufbauen soll.

Erfrischend offen erzählten Małgorzata Berezowska und Matthias Gehrmann von der Liste Spotkanie an der Viadrina Frankfurt/Oder: In ihrem Gremium arbeiten deutsche und polnische Student*innen miteinander und nicht nebeneinander, indem sie unter anderem Info-Reisen organisieren und sich ganz bewusst in Słubice – polnische Stadt nur 10 Minuten von der Uni entfernt – ein Quartier beziehen und noch vieles mehr. Ihr abschließender Appell an die Regenbogenfabrik:
„Kommt nach Słubice – Gastfreundschaft ist euch gewährt und wir werden euch in Berlin gerne einen Gegenbesuch abstatten.“

In lockerer Atmosphäre – alle mischten sich gemütlich „untereinander“ – klang diese Gesprächsrunde im Fabrikhof aus. Noch einmal ging es musikalisch laut her – toleriert von den netten Nachbar*innen – als am Abend bei „wilden Rhythmen“ der Gruppen „Pogodno und „Aliens in Wonderland“, dieses gelungene Kreuzberg-Stettiner Sommerfestival seinen Abschluss fand.

Erfreuliches Fazit: Die von der Regenbogenfabrik begonnene Spendenaktion zugunsten eines vom Hochwasser schwer betroffenen Kinderheimes in Wroclaw, wurde vom Bezirksamt im Rahmen der Kreuzberger Festlichen Tage mit einer Spende unterstützt. Stolze 7.000 DM konnte Elżbieta Blumenbach vom Polnischen Sozialrat in Empfang nehmen.

Lest dazu auch: https://regenbogenfabrik40.blog/2021/04/07/deutsch-polnische-begegnung/

Nach der Legalisierung | die Zukunft sichern

Am Ende der Selbstdarstellung schrieben wir:

Heute bemüht sich der Verein Regenbogenfabrik durch Kauf bzw. durch Erbpacht (über Senatskauf) die Projektexistenz zu sichern, wobei das wichtige Prinzip des Zusammenwohnens und –arbeitens auf der Fabrik durch den erzwungenen Kopplungsvertrag am 30.6.85 zunichte gemacht werden soll. Den Wohnraum der Menschen, die sich mit dem Projekt Regenbogenfabrik verbunden fühlen, will die Wohnbau-Design ihren Abrißplänen opfern. Wir werden uns mit den möglichen politischen sowie juristischen Mitteln und mit Eurer Solidarität dagegen wehren.

Bleibt mir für heute, daran zu erinnern, dass es bis 2011 dauerte, um für die Regenbogenfabrik den schon damals erstrebten Erbpachtvertrag abzuschließen.

Auch dem Wohnhaus stand eine lange Geschichte bevor. Es war schließlich 1985 gelungen, für das Haus einen Vertrag über fünf Jahre zu erkämpfen. In dieser Zeit konnte sogar die Finanzierung der Instandsetzung in Selbsthilfe durchgesetzt werden. Doch erst 1990 konnte ein 30-jähriger Vertrag abgeschlossen werden.

Knapp vor Ende dieses Vertrags erst gelang es, das Haus in eine Genossenschaft zu bugsieren. Dieses Haus ist nun endgültig der Spekulation entzogen. Dazu hatten wir schon am 23. Juni geschrieben: „Als wir, die Hausgemeinschaft Hinterm Regenbogen…

Titelbild: ehemaliges Wandbild im RegenbogenKino, entstanden vermutlich 1985

1984 | wackeliger Weg zur Legalisierung

Unsere Unterstützer*innen und wir, wir haben uns echt Sorgen gemacht. Gefeiert haben wir trotzdem oder gerade deswegen.

Foto: Michael Hughes, 1984

Auf jeden Fall wurde später – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal – das Ende des Regenbogens befürchtet:

Die Verhandlungen hören nicht auf, die Frequenz der Treffen erhöht sich. Irgendwann scheint es nicht weiterzugehen:

1.8.1984 | Nach ständigem Auf und Ab, nach zahllosen Verhandlungsrunden, nach Monaten drückender Ungewissheit und ständiger Räumungsangst kommt es zur Legalisierung. Ein Konvolut zweifelhafter Verträge sieht eine Kopplung der Grundstücke von Fabrik und Hinterhaus/Seitenflügel vor: Bewohner*innen und Betreiber*innen der Fabrik werden gezwungen, einer Jahresfrist für den Wohnraum beizupflichten, um die Existenz der Fabrik nicht zu gefährden. Abgeschlossen wurden diese Verträge:
für das Café vom 1.5.84 bis zum 31.12.89,
für den Seitenflügel Lausitzer Straße 22a vom 1.5.84 bis zum 31.12.85 (Vormietvertrag, dem Einzelmietverträge folgen sollen),
das 2. Hinterhaus Lausitzer Straße 22a/23 vom 1.5.84 bis zum 30.6.85 (ohne Verlängerungsmöglichkeit),
für die Fabrik vom 1.5.84 bis zum 31.12.85 (einschließlich Kaufoption bis zum 31.12.85)

Zur Deckung der daraus entstehenden, für uns immensen, Kosten erhalten wir aus dem sog. Finktopf (benannt nach dem damaligen Senator für Gesundheit und Soziales Ulf Fink) ab 1984 für einige Jahre eine jährliche Zuwendung. Weder Personal- noch Sachmittel werden uns wegen der „ungeklärten Situation“ bewilligt. Nur in den KiTas und über einige AB-Maßnahmen kann die Arbeit weniger bezahlt werden.

Es blieb also viel zu tun! Wie die Wohnungen sichern? Das ist eine weitere lange Geschichte.

PS: das Bild am Anfang des Beitrags wurde übrigens 1986 aufgenommen. Im schlussendlich geretteten Hinterhaus konnten die Baumaßnahmen beginnen. Unterstützt wurden wir für ein paar Wochen im Sommer von vielen internationalen Unterstützer*innen eines Workcamps des Service Civil International (SCI).