1985 | ein Brief an die Gesellschaft der Eigentümer

23. November 1985, mehr als ein Jahr nach der Legalisierung von Regenbogenfabrik und Wohnhaus. Aber die Zukunft des Hinterhauses scheint ungewisser denn je.

In nervtötender Wiederholung wird abwechselnd Fabrik gegen Haus ausgespielt oder manchmal auch umgekehrt. Wieder war es also notwendig geworden, die Beteiligten an den Verhandlungstisch zu bringen. Zweimal gehörte zu diesen Bemühungen auch, die Kommanditisten der beteiligten Firmen anzusprechen. Wir dokumentieren unseren zweiten Brief, der erste ist (noch?)nicht auffindbar. Dafür haben wir zu der ersten Briefaktion die Antworten parat. Dokumentiert in der Sondernummer des Südost Express zu Vogel-Braun von 1983.

Interessant zu lesen ist die Anschrift, denn komplizierter geht es kaum: AWE Gesellschaft für die Errichtung von Mieträumen mbh & Co. 2. Immobilien KG, bzw. Comforta Beteiligungsgesellschaft für Miethausbauten mbH & Co. 4. Immobilien KG

Wird heute nicht anders sein. Außer vielleicht auf Englisch.

Eine Mauer reicht

Äh? Kenner:innen werden aufmerken. Was soll denn dieses Flugblatt im November, das war doch Mai. Stimmt. Doch am 11.11.1980 wurde der Zwischenbericht Oranienplatz der IBA veröffentlicht. Was werden sie damit tun? Ist er überschrieben. Und es geht um die Beschreibung des Planungsprozesses mit den Anwohner:innen.

Bevor alles in die gefeierte Einbeziehung der Anwohner:innen mündete, brauchte es diese Aktion: Auf dem Oranienplatz wird eine vom Bezirksamt gerade erst errichtete Mauer, die vielen Anwohner:innen sinnlos erscheint, niedergerissen.
In einem Handgemenge zieht ein Polizist eine Waffe. Ein Beteiligter schlägt daraufhin den Beamten mit einem Knüppel eins über und wird verhaftet. (Das Urteil wird am 27.01.81 verhängt: zweieinhalb Jahre).

Doch erst mal das Flugblatt zum besser lesen in groß:

Leider wurde der IBA-Bericht starken Schwärzungen unterworfen und sollte wohl besser direkt im Archiv eingesehen werden. Trotzdem für alle Neugierigen hier der Nachweis:

Einberufung der „Kottigruppe“

So sah also das erste Fundraising der Regenbogenfabrik aus. Tja, 316.000 DM, mit Kaufnebenkosten etwa 330.000 DM, das kam uns damals vor wie viel Geld. Was wäre uns erspart geblieben, wenn wir damals den Kauf wirklich durchgeführt hätten? Was wäre stattdessen schräg gelaufen? Wer weiß. Auf jeden Fall wurden die Pläne zurückgestellt, da der Senat seinen Kaufbeschluss verkündet hatte. Bekanntermaßen wurde dann erst in den 90er Jahren gekauft.

Letzte Frage: Warum Kottigruppe? Der Standardschnorrerspruch damals am Kotti war: Haste mal ne Mark fürn besetzes Haus?

Wie war es damals? – Wie ist es heute?

Dienstag, 26.10.2021, 19 Uhr

RegenbogenKino in der Lausitzer Str. 22, 10999 Berlin-Kreuzberg
Begleitprogramm zur Interventions-Ausstellung im FHXB Museum
„Dann machen wir’s halt selbst – 40 Jahre selbstorganisierte Räume in Berlin“

Heilehaus, Kinderbauernhof am Mauerplatz, Regenbogenfabrik und Schokofabrik.
Eine Gesprächsrunde mit Frauen, die in den Projekten – teilweise von Anfang an – aktiv sind:
Barbara (Heilehaus), Heike (Kinderbauernhof), Christine (Regenbogenfabrik), Anke (Schokofabrik)
Moderation: Andy Wolff (Regenbogenfabrik)

Für diese Veranstaltung gilt 3G.

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stiftung „Menschenwürde und Arbeitswelt“. 
Eintritt frei!

PS: Wer kann sich noch an den einen Sommer erinnern, an dem der Pamukkale-Brunnen funktioniert hat? Wer hat davon Fotos?