Hättet ihrs gewusst? Noch in den 80er Jahren lernten Kreuzberger Kinder diese Lokalität kennen, wenn sie sich die Läuse eingefangen hatten. Da hatte sicher keineR geahnt, dass die Gebäude schon einhundert Jahre alt waren.
In der Ohlauer Straße 39/41 steht nämlich Deutschlands älteste Desinfektionsanstalt. Damals war das hochinnovativ. Konkreten Anlass zum Bau der Desinfektionsanstalt gab die damals vor in vielen Teilen Europas grassierende Cholera.
„Die städtische Anstalt in der Ohlauer Straße hatte die Aufgabe, mit Erregern verseuchte „Effekten“, das sind kleinteilige Dinge wie Bekleidung und Hausrat, zu desinfizieren, wozu man heiße Dampfluft verwendete. Nach Inbetriebnahme der Desinfektionsanstalt begannen die Angestellten umgehend mit der Entseuchung des gesamten Stadtgebiets. Verseuchte Gegenstände wurden von den Anstaltsmitarbeitern mit speziellen Wagen abgeholt und nach Behandlung auch wieder zurückbefördert. Seit 1890 nahm man jedoch auch vor Ort ganze Wohnungsdesinfektionen vor. Die Anlage wurde fortwährend baulich verändert und erweitert. 1925 richtete man eine Gaskammer zur Ungeziefervernichtung ein; 1961 folgte der Einbau einer Entlausungsanlage. 1987 musste die Desinfektionsanstalt geschlossen werden.“
https://denkmaldatenbank.berlin.de/daobj.php?obj_dok_nr=09031216


Sehr anschaulich wird die Desi auch in der tollen Kreuzberger Chronik beschrieben, was sie bereits 2003 veröffentlicht haben:
https://kreuzberger-chronik.de/bibliothek/2003/februar/geschichten.html
Und last but not least möchte ich euch ein Video von einer Führung mit Martin Düspohl ans Herz legen:
Das Gebäude wurde sehr schön wieder hergerichtet, den eigentlichen Zweck kann mensch nun nicht mehr sofort erkennen. Neue Nutzungen, zum Teil zusammen mit der dahinter liegenden Schule und durch das lebendige Theater Metropolis bringen auch heute viele Menschen in diese Mauern.


chz
Fotos: Maja Schuler, Martin Cames, Christine Ziegler
