Mehr Farbe ins Leben bringen

Der Name verpflichtet, oder? Jedenfalls hat sich unser Kollege Simon enorm ins Zeug gelegt und nun strahlt die Fabrik in allen Farben des Regenbogens. Angefangen hat es mit dem neuen Abfalleimer.

Es folgten die Palisaden des Kulturhügels. Die waren im Frühjahr 2023 fertiggestellt worden. https://regenbogenfabrik40.blog/2023/05/26/hipp-hipp-hooray-der-hugel-ist-fertig/

Die Steine rings um den Spielplatz hatten auch eine Auffrischung nötig. Viele flinke Füße waren drübergelaufen.

Im Herbst 2021 hatte Serife die Steine schon mal farblich hervorgehoben: https://regenbogenfabrik40.blog/2021/09/16/sammel-steine-tag/

Doch nicht nur das: im Sommer des gleichen Jahres schwammen plötzlich Krokodile durch den Sand des Hofes.

Im August hatte sich auch die Einfahrt mit Hilfe von Simon regenbogenfarben gezeigt.

Vielen Dank an Simon und Serife für das Spiel mit den Farben!

Fotos: chz

Wichtiges Update!

„Jetzt fühle ich mich aber etwas zu überpräsentiert“, schreibt mir Simon.

„Der schöne Mülleimer war nur dank Jhon, der eine neue Tonne dort hingebaut hatte, möglich. 

Und die Pallisaden sowie die Steine hätte ich ohne die Hilfe von Léonie, Lukas, Peter, Jhon und ein paar flinken Kinderhänden wohl kaum so schnell angemalt bekommen…“

Aber so ist es eben: zusammen kommen wir immer weiter als alleine.

Also Dank an Alle, die dabei waren!

If you want to sing out: SING OUT! Der (30.) Mitsingabend mit Jens Svenson

Der 30. Mitsingabend mit Jens Svenson ist für Freitag, 22.08.2025 | 20:00 | im RegenbogenKino geplant. Auch wenn sich das Layout mal ändert, es bleibt beim bewährten Konzept! Singen verbindet, also tun wir es gemeinsam. Schön, schräg, flüsternd, laut, wütend, zart… Liederbücher und Liedbegleitung sind vorhanden. Gesungen wird auf Zuruf alles, was wir finden, gesungen werden will und unser Episkop an die Wand wirft: Bekannte, abseitige, nachdenkliche, lustige… Lieblingslieder.

So lautet die aktuelle Einladung zum Mitsingding.

2017 im Januar trafen wir uns zum ersten Mal mit dem Wunsch, einfach mal loszusingen.

Ich glaube, wir hatten ziemlich Glück mit dem Publikum an diesem Abend. Alle waren sehr entschlossen zu singen und niemand hat sich von einer Panne aus der Bahn werfen lassen. Dabei gab es an dem Abend die Menge, denn wir übten noch mit unserer wunderbar improvisierten Ausstattung. Das hatten wir im Blog schon mal gewürdigt:

https://regenbogenfabrik40.blog/2022/01/13/2017-1-mitsingabend-im-regenbogencafe/

Dazu hatten wir einen langen Vorlauf. Die ersten Mails tauschten Jens und ich im September 2016. Und schnell verabredeten wir uns für einen „Forschungsausflug“. Wir waren ja nicht die ersten, die von der Idee des Mitsingabends erfasst waren. Inspiriert hatten uns bunte Abende in der Musikschule am Ende eines Schuljahres. Beeinflusst waren wir von unzähligen Lagerfeuern mit Blowin in the Wind. Auch vergangene Programme mit spontaner Publikumsbeteiligung im Café förderten unser ernsthaftes Weiterträumen. Die Recherche führte uns im Oktober zur Ufa-Fabrik zum Schalala-Das Mitsingding-Abend, den wir beide als beflügelnd erlebt haben. Vor allem auch das eingespielte Publikum, das wie ein Mensch aufstand, als alles losging, war beeindruckend.

Doch eines war uns danach auch klar: Auch wenn der perfekt vorbereitete Abend uns beeindruckt hatte, wir wollten keine Vorgaben beim Programm machen, nur das erste und das letzte Lied sind bei unserem Mitsingding traditionell festgelegt. So singen wir von der ersten Veranstaltung an was die Liederbücher hergeben und was sich Jens als Begleitung zutraut. Und das ist eine Menge.

Jens erinnerte sich: „Vronis und meine letzte Probe am Mittwoch war oben im DG am runden Tisch. Das war atmosphärisch ganz schön, wie die Noten da so ausgebreitet lagen und hat mich auf das Stichwort Singen am Küchentisch oder Küchen- oder Wohnzimmerkonzert gebracht und auf die Idee zB. einen runden Tisch (mit Kerze oder Lichterkette) mit Liederbüchern darauf in die Mitte zu Stellen in denen jeder Blättern kann und auf dem z.B. auch noch ein paar Shaker oder Kämme liegen.

Dann könnte man mittels eines Projektors (der so etwas eben kann…) direkt aus den Büchern an die Wand projizieren… technische Umsetzung noch nicht bis zum Ende durchdacht, aber fänd ich fast noch schöner als mit Laptop.

Dann bin ich noch über so einen alten Folksong gestolpert, „How can i keep from singing“, was könnte mich vom Singen abhalten, den ich mir für den Einstieg von uns gemeinsam gesungen vorstellen könnte.“

Polylux oder Overhead-Projektor! Wer hat denn sowas noch? Gefunden hatten wir mal einen, aber der war so laut, das haben wir gleich wieder seinlassen und sind zu unserem eigenen Konstrukt zurückgekommen.

Und so kam es zur ersten Einladung:
Es gibt ein Leben zwischen Karaoke und Chor
Jens Klein-Bösing singt mit und für uns!
13.1.17 | 19 Uhr | RegenbogenCafé

„How can I keep from singing?“
– „Was könnte mich vom Singen abhalten?“

Von diesem Lied ausgehend singen wir uns durch ein paar Kanons und Klassiker, bevor wir dann ganz offen und auf Zuruf singen, was in den vorhandenen Liederbüchern zu finden ist und schauen, was passiert.

Jeder kann singen – keine Angst vor falschen Tönen!!!

Eintritt frei – Spenden willkommen.

Auswertung des ersten Abends:

lieber jens,
ein paar bilder von elisabeth und noch ein paar sehr verwackelte, die ich aber nicht weglöschen wollte, findest du hier.
ich hab nur grob aussortiert, weil auch die unscharfen bilder was von dem spirit des abends transportieren. das war ein echtes geschenk!
und die mischung war doch prima. elisabeth, die einfach spaß am singen hatte, moni, die sich seit tagen drauf freute, martin, der in seinem sabbatjahr ganz viel musik machen will und dann noch die vielen leute, die wir beide gar nicht kannten. das war schon was besonderes.
vielen, vielen lieben dank, du hast das großartig gemacht. deine sicherheit mit der musik hat uns allen den spaß erst richtig ermöglicht.
liebe grüße
christine

Nach acht Jahren können wir bestimmte Evergreens in unserem Programm feststellen. Manches Lied gehört zu bestimmten Stammgäst:innen. Manche Lieder werden immer neu aufgerufen, obwohl wir längst wissen, dass wir jenseits des Refrains aus der Kurve fliegen.

Leaving on the jetplane | I will survive | What s up | Junimond | Hit the Road Jack

Wir merken der Auswahl an, dass das Durchschnittsalter etwas höher liegt. Doch das ist nicht immer so. Je nachdem, wie wir im turbulenten Berlinleben so auffallen, kommt auch mal ein ganzer Schwung junger Menschen, die sich begeistert die Texte aus dem Netz holen, weil vor der Leinwand einfach kein Platz mehr ist.

Wieso machen wir das eigentlich? Singen bringt Leute zusammen. So ein Abend macht zufrieden und froh. Stellt mensch dem Internet die Frage, dann kommt eine Fülle von positiven Auswirkungen des gemeinsamen Singens. Von der „Eisbrecherwirkung“ ist die Rede, Teilnehmer:innen fühlen sich schneller miteinander verbunden. Glückshormone werden im Körper auf den Weg geschickt. Können wir alles bestätigen 🙂

Deshalb gibt es auch landauf, landab viele Gelegenheiten, das gemeinsame Singen zu erleben.

https://rudelsingen.de/

https://ufafabrik.de/veranstaltung/37430/schalala-das-mitsingding

https://singalong.de/

Was auch cool aussieht: ViertelTöne, gesehen in Köln-Ehrenfeld.

https://www.allerweltshaus.de/veranstaltungen/vierteltoene:-mitsingkonzerte-von-und-fuer-nachbar*innen-in-vielen-sprachen

Und zu guter Letzt noch ein Hinweis darauf, weshalb es ein weiteres Lieblingslied für uns gibt:

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/03/13/148/

Auf weitere 30 Mal?! Ich finde schon! So lange Jens es mit uns aushält. Vielen Dank für diese vielen guten Erlebnisse! Margaux wird uns da zustimmen:

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/05/09/regenbogenfabrik-blog-margaux-blache/

Text und Fotos: chz

Trenntoiletten in Sieben Linden

Wie bei allen Themen, bei denen mensch sich entscheidet, es genauer wissen zu wollen, tut sich hier ein Reich von Fragen auf. Wir beantworten hier nur einige.

Wieso kommen Leute drauf, in ihrer Wohnung Trenntoiletten einzurichten? Seit den Zeiten von James Hobrecht und den schlimmen Erfahrung in Zeiten der Cholera in den Großstädten scheinen doch alle froh darüber, dass es ein etabliertes System gibt. Ok, am Rand, beim Campen, auf einem Festival, draußen in der Pampa, da gibt es keine Wasserleitung, da ist es gut, eine Alternative zu haben. Wieso tun sich Leute das an, da was Neues auszutüfteln? Was irre viel Arbeit macht und auch heißt, die Scheiße auch mal umzurühren, damit was Gutes draus wird.

Aber es gibt Gründe. Wasser sparen ist nur der offensichtlichste. Nachdem der ehemalige Hof, auf dem mit Sieben Linden alles begann, nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen war, entschieden sich die Leute, in ihren Häusern keine Wassertoiletten zu installieren und dies als Teil des ökologischen Projektes zu nutzen. So setzten sie von Beginn an konsequent selbst entwickelte Komposttoiletten mit Urinseparation ein. Ihre Komposttoiletten tragen dazu bei, dass bei ihnen ca. die Hälfte des Wasserverbrauches im Vergleich zum Bundesdurchschnitt verbraucht wird. Auch ist ihr Abwasser erheblich weniger verschmutzt. So benötigen sie eine deutlich kleinere Pflanzenkläranlage als dies mit Wassertoiletten der Fall wäre.

https://playground.siebenlinden.org/de/wasser-jeder-tropfen-zaehlt

Wenn wir tiefer einsteigen, kommen noch andere Vorteile zum Tragen. In Pippi und Kacka steckt nämlich noch einiges drin, das es wert ist wieder benutzt zu werden. Und das ist einfacher zu gewinnen, wenn es nicht erst in eine Kläranlage fließt, aus der es aufwändig wiedergewonnen werden muss. Durch den Gehalt an Stickstoffverbindungen (bei Säugetieren einschließlich der Menschen vor allem Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin), Phosphaten sowie Kalium- und Calciumsalzen u. a. m. kann Urin als Lieferant von Pflanzennährstoffen dienen. Exkremente können in nähstoffreichen Humus umgewandelt werden.

Es war einmal ein Plumpsklo im Briesetal

Die Leute in Sieben Linden schreiben: „Für verschiedene Zwecke nutzen wir verschiedene Varianten von Komposttoiletten. Wir sind intensiv im Austausch mit anderen Komposttoiletten-Erfahrenen, um zum einen für die Nutzer*innen den Komfort zu erhöhen, und andererseits die Wertstoffe in den Fäkalien gut weiter verwenden zu können.

Derzeit nutzen wir den Kompost aus Fäkalien nur für Hecken- und Baumpflanzungen, und den Urin mit seinen wertvollen Rohstoffen (Phosphate werden immer knapper!) nur in Einzelfällen.

Wir sind überzeugt davon, dass die Nutzung der Nährstoffe in unseren Fäkalien noch verbessert werden kann und sind derzeit am Recherchieren, wie wir unsere „Nährstoffkreisläufe“ sinnvoll schließen können. Unser Ingenieur Werner Dyck hat zu unserem augenblicklichen Stand und den möglichen Perspektiven ein ausführliches Dokument erstellt.

Die Fäkalien kommen auf unsere genehmigte Kompostanlage, wo der Kreislauf geschlossen wird und aus den Fäkalien wieder wertvolle Nährstoffreiche Erde wird. Diese wird für Baum- und Strauchpflanzungen verwendet. Auch für diesen Prozess suchen wir schon nach Alternativen. Denn auch beim Kompostierungsprozess werden klimaschädliche Gase frei. Ebenso kommt die Anlagengröße bald an ihren Grenzen und reicht noch nicht aus für eine geplante Dorfgröße von 300 Menschen. Aktuell experimentieren wir mit einer kleinen Biogasanlage, in der aus den Fäkalien statt Komposterde Biogas und Flüssigdünger entstehen. Das Biogas kann wiederum zum Kochen verwendet werden und das zugekaufte Propangas teilweise ersetzen. Was zurzeit noch ein Experiment ist, könnte in Zukunft eine Lösung für anfallende Küchenabfälle und Fäkalien werden.“

https://siebenlinden.org/de/oekodorf-sieben-linden/oekologie/kompost-toiletten

Und wer noch richtig sich reinnerden will, findet hier im Podcast aus Sieben Linden weitere Informationen:

https://playground.siebenlinden.org/de/folge-18kacke-kompost-geschaefts-fuehrung-packt-an-champa-stefan-jungbluth/

zu allen praktischen Fragen sei auch hierauf verwiesen: https://www.kildwick.com/de/faq

Denn meine Lebenserfahrung zeigt: Es gibt auch schwierige Zeiten der Verdauung und nicht alles, was wir der Tonne übereignen, ist für den späteren Gebrauch geeignet. Nicht umsonst wird, bei Krankheit darum gebeten: Ist der Durchfall die Folge einer Erkrankung, solltest du von einer Kompostierung der Feststoffe absehen und den Beutel gut verschlossen über den Hausmüll entsorgen.

Das zeigt: alles gewöhnungbedürftig und vielleicht hätte es am Anfang eine Triggerwarnung geben müssen: Nicht zum Frühstück lesen. Sich dieser Art von Geschäft zu widmen ist allerdings auch ein ehrenwerter und wichtiger Beitrag zur Gemeinschaft. Und es ist nur gerecht, wenn alle sich damit beschäftigen. Und wie wichtig der Zugang zu sauberen Toiletten ist, das zeigen viele Initiativen spätestens am Welttoilettentag.

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/11/19/welttoilettentag-19-november/

Text und Fotosammlung: chz

Strohballenhäuser in Sieben Linden

Im Frühling 2025 waren wir zu Besuch im Öko-Dorf Sieben Linden. Eine liebe Bekannte hatte sich entschlossen, ihren Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Sie hatte alle wichtigen Prozesse und Entscheidungen hinter sich und war bereit, den Umzug zu starten. So war unsere Neugier endlich groß genug gewachsen. Wir wollten zwar längst alles mit eigenen Augen sehen, doch der Entschluss, zu fahren war immer wieder nicht kräftig genug. Denn eine Herausforderung ist es schon, mit Bus und Bahn von Berlin bis in die Altmark zu kommen. Zwei Regionalzüge und zwei Busse, dann standen wir dann aber doch auf der zum Dorf gehörenden Wendeschleife an der Bushaltestelle und wurden liebevoll empfangen.

Wir sind voll mit großen Erinnerungen in die Stadt zurückgekehrt. Ich muss dazu sagen, dass ich das Leben auf dem Lande in früher Jugend schon hatte und es nicht sehr cool fand. Freunde waren immer anderswo, die Busverbindungen miserabel, Kultur gab es nur in der Stadt. Ich war gepolt auf Landflucht, rein in die Stadt. Und ein bisschen gilt das bis heute. Und was hat mich nun –  ganz gegen diese Voreinstellung –  an dem Ökodorf fasziniert? Dem möchte ich mich in einzelnen Bereichen nähern. Seid also bereit für Fortsetzungen der Erzählung.

Das Ökodorf ist ein Gegenentwurf zum isolierten Wohnen, zur kulturfreien Zone, es bietet jede Menge soziale Kontakte vor Ort. Und oben drauf treffen hier Leute zusammen, die es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit. Sie wollen dringend ihren ökologischen Fußabdruck verringern. Sie wollen beweisen, dass eine andere Welt möglich ist. Und das meinen sie nicht nur technisch, sie haben sich auch viel Gedanken über das Zusammenleben und ihre wirtschaftliche Organisation Gedanken gemacht. Themen also, die uns als Bewohner:innen eines Selbsthilfehauses so richtig fragelustig machen. Also nichts wie rein in die Erforschung der anderen Welt, die da am Horizont leuchtet!

Zurück zur Wendeschleife: Gleich waren wir umfangen vom eigenen Flair des Ortes. Denn ab jetzt galt: autofrei und Handy aus. So kamen wir gleich beim ersten Schritt ins Dorf hinein ins Gespräch über die Regeln der Gemeinschaft, ein Gespräch, das über das ganze Wochenende nicht abriss. Denn es ist schon sehr auffällig, wie sorgfältig die einzelnen Aspekte des gemeinsamen Lebens durchdacht worden waren. Und wir trafen immer neu Menschen, die bereit waren, ihre Erfahrungen zu teilen und zu diskutieren.

Auch wenn die baulichen Aufgaben und der große Selbstversorgergarten schon beeindruckende Werke sind, die soziale Architektur beschäftigt einen dann schon ganz besonders, wenn eine gute Freundin so einen Schritt wagt und wir wissen wollen, wie es ihr damit geht.

Last but not least war der Umgang mit den ungewohnten Kompost-Toiletten einerseits faszinierend, aber die Phantasie konnte Einem auch durchgehen: Was wohl passiert, wenn einen die Verdauung besonders plagt? Alles Gewohnheit, klar.

Aber Schritt für Schritt. Fange ich die Erzählung mal an mit den offensichtlich besonderen Dingen und das sind vor allem die Strohballenhäuer, die inzwischen dreistöckig in den Himmel der Altmark ragen. Das ist ein sichtbares Statement! Hier geht es um Nachhaltigkeit, um Hygiene und gesundes Wohnen. Strohballenhäuser können weitgehend mit lokalen Baumaterialien hergestellt werden, was bereits den eigenen CO2-Fußabdruck reduziert. Und drinnen wohnt es sich gemütlich und gesund und vielleicht, bei sonniger Lage, sogar ohne Heizung! Doch geht es nicht nur um das einzelne Haus, es geht vor allem darum, diese Bauform auch in der Gesellschaft durchzusetzen, die Machbarkeit, die Sicherheit und die Finanzierbarkeit stehen da im Vordergrund.

Und tatsächlich sind seit 2014 Strohballengebäude in Kombination mit Holzständerbauweise in Deutschland bauaufsichtlich anerkannt worden. Das klassische Strohballenhaus hat als Konstruktionsbasis einen Holzrahmen, dessen Balken wesentlich dicker sind als beispielsweise die Dachbalken bei einem herkömmlichen Hausbau. Zwischen die Balken werden die einzelnen Strohballen eingedrückt und verdichtet. Diese Technik wird sowohl für die Dachdämmung als auch für den Bau und die Isolierung der Wände genutzt. Der Lehmputz von beiden Seiten sorgt für den Wetter- und Feuchtigkeitsschutz, innen kann auch Kalkputz verwendet werden.

Tiere gehen nicht in das Stroh eines modernen Strohballenhauses, weil es hoch verdichtet ist. Sowohl Insekten als auch größere Tiere wie Mäuse oder Ratten haben keine Chance einzudringen und auch keine Lust darauf, sie können darin keine Tunnel graben. Ein modernes Strohhaus ist, wenn es richtig gebaut wurde, frei von Ungeziefer in den Wänden.

Die dichte Komprimierung der einzelnen Strohballen ist auch Feuerschutz, denn im Inneren der Wände ist kein Platz für Sauerstoff. Wenn die Außenseite der Strohballen Feuer fangen würde, käme es aufgrund des Sauerstoffmangels also gar nicht bis ins Innere der Ballen. Die Holz-Stroh-Konstruktionen, verputzt mit Lehm oder Kalk, leisten 90 Minuten Widerstand gegen Feuer und erfüllten damit die Brandschutzklasse F90. Sollte ein Strohhaus brennen, entwickeln sich durch seine natürliche Bauart weniger giftige Dämpfe und Gase als bei einem Haus, das mit Styroporplatten gedämmt ist.

Aber Stroh schimmelt doch bei Feuchtigkeit! Ja, genauso wie es andere Dämmstoffe auch tun. Ebenso wie bei anderen Baumaterialien ist es eine Frage der guten Planung und Umsetzung, damit Schimmel erst gar keine Chance hat. Dazu gehört vor allem auch zu verhindern, dass Feuchtigkeit aus dem Inneren in der Dämmung kondensiert.

Die Entsorgung von Stroh ist denkbar einfach und im Gegensatz zu so manch anderen Dämmstoffen kann die Natur, wenn das Haus das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat, die Strohhalme innerhalb kürzester Zeit zersetzen.

Je nach Erfahrung können die späteren Bewohner:innen viel in Eigenleistung tun. Es macht Spaß, sein Haus mit aufzubauen und die Freude daran dauert danach an. Die eigene Arbeit macht alles kostengünstiger und hinterher kennt mensch sich mit dem Haus bestens aus. Wichtig ist, seine Grenzen zu kennen. Was kann ich schon, was kann ich lernen, wo frage ich die erfahreneren Fachmenschen? Gut aufgehoben ist mensch also für ein Projekt dieser Art in solcher Gemeinschaft.

Zum weiterlesen:

https://baubiologie.de/wissen/baubiologie-magazin/gemeinschaftliches-wohnen/oekodorf-sieben-linden-von-der-utopie-zur-realitaet/

Text und Fotos: chz