in memoriam – Ulla

Eine wichtige Begleiterin der Regenbogenfabrik und ihrer Menschen! Von Beginn an, war doch Otur ve yasa – Wohnen und Leben – eine der ersten Anlaufstellen für Unterstützer:innen der Besetzer. Und Ulla blieb uns über die Jahre verbunden, sei es in der gemeinsamen Arbeit für das Mädchenprojekt Rabia, sei es mit den von ihr so geliebten Ausflügen auf den längsten Berliner Buslinien. Auch war sie die treueste Besucherin ALLER Ausstellungen im RegenbogenCafé, Fotos oder Malerei, politisches oder poetisches Thema. Ging am Tag nach der Vernissage um 10 Uhr der Rollladen hoch, stand Ulla schon vor der Tür, verlangte nach Kaffee und Kuchen und vertiefte sich konzentriert in die präsentierten Werke, um danach genießerisch den Kuchen über den grünen Klee zu loben.

Auf dem Bild ist sie mit der prächtigen blauen Stola zu sehen, das sind die 80er Jahre, Anette war bei Wohnen und Leben ihre Praktikantin. Ulla, so sagen viele, du konntest so herrlich lachen und lebendig berichten über alles Mögliche, was du erlebt und gemacht hast – und du hast viel erlebt und getan! Und genauso gut konntest du zuhören. Man merkte immer, dass es dich wirklich interessiert, was du fragst, dass du Anteil nimmst am Leben anderer.

Den 60sten Geburtstag haben wir in der Kantine ausgerichtet. Deine Schwester hat uns angestiftet, dein Lieblingslied zu singen. So haben wir für dich rote Rosen regnen lassen und uns redlich bemüht, Frau Knef nicht zu sehr zu verpassen.

Wen wunderts, dass wir das für dich auch beim Abschied gesungen haben?

PS: Diese aktuelle Nachricht hätte Ulla bestimmt nicht gefallen:
https://plus.tagesspiegel.de/berlin/das-ende-einer-tradition-die-bvg-stellt-die-buslinie-104-ein-283444.html

in memoriam – Gerhard Ptok, genannt Flocky

Vor neun Jahren, am 31.10.2012 ist Flocky gestorben. Ein leichter Tod war es nicht, der Weg dahin war von schweren Krankheiten geprägt.

Was er vor seiner Zeit in der Regenbogenfabrik getan hat? War damals nicht so Thema, aber ich kriegs vielleicht noch raus. Stadtteilzentrum sollte auch hier das richtige Stichwort sein. Spaß an Fußball gehört auf jeden Fall dazu.

Obwohl er trockener Alkoholiker war, hat er tüchtig/tapfer bei einem großen Fest den ganzen Abend Bier gezapft.

Unser erster Hausmeister ist er geworden und hat den Job viele Jahre gemacht. Er hatte auch die Durchsetzungsfähigkeit dafür, hat aber auch mal dabei übertrieben. Doch auch, wenn die Kinder Respekt vor seinem rauhen Ton hatten, man brauchte nie Sorge zu haben, dass er einem auch nur ein Haar krümmt.

Mit unser und meins nahm er es nicht so genau: Wenn er als Hausmeister der Regenbogenfabrik was geschenkt bekam: Wem gehörte das? Nach unserer Meinung: Der Fabrik. Er sah das manchmal recht anders! Doch so ist das, wenn jemand in jedem Ding noch eine Ressource entdeckt und eine Idee hat, was damit gebastelt werden kann. Siehe auch das doppelte Fahrrad, das in den Bildern vorkommt. Doch welcher Bastler hat schon ein großes Lager, das groß genug ist?
Jedenfalls verschwammen da die Abgrenzungen.

Zu den Einrad-Kindern: Die haben aber geizige Eltern, die haben jedem Kind nur ein Rad gegeben.

1985 | Flocky und David

24.7.1985 | Bausenator Franke hält sich zur Besichtigung von Selbsthilfeprojekten in Kreuzberg auf – die RegenböglerInnen veranstalten einen Umzug dorthin unter dem Motto: „Regenbogenfabrik tut gut!“ siehe unser Beitrag im Juli: https://regenbogenfabrik40.blog/2021/07/24/wer-bekommt-schon-eine-demo-zum-geburtstag-geschenkt/

in memoriam – Conny van Geisten

Heute Conny in eigenen Worten, sein Grußwort zum 25-jährigen Jubiläum der Regenbogenfabrik 2006

Ihr führtet den klassischen Kampf der Instandbesetzerbewegung: gegen Spekulation, gegen den Abriss der Häuser und der Fabrik und gegen den geplanten Neubauklotz im Blockinnenbereich. Ihr kämpftet für den historischen Ort, für die kleine Fabrik und die vielen Möglichkeiten sie zu nutzen.

Ihr wart durch und durch antiautoritär (nur das Plenum entschied alle Fragen), aber Ihr hattet trotzdem eine Organisation mit Sprechern für die verschiedenen Bereiche. Ihr habt euch aber nie gegenüber anderen abgeschlossen, ihr wurdet keine „in-group“ nur für eine Szene.

Ihr wart fleißig und konsequent, hattet selbst gute Ideen und habt das meiste selbst gebaut oder organisiert. Ohne euch hätten wir, die Altbau IBA später S.T.E.R.N., das neue städtebauliche Konzept und Vorgehen im Block 109 nicht durchsetzen können.

ca. 1982 im Regenbogencafé

Das besondere damals: Ihr wart von Anfang an offen und aktiv auch für die Interessen der Nachbarschaft und bliebt gesprächsbereit für jeden, auch den politischen Gegner. Das hat Euch viele Sympathien partei- und verwaltungsübergreifend eingebracht.

Das besondere heute: Ihr seid noch da nach 25 Jahren und habt dieses Prinzip „offen für die Nachbarschaft“ beibehalten und weiterentwickelt. Die Zeiten der Sparpolitik insbesondere in sozialen Bereichen haben Euch nicht davon abgebracht.

Die Einrichtungen wie Café, Kita, das Kino, der Hort, die vielen Fêten, das Hostel und die Ableger außerhalb des Fabrikgeländes wie der Bioladen, der Zirkus usw.. Sie alle zeigen Beschäftigung und Chancen für Euch selbst und das ganze Quartier. Zwanzig Jahre bevor Quartiersmanagement zur offenen Senatslinie wurde, habt Ihr einen wesentlichen Teil vorweg praktiziert. Ihr ward eine Infobörse, die funktionierte, für die Belange und Konflikte im Kiez. Dies umfasste alle Altersgruppen und die verschiedenen ethnischen Gruppen im Kiez.

Die Regenbogenmannschaft (Mannschaft ist hier nicht richtig – der Begriff Frauschaft ist bei Euch oft richtiger) passte sich über die Jahre an verschiedene Veränderungen an, nicht im Sinne von Opportunismus, sondern als natürlicher Wandel aufgrund der veränderten Bedingungen und Zeiten. So entwickelte sich in der Fabrik mit dem Wandel eurer eigenen Kinder aus dem Kinderladen ein Kinderhort, die Fahrradwerkstatt, dann der offene Jugendclub, jetzt das Hostel. So wandelten sich mit den Wohnbedürfnissen auch die Organisation der privaten Wohnbereiche. Das wird auch weiterhin so sein. Das plüschige Kino steht demnächst zur Erneuerung an.

Gespannt bin ich auf die zukünftigen Entwicklungsphasen der Fabrik, wenn Ihr Senioren sein werdet. Ob die Enkel übernehmen? Auch diese Lebensphase wird die Regenbogenfabrik noch einmal verändern, wenn sie das bleibt was sie ist.

2004 Präsentation im RegenbogenCafé am Tag des offenen Denkmals

Die Gemeinschaft der Regenbogenfabrik hat immer viel Kraft gehabt und ausgestrahlt. Die Räumungsdrohungen damals, die totale Unsicherheit des eigenen direkten Lebensumfeldes, die gerichtlichen Klagedrohungen, der Brandanschlag, die verseuchte Erde der ehemaligen Fabriknutzung, die Sparzwänge, das alles hat Euch nicht aufhalten können:

Euren Lebensweg in Eurer eigenen Art und Weise zu bestimmen, und dieser Lebensweg war immer gewaltlos und konsequent im politischen, sozialen und moralischen Anspruch. Er war offen für die Freunde und Nachbarn, bescheiden für sich selbst und doch so anspruchsvoll!

Cornelius van Geisten, S.T.E.R.N. GmbH

Anlässlich des Geburtstags von Conny haben wir im Blog einen Artikel von Anette veröffentlicht.

Dem Zitronenfalter folgen

Mitten im Herbst laden wir euch ein, einem Zitronenfalter zu folgen.
Eigentlich war der – ebenso unwahrscheinlich – im Februar geflogen, hat Ewa den Weg gezeigt zu Anettes Grab.

Geschenkt hat Ewa uns den Artikel zum Beginn unseres Blogs.
Wird Zeit, uns vielmals zu bedanken für die freundliche Begrüßung damals am 14. März.

Nun ist schon ein halbes Jahr ins Land gegangen und wir Bloggerinnen dreihundert Beiträge weiter.
Jetzt im stürmischen Herbst denken wir in vielfältiger Weise an den Abschied von Anette und so schicken wir euch weiter zu Ewas Blog.