Kinderbauernhof am Mauerplatz

Der Kinderbauernhof am Mauerplatz ist 1981 als Initiative von unten und als erster Kinderbauernhof in Berlin entstanden: Eine Mutter-Kind-Gruppe, Nachbar*innen, Kinder und Jugendliche entmüllten und begrünten ein ehemaliges Trümmergrundstück an der Mauer, bauten Ställe und schafften Tiere an, um vor allem für die Kinder in der Großstadt ein Stück Grün in der Betonwüste zu schaffen. Das Projekt wurde von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Altersgruppen zum größten Teil unbezahlt gemeinsam aufgebaut.
Genau da, wo er gewachsen ist, wird er gebraucht und weil er genau dort gebraucht wird, hat er sich über lange Durststrecken hinweg gehalten und weiterentwickelt.

Für die Bilder danken wir dem Kinderbauernhof, Mike Hughes und dem Archiv unserer Kita, die auch gerne zum Bauernhof gegangen ist.

Ein Glück, dass sie beim Kinderbauernhof den offenen Betrieb trotz Corona aufrechterhalten können.
Auch in diesem Jahr hätten sie gern am 21. März den Geburtstag des Kinderbaurnhofes mit Allen gefeiert. Dieses Jahr werden sie ebenso wie das Heile-Haus, die Schokofabrik und die Regenbogenfabrik 40 Jahre alt. Vier selbstverwaltete Projekte, die ihre Wurzeln in der kreativen Zeit der Besetzer*innenbewegung in einem damals romantisch maroden Stadtteil – SO36 – ausgebreitet haben.
Aus diesem Anlass planen wir miteinander in Zusammenarbeit mit dem Kreuzberg Museum eine Ausstellung, die hoffentlich trotz Corona im Spätsommer für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Wir haben es verpennt, lieber Kinderbauernhof, Euch in diesem Blog direkt an Eurem Geburtstag zu gratulieren. Da waren wir zu beschäftigt, das Ganze zum Laufen zu bringen.
Nun holen wir es nach und nehmen unseren 100. Beitrag zum Anlass, um Euch hochleben zu lassen!

Übrigens: Der Kinderbauernhof finanziert seine Arbeit ausschließlich durch Spenden! Vielleicht animiert es eine*n von Euch, sie zu unterstützen? Geld, Sachspenden und Tierpatenschaften helfen weiter. Mehr dazu auf der Homepage, die wir unter dem gelben Kreis versteckt haben.

Freunde des Regenbogens

Hochkarätig ist’s, was sich als Initiativkreis zur Unterstützung des Projektes Regenbogenfabrik zusammentat: Jugendstadtrat König, Schulkollege Waldi Schulze, Vereinsboss Hans Schapdick, Klaus Duntze („Strategien“-Pfarrer), Kreuzbergs oberster Evangele Gustl Roth, die Ölberg-Gemeinde und das Diakonische Werk. Mit dem Bausenator und mit Spekulant Vogel soll ein Wörtchen geredet werden, denn seit einem halben Jahr hat sich nichts Positives zur Regenbogenfabrik ergeben. Vogel modernisierte und baute derweil in der Reichenberger Straße 49-51 fleißig zu Ende und ist in der Lausitzer 22a voll am Werk. Die Besetzer der Regenbogenfabrik und des 2. Quergebäudes der Lausitzer 22a/23 fürchten, dass Vogel sie beizeiten übers Ohr haut, wenn jetzt nichts unternommen wird.
Auftakt zu der neuen Unterstützungs-Welle für die Regenbogenfabrik ist eine große Begrünungsaktion auf dem Fabrikgelände am 14. Mai. König und Schulze sollen begeisterte Hobby-Gärtner sein und wollen einen Weg über den Hof zur „Fabrik“ anlegen.
Ob der auch zur Legalisierung und Absicherung der Regenbogenfabrik führt, bleibt abzuwarten.

Südost Express 5/1983, S. 24

Günter König (1933-2015) war von 1989 bis 1992 auch Bezirksbürgermeister.

Waldemar Schulze (1981 für einige Monate Bezirksbürgermeister)

Hans Schapdick (Geschäftsinhaber in Kreuzberg, Vorstand des Vereins SO36)

Dr. Klaus Duntze († 2016) initiierte 1977 die Strategien für Kreuzberg. Erstmals wurden zur Zeit der Hausbesetzungen und Plattsanierungen die Planungsbeteiligten und Betroffenen einbezogen. Nach dem Fall der Mauer gründete er den Bürgerverein Luisenstadt e.V. mit. Duntze setzte sich als Pfarrer an St. Thomas dafür ein, dass Kreuzberg seinen spezifischen Charakter behält – und die alte Luisenstadt wiederbelebt wird.

Gustav Roth (1924-2018), allgemein Gustl Roth genannt, wurde 1978 Superintendent in Kreuzberg.

Dies ist ein besonders schön funkelnder Mosaikstein im Regenbogenbild. Und doch fehlen noch so viele. An dieser Stelle sei allen Unterstützer:innen in all den vielen Jahren herzlich gedankt. Dieses „kleine Dorf“ – wie die Regenbogenfabrik oft genannt wurde – wächst bis heute aus dem Engagement von sehr vielen Menschen heraus.

Lucy Lameck Straße

Die Wissmannstraße in Berlin-Neukölln wurde in Lucy-Lameck-Straße umbenannt. Das hat die Bezirksverordnetenversammlung nach einer Beteiligung der Anwohner im November 2020 beschlossen. Im Frühjahr 2021, am 23. April, ist der Beschluss nun umgesetzt worden. Für die Umbenennung hat sich, gemeinsam mit anderen Aktivist:innen, der Verein Berlin Postkolonial seit seiner Gründung 2007 eingesetzt.

Die Wissmannstraße war benannt nach Hermann von Wissmann (1853-1905), Reichskommissar und Gouverneur von damals Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi und Ruanda). Er trug mit militärischen Expeditionen maßgeblich zur gewaltsamen Kolonialisierung bei. Mit einem Militärfeldzug massakrierte die deutsche Armee dabei die afrikanische Bevölkerung, um deren Widerstand zu brechen. Wissmanns Kriegsführung wurde dabei selbst von anderen Kolonialoffizieren als äußerst barbarisch beschrieben.

Heute würdigt die Straße in Neukölln die erste Frau in einem tansanischen Regierungskabinett: Ministerin Lucy Lameck (1934-1993). „Sie brachte Frauenrechte in Tansania voran und war eine wichtige Unterstützerin der panafrikanischen Idee“, teilte das Bezirksamt nach dem Umbenennungsbeschluss mit.

„Berühmt wurde sie durch ihre 1965 gehaltene Rede „Africans Are Not Poor“, in der sie Afrikas Zukunftspotentiale heraushob. In ihrer über 20-jährigen Tätigkeit als Parlamentarierin war sie u.a. stellvertretende Ministerin für Kommunalentwicklung und Gesundheit und initiierte maßgebliche Gesetzesvorhaben zur Verbesserung der Position von Frauen in der tansanischen Gesellschaft.„ Bündnis Neukölln

Dass die Umbenennung in Neukölln so schnell über die Bühne gehen kann, liegt an einer Neuerung im Berliner Straßengesetz. Die von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) im August vorgelegte Änderung der Ausführungsvorschriften des Straßengesetzes sei verabschiedet worden, teilte der Senat am Dienstag mit.

Mit dem reformierten Gesetz werden die Gründe für Umbenennungen erweitert. „Zukünftig wird ausdrücklich auf die Möglichkeit verwiesen, Straßen umzubenennen, wenn deren Namen koloniales Unrecht heroisieren oder verharmlosen und damit Menschen herabwürdigen“, so der Senat. In der Vergangenheit vergingen bei Straßenumbenennungen oft mehrere Jahre. Dies soll nun spürbar verkürzt werden.

Auswahl zum weiterlesen:

https://www.buendnis-neukoelln.de/2021/lucy-lameck-strasse/

https://www.berlin.de/ba-neukoelln/aktuelles/veranstaltungen/die-neue-lucy-lameck-strasse-umbenennung-und-rahmenprogramm-1075274.php

https://taz.de/Strassenumbenennung-in-Berlin/!5762407/

Regenbogenfabrik Blog – Margaux Blache

Ich habe ein Jahr in der Regenbogenfabrik gearbeitet – eigentlich war es ein bisschen weniger. Corona hat leider meinen Freiwilligendienst in der Fabrik verkürzt.

Anfangs arbeitete ich im Café, zusammen mit Reiner und Lars, danach im Kulturbereich mit Christine und Andy und am Ende einen Monat in der Kantine. Ich habe auch von Johanna gelernt, wie man strickt!

Meine Lieblings-Kulturveranstaltung war der «Mitsing-Abend».

Das kleine Café war voll; wir hatten sogar Kartonschachteln als extra Stühle verwendet und es wurden viele Biere von «Quartiermeister» konsumiert. Die Stimmung zwischen Kerzenlicht und Lachen war sehr fröhlich und den ganzen Abend über wurden Lieder gesungen, die ich noch nie gehört hatte, was eventuell daran liegt, dass ich keine deutsche Frau oder einfach ein bisschen zu jung für dieses Repertoire bin. Viele Lieder mochte ich und höre noch immer gern die Playlist von diesem Abend. Alle haben zusammen gesungen und es war so schön, so viele Menschen in Harmonie zu sehen.

Auch, wenn ich meine verschiedenen Aktivitäten in den drei Bereichen genossen habe, waren der Lieblingsteil meines Freiwilligendienstes die Geschichten, die ich gehört habe. So unterhielt ich mich mehrmals über die Geschichte der Fabrik mit Andy und Christine und war immer wieder fasziniert davon. Für mich war es am Anfang unvorstellbar, dass eine Gruppe von engagierten Menschen mit nichts anderem als ihrem großen Willen so viel geschafft hatte. Ich habe mich mehr und mehr für die Geschichte dieses Ortes und seiner Menschen interessiert und eine Menge von ihnen gelernt. Nämlich: Dass die Fabrik nicht in einer Nacht aufgebaut wurde, sondern mit Zeit, Liebe und Mühe – und sie entwickelt sich immer noch weiter.

Ich bin immer mit dem Gedanken aufgewachsen, dass es für nichts Zeit gibt. Man muss immer schnell und effizient sein – und immer weiter gehen.

Je früher, desto besser. Dieser Philosophie folgend habe mich immer unter Druck gesetzt gefühlt. Mein Jahr als Freiwillige war als Pause zwischen meinem Bachelor und Master gedacht. Die Idee war, mir Zeit zu lassen; es hat mir aber viel mehr als Zeit gebracht:

In der Regenbogenfabrik habe ich ganz neue Perspektiven entdeckt und dass es noch viel mehr Möglichkeiten gibt, als einen klaren Weg, der von anderen entschieden wird. Die Erfahrung in der Regenbogenfabrik erlaubte mir, mich selbst zu finden und seitdem weiß ich, dass jede schöne Erfahrung Zeit braucht: Denn solange ich mit mir selbst im Reinen bin, wird alles gut.