1982 | Aktion „Pedale und Randale“ Die Fahrradlager des Berliner Senates für Krisenzeiten wurden geräumt. Originalverpackt konnten sie von Großabnehmern bestellt und weiterverkauft werden. Der Verein SO 36 hatte 1250 Räder gekauft. In einer Riesenaktion mit Festcharakter wurden diese in der Regenbogenfabrik unter Anleitung zusammengebaut und an EinzelabnehmerInnen weitergegeben. Nicht nur Einzelpersonen kamen, sondern auch BEWAG und Polizei (Man bedenke Senatsangehörige auf besetztem Gelände!).
Kategorie: Geschichte wird gemacht
40 Jahre ändern schon was

Kundgebung gegen die Zwangsräumung der Meuterei
Redebeitrag am 14.3.2021
Solidarische Grüße vom Regenbogenfabrik-Kollektiv an alle, die um ihre Häuser/Wohnungen und Gewerberäume kämpfen, teilweise seit Jahren oder seit kurzem.
Oder gekämpft haben oder in absehbarer Zeit kämpfen müssen.
Es wird wohl nicht aufhören!
Etwas Geschichte:
50 Jahre Georg-von-Rauch-Haus
50 Jahre Ton Steine Scherben
40 Jahre Regenbogenfabrik, Heilehaus, Schokofabrik, Kinderbauernhof Mauerplatz und viele Hausprojekte
– also 40 Jahre Hausbesetzer*innen-Bewegung West
30 Jahre Hausbesetzer*innen-Bewegung Ost
noch weiter zurück:
Vor über 150 Jahren gab es Randale und Straßenschlachten wegen einer Zwangsräumung einer im Kiez beliebten Gaststätte in der Oranienstraße.
Die Kämpfe um bezahlbare Wohn- und Gewerberäume sind schon uralt.
Und heute wieder: Kämpfe um Wohnraum und auch um zwar gewerbliche, aber nicht Profit-orientierte und selbstorganisierte Räume.
Vor zehn Jahren (2011) startete der aktuelle Widerstand gegen die Verdrängung mit den ersten Protestaktionen (Blockaden, Demos, Besetzungen) gegen die Situation, mit der wir uns noch heute rumschlagen:
Dank an
Bündnis gegen Zwangsräumung
Kotti und Co.
Bizim-Kiez
den Besetzer*innen der Schlesische Straße 25
und allen anderen.
Ihr habt den Weg bereitet, dass wir heute so viele sind.
Zusammen haben wir die Politiker*innen, das Abgeordnetenhaus und den Senat gezwungen zu reagieren. Natürlich sind wir uns einig, dass alle Maßnahmen, wie z.B. Mietendeckel und Zweckentfremdungsverbot für Wohnraum/Ferienwohnungen nicht ausreichend sind.
Daher müssen wir den Druck der Straße aufrechterhalten bzw. erhöhen. Nur so kann der kapitalistische Wahnsinn, Profit mit Wohn- und Gewerberäumen machen zu wollen, aufgehalten werden.
Unser Widerstand muss breit und vielfältig sein.
Mieterhöhungen, Kündigungen und oft damit einhergehenden Verdrängungen aus dem Kiez gefährden die Existenz der direkt Betroffenen. Aber auch das Biotop eines Kiezes oder Stadtteiles wird zerstört.
Die Meuterei steht nicht nur für günstiges Saufen, sondern ist auch ein Raum für Selbsthilfe und Selbstorganisierung. Wir verlieren hier im Kiez nicht nur eine Kneipe und selbstbestimmte Arbeitsplätze.
Die Regenbogenfabrik hat noch 20 Jahre einen Pachtvertrag, aber ihr kämpft auch für uns:
Lasst uns nicht alleine mit all diesen Leuten, die glauben, alles sei käuflich. Denn das sind die, die nachkommen und von der Gentrifizierung profitieren.

Regenbogengemeinschafts-Lied
In Anlehnung an das Bürgerlied / Zupfgeigenhansel
Ob wir Fahrrad reparieren,
oder Essen stets servieren
Bau’n mit Beton und Stein im Nu
Ob wir mit Holz und Ton arbeiten
Oder Qualikurse leiten
Das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir Öffentlichkeit präsentieren,
Oder im Café Brötchen schmieren
Uns um Kinder kümmern immerzu
Ob vorm PC wir stets sitzen
Oder zu Projektanträgen schwitzen
Das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir Kinofilme zeigen
Kultur-, Musik- und Theaterreigen
das Hostel täglich offen und nie zu
Ob wir Stadtteiltouren buchen
Oder Backen Keks und Kuchen
Das tut, das tut nichts dazu.
Aber ob wir Neues bauen,
Oder Altes nur verdauen
Wie das Gras verdaut die Kuh;
Ob wir in der Welt was schaffen,
Oder nur die Welt begaffen
Das tut, das tut was dazu.
Ob im Kopfe etwas Grütze
Und im Herzen Licht und Hitze
Dass es brennt in einem Nu,
Oder ob wir hinter Mauern
stets im Dunkeln träge kauern,
Das tut, das tut was dazu.
Ob wir rüstig und geschäftig,
Wo es gilt zu wirken kräftig,
immer tapfer greifen zu;
Oder ob wir schläfrig denken
Wer wird’s wohl im Schlafe schenken,
Das tut, das tut was dazu!
Drum, ihr Schwestern, drum ihr Brüder
Alles eines Bundes Glieder
Was auch jeder von uns tu!
Alle, die dies Lied gesungen,
SO DIE ALTEN WIE DIE JUNGEN,
TUN WIR, TUN WIR WAS DAZU!!!!!!!
Anette Schill | 24.2.1957 – 27.10.2014



