Kiezspaziergang zum neuen Denkmal „Wohnungslose Bühne“

Die Initiative „Leerstand-Hab-ich-saath“ und „Mietenwahnsinn Nord“ laden ein zu einem Kiezspaziergang zum neuen Denkmal „Wohnungslose Bühne“!

12.02.2022 um 13 Uhr Treffpunkt Habersaathstraße 48 in Berlin Mitte

Start ist die Habersaathstraße, die nach der Besetzung durch Wohnungs- und Obdachlose seit dem 30.12.21 für mehr als 60 Menschen ein neues zu Hause geworden ist. Die Häuser sollen abgerissen werden und bis dahin steht der Wohnraum zur Verfügung.

Wir wenden uns gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum durch Leerstand überall und fordern alle Bezirke auf, diesen Missstand zu beheben und Leerstand für Wohnraum für obdachlose Menschen und Geflüchtete zu beschlagnahmen.

Von dort geht es ab durch Mitte zum Maxplatz, wo seit dem 10.12.2021 das Denkmal „die Wohnungslose Bühne“ steht. Es ist ein Ort der Sichtbarkeit für diejenigen, die  immer noch durch Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffen sind und die Opfer von Zwangsräumungen wurden.

Lasst uns gemeinsam durch Mitte gehen und für eine dauerhafte Habersaathstraße 40-48 und den Erhalt der „Wohnungslosen Bühne“ demonstrierend spazieren!

Denn wir haben noch viel mehr als nur den Leerstand satt!

Damals und heute | Kiezdrache gegen Verdrängung – Futura gegen AKW

Rund 1000 Menschen demonstrierten am 17. November 2018 mit einem leuchtenden Kiezdrachen gegen Verdrängung durch den Kreuzberger Kiez. Der Laternenumzug startete am Heinrichplatz und zog vorbei an widerständigen Hausgemeinschaften und Projekten, die durch teure Mieten und von Kündigung bedroht sind.

„Der solidarische Kiezdrache strahlt in vielen Farben, spricht alle Sprachen, hat ein großes Herz und scharfe Zähne, kann sich ganz klein und ganz lang machen, und teure Mieten, Mieterhöhungen und Kündigungen faucht er weg. Er fühlt sich besonders wohl in Kitas und sozialen Einrichtungen. Wenn sie von Verdrängung bedroht sind, fährt er seine Krallen aus. Der Kiezdrache wünscht sich mehr Platz für das Soziale, für Bildung und Betreuung. Er akzeptiert nicht, dass unsere Nachbarschaften von Renditejägern ausverkauft werden. Der Kiezdrache hängt auch in Nachbarschaftstreffs oder in seiner Stammkneipe rum, kehrt auf einen Plausch in den kleinen Läden ein, und kuschelt sich in all unseren Wohnungen gerne auf die Couch – darum kämpft er dafür, dass alle bleiben! (aus dem Aufruf von Bizim-Kiez)

https://www.bizim-kiez.de/blog/2018/11/19/1000-menschen-ziehen-als-kiezdrache-gegen-verdraengung-durch-kreuzberg/?cn-reloaded=1

Hier gibt’s auch einen kleinen Film der Abendschau.

Mich erinnert das an eine entfernte Verwandte des Kiezdrachens. Die Drächin Futura tauchte 1987 in den Berliner Straßen auf. Manche Demo hat sie bestritten, wie die gegen Tschernobyl.

Lang hat sie durchgehalten, doch am 14. August 2015 fand dann ein würdiger Abschied im Regenbogenhof statt: Die Drächin FUTURA wurde von ihren Schöpferinnen nach fast 30 Jahren, in denen sie Begleitung bei mancher Demo war, auseinandermontiert und verbrannt. Von alten Zeiten wurde erzählt und neue Lieder ihr zu Ehren gesungen.

chz

2021 | Erinnerung an den Februar

Veranstaltungsreihe im Februar 2021

Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.

Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.

In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.

Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.

Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?

Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.

Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.

Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.

Erich Kästner, der übrigens an einem 23. Februar geboren wurde.

Schnee ist schön, kommt aber nicht immer. 2001 war es ganz anders.

Februar 2001

Foto 2001: Archiv Regenbogenfabrik

Beitrags-Foto vom 8.2.2021: Christine Stuttmann

16.1.1972 | Vor fünfzig Jahren wurde die Anrede „Fräulein“ per Erlass des Innenministeriums aus dem Sprachgebrauch verbannt

Diese Nachricht hatte ich aus der taz gefischt. Zeitung lesen macht einfach Spaß!

Und war gleich in meine Jugendzeit zurückgebeamt. Das war mir präsent, als wäre es gestern gewesen: Meine erste Post von der Krankenkasse war mit Fräulein adressiert. Uh, ich war so sauer. Und tatsächlich hab ich mir die Mühe gemacht und hingeschrieben: „Wenn Sie an meinen Bruder mit Herrlein den Brief beginnen würden, ich nähme das Fräulein an.“
Der nächste Brief war dann tatsächlich mit Frau geschrieben, nur zum Herrlein ist es nie gekommen.

Der taz-Artikel lehrt mich, dass ich in der österreichischen Schriftstellerin und Feministin Franziska von Kapff-Essenther ein engagiertes Vorbild hätte finden können. Die hatte sich schon 1871 darüber aufgeregt. Weiter heißt es im Artikel von Lenard Brar Manthey Rojas:

„Erst ab 1972 wurde der Begriff „Fräulein“ gänzlich aus der Sprache der Ämter gestrichen. Die Formulierung, die durch die Verkleinerungsfrom „-lein“ immer auch ein wenig so wirkte, als würde man sich gerade mit einem kleinen Mädchen unterhalten und nicht mit einer erwachsenen Person, wurde damals als nicht mehr zeitgemäß empfunden.“

Ich erinnere mich aber auch daran, dass so manche Lehrerin auf ihrem Titel „Fräulein“ sogar stolz bestand. Stolz darauf, den Beruf über alles andere zu stellen. Das greift allerdings auch auf Zeiten zurück, in denen Frauen den Lehrberuf aufgeben mussten, wenn sie heirateten.
Mehr dazu in einem Wikipedia-Artikel über das Lehrerinnenzölibat.

Heute ist Fräulein nur noch als lustig gemeinte Referenz an alte Zeiten eingesetzt. Schau ich mich im benachbarten Neukölln um, dann wird heute der Schnaps oder das Eis vom Fräulein angeboten, aber nicht von einem Herrlein vermarktet. Soweit kommts noch.

Interessant die Schlussfolgerung des taz-Autoren:

„Wenn von Gleichstellung im Sprachgebrauch und dem zeitgemäßen Selbstverständnis der Frau die Rede ist, drängen sich Überschneidungen mit aktuellen Debatten geradezu auf. In gewisser Weise war dieser Erlass von 1972 ein Schritt hin zu dem, was wir heute gendergerechte Sprache nennen. Von diesem Tag an war es für die Anrede in Behörden gleichgültig, ob eine Frau verheiratet war oder nicht. Dabei hat man doch derzeit in manchen Diskussionen den Eindruck, als wäre Sprache in Ämtern noch niemals seit Gründung der Bundesrepublik verändert worden.
All jene, die beispielsweise in Gender-Diskussionen mit dem Argument „das hat es noch nie gegeben“ jegliche Veränderung der Sprachform als ungeheuerliche Erscheinung bezeichnen, werden zugeben müssen, dass nicht erst mit dem Gender-Sternchen unsere Ausdrucksweisen einem Wandel unterliegen. Man denke in diesem Falle also einfach an das Wort „Fräulein“, das eines Tages aus den Behörden verschwand.“

Also: fröhlich Gendern üben!

chz