Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg

Heraus zum revolutionären 1. Mai… raus nach Grunewald! | 2018
„Warum immer Kreuzberg? Warum nicht mal in einem richtigen Problembezirk auf die Straße gehen?“ fragten sich die Hedonist-international.org/ und starteten den 1. Mai bereits am Nachmittag um 14 Uhr mit einer Demo im Grunewald. Statt der angemeldeten 200 Teilnehmerinnen zogen mehr als 3.000 Menschen begleitet von Lärm, Wumms und allerlei guten Ideen, die laut in die Vorgärten schallten, vom S-Bahnhof Grunewald durch das Villenviertel. An der fast sieben Kilometer langen Strecke lagen Botschaften, Residenzen und die Häuser zahlreicher Prominenter. Einige Villen, bei denen die Gartentür offen stand, wurden gleich mal besichtigt, bei anderen Sturm geklingelt oder sie mit Aufklebern und anderem verschönert. Das führte zu einem längeren unfreiwilligen Aufenthalt in der Nähe der britischen Botschaft. Nach einer Stunde gab die Polizei die Straße wieder frei. Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg. https://umbruch-bildarchiv.org/wo-eine-villa-ist-ist-auch-ein-weg/

My Gruni – 1. Mai-Demo im Grunewald Mit einer prächtigen Demonstration zogen am 1. Mai rund 7500 autonome Streetworkerinnen durch das wohlstandsbelastete Villenviertel Grunewald. Wie im letzten Jahr äußerte sich der Protest kreativ, laut und vielfältig. Die gemeinsamen Nenner an diesem Tag waren Enteignung, eine gerechte Vermögensverteilung und in diesem Sinne faire Mieten in der Stadt. Dabei waren neben dem Wagen des Quartiersmanagements noch Wägen des Zappelkomitees & der fahrenden Gerüchteküche, des Bündnisses Mietenwahnsinn, der Roten Champagner Fraktion („Weil Sekt nicht schmeckt – schon gar nicht im Grunewald!“) sowie dem Kollektiv Mami Wata mit dabei.
Ausführlicher Bericht auf der website von mygruni

Sammlung Stadtsanierung und soziale Bewegungen

Demo durch den Villenbezirk Grunewald unter dem Motto. „Demonstranten besuchen die Spekulanten“. 4.000 bis 5.000 Leute ziehen an den bewachten Villen von namentlich 22 bekannten Spekulanten vorbei, 23 Fensterscheiben gehen dabei zu Bruch. | 12. Juli 1981 | https://berlin-besetzt.de/#!id=665

zurück in die Jetztzeit:

Lust auf …
…. Bildung an der frischen Luft?
…. Corona-safen Spaziergang in illustrer Kulisse?
…. myGruni-Feeling?
… autonome Sozialarbeit?

Das Quartiersmanagement Grunewald präsentiert:

Audiowalk: „Grunewald, ick hör dir trapsen! – Spaziergang im Problemkiez“

—> Alle Infos & Downloads hier:

Der Audiowalk bietet mit 13 lehrreichen und unterhaltsamen Stationen
einen umfassenden Einblick in die Facetten der Reichtumskatastrophe.

Themen der jeweils ca.5-minütigen Beiträge sind: Reichtumskatastrophe,
Zaunphilosophie, Klima & Reichtum, „Arisierung“, Chancen-Ungleichheit,
Neid, Höchstkultur, Kontinuitäten rechten Terrors in Deutschland,
Kolonialisierung, Mietenwahnsinn und das Polizeiproblem.

Zwischen den Beiträgen gibt es – als Wegbegleitung zur nächsten Station
– Musik der myGruniAllstars: The Incredible Herrengedeck, Pastor
Leumund, Die Tsootsies, Esels Alptraum, Quentz, Paul Geigerzähler


Jederzeit ganzjährig ganztägig machbar!!!

Wir wünschen einen angenehmen & radikalisierenden Aufenthalt im
Gefahrengebiet,

euer Quartiersmanagement Grunewald

Potse – Berlins ältestes autonomes Jugendzentrum

Am 19.05. um 8 Uhr soll die Potse geräumt und damit Berlins ältestes autonomes Jugendzentrum zerstört werden!

Die Potse und das Drugstore sind seit Jahrzehnten ein Inbegriff selbstorganisierter Jugendarbeit in Berlin. Doch seit einigen Jahren kämpfen die Projekte gegen die Stadtumstrukturierung und Verdrängung.

Diesen Monat waren zwei Vertreter*innen der Projekte zum Café-Gespräch bei uns zu Gast.

In der Veranstaltung ging es natürlich um den Austausch über die aktuelle Situation und den Stand der Auseinandersetzung gehen. Aber auch in die letzten Jahrzehnte wurden erinnert: Wie entstanden die Projekte und welche Entwicklungen haben sie durchgemacht? Wofür stehen die Potse und der Drugstore? Wie funktioniert die Selbstorganisierung?

Senat schäm dich! Trotz Pandemie wird die Serie von Räumungen selbstverwalteter Orte für Profitinteressen fortgesetzt. Lasst es sein, unsere Stadt kaputtzumachen.

Hier gehts zur Aufzeichnung vom Café-Gespräch vom 18.4.

Wer es bisher noch nicht geschafft hatte, hinzugehen, bekommt hier einen lebendigen Eindruck von dem, was auf dem Spiel steht.

Räumungsklage gegen Kisch und Co

22.4.2021 | zur Räumungsklage gegen Kisch & Co lassen wir die Ladenbetreiber*innen zu Wort kommen:

Liebe Freundinnen und Freunde,
sicherlich habt ihr alle schon vom Ausgang des Räumungsklageprozesses gegen unsere Kiezbuchhandlung Kisch & Co in der Oranienstraße gehört. Dieser Zivil-Prozess fand im Kriminalgericht Moabit in einem Hochsicherheitssaal statt, der normalerweise  vom Strafgericht bei Schwerstkriminalitäts- oder sog. „Terroristen“-prozessen benutzt wird. Der Verhandlungssaal ist ein riesengroßer Saal, in dem normalerweise 20 Medienvertreter und ca. 100 Zuhörer Platz finden.

Zugelassen hatte das Gericht nur 8 Journalisten, die sich vorher akkreditieren mussten und 10 Zuhörer. Die Anwälte, wir und die Zuschauer mussten sich einer knapp halbstündigen Durchsuchung unterziehen und den Ausweis ablichten lassen.  Den Anwälten der Spekulanten war es erlaubt worden, nur per Videoschalte aus Frankfurt teilnehmen zu müssen. Diese Anwälte haben im gesamten Verfahren nur einen Satz gesagt. Auf die Frage des vorsitzenden Richters nach einer gütlichen Einigung: „Wir haben kein Mandat für eine gütliche Einigung“. Der Richter hat sich dann damit rausgeredet, dass er nach den Gesetzen entscheiden muss und der Sichtweise unserer Anwälte nicht folgen wird, dass es im Gewerbemietrecht eine Regelungslücke gibt, wonach dies gemäß dem Wohnraummietrecht anzuwenden wäre. Er verwies darauf, dass es Sache der Politik und des Gesetzgebers wäre, dies neu zu regeln. Er hat sich also einen schlanken Fuß gemacht und weggeduckt. Wir haben dann noch unser Prozessstatement verlesen, dann wurde das Urteil verkündet. Anschließend stürmte die Presse auf uns ein.

Vor dem Gericht gab es eine fast 2,5 stündige Kundgebung. Neben vielen Redebeiträgen und Musik, haben die Unterstützer*innen von „Volle Breitseite für unsere Kiezbuchhandlung Kisch & Co“ in satirischer Theaterform einen „Gerechtstermin“ aufgeführt. Die Darsteller*innen zeigten in neun kurzen Szenen, wie sich die (Ge)Rechtslage von Gewerbemieter*innen dramatisch verbessern lässt.

Zu der Kundgebung kamen zu frühmorgentlicher Stunde um 9.00 Uhr an einem Arbeitstag insgesamt ca. 200 Leute. Grandios !!!

Nach Prozess und Kundgebung haben wir trotz gerichtlicher Niederlage die Sektkorken knallen lassen und vor dem Gericht noch ein bisschen gefeiert. Wir haben beschlossen, dass es jetzt natürlich weiter geht.

Zu erwähnen ist, dass sogar der britische „Guardian“ einen längeren Beitrag gemacht hat. Am Sonntag Abend wird dann noch ttt – Titel, Thesen, Temperamente berichten.

Unser Statement vor Gericht:

Wir wollen im Sommer nächsten Jahres zusammen mit unseren Kundinnen und Kunden, mit unseren Freundinnen und Freunden das 25 jährige Jubiläum von unserer Buchhandlung Kisch & Co in der Oranienstraße 25 feiern. Und wir würden dafür  gerne nach dieser Gerichtsverhandlung unseren Unterstützer*innen die ersten Einladungen aussprechen.

Wir sitzen hier, weil wir natürlich auch um unsere Existenz kämpfen, für den Erhalt unserer

Buchhandlung und die Arbeitsplätze unserer tollen Mitarbeiter.

Aber darüber hinaus geht es auch um den Erhalt des gesamten Kultur- und Sozialstandorts Oranienstraße 25.  In den nächsten Monaten und Jahren laufen bei allen Projekten die Mietverträge aus. Kein Mieter im Haus wird die angestrebten Mieterhöhungen, die im Angebot an ein erstes Projekt, das 3-fache der bisherigen Miete beträgt, bezahlen können.

Zufällig waren wir als Buchhandlung die Ersten, die betroffen sind. Dafür sind wir aber sicherlich dank der Unterstützung von Anwohnern*innen und Initiativen das Projekt mit der größten öffentlichen Zugkraft. Und damit stehen wir  natürlich in vorderster Front und somit auch in der Verantwortung dem Druck des Fonds  der Victoria Immo Properties V. standzuhalten. Das Schicksal dieses Hauses  als Kulturstandort wird ganz entscheidend vom Ausgang dieses Prozesses abhängig sein. Auf der einen Seite steht das Profitinteresse einiger steinreicher anonymer privater Spekulanten, die sich in Lichtenstein hinter treuhänderisch agierenden Anwälten verstecken. Auf der anderen Seite steht jahrelange Arbeit von Kulturschaffenden, Galerien, Museen u.a. mit den Anwohnern zusammen, die auf einen Schlag kaputt gemacht oder verdrängt wird. Wir wollen dem aggressiven, spekulativen Geschäftsmodell Entmietung vor einem zielgerichteten Verkauf mit Rendite nicht tatenlos zusehen.

Gemeinsam haben wir alle die Verantwortung unseren Kindern und Enkelkindern gegenüber den gewachsenen kulturellen und sozialen Strukturen unserer Kieze und Städte ein Fundament zu hinterlassen, auf dem weitere Gestaltung möglich ist. Gemeinsam müssen wir als Bewohner*innen und Mieter*innen dafür Sorge tragen, dass unser Recht auf Wohnraum auch ein legitimes Recht beinhaltet, mit zu bestimmen in welchen Läden wir einkaufen wollen und welches soziale und kulturelle Umfeld sich in der Nachbarschaft ansiedelt.

Eine Sozialverpflichtung der Fondseigentümer, wie Sie im Grundgesetz bei Eigentum vorgeschrieben ist, können wir wohl von diesen freiwillig nicht erwarten.

Wir dürfen die Innenstädte und die noch lebendigen Kieze nicht dem Kapitalüberfluss der Immo Properties dieser Welt überlassen. Die Uhr tickt. Die Waage beginnt bedenklich in Richtung der falschen Seite zu pendeln. Für jede und jeden von uns stellt sich die immer drängendere Frage, die von Politik und auch von Gerichten mit beantwortet werden

muss: Wem gehört die Stadt? Den Menschen, die sie bewohnen und beleben, oder den anonymen Spekulanten in den weltweiten Steueroasen.

Wir wollen diesen Prozess nun aber auch als Chance begreifen, für uns was Großes aber eigentlich auch Selbstverständliches zu erreichen und für die Gesellschaft einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zu tun.

Wir fordern daher die Gegenseite auf, dies letztendlich ebenfalls als Chance zu nutzen, um mit uns in substanzielle, nachhaltige Verhandlungen über einen weiterführenden Mietvertrag zu annehmbaren Konditionen einzutreten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Szenen von heute

„Vor neun Uhr morgens, und ich muss reden. Ok, ausnahmsweise“, erzählt mir Christine aus der Essensgruppe in der Lausitzer 23, Hinterhaus. Was nicht stimmt – wir haben schon häufig um 7 Uhr miteinander geredet, manchmal sogar stundenlang die Weltlage diskutiert. Und nicht nur mit ihr. Auch mit Johanna und Martin darf mensch die Uhr nicht aus dem Blick lassen – sonst ist der rechtzeitige Aufbruch zum morgendlichen Termin schnell passé.

Es geht aber nicht nur um die großen und kleinen politischen Themen. Jedes Mal, wenn ich aus dem Rheinland nach Berlin zu Besuch komme und im Gästezimmer unter dem Dach wohnen kann – so zwei bis dreimal im Jahr – habe ich als morgendlicher, passionierter Teetrinker ein Problem. Die Zubereitung des Heißgetränks ist technisch äußerst anspruchsvoll. Das Gerät ist dreiteilig: Eine Glaskanne, ein Einsatz und ein Timer, der aufgesteckt und mit Tee befüllt werden muss. Entscheidend ist die Menge des Wasser und die Geschwindigkeit, mit der es eingefüllt wird. Zugegeben, meine technische Begabung hält sich in Grenzen. Aber Tee kochen bereitet mir sonst eigentlich keine Probleme. Nur im Regenbogen. Jedes Mal, wenn ich zu Besuch bin, muss ich mir die Teemaschine, dieses Unikum, wieder auf’s Neue erklären lassen.

Mir ist das peinlich. Auch wenn, meistens Christine oder Johanna, immer wieder ganz geduldig die Funktionsweise erklären. Irgendwie komme ich mir doof vor. Drei Möglichkeiten habe ich mir überlegt: Ich kaufe mir selber so ein Gerät. Aber trotz intensiver Internetrecherche bin ich noch nicht fündig geworden. Das letzte Mal habe ich Christine mit meinem Handy gefilmt. Ein Erklärvideo. Aber es hat laute Nebengeräusche, weil im Hintergrund ein Mixer läuft. Also nicht wirklich brauchbar. Wohl die beste Lösung: Ich komme öfter mal nach Berlin. Damit ich es endlich kapiere.

Unser Freund Gerhard hatte letztes Jahr eine schöne Sache im Gepäck, die wir euch hier auch vorstellen wollen:

https://www.attac.de/audioutopistas

2048 – Szenen aus einer Welt von morgen

In Form einer Collage berichten Ich-Erzähler*innen in dem Hörspiel vielstimmig von ihrem Alltag im Jahr 2048. In dieser Welt gibt es mehr Zeitsouveränität, Gemeinschaft, Solidarität, Selbstbestimmung, Gesundheit und Demokratie. Abgenommen haben dagegen Lohnarbeit, Konkurrenz, Umweltschäden, Gewalt und Krieg. Doch auch 2048 verläuft das Leben nicht ohne Konflikte. Ein Streitthema ist die Verteilung derjenigen gesellschaftlich notwendigen Arbeiten, die kaum jemand machen möchte. Demokratie ist auch im Jahr 2048 noch anstrengend. Dazu kommen die Spuren der Zerstörung, die der bis in die 30er Jahre auf fossilen Energieträgern beruhende Kapitalismus hinterlassen hat.

Als wir das Listening together im Oktober 2020 im Kino machen konnten, hatte sich der lange Winterlockdown schon angekündigt.