Fotos von Michael Hughes
Wir danken für die Erinnerung
Das Titelfotos ist aus dem Jahr 2007, als beim Denkmaltag solche Modelle der Mauer verkauft wurden.
Fotos von Michael Hughes
Wir danken für die Erinnerung
Das Titelfotos ist aus dem Jahr 2007, als beim Denkmaltag solche Modelle der Mauer verkauft wurden.
Eigentlich wollte ich schreiben über die Entstehung des Cappuccino. Über Mönche, deren Gewänder und Kapuzen. Über die italienische Kaffeekultur und wie toll ich das alles finde. Über Missverständnisse, durch die sich Schlagsahne in den Cappuccino verirrt oder noch brisanter: Kakaopulver, was zum Teil durch Schablonen auf den Milchschaum gestreut wird, um die Crèma zu ersetzen.
Aber in Zeiten des Latte Macchiato, Americano, Flat white und wie sie nich alle heissen, dachte ich mir, ich mach das mal einfach nich.
Auch, wenn wir uns im Solicafé Schlürf, das gerade die Räume des RegenbogenCafés versucht, zu neuem Leben zu erwecken, der italienischen Kaffeekultur verschrieben haben und diese zum Teil auch sehr lieben, habe ich mich heute entschieden ,eine kleine Anleitung für einen leckeren Filterkaffee am Morgen zu schreiben:
Das wichtigste ist meiner Meinung nach, den Kaffee aus ganzen Bohnen zu machen. Zum Mahlen der Bohnen reicht eine elektrische Kaffee- oder auch Gewürzmühle. Die kostet etwa 10 Geld. Nachdem Ihr die Bohnen etwa 20 Sekunden (ja das is lang) gemahlen habt und das krackelige Geräusch aufgehört hat, bekommt Ihr die erste Belohnung. Ihr öffnet die Mühle und Euch weckt der Duft von frisch gemahlenen Kaffeebohnen. Die Vorfreude steigt.
Ihr füllt diese zügig in einen Kaffeefilter und fangt an, diesen mit kochendem Wasser aufzuschütten. Die frisch gemahlenen Bohnen verlieren in den ersten zwei Minuten viele Aromastoffe. Die Bohne ist ein toller Aromaspeicher.
Ihr gießt kreisförmig vom Rand das Wasser in den Filter bis das Kaffeepulver gerade vom Wasser bedeckt ist. Nicht das Wasser in die Mitte giessen. Das wird jetzt zu physikmässig und zu uninteressant.
Dabei bleiben und nix anderes nebenhermachen, kann ich nur empfehlen. Es ist eben eine kleine Zeremonie.
Ihr wiederholt das ein- bis zweimal mit nur wenig Wasser und nehmt das Kaffeepulver, das an den Rand gedrängt wird, wieder mit. Den Filter nicht zu voll mit Wasser machen. Der Kaffee ist jetzt tief schwarz und riecht sehr lecker.
Wenn die Tasse fast voll ist, noch Milch, Zucker oder was Ihr wollt, drauf und geniessen.
Der kleine Aufwand lohnt sich. Und Filterkaffee ist auch sehr lecker – gerade, wenn Ihr etwas mehr Flüssigkeit wollt, als beim Espresso.
Und wenn Ihr einen richtig leckeren Cappuccino wollt, bereitet ihn in einer Siebträgermaschine zu oder kommt ins Solicafé:
dienstags (12-16h) und Donnerstags (12-18h) im RegenbogenCafé (Lausitzerstr. 22a).
Gutes Schlürfn
Mo
1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?
Ich bin mein ganzes Erwachsenenleben hier, da war ich jung, so zwanzig. Ich bin nach Berlin gekommen und sofort ins Haus eingezogen. Gearbeitet hab ich auf dem Bau im Haus, die normale Selbsthilfe mitgemacht und noch bezahlt in der Bauphase. So fing mein Fabrikleben an.
Schnell war ich auch Köchin in der Kita und später in der Kantine – mit Gabi im Kino, in der Anfangszeit mit Susanne im Hostel, sie war die Nacht- und ich die Tagkraft. Und nach der Kantine – zwischendurch hab ich noch die Kochlehre gemacht – ging es in die Bäckerei.
Dem Haus bin ich treu geblieben.
2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?
Vorn das Café – wir brauchen unser Café zurück!
3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?
Ein großes, sicheres Netz.
4. Lieblingsessen in der Kantine?
Eigentlich immer die Freitage mit Gabi; sie hatte einen so völlig anderen Stil. Sie hat viel früher die Trends erspürt, kochen mit Curry oder das berühmte Zitronenhuhn. Eigenständig vegetarisches Essen, nicht einfach nur Schnitzelersatz.
5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?
Einen gut funktionierenden Generationenübergang, den alle gut mitgehen können. Den Älteren eine neue Warte ermöglichen, den Jüngeren durch die Fabrik einen emotional sicheren Platz in der Welt sichern, die immer weniger Freiraum lässt. Wie wir den Generationenübergang beschreiben, kriegen wir zusammen noch raus. Es beschäftigt mich ja auch, weil ich alt werde und Sahdu gleichzeitig so ins Leben stürmt.
Fast zwanzig Jahre! An diesen schönen Fortschritt in der Entwicklung der Regenbogenfabrik erinnern wir mit einem Artikel aus der Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der Regenbogenfabrik. Also: Nächstes Jahr das Feiern nicht vergessen!
Unsere Rezeption: Aus meiner Erinnerung.
Den Traum vom eigenen Hostel träumten 1997 Thomas und Susanne. Es wurde ausgebaut, umgebaut und mit Betten von Ikea und Billys konnte das „Sleep-Inn“ in den alten Musikübungsräumen mit 18 Betten eröffnet werden. Gemeinsam mit den 18 gesammelten Kuscheltieren konnten also Gäste aus aller Welt die Fabrik kennen lernen.
Die Organisation der Schlafplätze schien anfangs eher eine Nebenbeschäftigung im normalen Fabrikalltag zu sein. Die Gäste konnten im Büro buchen oder sogar bei Susanne zuhause anrufen. Eingecheckt wurde im Café.
Doch solche Gäste aus aller Welt wollen auch mit allen Raffinessen des „1×1 des Beherbergungsregelwerks“ behandelt werden, außerdem stellten sich die Besucher:innen als äußerst eigenwillig und kompliziert heraus. Gerne reiste mal ein Schlüssel mit nach Australien und der „eine Typ“ war dann auch mittels Anmeldezettel nicht mehr auffindbar – von seiner Zahlungsmoral gar nicht zu reden.
Probleme gab es auch mit der Organisation des Putzens der Gästezimmer – „Oh nein, schon wieder eine chaotische Gruppe – wer kann mal eben schnell putzen?“
Den ersten Schritt in das – immerhin schon etwas organisierte – Chaos machte Nazmiye. Seit 2000 „schmiss“ sie den Gästebereich und war von da an die „Gute Seele“ des Ganzen. Kurz darauf kam dann im neuen Eifer des Gefechts der Ausbau, denn mit 18 Betten ist keine Gruppe oder Schulklasse versorgt. Also noch mehr Typen, die sich nur mit „Michael“ eintragen, englisch sprechen wollen und die immer wieder spontan ihre und somit unsere Pläne ändern.
Es ließ sich mit nun 34 Betten nicht mehr leugnen, eine Rezeption musste her!
Die ersten Ideen dafür waren kurios und klangen recht abenteuerlich. Es fing bei der Raumsuche an, die „Kita unten?“ – da waren Räume unlängst frei geworden. Als fragwürdig erwies sich auch die Personalsuche mit Vorschlägen wie: „Uwe wird unser Herbergsvater und wohnt auch gleich in der Rezeption.“
Ich selbst war gerade beim Versuch gescheitert, die große weite Welt zu erobern und war deswegen schnell davon begeistert, diese große weite Welt einfach hierher zu holen. So konnte ich das Projekt Rezeption im August 2002 starten. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt weder einen eigenen Arbeitsplatz – ich arbeitete als „Gast“ im Büro“ – noch eine Ahnung, was da eigentlich theoretisch und praktisch auf mich zukommen würde. Die „Kita unten“ war irgendwann doch unsere Wahl. Die Baugruppe renovierte alles und wir, inzwischen hatte ich Mimi mit im Boot, setzten uns mit eigener Pinselkraft noch mit einer gelben Bordüre gegen „freundlich lichtes tauben-blau-grau“ durch. Wir konnten also loslegen.
Und nun? Wie funktioniert das mit einer Rezeption eigentlich? Glücklicherweise mussten wir nicht bei Null anfangen, denn das Büro lieferte uns schon erprobte Basis-Standards, auf denen wir aufbauen konnten. Somit begann der noch heute andauernde Prozess des „Learning by Doing“ für uns.
Auf „try“ folgte oft „error“; die Gäste hörten nicht auf, kompliziert und unberechenbar zu sein und hinzu kam, dass wir ein Team werden mussten. Wir wurden zur bunten Mischung von Menschen mit verschiedenen Erfahrungen und verschiedenen Alters. Die „Randgruppenförderung“ führte uns zusammen, 55 Jährige lernten von 21 Jahre alten, gerade erst aus der Schule geflohenen, Grünschnäbeln und andersrum.
Die alten Standards wurden in den letzten 3 Jahre verändert und manche Neuerungen hätten wir uns selbst nie so vorstellen können – an vielen Stellen ist das Alte aber noch zu erkennen!
Und es funktioniert:
Wir professionalisieren uns tatsächlich; die Anforderungen steigen und obwohl das Team häufig wechselte, gibt es jetzt einen festen (Frauen)Kern. Jede „Neue“ im Boot bringt neue Ideen mit und es kommt so nie zum Stillstand in der Rezeption. Ich bin sehr froh über die Entwicklung, die unsere Rezeption inzwischen gemacht hat – auch wenn ich mich oft darüber geärgert habe, dass wir nicht nur die Gäste betreuen, sondern auch die erste „offene Tür“ auf dem Hof und somit auch das große „I“ sind.
Aber erstens kommt alles anders und zweitens, als man denkt. Und ich bin stolz und froh, dass wir einen wichtigen Platz auf der Fabrik eingenommen haben. Mimis und mein Baby, unsere Rezeption, wächst immer weiter und ich bin auch stolz, nicht mehr nur „Fabrikkind“ zu sein, sondern etwas Gutes für die Fabrik zu tun.
Jenny Schill