Hoppípolla

Quelle: Sigur Rós auf youtube.com

Zum Tag des Pfützenspringens ehren wir „unsere“ Pfützen doppelt mit einem besonderen Pfützengruß. Und weil wir Pfützen und Rätsel so gern mögen, gibt es dazu ein Rätsel und morgen die Auflösung. Überlegt doch mal: welche Sprache könnte das sein und warum haben wir gerade diesen Gruß gewählt?

Hoppípolla

Brosandi
Hendumst í hringi
Höldumst í hendur
Allur heimurinn óskýr
Nema þú stendur

Rennblautur
Allur rennvotur
Engin gúmmístígvél
Hlaupandi í okkur?
Vill springa út úr skel


Vindur í
Og útilykt? af hárinu þínu
Ég lamdi eins fast og ég get
Með nefinu mínu
Hoppa í poll
Í engum stígvélum
Allur rennvotur(rennblautur)
Í engum stígvélum

Og ég fæ blóðnasir
En ég stend alltaf upp
(Hopelandish)
Og ég fæ blóðnasir
En ég stend alltaf upp
(Hopelandish)

Quelle:

https://www.songtexte.com/songtext/sigur-ros/hoppipolla-7bd956ec.html

Tag des Pfützenspringens

Dieses ist unser ältestes Pfützenbild aus Dezember 1982 – so das vorläufige Ergebnis der Recherche im Fabrikarchiv.

Wir haben den Tag des Pfützenspringens unter den kuriosen Feiertagen rausgebuddelt, weil wir am Thema Pfütze einfach nicht vorbeikönnen. Was mensch schon daran sieht, dass wir schon viermal im Blog zu Pfützen etwas zu schreiben fanden, siehe unten.

In der Seite der kuriosen Feiertage ist vermerkt:

„Platsch im Matsch! Man kann ja nach wie vor davon ausgehen, dass das Wetter zu Beginn des Jahres eher in die Kategorie kalt und nass fällt.

Wie lässt sich der National Step in a Puddle and Splash Your Friend Day am besten feiern?

Nun, der Name ist hier sozusagen Programm und sollte wörtlich genommen werden. Das traditionell eher verregnete bzw. kalte Wetter zum Jahresbeginn schafft die besten Voraussetzungen für diesen kuriosen Aktionstag am 11. Januar: Pfützen.

Beim National Step in a Puddle and Splash Your Friend Day geht es nämlich darum, sich eine besonders große und matschige Pfütze auszusuchen und seine Freunde durch einen beherzten Sprung nass zu machen. Kurzum, dieser Ehrentag des Pfützenspringens richtet sich primär an Kinder. Große und Kleine ;)“.

Wie die jeweiligen Reaktionen ausfallen werden, mag sich Jede:r selber ausmalen.

https://www.kuriose-feiertage.de/step-in-a-puddle-and-splash-your-friend-day/

Mensch kann sich der Pfütze individuell stellen, aber auch in Gemeinschaft die Sache aus der Welt schaffen.

1984

Trotzdem, was dem Hof fehlt, ist eine Drainage. Die ging verloren, als das Erdreich wegen der Kontamination mit Chlorkohlenwasserstoffen abgetragen wurde. Die Wiederherstellung des Drainagesystems wird ganz sicher ein großes Projekt in hoffentlich recht naher Zukunft. Wer kann das anpacken?

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bisher im Blog:
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/03/23/welttag-der-meteorologie/
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/07/03/pfutze-im-fabrikhof/
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/08/28/pfutzen-gestalten-den-fabrikhof/
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/09/23/pfutzen-entstehung-und-verstetigung/

Fotos: Archiv der Regenbogenfabrik

Der Mann der Sterne und Berlin

Am 10. Januar 2016 war ich noch im Gymnasium und las während einer Pause auf den Mädchenklo des Untergeschosses meiner Schule eine Nachricht meiner Mutter: „David Bowie ist gestorben“.
Ich war schon da eine Riesenfan von Rock und Rockgeschichte; deswegen hat mich die Neuigkeit auch im Bauch getroffen.
Wie lebt man in einer Welt ohne David Bowie?

Es scheint so, als ob der Mann jedem Bürgersteig, den er bestiegen hat, ein bisschen Magie verlieh. Und auch die Bürgersteige Berlins hatten dieses Glück. Von 1976 bis 1978 wohnte Bowie im westlichen Teil der Hauptstadt und ließ sich durch den herzrasenden Rhythmus des Nachtlebens für drei Alben inspirieren, mit der bekanntesten Schöpfung, dem Lied „Heroes“ auf dem Album gleichen Namens. Dieses Lied erzählt die Geschichte eines Berliner Paares, das sich an der Berliner Mauer unter den Schüssen küsst und wurde auch in einer deutschsprachigen Version aufgenommen („Helden“).
Der Künstler lebte in Schöneberg und spielte eine große Rolle in der Berliner Musik- und Partyszene. Er ging nach Kreuzberg, um seine Musik aufzunehmen, in den bekannten Hansa Studios in der Köthener Straße. Er ging in den Dschungel, den er 2013 in der Single „Where are we now?“ zelebriert, um zu feiern.
Er begegnete Iggy Pop, Edgar Froese und weiteren Künstlern, die alle von dieser Stadt inspiriert waren. Durch den Film Lust and Sound in Westberlin von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange, kann man einen einzigartigen Einblick in die blühende Szene dieser Zeit und noch weiter kriegen.

Der westliche Teil der heutigen Hauptstadt galt in den 70ern und 80ern als alleingelassene Insel im Ostblock, wo Gesellschaft und Kreativität sich mehr als in anderen westlichen Städten frei entwickeln konnten. Für Manche war es Chaos, für andere eine Utopie. Für David Bowie pure Kreativität.

Am 10. Januar 2016 starb die Legende an Leberkrebs, zwei Tage nach seinem Geburtstag und nach der Veröffentlichung seines letzten Albums Blackstar. Nur ein paar Jahre lebte er in Berlin, aber die kurze Zeit haben sich Berlin und Bowie, Bowie und Berlin in ganz bedeutender Weise gespiegelt und beeinflusst.

Charlotte Castillon

in memoriam – Franz Keller

Wir erinnern an einen ganz ungewöhnlichen Unterstützer in unserer Geschichte.

Nachruf im Tagesspiegel von Claudia Keller:
Gott braucht ihn nicht in Indien. Gott braucht ihn in Kreuzberg

In den 1920er und 30er Jahren zieht es viele Schweizer in die Ferne, selten allerdings aus romantischen Motiven. Sie suchen Arbeit. Ein älterer Bruder von Franz Keller wandert nach Chile aus, ein zweiter fährt nach Afrika.
Franz Keller will nach Indien, als Missionar. Weil er dort außerdem Schulen bauen möchte, studiert er Architektur. Und weil er weiß, dass die Jesuiten ihre Missionare nach Indien schicken, bewirbt er sich um die Aufnahme in den Orden. Die Exerzitien, die er als Novize zu absolvieren hat, muss er für den Militärdienst unterbrechen. Monatelang hilft er bei Lawinenschäden und schleppt Baumstämme. Immer wieder muss er ins Krankenhaus, weil sein Rücken kaputt ist.
1950 wird er endlich Jesuit. 1952 verbietet Indien den Missionaren die Einreise. Die Sehnsucht bleibt. Im österreichischen Feldkirch betreiben die Jesuiten ein Internat. Franz Keller kümmert sich um Sanierung und Ausbau der Gebäude. 1960 ist es endgültig klar: Der Orden wird ihn nicht mehr in die Ferne schicken, auch weil er inzwischen zu alt ist. Er bittet Gott um Demut. Es geht um das Große und Ganze und darum, wo Gott einen braucht.
Franz Keller braucht er in Indien offenbar nicht. Als er nichts mehr erwartet, macht ihm sein Orden doch noch ein Angebot. Ob er sich vorstellen kann, nach Berlin zu gehen, nach Kreuzberg, zu den Arbeitern, Flüchtlingen, Hausbesetzern.

Bruder und Neffe besuchen ihn in Kreuzberg. Sie sind entsetzt. Jeden Morgen geht Franz in die Fabrik und steht am Fließband. Abends kehrt er heim in eine Wohngemeinschaft mit drei anderen Jesuiten und einer zuweilen unüberschaubaren Zahl von Flüchtlingen und sonst wie gestrandeten Menschen. Im „Trinkteufel“ unten im Haus treffen sich Hausbesetzer und Punks. Wie hält Franz, der Intellektuelle, der Freund der Berge und der Weite das hier aus? Franz lächelt durch seine große, altmodische Brille und sagt: „Wenn ich die Menschen und ihre Nöte und Wünsche verstehen will, muss ich mit ihnen leben.“ Jesus ging doch auch zu den Ausgegrenzten auf die Straße und lebte mit ihnen.
Fünf Jahre lang zieht Franz Keller bei Elektrolux in Tempelhof Plastikhäute über die Innenwände von Kühlschränken. Oft tut ihm der Rücken weh, doch er beklagt sich nicht. Aber wenn seine deutschen, italienischen und türkischen Kollegen für einen besseren Gesundheitsschutz und mehr Geld kämpfen, kämpft er mit. Den Hausbesetzern in der Regenbogenfabrik zeigt er, wie man Toiletten einbaut und Holz bearbeitet. Weihnachten und Ostern fährt er zur Familie in die Schweiz. Bruder Leo ist Betriebswirt, konservativ, redet dem Kapitalismus das Wort. Franz vertritt die Sicht der Schwachen und Abgehängten. Es prallen Welten aufeinander, und doch zerbricht nie etwas. Die Kunst des Ausgleichs betreibt Franz in seiner Kreuzberger WG tagtäglich.
Als Streitereien eskalieren und ein Gast dem anderen droht, ihn aus dem Fenster zu werfen, kommt er in die Küche und sagt nur: „Das hat es hier noch nie gegeben.“ Es wirkt wie ein Schnitt, die Luft ist raus, es wird still. Wer um einen Schlafplatz bittet, wird aufgenommen. Oft sind es misstrauische, verletzte Menschen. Manche bleiben über Nacht, andere für Jahre. Franz ist der ruhende Pol. Seine Mitbrüder organisieren Mahnwachen vor dem Abschiebegefängnis und Friedensgebete mit Muslimen, Juden und Hindus. Franz steht nicht in der ersten Reihe, aber er macht alles mit. Dienstagabends essen sie alle zusammen, erzählen, wie es ihnen geht, und feiern am Wohnzimmertisch die Messe. Jeden Morgen Punkt halb neun trinkt er seine Ovomaltine, drei Esslöffel Pulver, heißes Wasser, kalte Milch. Sein schmales Bett steht in einem Durchgangszimmer, nur durch einen Vorhang abgetrennt. Neben dem Bett ein kleines Regal, darüber ein Fotokalender aus der Schweiz und ein Haken für Hosen und Pullover. Wenn er mal ganz für sich sein will, geht er in die Kirche um die Ecke und betet. Oder er steht um drei Uhr nachts auf, setzt sich aufs Fahrrad und fährt 200 Kilometer.
Manchmal kommt er mit Verletzungen zurück. Franz fährt schnell und wild. Er drängt sich nicht auf und redet nie schlecht über andere. Mit Kritik spart er nur dann nicht, wenn es um die katholische Kirche geht. Sie ist ihm zu verkrustet, zu wenig menschenfreundlich. Sein Neffe hat ihn ein einziges Mal zornig erlebt: als ihn der Ordenschef fragt, ob er nicht lieber in ein Altenheim in die Schweiz zurückkehren möchte.

In der Nacht, als es ihm schon sehr schlecht geht, feiert eine afrikanische Mitbewohnerin in der WG ihren Geburtstag. Nur eine dünne Wand trennt die Feiernden von dem Sterbenden. So hat er es sich gewünscht. So wäre es wohl auch in Indien gewesen.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/franz-keller-geb-1925/9934398.html