1.Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?
Ich bin seit August 2010 auf der Fabrik, mit kurzer Unterbrechung nach der Geburt von Rosalie im März 2011. Ich war erst im Café … eine echt lange Geschichte, die wohl einen eigenen Fragebogen bräuchte. Jetzt bin ich schon das dritte Jahr in der Kita und das ist auch gut so :).
2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?
Gerne sitze ich, besonders im Frühling und Sommer, entweder vorne am Rand des Podestes oder hinten auf dem Poller, an den Baum gelehnt, mit Blick über den Hof. Wenn dann noch eine leichte Brise weht und das Rauschen der Blätter zu hören ist, einfach perfekt! Schön ist es auch, in lauschiger Runde zusammen zu sitzen, bei guter Stimmung. Dann ist es egal, wo ich sitze; dann wird alles zum Lieblingsort in der Fabrik.
3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?
Leben | gemeinsames kollektives Leben|Lebensbeziehung
4. Lieblingsessen in der Kantine?
Ich fand die Linsensuppe immer super und der Fisch… – mmmh.
5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?
Eine lange gesicherte glückliche Zukunft. Dass sie immer in Bewegung bleibt. Solidarische Menschen mit dem gewissen Blick über den Tellerrand, die gemeinsam den Widrigkeiten des Lebens trotzen!
Wann ist Suse in der Regenbogenfabrik angekommen? War es in den 90er Jahren? Gerne war sie Gast im Café und hat sich dort immer willkommen gefühlt und ist schnell mit allen dort warm geworden. Als sie kam, hatte sie schon ein buntes Leben hinter sich, unter anderem hatte sie als Erzieherin gearbeitet.
Als wir mit dem deutsch-polnischen Begegnungsprojekt begannen, haben vor allem die „Kochevents“ für Begegnung gesorgt. Suse war gern mit von der Partie, wenn wir gemeinsam 12-gängige Weihnachtsmenues nach polnischer Art kochten und verputzten. Einmal sind wir dafür sogar bis nach Bartoszewo, nördlich von Stettin, gefahren.
Auch für eine Ausstellung zu grünen Höfen in Kreuzberg sind wir gemeinsam nach Stettin. Im Stadtteil Turzyn, im Restaurant Cutty Sark, haben wir damals auf die Eröffnung angestoßen.
Zum 20. Geburtstag der Regenbogenfabrik gab es ein besonderes Präsent: Ewa Maria hatte sich ein Praktikum für neue Medien organisiert und sie hatte uns zum Geschenk gemacht, eine Präsentation der Regenbogenfabrik zusammenzustellen. Um alle Informationen zusammenzutragen und gemeinsam zu editieren, haben sich Suse und Ewa Maria für Monate jede Woche getroffen. Die Präsentation der CD Rom fand dann im Dezember 2001 im Kino statt. Die damals neuen Medien sind inzwischen ziemlich überholt; es gelingt nicht, euch das schöne Produkt übers Netz zur Verfügung zu stellen. Doch eine Seite können wir hier zeigen:
2001 | Auszug aus der Jubiläums-CD
Auf den weiteren Bildern ist Suse bei verschiedenen Hoffesten zu sehen, dabei ist vor allem sichtbar, dass sie über Jahre eine große Marmeladenproduktion gestemmt hat. Das war superbeliebt und wir haben alle bedauert, als es ihr irgendwann zu viel wurde und sie nur noch im kleinen Maßstab produzierte.
Schlussendlich hat sie noch für Jahre im Buchladen Anagramm gearbeitet und diese Tätigkeit sehr geliebt. Ein Tipp von ihr war immer Gold wert, sie hat immer viel Verständnis dafür gehabt, was für die Kinder interessant war.
Ach, im Jahr 2018 ist dann Achim gestorben, mit dem sie schon seit einer Weile zusammen war. Lang hat es dann nicht mehr gedauert, nach acht Monaten ist sie ihm schnell hinterher.
1999 Kochevent in Bartoszewo
2000 in Stettin nach der Ausstellungseröffnung
2001 Präsentation der CD-Rom zum 20. Geburtstag der Regenbogenfabrik
Erinnerung an die Doable Geschichtenerzähler:innen Pınar Özütemiz, Hannah Demtröder, Qwigo Lydia & Mahali 6
„It don’t mean a thing if it ain’t got that swing“ ~ Duke Ellington.
Rhythmus ist alles und überall. Mit dem Aus- und Einatmen fangen alle im Leben an. Und noch dazu: Im Durchschnitt atmen wir 18 Mal pro Minute ein. Das heisst 1.080 Atemzüge pro Stunde und 25.920 pro Tag.
Die Astronomen berechnen das Kosmische / Platonische Jahr, das die Sonne braucht, um sich durch alle Tierkreiszeichen zu bewegen und in ihre ursprüngliche Position zurückzukehren, mit 25.920 Jahren.
Darin können wir eine Magie, eine Symphonie des Kosmos entdecken: Ein Jahr im Universum hat genau die gleiche Anzahl in Jahren als die Atemzügen, die wir an einem Tag hier auf der Erde nehmen.
Wie benutzt du dann deinen Atem? Wie wirst du bis an deine Grenzen gehen? Wie wirst du jeden Tag deine Geschichte erzählen?
Wir Doable Storytellers, zusammen mit der Vokal-Improvisationsgruppe ‚Mahali 6’, laden zum Erzählabend ein:
BODY MUSIC: Vibrate the Limits – Die Grenzen zum Schwingen bringen.
Ein Abend mit Zaubermärchen, spontanen Liedern und wahren Geschichten aus unseren menschlichen Leben, die an den Grenzen rütteln.
In Deutsch, Englisch, Türkisch und erfundenen Sprachen.
Mein Freund Albrecht (genannt Ulbricht, weil er in der SDAJ ist) und ich wollen nach Berlin.
Wir haben nur 50 DM, stellen uns an die Straße und trampen.
Fahrt ins Blaue – ohne Übernachtungsadresse.
In Berlin gibt es viele besetzte Häuser – da kommen wir schon unter.
Gegen Abend sind wir in Kreuzberg. Das erste Mal. Aufregend!
Wir treiben uns rum, gehen in eine Ausstellung.
Galerie Endart, Oranienstraße – Kunst auf Pommes-Pappen, Skulpturen aus Schrott.
Ziehen von einer Kneipe in die nächste.
Irgendwann sind wir müde.
Fragen einen Punk an der Ecke, wo man jetzt am besten pennen kann.
Der sagt ‚Rauchhaus‘.
Wir sollen einfach hingehen, klopfen und ganz laut ‚Rudi‘ rufen.
Das machen wir.
Irgendjemand macht auf, zeigt uns einen großen Raum, wo wir uns hinlegen können…
Wir sehen im Dunkeln nur abstehende Haare und Springerstiefel.
Legen uns todmüde dazwischen.
Am nächsten Tag wachen wir irgendwann auf.
Wir gehen frühstücken – ins Café ‚Jenseits‘.
Bestellen uns 2 feiste Käseteller, Müsli, Milchkaffee, Orangensaft.
Wir haben noch gut die Hälfte von unseren 50 DM.
Ulbricht geht sich rasieren.
Ich soll schon mal bezahlen und stelle fest, daß mein Portemonnaie fehlt. Auch mein Pass ist weg. Scheiße.
Ulbricht kommt von der Toilette zurück: sein Geld und Pass sind auch nicht mehr in seinem Rucksack.
Wir sind aufgeschmissen.
2 ältere Damen am Nebentisch haben Mitleid mit uns und übernehmen die Rechnung.
Jetzt müssen wir erstmal dringend einen neuen Pass auftreiben.
Berlin ist noch eine Insel in der DDR.
Also gehen wir zur nächsten Polizeiwache.
Natürlich fragen sie, wo wir unsere Ausweise haben und wir sagen, wir haben sie verloren – weil wir ja die Leute im Rauchhaus nicht reinreiten wollen…
Sie geben uns ein Formular für einen kostenpflichtigen behelfsmässigen Pass.
Dafür brauchen wir allerdings auch noch ein Foto.
Weil wir ja nun gar kein Geld mehr haben – weder für die Pässe, noch für die Fotos – stellen wir uns an die Gedächtniskirche und schnorren.
Bis wir die nötigen 15 DM zusammen haben, vergehen Stunden.
Endlich laufen wir mit unserem Kleingeld rüber zum Bahnhof Zoo, wo es einen Fotoautomaten gibt. Wir werfen das Geld ein.
Und… nichts passiert.
Ulbricht ist so sauer, daß er kräftig mit seinem Springerstiefel gegen den Automaten tritt.
Plötzlich setzt sich das Ding in Bewegung… und hört nicht mehr auf zu knipsen!
Wir machen zig Fotos in den albernsten Posen und als uns langweilig wird, sagen wir den vorbei gehenden Leuten Bescheid, daß es hier Passfotos umsonst gibt. Das Angebot wird begeistert angenommen. Im Nu bildet sich eine Schlange.
Wir fahren zurück zur Polizeiwache und knallen dem unfreundlichen Beamten unseren Stapel Fotos auf den Tisch. Wir sagen: Bitte! Können sich eins aussuchen!
Den Rest des Tages verbringen wir – wartend auf ein Blitz-Giro von Ulbrichts Tante an eine entfernte Charlottenburger Freundin der Mutter, die ja gar nicht wissen durfte, daß wir in Berlin sind – am Wannsee.
Wir rauchen Joints mit irgendwelchen bunt gefärbten Typen.
Gegen Abend ist das Geld da.
Wir essen uns satt und stellen uns wieder an die Straße zurück nach Bremen.