Der Mann der Sterne und Berlin

Am 10. Januar 2016 war ich noch im Gymnasium und las während einer Pause auf den Mädchenklo des Untergeschosses meiner Schule eine Nachricht meiner Mutter: „David Bowie ist gestorben“.
Ich war schon da eine Riesenfan von Rock und Rockgeschichte; deswegen hat mich die Neuigkeit auch im Bauch getroffen.
Wie lebt man in einer Welt ohne David Bowie?

Es scheint so, als ob der Mann jedem Bürgersteig, den er bestiegen hat, ein bisschen Magie verlieh. Und auch die Bürgersteige Berlins hatten dieses Glück. Von 1976 bis 1978 wohnte Bowie im westlichen Teil der Hauptstadt und ließ sich durch den herzrasenden Rhythmus des Nachtlebens für drei Alben inspirieren, mit der bekanntesten Schöpfung, dem Lied „Heroes“ auf dem Album gleichen Namens. Dieses Lied erzählt die Geschichte eines Berliner Paares, das sich an der Berliner Mauer unter den Schüssen küsst und wurde auch in einer deutschsprachigen Version aufgenommen („Helden“).
Der Künstler lebte in Schöneberg und spielte eine große Rolle in der Berliner Musik- und Partyszene. Er ging nach Kreuzberg, um seine Musik aufzunehmen, in den bekannten Hansa Studios in der Köthener Straße. Er ging in den Dschungel, den er 2013 in der Single „Where are we now?“ zelebriert, um zu feiern.
Er begegnete Iggy Pop, Edgar Froese und weiteren Künstlern, die alle von dieser Stadt inspiriert waren. Durch den Film Lust and Sound in Westberlin von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange, kann man einen einzigartigen Einblick in die blühende Szene dieser Zeit und noch weiter kriegen.

Der westliche Teil der heutigen Hauptstadt galt in den 70ern und 80ern als alleingelassene Insel im Ostblock, wo Gesellschaft und Kreativität sich mehr als in anderen westlichen Städten frei entwickeln konnten. Für Manche war es Chaos, für andere eine Utopie. Für David Bowie pure Kreativität.

Am 10. Januar 2016 starb die Legende an Leberkrebs, zwei Tage nach seinem Geburtstag und nach der Veröffentlichung seines letzten Albums Blackstar. Nur ein paar Jahre lebte er in Berlin, aber die kurze Zeit haben sich Berlin und Bowie, Bowie und Berlin in ganz bedeutender Weise gespiegelt und beeinflusst.

Charlotte Castillon