Prekäre Arbeit gefährdet die Demokratie

Dies ist ein spontan geschriebener Beitrag! Aufgefallen ist mir heute ein Interview im Tagesspiegel mit dem Sozialphilosophen Axel Honneth, der nächste Woche vom 16.-18. Juni im Freiluftkino Hasenheide sprechen wird. Das geschieht im Rahmen der Benjamin Lectures. Die Lectures richten sich bei freiem Eintritt an die breite Öffentlichkeit. Vortragssprache ist deutsch, es wird simultan ins Englische übersetzt.

Für die Teilnahme an den Lectures ist eine Anmeldung gemäß den Covid-19-Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Anmeldung unter: www.freiluftkino-hasenheide.de 

Mehr über die Organisation, die die Lectures veranstaltet: http://criticaltheoryinberlin.de/benjamin-lectures/

Im Interview sagt Honneth: „Ich denke grundsätzlich darüber nach, wie Arbeitsverhältnisse gestaltet sein müssen, um eine Mitwirkung an der demokratischen Willensbildung zu befördern. Diese eigentlich selbstverständliche Frage wird viel zu selten gestellt. Es geht mir nicht nur darum, über prekäre Beschäftigung und unzureichende Bezahlung zu klagen. Auch die Art und Weise, wie viele Beschäftigungsfelder verfasst sind, ist ein Problem; wie zum Beispiel die strukturelle Eintönigkeit zahlreicher Tätigkeiten. Wie Arbeit organisiert, anerkannt und bezahlt wird, hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, ob Menschen sich am demokratischen Prozess beteiligen oder nicht.“

Solche Gedanken machen mich neugierig auf mehr. Und darauf, ob es auch zur Sprache kommt, dass Demokratie weithin an den Toren von Fabriken und Büros endet. Und wie wir ins Gespräch darüber kommen, wie das zu ändern ist.

Christine

New Yorck im Bethanien

2005 | Fünf Tage nach der Räumung der Yorck59 besetzen ehemalige Bewohner*innen und Unterstützer*innen zwei Etagen im linken Seitenflügel des symbolträchtigen Bethanien am Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg.
Sie gaben dieser Besetzung den Namen „New Yorck“ und erklärten, bleiben zu wollen, bis der Bezirk einen „angemessenen Ersatz“ für die geräumte Yorckstraße 59 anbieten würde. Da der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als Eigentümer des Bethanien keine Anzeige erstattete und wahrscheinlich auch wegen des Straßenfestes, das an dem Tag der Besetzung auf dem Mariannenplatz stattfand, räumte die Polizei die Besetzer*innen nicht.

Was war da in der Yorckstraße 59?
Die unermüdlichen Zeug*innen vom Umbruch Bildarchiv haben da Informationen und Bilder.

Und heute so:

40 Jahre Heilehaus

Im Februar 1981 wurden der Seitenflügel, das Gartenhaus und eine Ladenwohnung in der Waldemarstrasse 36 besetzt.
Das besetzte Haus wurde HeileHaus genannt. Die Besetzer*innen kamen aus dem Umfeld von Selbsthilfe- und Lerngruppen, die sich schon länger mit einer naturheilkundlichen Behandlung von Krankheiten beschäftigten. Aus einer kritischen Haltung gegenüber der Schulmedizin mitsamt der Tablettenschwemme der Pharmaindustrie und dem staatlichen “Gesundheitssystem” entstand der Wunsch ein ganzheitliches Gesundheitskonzept – bestehend aus guter Ernährung, Bewegung, Körperarbeit, Hygiene, Beratung auf naturheilkundlicher Grundlage, Selbstverantwortung und Raum für Gespräche und meditative Tätigkeiten im HeileHaus zu verwirklichen. Das Haus hatte vor der Besetzung 8 Jahre lang leer gestanden und war in einem sehr schlechten Zustand.

Mit Hilfe von Spenden von Netzwerk und dem Gesundheitsladen und sehr viel Eigenleistung und Engagement der Besetzer*innen und Unterstützer*innen wurde das Haus winterfest und nach und nach die Räume nutzbar gemacht. Die schönen Backsteinhofgebäude blieben erhalten und die Fassade und das ganze Haus wurden behutsam saniert. Recht schnell entstand in der Ladenwohnung ein Café mit Kiezküche, wo es täglich eine warme Mahlzeit gab. Das war das Café Schlüpber – so genannt, weil sich in dem Laden vormals ein Wäschegeschäft befand.

Liebes Team vom Heilehaus! Euren Geburtstag haben wir nicht verpennt. Am 27. Februar haben wir erst aktiv geträumt von unserem Geburtstagsblog. Doch nun wollen wir nicht warten, bis es wieder Februar wird, um euch zu gratulieren.

Lieber alle dran erinnern, dass wir gemeinsam mit der Schokofabrik und dem Kinderbauernhof am Mauerplatz eine Ausstellung im Kreuzberg Museum vorbereiten: Dann machen wir’s halt selbst – 40 Jahre selbstorganisierte Räume in Berlin

Genießen wir bei der vielen Arbeit, die eine Ausstellung macht, die Erinnerung und wünschen uns weiter viel Erfolg und Energie für die nächsten 40 Jahre!

Mehr zu lesen übers Heilehaus auf ihrer Homepage:

Regenbogenkind

Aufgewachsen bin ich auf dem ursprünglich chemieverseuchten, wunderschönen Boden der Regenbogenfabrik: hatte meine Eltern und co Eltern und besten Freunde hier, bin in den Schüli gegangen, hab im Toberaum Übernachtungsparties gefeiert, an die anschliessend ein Elternplenum stattfand und bei Ralph abgehangen. Eine kleine normale Kreuzberger Göre.

Auch gründete sich hier im Hinterhof das «erste Kreuzberger Einradchaos» aus dem später Cabuwazi wurde. (Damals waren Einrad fahrende Kinder noch etwas besonderes und nicht im Stadtbild allgegenwärtig.)

Dann musste ich mit 17 Jahren wirklich mal weg und zog in einen Bauwagen und später in besetzte Häuser in Berlin… und von dort in die Welt. Mit meinem Camping Bus nach Holland, wo ich einen Bachelor in der Hochschule für circus and performance art machte und in verschiedenen Projekten und besetzten Häusern in Holland, später Brüssel und Frankreich wohnte. Mit unserem Zirkus Musik-Kollektiv «cirque du platzak» (platter sack – ohne geld) und mit meinem Solo, einem Plastik Vorhang, tourten wir durch Europa.

Als vor 3 Jahren unsere Tochter Lotta Lucie in die Welt kam, reisten wir mit dem LKW nach Berlin und sind geblieben.

Seit November 2020 sind wir wieder im Haus der Regenbogenfabrik und Lotta identifiziert sich schon voll mit «unserer» Regenbogenfabrik.

Ich würde gerne der Regenbogen zum Geburtstag einen Auftritt schenken, der kommt allerdings erst im Sommer 2022, weil in diesem Sommer der Bruder von Lotta seine Premiere hat.

Darum hier schon mal der Teaser zu dem politischen Zirkusmärchen INSIDE:

https://www.leilakoeckenberger.net/

https://www.lamulecirque.com/who

und last but not least ein Link zu Leilas aktuellem Projekt:
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/10/07/circus-lesvos/