Geburtstagskind des Tages – Lars

Lars ist seit vielen Jahren Teil der Regenbogenfabrik und hat in über 10 Jahren viele Gruppen und Bereiche mitgestaltet. Im Interview erzählte er uns, dass er sich besonders gern daran erinnert, dass er hier Leute zum Lachen bringen kann: Im Café antwortete er auf die Frage, ob es auch ein Kehrblech hier gebe, das Café wäre nicht das Bauhaus. Soweit so richtig, aber so trocken und wahrheitsgemäß vorgetragen, löste er freudig schallendes Gelächter aus. (Ob die fragende Dame am Ende zu ihrem Kehrblech kam und wozu sie es eigentlich brauchte, ist derweil nicht übermittelt.)

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Erst habe ich ab 2010 für ein Jahr nur im Kino mitgearbeitet. Danach war ich bis 2020 zusätzlich im Café-Team und jetzt mache ich hier wieder nur noch Kino und Kultur.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Am Liebsten mache ich einen kleinen Rundgang einmal über den Hof.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Fairness

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Salate in allen Varianten.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

In den Köpfen der Regenbogenleute ist alles möglich. Es ist immer Bewegung drin und der Ort hat Raum und Rahmen dafür. Ich wünsche der Regenbogenfabrik, dass das so bleibt.

Anti-Berliner Schutzwall

1987 | Zitat aus der taz:

Am 17. Juni, 18.00 Uhr an der Kottbusser Brücke in Berlin– Kreuzberg: In Windeseile laden Bauarbeiter neun riesige Mauerteile von der Ladefläche eines Lkw und bauen sie auf der Fahrbahn auf. Kreuzberg ist abgeriegelt; nur für den an– und abfahrenden Verkehr bleiben zwei kleine Schlupflöcher. Ein Schild erläutert die Baumaßnahmen des Senats zum Schutz gegen die Kreuzberger „Anti–Berliner“. Passanten reagieren verwirrt und schockiert: „Reißt die Mauer ein!“ ruft jemand. Ein „Senator für Architektur und Inneres“ – er trägt Frack und Bundesfahne – gibt in einer Ansprache an die „lieben Berlinerinnen und Berliner“ bekannt, der Senat habe „nach dem durchschlagenden Erfolg der Kreuzberger Blockade vom 12.6. in geheimer Sitzung den Bau des Anti– Kreuzberger Schutzwalls beschlossen“. Der Grenzübergang Kottbusser Brücke sei das erste Teilstück, das eröffnet werde. Eine Passierscheinregelung sei schon in Arbeit. Um 19 Uhr war die Mauer wieder weg.

Diese Aktion war dem Büro für ungewöhnliche Maßnahmen zu verdanken.

https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCro_f%C3%BCr_ungew%C3%B6hnliche_Ma%C3%9Fnahmen

https://linksunten.indymedia.org/de/node/89724/

Das Bild am Anfang verdanken wir Michael Hughes.

in memoriam – Helmut Markmann

Verrückt manchmal. 40 Jahre leben wir in der Stadt, hier im Haus. Viel haben wir erlebt. Wie entsteht dieser Eindruck, dass die ersten fünf Jahre länger scheinen als alle darauf folgenden zusammen?

Alte schwarz-weiß Bilder, selber in der Dunkelkammer abgezogen oder Dias in tief verstauten Kisten. An Mobiltelefone hat noch keiner gedacht, sie als sci-Fi Marotte abgetan, Bilder waren selten. Macht das die Bilder wertvoller, die Erinnerung präziser? Oder ist auch das Illusion?

Die Bilder aus den ersten beiden Jahren im Hinterhaus der Regenbogenfabrik zeigen Helmut. Helmut von Gegensatz. Gute Adresse, wie die Kreuzberg-Novizin bald lernt. Dort wird unter anderem der Südost Express produziert. Das neueste vom Neuen, gedruckt wird nicht mehr mit bleiernen Lettern, sondern im Fotosatz. Wow, ist das nun der Fortschritt, der auch Laien das Gestalten ermöglicht oder ist das der große Jobkiller? Oder endlich der Ausweg in die vier-Tage-Woche?
Fragen, die uns heute weit weg erscheinen und doch wieder neu gestellt werden. Aber das ist jetzt ein Nebenschauspiel, wichtig, aber eine Ablenkung davon, dass es darum geht, einen alten Mitstreiter aus der Besetzerzeit zu würdigen. Und dann gibt es doch nur ganz kleine Erinnerungsschnipsel. Helmut im Liegestuhl mit der taz, super typisch das Bild. Helmut vor dem Café mit Achim und Heinz, den Austausch genießend. Helmut in der Menge der Zuschauer beim türkischen Theaterstück im Regenbogenhof.

Die Bilder, was haben sie ausgelassen? Die Arbeitseinsätze, wenn Helmut sich handwerklich eingebracht hat im besetzten Haus. In den ersten Besetzerjahren jeden Herbst mit Hand angelegt, das Haus winterfest zu machen. Und alte Böden raus gerissen, um den Schwamm zu bekämpfen. Um dann nach getaner Tat mit der „Gourmetgruppe“ immer wieder zum Festmahl zusammenzukommen.

Lange war er im Kollektiv tätig, mit allen Sorgen und Nöten. Einerseits die Freiheit, sich Aufträge aussuchen zu können. Nicht für Kredithaie und auch nicht für jemanden arbeiten, der unbedingt auf Motive mit sexuellem Charakter in der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit Wert legt. Sich darüber Gedanken machen können, wer mit den eventuellen Gewinnen unterstützt werden kann.

Ein paar Jahre geht’s gut, dann fressen die Kosten allen die Haare vom Kopf. Die unsolidarische Rechtsform bürdet die Verantwortung den sogenannten Geschäftsführern auf, die kollektive Arbeitsweise zerbricht an den Widersprüchen, man trennt sich.

Helmut arbeitet an anderer Stelle weiter, engagiert sich, weiß wofür. Er will nochmal alles auf eine Karte setzen. Genug Geld, um in Thailand das Leben neu zu beginnen. Dazu kommt es nicht mehr, die Arbeit fordert alles, das Herz hält nicht stand. Im Sommer 1991 stirbt Helmut, bevor er seinen Traum umsetzen konnte.

chz

Der Stoff, aus dem wir sind

– Warum wir Natur und Gesellschaft neu denken müssen

Buchvorstellung | Fabian Scheidler im Gespräch mit Ute Scheub

Wir waren gezwungen, die Veranstaltung abzusagen.

DIE BAHN HAT ES NICHT GESCHAFFT, FABIAN ZUR RECHTEN ZEIT NACH BERLIN ZU BRINGEN. DIE VERANSTALTUNG IST FÜR HEUTE ABGESAGT!

Wir verschieben auf

Do., 12.8.2021 um 19:00 aus dem RegenbogenKino
(auch dann gilt: bei schönem Wetter live im Hof)

hier die Aufzeichnung:
https://www.youtube.com/watch?v=vRHm76Yfkws

Die Veranstaltung findet bei gutem Wetter im Hof der Regenbogenfabrik statt.
Willkommen getestet, geimpft, genesen!
Parallel ist auch die online-Teilnahme möglich. Wenn es regnet oder die Prognose danach aussieht, findet die Veranstaltung nur online statt.
Schaut bitte tagesaktuell auf unsere Webseite http://www.regenbogenfabrik.de oder Twitter: @rbf_xberg, ob Ihr Euch auf den Weg macht oder vor dem Computer zu Hause bleibt.

Ökologische Krise und Klimachaos bedrohen die Zukunft der Menschheit.
Eine der Ursachen dafür ist ein technokratisches Weltbild, das die Natur zu einer beherrschbaren Ressource in der Hand des Menschen degradiert.

Fabian Scheidler zeigt in einer faszinierenden Reise durch die Geschichte der Wissenschaften, dass diese Auffassung der Natur ein tödlicher Irrtum ist.

Mit einem überraschenden neuen Blick auf das Leben, die Wissenschaft und uns selbst eröffnet dieses Buch Perspektiven für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel.

Fabian Scheidler studierte Geschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin und Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/M. Seit 2001 arbeitet er als freischaffender Autor für Printmedien, Fernsehen, Theater und Oper.
2009 gründete er mit David Goeßmann das unabhängige Fernsehmagazin Kontext TV, das u. a. von Noam Chomsky unterstützt wird und regelmäßig Sendungen zu Fragen globaler Gerechtigkeit produziert. Zahlreiche Vortragsreisen zu Globalisierungsthemen im In- und Ausland.
Veröffentlichungen u.a. in den Blättern für deutsche und internationale Politik, Otto-Brenner-Medienpreis für kritischen Journalismus (2009), Programmkoordinator des Attac-Bankentribunals an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (2010).

Als Dramaturg und Theaterautor arbeitete er viele Jahre für das Berliner Grips Theater.
2013 wurde seine Oper „Tod eines Bankers“ (Musik: Andreas Kersting) am Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz uraufgeführt. 2015 erschien Fabian Scheidlers Buch „Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation“, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.
Die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen wählte es zu den „TOP 10 der Zukunftsliteratur“. 2017 folgte „Chaos. Das neue Zeitalter der Revolutionen“, das über mehrere Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste Wirtschaft rangierte.
2019 veröffentlichte Fabian Scheidler den Foto-und Essayband „Die volle und die eere Welt“ sowie, als Herausgeber, „Der Kampf um globale Gerechtigkeit“.

Ute Scheub ist als Journalistin und Autorin für den Tagesspiegel, die Frankfurter Rundschau, die Süddeutsche Zeitung und Der Freitag tätig.[5] Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern der taz und war dort Redakteurin im Ökologieressort, dann in der Nachrichtenredaktion. Später arbeitete sie in den Lokalredaktionen Hamburg und Berlin, zuletzt war sie dort Frauenredakteurin. Seit 1997 arbeitet Ute Scheub wieder als freie Journalistin und Publizistin.