Weltvorlesetag | immer am dritten Freitag im November

So sind wir heute am Samstag einen Tag zu spät, doch der Welttoilettentag hatte am 19.11. Vortritt. Weil es ein festes Datum ist? Weil Lesen ohne Toilette möglich, aber manchmal langweilig ist?

Und warum ist der Vorlesetag spät im November? Könnte es daran liegen, dass das Wetter dann höchstwahrscheinlich schmuddelig ist und zuhause am Ofen mit schöner Tasse Kakao ein Buch einfach unwiderstehlich?

Angezettelt hatten alles die Wochenzeitung DIE ZEIT, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn. 2004 bewarben sie ihre Idee: Dabei soll jeder, der/die Spaß am Vorlesen hat, auch aktiv teilnehmen und somit einen Beitrag für eine lebendige (Vor-)Lesekultur leisten.

Also Bücher raus und mit dem Vorlesen beginnen. Euch allen einen tollen Vorlesetag. Egal ob in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. 🙂 Und! Jeder Tag kann Vorlesetag sein, ein beiderseitiger Genuss!

Und wem an einem Buch mangelt: Wir haben seit 2016 neben dem Leihräderschuppen eine Outdoor-Bibliothek!

2016 Outdoor Library – die Regeln

Entstanden im August 2016 in einer Kooperation mit Städtepartner Stettin. Der Verein ist auch für die Städtepartnerschaft des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg mit Oborishte in Bulgarien zuständig. In der Bulgarisch-Deutschen Woche war der Aufbau der Outdoor-Bibliothek ein großer Funfactor, unterstützt von unserer Kollegin aus der Holzwerkstatt.

https://staedtepartner-stettin.org/
s.a. unser Beitrag zum 25. Jubiläum des Partnerschaftsvereins am 31.10.2021

in memoriam – Doğan Akhanlı

Zuerst habe ich sein Buch gelesen, ‚Madonnas letzter Traum‘. Eine ziemlich verwickelte Geschichte, die auf einen klassischen türkischen Roman zurückgreift und den Faden ins Heute weiterspinnt. Der dramatische Höhepunkt liegt im Untergang eines mit hunderten jüdischen Flüchtlingen besetzten Schiffes, den eine Person überlebte.

Dann bin ich Doğan Akhanlı begegnet. Christine von der Regenbogenfabrik hatte mich gefragt, ob ich mich an einer Veranstaltung zur Vorstellung seines neuen Buch beteiligen wolle. Die Idee nahm bald Formen an. Doğan, der Übersetzer und Schauspieler Recai Hallac und ich würden aus dem Buch lesen und Patrick Reerink den Abend mit dem Cello begleiten. Im Anschluss sollte es ein Gespräch mit dem Publikum geben. Doğan ist ein Mensch, war ein Mensch – kaum hatte man sich die Hand zum Gruß gegeben, ein paar Worte gewechselt, schon schien man vertraut. Er strahlte pure Wärme und Freundlichkeit aus. Seine direkte, persönliche Art, sein Humor – ich fühlte mich sofort wohl in seiner Gegenwart.

Der Abend war unglaublich atmosphärisch dicht und emotional. Die Lesung aus dem Buch – sein spielerisch leichter Stil durch die Jahrzehnte zu führen, seine Nüchternheit von einer Katastrophe zu berichten – es war ein Auf und Ab der Gefühle. Eine tiefe Betroffenheit, die aus der Verbindung einer lebendig gewordenen Vergangenheit mit heutigen Tragödien entstand. Die Ägäis und ein Schiff voller Flüchtlinge, Menschen, denen Hilfe und Rettung verweigert wird. Damals und heute. Gibt es denn keine Hoffnung? Doğan hat sich mit so vielen schweren Themen beschäftigt. Dem Genozid an den Armeniern, an den Juden. Er war Realist, kein Träumer. Oder ein realistischer Träumer vielleicht. Ja, es gibt vielleicht wirklich keine Hoffnung. Das ist aber kein Grund den Humor zu verlieren. Und nicht den Mut! Nicht mit ihm. Er versprühte Energie, die ansteckende Kraft eines ‚Trotz alledem!‘.

Wir verabschiedeten uns nach einem langen, aufreibenden, beflügelnden Abend. Ich war davon überzeugt, dass ich ihm irgendwann, bei irgendeiner Gelegenheit, wieder begegnen würde. Das stand für mich ganz außer Frage. Ich habe mich schon darauf gefreut. Nun bleibt die Erinnerung. Sie ist so viel wert.

Katja Zanger

Hier möchte ich noch erinnern, mit welchen Veranstaltungen Doğan in der Regenbogenfabrik unser Kulturleben bereichtert hat. Schritt für Schritt konnte ich entdecken und darüber bin ich in aller Trauer froh.

Christine

Die Veranstaltung Verhaftung in Granada kann im Internet auch noch entdeckt werden:
https://www.youtube.com/watch?v=elh9HgIYgdE

Der 17. November 1973 ist einer der wichtigsten Tage in der neueren Geschichte Griechenlands

Das Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin erinnert Euch heute an ihn.

Zu dem Zeitpunkt – und das schon seit 1967 – herrschte in Griechenland eine blutige Militärdiktatur. Die Obristenjunta ging gnadenlos gegen Linke und Oppositionelle vor: Verhaftungen, Verbannung, Folter und Mord waren an der Tagesordnung. Doch schon seit einiger Zeit regte sich Widerstand in der Bevölkerung, der am 14. November seinen Höhepunkt erreichte.
Student:innen besetzten das Athener Polytechnikum und riefen über einen improvisierten Radiosender die Bürger:innen zum Aufstand gegen das Regime auf. Viele Kommiliton:innen, aber auch Arbeiter:innen und Schüler:innen demonstrierten in der Stadt. In den frühen Morgenstunden des 17. November dann durchbrachen Militär und Polizei den Eingang des Polytechnikums und räumten das Gebäude mit Gewalt. Viele Verletzte und über 20 Tote waren in dieser Nacht zu beklagen.

Wenige Monate später, im Juli 1974, war die Herrschaft der Obristen beendet. Der Aufstand vom 17. November aber bleibt bis heute frisch und lebendig im Gedächtnis der linken und demokratischen Bewegungen in Europa.

Interessant? Ihr wollt mehr wissen und diskutieren über politische und soziale Kämpfe in Griechenland gestern und heute? Und wie ihre Verbindung ist zu uns hier in der Bundesrepublik und in Berlin?
Dann kommt zum „Griechischen Salon“ – einer Veranstaltungsreihe vom Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin in Kooperation mit der Regenbogenfabrik. Nach viel online in der letzten Zeit sind wir ab Januar 2022 wieder live und in Farbe in der Regenbogenfabrik – wir geben rechtzeitig die Termine bekannt!

Foto: Denkmal für die Opfer des Aufstands vom November 1973 im Hof des Athener Polytechnikums. Veröffentlicht unter CC BY-SA 3.0 Lizenz. Urheber el:Χρήστης:Gepsimos.

SelbstBau e.G.

Am 16. November 2020 schloss die SelbstBau e.G. den Erbbaurechtsvertrag für das Grundstück Lausitzer Straße 22 e–f in Kreuzberg ab – unser Wohnhaus also, „Hinterm Regenbogen“, wie wir uns seitdem nennen. Das geschah in Zusammenarbeit mit der Stiftung trias.

Die Mitglieder der SelbstBau e. G. fühlen sich Initiativen wie der unseren in besonderer Weise verbunden. In ihrer Seite schreibt die Selbstbau: „Sie haben die Grundlagen für eine soziale Stadtentwicklung erstritten, von welcher wir in Ostberlin in den neunziger Jahren profitieren konnten.“

Am 01.02.2021 hat die Genossenschaft dann endgültig die Verwaltung für das Hinterhaus mit 10 Wohneinheiten, einem Gewerbe und einem Gemeinschaftsraum übernommen.
Nach über 40 Jahren Selbstverwaltung schlagen wir somit ein neues Kapitel in unserer Selbstverwaltung auf und erforschen noch, wie wir das im Zusammenspiel mit der Genossenschaft wachsen lassen können.

Wer und was aber ist die Selbstbau e.G.?

Eine gute, sichere und sozial vertretbare Wohnungsversorgung der Mitglieder der Genossenschaft abzusichern ist das erklärte in der Satzung festgelegte Ziel der Genossenschaft.

Über die Jahre ist die Selbstbau e.G. zu einer heterogenen Gruppe von zahlreichen Wohnprojekten herangewachsen. „Die Entstehungsgeschichten der Hausprojekte sind sehr unterschiedlich und jedes unserer Mitglieder kann sicherlich von spezifischen Erlebnissen der Gruppenfindung, der Sanierung und des alltäglichen Miteinanders berichten. Unabhängig von all diesen Unterschieden waren und sind die Beweggründe, sich der SelbstBau e.G. anzuschließen, stets die gleichen und stellen somit das Leitbild der Genossenschaft dar:“

https://selbstbau-eg.de/leitbild/

Die Geschichte der Selbstbau e.G. begann mit einem Hauskauf in der Rykestraße. Damals konnte niemand voraussehen, dass sich nach dreißig Jahren 24 Häuser in der Genossenschaft organisieren.

Es muss ein schöner Moment gewesen sein, als sich heraus kristallisierte, dass das gefundene Konzept sich auf andere Häuser übertragen und entwickeln ließ. Das Grundprinzip der SelbstBau e.G. bei jeder Erweiterung war, das sich ein neues Hausprojekt mittelfristig wirtschaftlich selbst trägt und die bestehenden Projekte finanziell nicht belastet. Aus den Rücklagen der bestehenden Häuser kann
– zwischenfinanziert – grundsätzlich aber nicht subventioniert werden.

Lest darüber in aller Fülle auf der Seite der Genossenschaft:

https://selbstbau-eg.de/historie/

Wie sich eine Genossenschaft strukturiert und selbst organisiert, könnt ihr hier weiterlesen.