Wegbereiterinnen XX

Präsentation des Wandkalenders 2022
– zum 20. Jubiläum

Sa., 30.10.2021 | 19:30 | live aus dem RegenbogenKino

20 Jahre Kalender – 93 Autor:innen – 240 Wegbereiterinnen

Zur Feier des Jubiläums laden ein:
Gisela Notz (Herausgeberin)
Heike Notz, Cornelia Wenzel und Annette Vogt (Autorinnen)
Hannelore Zimmermann und Waldemar Schindowski (Verlag AG Spak)

Von den im Kalender vorgestellten Frauen werden präsentiert:
Granny Nanny | Siddy Wronsky | Lise Meitner

Musikalisch gratuliert Isabel Neuenfeldt mit Gesang und Akkordeon.

Der Wandkalender 2022 gibt wieder Auskunft über zwölf Wegbereiterinnen der emanzipatorischen Frauenbewegung aus zwei Jahrhunderten.

Manche Kämpfe sind bis heute nicht ausgefochten.

* Parallel ist die Präsentation auch im Livestream zu verfolgen.

2017 | Ausstellung der ersten 14 Kalender

2014-2021 Kalenderpräsentationen in der Regenbogenfabrik

2019 herausgekommen | Gisela Notz (Hg.): Wegbereiterinnen. Berühmte, und zu Unrecht vergessene Frauen. ISBN 9783945959275
das sind 192 Biografien von kämpferischen Frauen, ein großartiges Nachschlagewerk.

in memoriam – Conny van Geisten

Heute Conny in eigenen Worten, sein Grußwort zum 25-jährigen Jubiläum der Regenbogenfabrik 2006

Ihr führtet den klassischen Kampf der Instandbesetzerbewegung: gegen Spekulation, gegen den Abriss der Häuser und der Fabrik und gegen den geplanten Neubauklotz im Blockinnenbereich. Ihr kämpftet für den historischen Ort, für die kleine Fabrik und die vielen Möglichkeiten sie zu nutzen.

Ihr wart durch und durch antiautoritär (nur das Plenum entschied alle Fragen), aber Ihr hattet trotzdem eine Organisation mit Sprechern für die verschiedenen Bereiche. Ihr habt euch aber nie gegenüber anderen abgeschlossen, ihr wurdet keine „in-group“ nur für eine Szene.

Ihr wart fleißig und konsequent, hattet selbst gute Ideen und habt das meiste selbst gebaut oder organisiert. Ohne euch hätten wir, die Altbau IBA später S.T.E.R.N., das neue städtebauliche Konzept und Vorgehen im Block 109 nicht durchsetzen können.

ca. 1982 im Regenbogencafé

Das besondere damals: Ihr wart von Anfang an offen und aktiv auch für die Interessen der Nachbarschaft und bliebt gesprächsbereit für jeden, auch den politischen Gegner. Das hat Euch viele Sympathien partei- und verwaltungsübergreifend eingebracht.

Das besondere heute: Ihr seid noch da nach 25 Jahren und habt dieses Prinzip „offen für die Nachbarschaft“ beibehalten und weiterentwickelt. Die Zeiten der Sparpolitik insbesondere in sozialen Bereichen haben Euch nicht davon abgebracht.

Die Einrichtungen wie Café, Kita, das Kino, der Hort, die vielen Fêten, das Hostel und die Ableger außerhalb des Fabrikgeländes wie der Bioladen, der Zirkus usw.. Sie alle zeigen Beschäftigung und Chancen für Euch selbst und das ganze Quartier. Zwanzig Jahre bevor Quartiersmanagement zur offenen Senatslinie wurde, habt Ihr einen wesentlichen Teil vorweg praktiziert. Ihr ward eine Infobörse, die funktionierte, für die Belange und Konflikte im Kiez. Dies umfasste alle Altersgruppen und die verschiedenen ethnischen Gruppen im Kiez.

Die Regenbogenmannschaft (Mannschaft ist hier nicht richtig – der Begriff Frauschaft ist bei Euch oft richtiger) passte sich über die Jahre an verschiedene Veränderungen an, nicht im Sinne von Opportunismus, sondern als natürlicher Wandel aufgrund der veränderten Bedingungen und Zeiten. So entwickelte sich in der Fabrik mit dem Wandel eurer eigenen Kinder aus dem Kinderladen ein Kinderhort, die Fahrradwerkstatt, dann der offene Jugendclub, jetzt das Hostel. So wandelten sich mit den Wohnbedürfnissen auch die Organisation der privaten Wohnbereiche. Das wird auch weiterhin so sein. Das plüschige Kino steht demnächst zur Erneuerung an.

Gespannt bin ich auf die zukünftigen Entwicklungsphasen der Fabrik, wenn Ihr Senioren sein werdet. Ob die Enkel übernehmen? Auch diese Lebensphase wird die Regenbogenfabrik noch einmal verändern, wenn sie das bleibt was sie ist.

2004 Präsentation im RegenbogenCafé am Tag des offenen Denkmals

Die Gemeinschaft der Regenbogenfabrik hat immer viel Kraft gehabt und ausgestrahlt. Die Räumungsdrohungen damals, die totale Unsicherheit des eigenen direkten Lebensumfeldes, die gerichtlichen Klagedrohungen, der Brandanschlag, die verseuchte Erde der ehemaligen Fabriknutzung, die Sparzwänge, das alles hat Euch nicht aufhalten können:

Euren Lebensweg in Eurer eigenen Art und Weise zu bestimmen, und dieser Lebensweg war immer gewaltlos und konsequent im politischen, sozialen und moralischen Anspruch. Er war offen für die Freunde und Nachbarn, bescheiden für sich selbst und doch so anspruchsvoll!

Cornelius van Geisten, S.T.E.R.N. GmbH

Anlässlich des Geburtstags von Conny haben wir im Blog einen Artikel von Anette veröffentlicht.

2014 | In den Wind reden

West Coast Stories vom Rand des Vulkans und um den ‚Ring of Fire‘

Erzählabend mit Lydia Baldwin

Zum Zuhören, sich hineinsinken, Bilder erscheinen lassen, mitsummen!

Aus einem früheren Leben an der Pazifischen-Nordwestküste der USA bringt Lydia eine Fülle von Tänzen, Songs & Stories zu ihren interaktiven Theaterprojekten in Kitas und Feriencamps, Schulen und Ballsälen mit. Zusammen mit den Teilnehmer:innen spielt sie schwungvoll an der Kreuzung zwischen Tradition und Improvisation, zwischen Deutsch, Englisch, Gesang und Rhythmus.

In Berlin seit 2008, garniert von der Universität der Künste Berlin mit einem MA in Theaterpädagogik (2011) und einem Zertifikat in Künstlerischem Erzählen (2014) ist Lydia freiberuflich aktiv in Theater- und Tanzpädagogik und Erzählen in Berlin und Europa.

Für uns war das der unerwartete und wunderbare Auftakt zu einer großen Reihe von Erzählungen! Davon sicherlich demnächst mehr.

Klimaneutralität im Baubestand fördern

Fünf Schritte, so las ich es neulich in der Zeitung, wären zu gehen:

  1. Einsehen, dass etwas passieren muss und entsprechend ehrgeizige Ziele setzen. Gesellschaftlich wächst die Einsicht, reichen tut es noch nicht
  2. Gebäude energetisch verbessern. Da wurde in der Zeit der Selbsthilfe manches getan (stärkere Wandisolierung, gute Fenster, ökologische Materialien), jede neue Maßnahme muss gut durchdacht werden.
  3. Verkehr klimaneutral, da haben wir in unserem Haus günstige Voraussetzungen. Mitten in der Stadt haben wir kurze Wege und es steht uns ein dichtes ÖPNV-Netz zur Verfügung. Viele nutzen ihre Räder und wir haben fast keine Autos.
  4. Saubere Energie, am besten Solarmodule auf dem Dach.
    Da sind Entscheidungen in ihrer Wirkung langfristig. Vor Jahren hat sich das Haus für ein Blockheizkraftwerk entschieden, denn die Ausrichtung der Dächer war für Solar nicht so optimal. Dazu im Vergleich war es in der damaligen Situation effizient, aus dem gelieferten Gas nicht nur Wärme, sondern auch Strom zu erzeugen.
  5. Hitze und Regen. Wir haben die Höfe begrünt, auf dem entsiegelten Hof der Regenbogenfabrik wachsen mehr als 20 Bäume in den Himmel. Auf dem Hinterhaus ist in den 90er Jahren ein Gründach errichtet worden. Und damit ist nicht nur für Biene und Schmetterling gesorgt, sondern auch wir Menschen freuen uns an der deutlichen Abkühlung im Sommer. Doch vom Starkregen läuft uns noch immer zu viel in die Mischkanalisation der Gründerzeitstadt, da wäre noch was zu tun.

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/08/28/pfutzen-gestalten-den-fabrikhof/

Mit dieser Bilanz im Kopf treffe ich mich mit Marie-Luise auf unserer schönen Dachterrasse. Nach kurzer Inventur ist sie zufrieden mit dem, was sie auf unserem Dach sieht.

Und warum interessiert sie unser Dach? Weil sie uns in den Zeiten der Selbsthilfe den Plan gemacht hat, wie es aussehen soll. Von der Wahl des Substrats bis hin zur allen Pflanzen.

Aus meiner Eingangsfrage: wie bist du geworden, was du bist, entwickelt sich eine Geschichte der Landschaftsarchitektur.

Von der „Grashalmzählerei“ in Kreuzberg, der Pionierphase im Bestand, über die neuen Möglichkeiten durch die Wende, hin zu den großen Flächengestaltungen in Potsdam. Und nun der Schritt in die Zukunft zur Schwammstadt. Und doch hat genau das auch seine Wurzeln im klein-klein der 80er Jahre, beflügelnd war der Rausch, was Neues ausprobieren zu können.

Zum Abschluss die Frage, die letztendlich der Ausgangspunkt meiner Befragung hatte sein sollen:

Wieso hast du das ausgewählt, was jetzt bei und im Hof und auf dem Dach wächst?

Da ist erst mal der Anspruch einer Gärtnerin:
1. die Pflanze muss da gedeihen, wo sie stehen soll.
2. Es soll auch ästhetisch für die Menschen sein.
3. Die Bienen und die Vögel sollen auch was davon haben.

Kreuzberger Hinterhöfe sind selten sonnig, aber es gibt immer was, das gedeiht und sogar in vielen Farben blühen kann. Da wächst bei uns der Wein die Fassade hoch, auf der anderen Seite die Clematis. Im Frühling explodiert ein Busch in gelben Blüten. Der Scheinflieder hüllt Alle in seinen süßen Duft.

Auf dem Dach kommt noch eine Bedingung hinzu:
Die Pflanzen sollen die Dachhaut nicht zerstören. Wenn das richtige Substrat gewählt wird, dann ist das Dach sogar geschützt und die Grünfläche auf dem Dach hilft dabei, dass das Regenwasser zurückgehalten wird und langsam verdunstet, statt zum großen Stau in den Abwassersystemen beizutragen.

Gut wäre es, wenn die Gestaltung der Häuser allgemein diesen Überlegungen folgen würde. Dann könnte Regenwasser in der Fläche verteilt und genutzt werden und die allgemeine Infrastruktur wäre weniger unter Druck. Doch für die einzelnen Hausbesitzer ist das ein Kostenfaktor, dem anscheinend nicht genug Vorteile gegenüberstehen. Daraus entstehen neue Forderungen an Stadtentwicklungspolitik:

– Aufstellen von Richtwerten zur Unterstützung der Neubauplanung.
– Hilfsprogramme für Anwohner:innen und Eigentümer:innen, um im Bestand
Verbesserungen zu ermöglichen
– neues Bewusstsein zu den Eigenschaften von Baustoffen fördern
– Unterstützung bei den Themen, CO2, Feinstaub, Wassermanagement

chz, mit wunderbarer Unterstützung von Marie-Luise Klein

Danke für das Gespräch und für alle Schönheit, die durch deine Hilfe hier entstanden ist!

https://www.buero-klein.net/