Cioma Schönhaus: der Passfälscher

Am Sonntag, den 21. Mai 2006 hat die Regenbogenfabrik zusammen mit und in der Ölberggemeinde Berlin Kreuzberg den Autoren und Widerstandskämpfer Cioma Schönhaus willkommen geheißen, um über seine Lebensgeschichte zu berichten.

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals der Regenbogenfabrik kam die Idee auf, sich am Projekt Stolpersteine zu beteiligen.
„Stolpersteine“ ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, mit dem an Menschen erinnert wird, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Menschen, deren Existenz zu einer Nummer reduziert wurde, werden so mit ihrem Schicksal und ihrer Identität wieder sichtbar. 4 Stolpersteine, die der Familie Steinmesser gewidmet sind, wurden im selben Jahr vor dem Haus Lausitzer Straße 31 gesetzt. Doch dazu wollte die Projektgruppe auch die Seite des Widerstands zeigen und deswegen wurde die Vorstellung des Buches „Der Passfälscher“ organisiert, als Fortsetzung des Vortrages „Hilfen für Verfolgte während der NS-Diktatur“ von Herrn Sandvoss von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Die Veranstaltung wurde von der Ölberggemeinde und dem Steigenberger Hotel unterstützt. Aus der Schweiz hat der Autor den weiten Weg gemacht, um mit uns seine unglaubliche Geschichte zu teilen. Vom jungen Graphiker zum Widerstandskämpfer zum Flüchtling. Zur Veranstaltung wurde Daniel Kahn eingeladen, um das Programm musikalisch zu unterstützen durch jüdische Lieder und Klezmer.

Cioma war ein junger Mann in Berlin während des Aufstiegs des Nationalsozialismus. 1942 entschied er, in den Untergrund zu gehen, um Verfolgungen zu entkommen. Da entdeckte er sein Talent für Papierfälschung und könnte dadurch sein Leben und hunderte Andere retten mit perfekt gefälschten Ausweispapieren. Nach einer Weile wurde er aufgedeckt und er organisierte seine Flucht per Fahrrad in die Schweiz, was wieder auch mit selbstgefälschten Papieren möglich wurde.

Demnächst kommt auch die Verfilmung der Geschichte raus mit Louis Hoffman in der Hauptrolle.

Das Ausmaß an Findigkeit und Lebenslust dieser Geschichte macht sie ganz besonders und beweist vielleicht, dass Einfallsreichtum gegen große Mächte trotzdem gewinnen kann. Ein sehr empfehlenswertes Buch für all diejenigen, die auf der Suche nach ein bisschen Hoffnung sind.

Cioma Schönhaus ist am 22. September 2015 gestorben.

Charlotte Chastillon

Der Monat der Held:innen

Im Black History Month erinnern Schwarze Initiativen an das koloniale und rassistische Erbe. Ein neuer Förderfonds unterstützt Projekte der afrodiasporischen Communitys. Nachzulesen in der taz am 1. Februar 2022.

Der Black History Month wird jeden Februar in Deutschland, Canada und USA begangen. Klar ist, das ist ein Anstoß, ein Auftakt. Um aufzuholen in Sachen Würdigung Schwarzer Leben braucht es viele Black History Jahre. Wer Ausschau halten möchte, was der Monat in Berlin so bereithält, wird auf der Seite des Vereins EOTO e.V. fündig:
https://www.eoto-archiv.de/neuigkeiten/black-ourstory-month-2022/

Schaut: Aus HIStory wird hier OURstory, um Hetero- und Cis-Normativität sprachlich wie konzeptuell auszuhebeln und den Februar zu einem besonderen Monat für wirklich ALLE Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Communities zu machen.

Pünktlich zum Start des Black Ourstory Month am 01. Februar 2022 von 18-20 Uhr geht der May Ayim Fonds mit einer Infoveranstaltung an den Start!

Wir stellen euch den May Ayim Fonds vor und geben euch alle wichtigen Informationen zu den Förderrichtlinien, zur Bewerbung und zur Förderung selbst, damit ihr eure Projektideen schon bald umsetzen könnt. Neben der Vorstellung des Fonds erwarten euch außerdem: der Launch unserer Website, ein spannendes Panel mit dem Thema „Schwarze politische Bildungsarbeit und Empowerment“ sowie eine Überraschungspremiere. Hier könnt ihr euch zur Online-Veranstaltung anmelden und dabei sein, wenn der May Ayim Fonds in die erste Bewerbungsphase geht:
https://www.eventbrite.com/e/auftakveranstaltung-des-may-ayim-fonds-tickets-255444008907?keep_tld=1

Nehmen wir das zum Anlass, um ins Gedächtnis zu rufen, wer May Ayim war. Der Name ist in Kreuzberg sicher schon vielen geläufig, denn parallel zur Spree, zwischen der Pfuelstraße bis zur Oberbaumstraße wurde die Straße nach ihr benannt. Das Ufer, 1891 angelegt und 1895 anlässlich der bevorstehenden „Kolonialausstellung“ im nahen Treptower Park mit einer aufwendig gestalteten Anlegestelle versehen, war ursprünglich nach einem Kolonialisten benannt. Auf Anregung der Initiative Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag, die von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen aufgegriffen wurde, beschloss die Friedrichshain-Kreuzberger BVV im Frühjahr 2009, das Gröbenufer nach der antirassistischen Aktivistin und Dichterin May Ayim (1960–1996) umzubenennen.

Ihr kurzes Leben war kein einfaches!

May Ayim wird am 3. Mai 1960 in Hamburg als Tochter eines ghanaischen Vaters und einer weißen deutschen Mutter geboren. Sie wächst in einer weißen Pflegefamilie auf. Diese Erfah­rung prägt sie, macht sie stark und verletzlich zugleich, schärft ihren Blick für Brüche und Ungereimtheiten: „Der Umstand, nicht untertauchen zu können, hat mich zur aktiven Ausein­andersetzung gezwungen, die ich als […] besondere Herausforderung zur Ehrlichkeit empfinde.“ Sie beginnt zu schreiben, zu forschen und sich politisch zu engagieren.

Als Dichterin und Sprachtherapeutin ist May Ayim mit den verschiedenen Aspekten von Sprache vertraut – auch mit der Gewalt, die sich in und über Sprache ausdrückt. Als Pädagogin und politische Aktivistin setzt sie sich mit unterschiedlichen Dimensionen von Gewalt – auch ausgeübt in und über Sprache – auseinander und zeigt neue Wege auf. Ihre Interessen und Ausrichtungen sind breit gefächert. 1985/86 gründet sie gemeinsam mit anderen Afrodeutschen die bundesweite Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD). 1989 ist sie eine der Mitgründerinnen des LiteraturFrauen e.V. 1991 tritt sie dem Verband deutscher Schriftsteller:innen bei. Ihre Diplomarbeit in Pädagogik beschäftigt sich mit Schwarzer deutscher Geschichte und wird zur Grundlage der bis heute wegweisenden Veröffentlichung „Farbe bekennen“.

Ihre Abschlussarbeit als Logopädin schreibt sie über Rassismus und Sexismus in der Therapie.

Anfang der 1990er Jahre wird May Ayim auch international als Dichterin, Wissenschaftlerin und politische Aktivistin bekannt. Sie erhält Einladungen zu Lesungen und Konferenzen, steht im Austausch mit Autor:innen, Künstler:innen und Wissenschaftler:innen im In- und Ausland.
Ihre Gedichte bewegen viele Menschen, ihre politische Arbeit vereint schwarze feministische Gesellschaftskritik und die Vision solidarischer Bündnisse. Als sie schwer erkrankt und nicht mehr schreiben kann, bricht ihr Lebenswille. Ihr Tod am 9. August 1996 ist ein großer Verlust.
Bild und Text aus: https://verwobenegeschichten.de/menschen/may-ayim/

Soll nun May Ayim hier nochmal selber zu Wort kommen:

nachdem sie mich erst anschwärzten
zogen sie mich dann durch den kakao
um mir schließlich weiß machen zu wollen
es sei vollkommen unangebracht
– schwarz zu sehen
(“exotik”, 1985)

„Ich wieder trotzdem/afrikanisch/sein/auch wenn ihr/mich gerne/deutsch/haben wollt/und werde trotzdem/deutsch sein/auch wenn euch/meine schwärze/nicht passt“
(grenzenlos und unverschämt, 1990)

chz

Blick zurück | Die Ausstellung “… dann machen wir’s halt selbst“

Fünf Monate und 2.000 Besucher:innen später erinnern wir an unsere Jubiläumsausstellung in den Räumen des FHXB-Museums, die heute zu Ende geht. Wir möchten an dieser Stelle uns nochmal ausdrücklich bei den Menschen im Museum bedanken, dass wir die Ausstellung machen konnten und so viel Unterstützung erfahren durften.

Es war eine tolle Erfahrung, mit allen Projekten tiefer in den Austausch treten zu können, als es sonst im Alltag möglich war.

Dank auch an Inga, die uns mit ihrem künstlerischen Geschick ein wunderbares Setting für unsere Erinnerungsstücke schuf und den nach allen Richtungen davonwuselnden Erinnerungen einen analytischen Rahmen verpasste.

Dank an Alle für die Lernprozesse in der Vorbereitungszeit!

Mit Ingas Worten, die am Anfang der Ausstellung standen, verabschieden wir heute das schöne Projekt.

„Liebe alle,

ich bin kein so großer Fan von Eröffnungsreden, aber ich habe das Gefühl, es gibt diesmal viel zu sagen.

Wir eröffnen heute die Ausstellung “dann machen wir’s halt selbst“, die auf die Initiativen von Regenbogenfabrik, HeileHaus, Schokofabrik und Kinderbauernhof am Mauerplatz  (Projektgruppe) zurückgehen, vier Initiativen, die vor 40 Jahren besetzt wurden und das bedeutet auch, die seit 40 Jahren als selbstorganisierte Projekte in Berlin bestehen.

In der Ausstellung sind auch Casa Kuà vertreten, ein trans*, inter*, queerer Gesundheits- und Gemeinschaftsraum auf der Naunynstraße, die es seit dem letzten Herbst gibt. Ihr seid direkt in den Corona-Lockdown gestartet.

Wir sind hier um die Existenz dieser Initiativen zu feiern.

Vielleicht wisst ihr, dass wir eigentlich im Mai eröffnen wollten. Und es ist eine tolle Zeit um alle Verspätungen auf Corona zu schieben. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schlecht wir in Selbstorganisation – oder ich zumindest – Aufgaben und Herausforderungen abschätzen können, was wir für machbar und erreichbar halten, wie wir unsere Aufgaben und Zeitaufwand kleinrechnen. Denn sonst, wenn wir darin realistischer wären, würden wir viele Projekte vielleicht gar nicht beginnen. Sicher trifft das auf viele selbstorganisierte Initiativen zu.

Als ich mich bei euch, der Projektgruppe, gemeldet habe, um mich auf den Job der Kuratorin zu bewerben, war mir wichtig, dass wir Selbstorganisation in dieser Stadt nicht als weiße Erzählung berichten. Und dass wir den Blick nicht nur auf die ehemals besetzten Häuser richten und uns gegenseitig auf die Schulter klopfen. Heute (und auch damals) findet in dieser Stadt Selbstorganisierung von Personen statt, die sich antirassistisch positionieren, die, wie Casa Kuà, für eine nicht-rassistische, trans*inklusive Gesundheitsversorgung einstehen. Initiativen, die Geflüchtetenproteste organisieren, die sich gegen Polizeigewalt wehren und sich für Gleichbehandlung einsetzen. Selbstorganisierung ist oft das einzige Mittel, das uns bleibt, wenn die Zustände, die wir vorfinden, unzumutbar sind, seien das Wohnungsnot oder eine von struktureller Ausgrenzung geprägte Gesellschaft.

Dieser Impuls liegt auch allen hier vertretenen Initiativen zugrunde, die seit 40 Jahren bestehen: ein autonomes Frauenzentrum zu gründen, das Raum für Frauen und Lesben bietet, im Fall der Schokofabrik. Ein selbstverwalteter Raum für Gesundheit im Fall des Heilehauses. Ein auf Beteiligung und Selbsthilfe ausgerichtetes Kulturzentrum im Fall der Regenbogenfabrik. Ein offener Spiel- und Lernort mit tiergestützer Pädagogik mitten in der Stadt im Fall des Kinderbauernhofs.

In der Projektgruppe (also die vier Initiativen und ich als Kuratorin, mit Unterstützung des Museums) haben aber auch viele Auseinandersetzungen stattgefunden, die uns alle viel Kraft gekostet haben. Darin ging es um unser Verständnis von den Positionen, die wir in einer strukturell ausschließenden Gesellschaft einnehmen. Wir haben intern  zu Materialien, Bildern und Begriffen aus der Vergangenheit und Gegenwart gearbeitet, die uns darauf schließen lassen, dass sich die älteren Initiativen zu wenig mit ihren eigenen Ausschlüssen auseinandergesetzt haben: Auch in selbstorganisierten Räumen sind Ressourcen und Privilegien ungleich verteilt. Wer ist in Entscheidungspositionen? In bezahlten Stellen? Wer hat Zugang zu diesen Räumen? Auch hier müssen wir uns kritisch fragen: wer fühlt sich in selbstorganisierten Räumen sicher?

Das Gewicht dieser Fragestellungen haben wir in diesem gemeinsamen Prozess in der Projektgruppe (also die initiierenden Initiativen und ich als Kuratorin) gespürt. Warum diese Fragen so wichtig sind? Alle, die von strukturellen Ausschlüssen betroffen sind, wissen, warum sie so wichtig sind. Aber denjenigen von uns, die diese Ausschlüsse nicht persönlich erfahren, uns muss klar werden, dass wir selbstorganisierte Räume, die wir hier heute feiern, als Errungenschaften, als politische Entwürfe, als Erprobungsräume neuer Formen des gemeinsamen Arbeitens, des gemeinsam Lebens für alle sichern und öffnen müssen. Das erfordert eine kritische Auseinandersetzung in unseren Initiativen.

Diesen Aufruf möchte ich aus diesem Arbeitsprozess für diese selbstorganisierten Initiativen mitnehmen. Durch diese Auseinandersetzungen zu gehen war schwierig und kräftezehrend für uns. Auch insofern war es ein gutes Beispiel für Selbstorganisation: Durch das Miteinander-machen, das gemeinsame Herausfinden, das Weitermachen nach Lösungen suchen und Konflikte aushalten. Ich hoffe, dass uns diese Auseinandersetzungen weiterführen und sich Öffnungsprozesse in unseren Initiativen anschließen.

Ich bedanke mich bei der Projektgruppe für das Vertrauen, diese Konflikte auszuhalten, und ich bin froh, wenn wir daran gemeinsam gewachsen sind.

Ich hoffe, dass unsere Ausstellung auch über diese Auseinandersetzungen Aufschluss gibt. Und dass sie euch einlädt,  tiefer einzutauchen in die Geschichten der Initiativen, deren 40-jähriges Bestehen wir in diesem Jahr feiern.

Schaut euch um auf unserer Projektwebsite. Dort ist dieses Ausstellungsprojekt auch über ihre Laufzeit hinaus dokumentiert.

https://dann-machen-wir-es-selbst.org/

Ingas Dankesworten am Ende ihrer Ansprache schließen wir uns an:

– Judith Fehlau, für das Design unserer Website

– Burcu Türker, die die Ausmalbilder für die Ausstellung gestaltet hat

– Natalie Bayer für die inhaltliche Unterstützung, das war mir sehr wichtig und hat mir weitergeholfen

– Natalie Maier und Ellen Röhner vom FHXB-Museum, die den gesamten Prozess begleitet haben und an

– Florian, der den Aufbau technisch unterstützt hat

Das Projekt wurde finanziert vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sowie von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt https://www.stiftungmunda.de/

Alle Fotos: Inga Zimprich

2016 | Vernissage der Kita-Ausstellung im RegenbogenCafé

Und es war nicht die erste Ausstellung, die von den Kindern der Kita beschickt wurde. 2010 war dies auch schon ein Projekt.

2016 haben wir dann dran gedacht, die Ausstellung nicht nur beim Hängen der Bilder zu dokumentieren. Da haben wir die Vernissage fotografiert. Das war ein schönes Fest!

chz