Oh, die erklärenden Zeilen in Wikipedia sind doch gleich nach meinem Geschmack: „Das Richtfest (auch Bauheben, Weihefest, Hebefest, Hebfeier, Hebauf, Hebweih, Hebmahl, Firstbier, Aufschlagfest oder Hiebschmaus; in Österreich Gleichenfeier, Firstfeier/-fest oder Dachgleiche; in der Schweiz Aufrichte, niederdeutsch Fensterbeer) wird gefeiert, wenn der Rohbau eines Gebäudes fertiggestellt und der Dachstuhl errichtet bzw. das Dach erstellt ist. Ein Richtfest findet typischerweise auf der Baustelle und zur Arbeitszeit statt, damit alle daran teilnehmen können. Bei Häusern ohne Dachstuhl wird stattdessen bisweilen ein „Deckenfest“ gefeiert und bei Sanierungsarbeiten an historischen Türmen ist auch ein „Knopffest“ denkbar.“
Die Fülle der regionalen Begriffe zeigt, wie wichtig dieser Moment ist. So viel schon geschafft, ein Gefühl der Erleichterung bricht sich Bahn. Und auch der Dank an alle Beteiligten soll nach allem unausweichlichen Nerv zum Ausdruck kommen.
Das größte zu feiernde Dach in der Geschichte der Regenbogenfabrik war zweifellos das über dem Kino errichtete.
2006 begann alles – und vor allem alles gleichzeitig. Ein Fahrradschuppen musste her, der Stummel vom „kurzen L“ war nicht mehr zu halten und musste ersetzt werden und das Fabrikdach war unendlich oft repariert, doch der Regen fand immer weiter seinen Weg ins Innere. Da kam die Entscheidung des Bezirksamts gerade recht, den Dachneubau auch finanziell zu unterstützen. Dazu eine sog. Vergabe – ABM, mit der die Baugruppe für eine Weile finanziert werden konnte. Hier fürs erste ein kleiner Eindruck, Bauen ist eine große Fortsetzungsgeschichte.
2007 | Holzlieferung für den Dachstuhl
2007 | Dachbalken wird auf die Bausstelle gehievt
2007 Dachbalken wird an seinen Platz bugsiert
2007 | Sneak unter das provisorische Dach
2007 | Holzkonstruktion fürs Kinodach
2007 | Richtfest
2007 | Richtfest – der Statiker greift in die Saiten
30.10.1997 | Gründung des Vereins Städtepartner Stettin im Wohnhaus der Regenbogenfabrik
Zu diesen Zeiten war der Fotoapparat nicht gleich zur Hand, es gibt von dem – aus heutiger Sicht denkwürdigen Treffen – keine Fotos. Auch sonst enthält die digitale Bilderkiste eher wenige Fotos aus dem letzten Jahrtausend. Der erste Fund zeigt einen Infostand im Jahr 1998, die „Kreuzberger Tage in Stettin“ sollten da im Schlosshof stattfinden. Wolkenbrüche vertrieben uns ins Schlossinnere und wir blieben erst mal noch unter uns. Das gelbe Plakat aus dem Jahr 2000 kündet von einer Ausstellung in Stettin-Turzyn über Grüne Höfe in Kreuzberg. Das ist der Startpunkt für eine wunderbare Serie von Aktivitäten rund um das Thema Hofbegrünung und legt den Grundstein für die intensive Zusammenarbeit mit dem Siedlungsrat dieses Stadtteils. Doch los ging es damit erst später. Erst kamen die Radfahrerinnen in der Begegnung zum Zuge. Dafür gabs einen naheliegenden Grund: Der erste, der systematisch für die Städtepartnerschaft gearbeitet hat – und das noch vor Gründung des Vereins – war Aloys Ebner. Er hatte am Osteuropainstitut der FU studiert und war darüber hinaus ein leidenschaftlicher Radfahrer und Zweiradmechaniker.
1998 Kreuzberger Tage in Stettin
2000 Ausstellung in Turzyn über Grüne Höfe in Kreuzberg
2000 Der Fahrradclub Jantar zu Besuch in Berlin
Spannend war für uns, dass 2000 Polen das Gastland der Frankfurter Buchmesse war. So stattete eine Delegation des Vereins und der Regenbogenfabrik dieser interessanten Ausstellung einen Besuch ab.
17.10.2000 Buchmesse in Frankfurt – Gastland Polen
„Nachdem im April 2000 in einer Turzyner Kirche die Ausstellung „Kiezgrün- grüne Höfe Kreuzbergs“ gezeigt worden war, hat der Siedlungsrat Turzyn zusammen mit Professoren und Studentinnen und Studenten der Universität und einem Architektenbüro für mehrere Höfe im Kiez Planungen entwickelt und schliesslich in einem Wettbewerb (Preisträgerin: eine Studentin) einen Hof als ersten für die Begrünung ausgewählt.
Am 16. November 2002 konnte die Kreuzberger Delegation dann im Rahmen eines Arbeitsbesuchs 12 Bäume, rd. 550 Sträucher, sowie zwei Bänke an die Bewohner:innen übergeben. Über 50 Anwohner:innen beteiligten sich aktiv an der Pflanzaktion. Später wurde berichtet, dass mit dem so verschönerten Hof sorgfältig umgegangen wird und eine Gruppe von Bewohnern schon weitergehende Pläne (Beseitigung von Garagen und Stellplätzen und deren Begrünung) entwickelt und die Bewohner anderer Höfe nachfragen, ob ihre Höfe auch so umgestaltet werden können. So ist es dann auch mehrfach geschehen.“ Aus dem Jahresbericht des Vereins
Der Herr mit dem blauen Blazer, der so tatkräftig den Baum in die Erde brachte, Herr Minz, war damals der Vorsitzende des Vereins.
Yeah, dann tauchen aus der Bilderkiste die Erinnerungen an den Ball der Völker auf, der 2006 gemeinsam mit den anderen Partnerschaftsvereinen des Bezirks im Nachbarschaftshaus Urbanstraße gefeiert wurde. Vorher waren alle vom Bezirksamt zum Empfang ins Haus der Kreuzberger Kinderstiftung eingeladen worden.
Begegnung funktioniert nicht ohne Organisation und Absprachen und so besuchten sich die Aktiven abwechselnd in Berlin und Stettin, hier zu sehen ist ein Treffen im Laden des Siedlungsrats in Szczecin-Turzyn.
2006 Arbeitstreffen in Turzyn
Feiern gehört natürlich auch dazu, sei es jährlich bei den Weihnachtsfeiern in Berlin und Stettin, sei es 2007 bei einer Ausstellungseröffnung an einem spannenden Ort.
2006 Weihnachtsfeier im AWO-Café in Kreuzberg
25.01.2007 Ausstellungseröffnung G Czarnecki
Begegnungen
2007 entwickelte sich auch Kontakt und Austausch mit dem Kulturhaus in Szczecin-Skolwin.
30.03.2007 Kulturhaus Skolwin – Vorbereitungen auf ein Art Prozessionstheater
Am 31. Mai 2007 dann Jubiläumsfeier in großer Runde. Der Verein lud in die wundervolle Kellerbar des Teatr Kana. Wolfgang Hahn war damals der Vorsitzende des Vereins. Ewa Maria Slaska maître de plaisir. Zusammen mit Maryla Ciechomska hat sie den Ablauf des großen Events wunderbar gesteuert.
31. Mai 2007 Jubiläumsfeier im Teatr Kana
31. Mai 2007 Jubiläumsfeier im Teatr Kana
31. Mai 2007 Jubiläumsfeier im Teatr Kana
Gemeinsam mit dem Kreuzberg-Museum stemmten wir 2007 einen Infostand bei den Ostseetagen. Zu diesem Anlass konnte Stettin zum ersten Mal das Finale der Tall Ships Races austragen.
2007 Dni Morze – Tage es Meeres in Szczecin
2007 Tall Ships Races
Seminare zu bürgerschaftlichem Engagement im Nachbarschaftshaus Urbanstraße und der intensive Informationsaustausch in Sachen Grün in der Stadt waren weiterhin die wichtige Basis für die Zusammenarbeit. Die Fotos zeigen die Stettiner Besuchergruppe auf dem Gelände des Wriezener Bahnhofs.
2008 Tag zum Stadtgrün
2008 Tag zum Stadtgrün
20 Jahre Städtepartnerschaft
Hier ein Foto aus dem Hof des Nachbarschaftshauses Urbanstraße, es haben sich alle getroffen das 20. Jubiläum zu feiern. Da war ich endgültig nur noch Gast. Im Verein haben andere die Arbeit fortgesetzt und ich hatte das Vergnügen, verschiedene Kulturveranstaltungen zusammen mit Städtepartner Stettin zu organisieren. Brigitte Ungern-Sternberg hatte schon im Blog davon berichtet. https://regenbogenfabrik40.blog/2021/07/11/stadtepartner-stettin-in-der-regenbogenfabrik/
Städtepartner Stettin war für die Regenbogenfabrik immer ein wichtiges Standbein für den Kontakt nach Polen. Vielen Dank dafür!
So ein kurzer Abriss kann gar nicht allen engagierten Menschen gerecht werden, die sich über die vielen Jahre eingebracht haben, seien es die Vorsitzenden, da wären ja neben den Herren noch Christiane Reuter und Ewa Maria Slaska zu nennen. Andere, wie Hannelore Rath-Kohl, die sich mit großer Verve für die Begegnung von Senior:innen stark machte. Sport- und Jugendbegegnungen waren lange Zeit die Aufgabe von Achim Schlemme. Und ganz viel verdankt der Verein allen freundlichen Sprachmittler:innen und Übersetzer:innen ohne die wir nicht sehr viel hätten ausrichten können.
Präsentation des Wandkalenders 2022 – zum 20. Jubiläum
Sa., 30.10.2021 | 19:30 | live aus dem RegenbogenKino
20 Jahre Kalender – 93 Autor:innen – 240 Wegbereiterinnen
Zur Feier des Jubiläums laden ein: Gisela Notz (Herausgeberin) Heike Notz, Cornelia Wenzel und Annette Vogt (Autorinnen) Hannelore Zimmermann und Waldemar Schindowski (Verlag AG Spak)
Von den im Kalender vorgestellten Frauen werden präsentiert: Granny Nanny | Siddy Wronsky | Lise Meitner
Musikalisch gratuliert Isabel Neuenfeldt mit Gesang und Akkordeon.
Der Wandkalender 2022 gibt wieder Auskunft über zwölf Wegbereiterinnen der emanzipatorischen Frauenbewegung aus zwei Jahrhunderten.
Manche Kämpfe sind bis heute nicht ausgefochten.
* Parallel ist die Präsentation auch im Livestream zu verfolgen.
2017 | Ausstellung der ersten 14 Kalender
2014-2021 Kalenderpräsentationen in der Regenbogenfabrik
2019 herausgekommen | Gisela Notz (Hg.): Wegbereiterinnen. Berühmte, und zu Unrecht vergessene Frauen. ISBN 9783945959275 das sind 192 Biografien von kämpferischen Frauen, ein großartiges Nachschlagewerk.
… und kündigen Baubeginn und damit Räumung in der Lausitzer Straße an
Eine Gesprächsrunde beim Baustadtrat Orlowsky verhindert diese Räumung und bringt Einigung über das Verfahren zwischen Eigentümern, Besetzern, IBA, Verein SO 36, S.H.I.K. und Senat für Bau- und Wohnungswesen (sog. Vermerk).
In der Dezemberausgabe berichtete der Südost Express: „Auf dem Gelände der Regenbogenfabrik wird seit dem 1. November fleißig gebaut. Nach einer Vereinbarung zwischen den Spekulanten Vogel&Braun, Senat, Bezirk, IBA, Besetzern und Verein SO36 legte Vogel mit der Modernisierung der Lausitzer 22a los. Die Besetzer sind quasi geduldet und die Genossenschaft SHIK als Vertragspartner anerkannt. Sogar das Café-Regenbogen ist gerettet, nach der Modernisierung müssen 5 Mark pro qm bezahlt werden. Der Seitenflügel Reichenberger 50 ist schon abgerissen und der Boden auf der alten Chemiefabrik wird gerade ausgetauscht. Im Frühjahr wird das Gelände bepflanzt. Zur Feier der Einigung drängte Stadtrat Orlowsky alle Beteiligten zu Sekt und Kuchen ins Café. Vogel spendete einen Hunderter. Die Besetzer wollten nicht so gern, dass wir davon berichten. Aber: feiern wir man ja noch dürfen. Weitere Vereinbarungen über die Generalmiete u.a. stehen eh auf dem Spiel. Seit Lummers Räumungen in der Maaßenstraße gilt wieder mal: Verhandlungsstop!“ (S. 3)
Was all das mit der sogenannten „Berliner Linie der Vernunft“ in Zusammenhang steht und was das im Einzelnen bedeutet hat, erzählen wir ein andernmal.