Nach dem Aktionstag ist vor dem Aktionstag

Dieses Plakat ist ein Zufallsfund, doch will ich es hier als Kommentar zum Beitrag vom 18.9. hinzufügen. Manche Kämpfe dauern einfach viel zu lange.

Über die Seite radical past, in der ich es gefunden habe, kann hier nachgelesen werden: http://radicalpast.blogsport.eu/?page_id=2

Einige dort gesammelte Plakate aus der Frauenbewegung findet ihr hier: http://radicalpast.blogsport.eu/?p=375

Viel Spaß beim selber stöbern.

Bericht aus Kreuzberg in den 80er Jahren

Liebe Christine,

Du hattest mir vor ein paar Wochen geschrieben, dass du bei der Festschrift für die Regenbogenfabrik sitzt und Zeitzeugen sich doch sicher an die Anfänge erinnern können, um eine lebendige Dokumentation hinzubekommen.

Es gab sogar noch ein Bild mit mir von einem Fest.

Wie soll ich es beschreiben … ich weiß leider keine Details mehr, nur dass es eine bewegte und nicht sehr einfache Zeit gewesen ist. Die Auseinandersetzungen mit der Bullerei, die Aggression, die Einkesselungen waren an der Tagesordnung. Es ging gegen Castor-Transporte, die Aufrüstung im kalten Krieg, die vielen Projekte, die entstanden.

Wir waren viel auf der Straße, es ging um Hausbesetzungen und gegen den Mietwucher…

Damals wie heute.

In der UFA Fabrik fand der TuWat Kongress statt und es herrschte ein babylonisches Ideenchaos.

Durch die Arbeitsgruppe mit Klaus Duntze, „Strategien für Kreuzberg“, die Zusammenkünfte mit dem Stadtrat Orlowsky, wurde ich erst an das Problem der Stadtpolitik herangeführt und lernte Kreuzberg kennen. Dies war aber schon vor 1981.

Mein Liebster, den ich 1981 kennen lernte, wohnte in der Reichenberger Straße, so war ich oft vor Ort, oft auch in der Regenbogenfabrik und Umgebung. Aber ich kann Dir keine konkreten Ereignisse mehr nennen. Ich muss mal suchen, ob ich vielleicht noch ein Exemplar vom „Extradruck“ habe.

Ich wohnte in Schöneberg (immer noch) und wir hatten mit riesiger Anstrengung Stadt und Land ein Wohnhaus weggeschnappt und dort mit einer GBR glaube ich, mit Selbsthilfemitteln das Haus instandgesetzt und es damit vor der Entkernung“ und der Luxusmodernisierung gerettet.

Leider hat sich unsere Gruppe, wir waren 16 Menschen, in Machtkämpfen zerlegt. Es ist ein Modell, was ich weiterhin für wichtig und richtig halte, nur die entsprechenden „erwachsenen “ Menschen mit guter Toleranzschwelle, müssen mitmachen.

Seit Ende der 80er Jahre wohnen wir in Schöneberg. Der Kiez ändert sich rasant. Ihr in Kreuzberg könnt davon ein Lied singen.

Unser Mietshaus hat den sechsten Hausbesitzer, jetzt Akelius, die die Teilungsgenehmigung sowie die Umwandlungsgenehmigung vom Stadtrat der Grünen bekommen haben, sodass unser Verbleib nach 7 Jahren in den Sternen steht.

Es ist wirklich ein Skandal, dass sich in 40 Jahren der Wohnungspolitik kaum etwas geändert hat.

Ich bin heilfroh, dass ich nicht mehr im Wohnungslosenbereich arbeite. Ich würde nur noch abkotzen …

Liebe Christine, ich habe diese Zeilen am 7.April geschrieben, dann in meinen Entwürfen gespeichert, weil ich gestört wurde. Da lagerte der Brief nun in sanfter Ruh – ich wollte Dir aber meine Antwort nicht vorenthalten!

Liebe Grüße und Euch genügend Kraft, allen Widrigkeiten zu trotzen. Weiter so!!

Die Regenbogenfabrik ist zum Nacheifern ein gutes Beispiel.

Herzlichst

M.

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

Aktionstag am 18.9.2021

150 Jahre sind genug

Weg mit § 218 StGB

Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht!

Leben und Lieben ohne Bevormundung

Christliche Fundamentalist*innen sammeln sich jedes Jahr im September zusammen mit führenden Mitgliedern der AfD am Bundeskanzleramt in Berlin, um von dort ihren so genannten „Marsch für das Leben“ zu beginnen. Sie wollen zu Verhältnissen zurückkehren, wie sie in Irland bisher geherrscht haben und in Polen Alltag sind: Sie fordern das totale Verbot des Schwangerschaftsabbruchs und die Bestrafung von Frauen sowie daran beteiligten Ärzt*innen. Nach ihrem Weltbild ist ein Schwangerschaftsabbruch „vorgeburtliche Kindestötung“ und Mord. Sie sprechen von „Babykaust“ und relativieren damit den Holocaust.

Ihr Begriff des „Lebensschutzes“ beinhaltet die totale Kontrolle der Frau* und die Herstellung der „alten Ordnung“ mit der „heiligen Familie“ im Zentrum. Mädchen* und Frauen* soll die Selbstbestimmung über ihr eigenes Leben und ihren Körper verwehrt werden. Deshalb bekämpfen sie Gleichstellung und die vielfältigen Lebensentwürfe wie Patchwork-Familien, gleichgeschlechtliche und zeitweilige Partner*innenschaften, Alleinerziehende und das Leben in Wohngemeinschaften mit und ohne – eigene –  Kinder. Dazu gehören auch Menschen, die weder eindeutig „männlich“ noch „weiblich“ (nichtbinär) oder trans* sind.

Es sind auch dieselben Leute, die Ärzt*innen – wie Kristina Hänel – mit Prozessen nach § 219a StGB überziehen. Wegen dieses Paragrafen aus der Nazizeit dürfen Ärzt*innen öffentlich nicht einmal mitteilen, mit welchen Methoden sie  Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Sie diffamieren Mediziner*innen als „Massentöter“, verleumden Fachkräfte auf Internetseiten und versuchen – manchmal erfolgreich – die Eröffnung entsprechender medizinischer Einrichtungen zu verhindern.

Die Gegner*innen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch organisieren militante Aktionen wie „Gehsteigberatungen“ vor medizinischen Einrichtungen und schüchtern ungewollt Schwangere ein, die Hilfe suchen. Sie setzen Kliniken und Praxen unter Druck, keinen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Sie verbreiten Lügen über den Schwangerschaftsverlauf, über biologische Fakten und die psychischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs.

Sie machen gegen offene Sexualaufklärung an Schulen mobil. Und sie instrumentalisieren das Thema Behinderung, indem der Schwangerschaftsabbruch als Mittel zur Aussonderung von Krankheit und Behinderung dargestellt wird.

In Irland hat die Bewegung gegen den starken Widerstand christlicher Fundamentalist*innen und Konservativer einen großen Erfolg errungen: Eines der striktesten Gesetze Europas gegen Schwangerschaftsabbruch wurde gelockert. Auch in Polen gehen hunderttausende Menschen auf die Straße und europaweit finden regelmäßig Solidaritätsproteste statt, um weitere Angriffe auf die sexuelle Selbstbestimmung abzuwehren.

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung tritt  diesen reaktionären Kräften entgegen und engagiert sich um ihren wachsenden politischen und gesellschaftlichen Einfluss in Deutschland zu stoppen.

Deshalb wie jedes Jahr: der Aufruf  zur Kundgebung am Brandenburger Tor gegen den so genannten „Marsch für das Leben“

Tag des Handwerks

Am 18. September findet zum 11. Mal der Tag des Handwerks statt.

Der Tag des Handwerks ist in Deutschland ein jährlicher Aktionstag, um die Bedeutung und Leistung des Handwerks zu würdigen und jungen Menschen die beruflichen Möglichkeiten in einem Handwerksberuf näher zu bringen. Er findet jedes Jahr am dritten Samstag im September statt. An diesem Tag werden bundesweit Veranstaltungen angeboten, die einen Einblick in die Alltagswelt der Handwerksbetriebe und in die Karrieremöglichkeiten im Handwerk geben. Da sind wir sozusagen ganz automatisch bei unseren tollen Werkstätten!

Und wenn Corona nicht wäre, dann würden wir jetzt das Loblied auf die Selbsthilfe singen. Denn:

Die Fahrradwerkstatt bietet Hilfe zur Selbsthilfe beim Reparieren von Fahrrädern.
Bei Bedarf helfen wir mit Rat und Tat oder Werkzeug und Ersatzteilen. Bei uns kann jede:r eine Menge lernen. Die Anleitung erfolgt durch engagierte Mitarbeiter:innen, aber auch viel durch ehrenamtliches Engagement. Zur Deckung der Betriebskosten bitten wir um eine Spende.

So ist es in normalen Zeiten, wir glauben an das Geschick von allen. Hilfe zur Selbsthilfe ist unser Motto.

Das gilt natürlich auch in der Holzwerkstatt, ein bisschen anders ist es hier aber doch. Denn die Profimaschinen, die dort zur Verfügung stehen, sind nichts für Laien. Alle, die dort arbeiten wollen, müssen einen Maschinenschein vorzeigen können. Das ist schon gut so. Es ist ein Unterschied, ob wir uns mit dem Hammer auf den Daumen schlagen oder diesen gleich in der Kreissäge mal eben abschneiden.

Seit über 30 Jahren gibt es die Holzwerkstatt in der Regenbogenfabrik.
Die Werkstatt ist ausgestattet mit Tischkreissäge, Tischfräse, Dickenhobel und Abrichte (Nutzung ausschließlich mit Maschinenschein der Handwerkskammer), sowie einer Bandsäge, Standbohrmaschine und Handmaschinen, die nach einer Einführung genutzt werden können.

Es gibt die Möglichkeit, dass:

  • Ihr ohne Vorkenntnisse Eure Holzprojekte mit fachlichem Rat verwirklicht
  • Profis ihre Zuschnitte machen und ihre Vorhaben verwirklichen
  • Aufträge (zur Finanzierung der Werkstatt) entgegengenommen werden

Außerdem veranstalten wir nach Absprache

  • Freies Kinderbasteln mit Holz, für Geburtstage, Kitas, Schulen, Projekte, …
  • Themenbezogene Workshops

Aber ach, auch hier ist die Selbsthilfe noch ausgeschlossen. Allerdings: In beiden Werkstätten können weiterhin Aufträge angenommen werden.

Bitte beachtet die jeweils gültigen Öffnungszeiten, die auf der Homepage der Regenbogenfabrik veröffentlich sind.

Fahrradwerkstatt: https://www.regenbogenfabrik.de/fahrradwerkstatt.html

Holzwerkstatt: https://www.regenbogenfabrik.de/holzwerkstatt.html