24.8.1983 | Abriss der Metallwerkstatt

Unverhofft kommt oft

Am Mittwoch, dem 24.8., wurden die Metallwerkstatt und der Lagerraum der Fahrradwerkstatt in der Regenbogenfabrik abgerissen, obwohl für die gesamte Fabrik keine Abrissgenehmigung vorliegt. In diesen Räumen war auch die gesamte Strom- und Wasserversorgung für die Fabrik untergebracht; ein neuer Sicherungskasten und Zähler waren gerade erst angeschlossen worden. Die Besetzer und Fabrikgruppen waren völlig perplex über diese Unverschämtheit. Und so beschlossen die überraschten und empörten Eltern der Kindergruppe (eine Senatsgroßpflegestelle), mit den Kindern eben spontan dahin zu gehen, wo die Quelle allen Übels liegt:
Mit Kochplatten, Töpfen, Spielzeugkisten, Saftflaschen usw. zogen sie zu Vogel & Braun und machten es sich in deren Räumen am Kudamm gemütlich. Die Angestellten standen dem überraschenden Besuch zwar fassungslos gegenüber, aber keiner schmiss sie raus. Wie immer fand der Besuch ein Ende durch die Polizei, die nach kurzer Verwirrung doch noch eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch locker aus dem Handgelenk zauberte.

Südost Express, September 1983, Seite 32

Wer kann sich daran erinnern? Wer hat womöglich noch weitere Fotos?

Geburtstagskind des Tages – Konstantin

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Ich habe mein Freiwilliges Ökologisches Jahr 2016/2017 in der Fahrradwerkstatt gemacht und außerdem bei ziemlich vielen Sachen in der Fabrik rumgehangen, ob im Café oder im Keller der Bau-Gruppe. Egal wo, es war immer lustig.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Im Sommer auf jeden Fall die Schaukel, sonst gerne auch auf einer Couch im Kino oder eben in der Werkstatt, wo man auch super einen Abend verbringen kann.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Gemeinschaftsermöglichungsreaktor

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Das Vegetarische Gericht oder auch mal der Fisch.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag

Alles Gute natürlich! Viele weitere Jahre mit vielen weiteren engagierten Menschen als Insel des Austauschs, der Nachhaltigkeit und der Möglichkeiten im Meer aus Kommerz und Hektik das Berlin heute ist.

Klimastreik!

Eine Zukunft ohne Klimakrise. Wie, verdammt noch mal, sind die Bretter dick, die deshalb noch durchbohrt werden müssen? Wie viele Jahre sind manche Aktivist*innen schon unterwegs deswegen? Wie können wir die überzeugen, die ihre Felle davon schwimmen sehen, wenn es zu den notwendigen Änderungen kommen sollte?

Brechen wir also auf zum nächsten Klimastreik und zeigen Flagge!
Geben die Hoffnung trotz alledem nicht auf. Und wählen gehen sollten wir dann zwei Tage später auch. Wenn wir nich vorher schon mit unseren Unterlagen zum Briefkasten gegangen sind.

Sondernummer des Südost Express zu Vogel-Braun

Liebe Leser des SÜDOST-Express!

Eine Extra-Ausgabe macht insbesondere Freizeit- Aktiven außerordentlich viel Mühe. Und ein bißchen Mühe sollen auch Sie sich machen: beim Lesen und Durchwühlen durch die 24 Seiten. Und beim Weitersagen, Drüber- Reden, Weitergeben.
Wir meinen, dass es sich lohnt. Spekulation mit Häusern und mit Mieterschicksalen — vor zwei Jahren in Berlin noch in aller Munde, nicht zuletzt durch die Instandbesetzer — Spekulation mit unseren Steuergeldern in Milliarden-Höhe lockt heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor?

Ein Jahr lang wurde recherchiert. Keine Spekulantengruppe kann sich so anhaltender Aufmerksamkeit rühmen. Schwierigkeiten, Steckenbleiben und Überraschungen lösten sich ab. Neue, enthüllende Tatsachen kamen an’s Licht und sollen nun veröffentlicht werden. Wenn die Politiker versagen, hilft nur noch Öffentlichkeit gegen gesellschaftliche Mißstände. Der Widerstand, den Besetzer und Mieter gegen die ungeheuren Spekulanten-Praktiken leisteten, ist also nicht restlos eingeschlafen und dahin — wenn auch manche resignierten. Gerade in der Lausitzer Straße, in der noch immer besetzten Regenbogenfabrik im Block 109 (zwischen Kanal und Reichenberger Straße), steht die Auseinandersetzung zwischen Mietern und Besetzern auf der einen und dem Senat und Vogel & Braun auf der anderen Seite auf des Messers Schneide. Hier Druck zu machen, gegen eine mögliche neue Räumung, gegen Luxussanierung auf unser aller Kosten — dafür diese Extra-Ausgabe.

Sie wurde hergestellt vor allem von Spekulations-Betroffenen aus dem Block 109. Sie soll dazu beitragen, Spekulanten weiterhin das Leben schwer zu machen. Rund 100 Häuser gehören dem Vogel & Braun Trust allein in unserem Bezirk. Neue Spekulanten, neue Namen treten seit Wochen verstärkt auf die Bühne. Die Wende ist in zwei Jahren CDU-Wohnungspolitik in Berlin vollbracht. Neuer Widerstand kommt auf. Die nächsten Wochen werden es zeigen. Und am Ende sind wir mit unseren Enthüllungen auch noch nicht. Ihr SÜDOST-Express

So haben die Macher:innen des Südost Express ihre Sondernummer eingeleitet.

Ein Jahr wurde recherchiert. 24 Seiten, dicht gepackt mit Informationen, sind entstanden.

Rund 100 Häuser gehörten dem Vogel & Braun Trust allein in Kreuzberg. Wer sich diese Informationen damals zu Gemüte geführt hat, wundert sich auch heute über nichts.

Seite 16 ff erzählt von den Auseinandersetzungen um die Regenbogenfabrik. Besonders wichtig ist hier die Erzählung über den Versuch, mit den Kommanditist*innen, also den steuersparwilligen Geldgebern der unglaublichen Finanzjonglagen, ins Gespräch zu kommen. (Seite 21)

Mehr findet ihr im FHXB Museum:

Und warum erscheint gerade heut der Bericht über die Sondernummer? Weil sie pünktlich zum Fest in der Regenbogenfabrik fertig werden musste: „Fest: nix steht fest. Aber fest steht ein Fest.