Aufruf zur Begehung einer gemeinschaftlichen Straftat

Zwei Jahre später entstand das bekannte Wandbild. Es verschwand später nach der Räumung und das alte Haus wurde eingereiht in eine Hotelmeile.

1983 – das Wandbild entsteht

Bildnachweis:

Unser kleiner Blogbeitrag anlässlich des Jahrestags der Räumung im Juli 1984:

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/07/25/kukuck-kunst-und-kulturzentrum-kreuzberg/

Niki de Saint Phalle: das Leben in Trencadis

Trencadis ist eine katalanische Art von Mosaiken, die mit Splittern und Scherben von Keramiken in einer Art geordnetem Chaos zusammengeklebt wird. Trencadis ist auch ein Prinzip, dass Niki der St Phalle durch die Jahrzehnte ihres künstlerischen Schaffens begleitet hat. Keine geraden Linien, keine strengen Winkel, nur Kurven und glückliches Durcheinander.

Um den Ursprung der Idee hinter diesem Artikel zu erklären, muss man mehrere Jahre zurück blicken auf die Zeit, wo ich als kleines Mädchen das Ludwig-Museum in Köln neben dem Dom besucht habe. Hier habe ich zum ersten Mal diese riesige dicke bunte tanzende Frau gesehen: eine der berühmten Nanas (französisches umgangssprachliches Wort, um Mädchen oder Frau zu sagen) von Niki de Saint Phalle.
Große farbige Gipsskulpturen von runden Frauen mit kurvigen Hinterteilen und Brüsten und kleinen Köpfen, die ihren Körper frei tanzen lassen und keinerlei Anstalten machen, sich zu entschuldigen für den Platz, den sie sich zurecht nehmen. Seitdem ist sie meine Lieblingskünstlerin und um das zu ehren, habe ich mir, sobald ich 18 wurde, eine Nana auf der Seite des Brustkorbs tätowieren lassen.

Nicht nur ihre Kunst habe ich immer geliebt, die viel mehr als nur Nanas ist, sondern auch ihre feministische Einstellung in der überwältigend männlichen Welt der Kunst. Und wie sie einfach alles gemacht hat, um ihren Träumen zu folgen, obwohl ihr Leben als Mutter und Hausfrau schon geplant schien. Alles in ihrer Kunst ist Emotion und man fühlt, das Schaffen war eine Notwenigkeit für sie, um weiterzuleben. Dazu war sie auch sehr engagiert für die Rechte von Afro-Amerikanern gegen das Patriarchat und in der Bekämpfung der AIDS-Krise.

Ihre Kunstwerke befassen sich mit dem Frausein, dem Leben, dem Tod, der Depression, der Sexualität und generell ihren eigenen Gefühlen und Erlebnissen. Zu den härteren Themen, die sie in ihrer Kunst inkorporiert, ist die Vergewaltigung, die sie durch ihren Vater erlebt hat in ihrer Kindheit. Niki de St Phalle verschweigt nicht die Konsequenzen dieses Traumas und inspiriert sich von ihren Weg zur Heilung um kathartische, bunte und gewaltsame Skulpturen und andere Werke zu bauen. Besonders nennenswert ist die Reihe Tirs (1961 angefangen), wo sie auf Gemälde schoss, in die sie Farbtaschen eingebaut hatte, die beim Impakt explodierten. Oder der experimentelle Film Daddy (1973), wo sie sich mit dem von ihr erlebten Inzest auseinandersetzt.

Trotz eines schwierigen Lebens voller Trauer, Gesundheitsproblemen, sowohl physisch als auch mental und Trauma, verbreiten ihre Kunstwerke unglaubliche Energie und Kraft und ganz besonders: Lebenslust. Ihre Schaffungen bringen mich immer zum Lächeln.

Einer meiner größten Träume:
Ihren „Jardin des Tarots“ in der Toskana zu besuchen. Ein riesiger Park mit Skulpturen überall, die man als Spielort betreten und benutzen kann. Es sind nie unzugängliche Kunstwerke, die man analysieren muss, um sie zu genießen; es sind Kunstwerke für die Kinder in uns. Vielleicht die wichtigste Seite des Menschen.

Charlotte Castillon

PS: Die französisch-amerikanische Künstlerin wurde 1930 geboren und ist 2002 gestorben.

Ein Hauch Farbe auf den Wänden der Welt

4 Farben werden bei der Farbdruckerei benutzt: Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Wer in Berlin öfter mal den Kopf erhebt und von der Vielfalt des Berliner Street Arts fasziniert wurde, hat sie bestimmt schon mal bemerkt: diese vier 3D-Farbpunkte, die sich fast in jeder Straße von Berlin verstecken. Sehr klein und minimalistisch neben manchen riesigen komplizierten urbanen Mandalas, die CMYK-Dots vom Berliner Künstler OKSE 126 sind trotzdem nicht übersehbar.
Aus dem Augenwinkel fallen sie sehr schnell auf und kratzen den Teil des Gehirn, der die Neugier kontrolliert. Warum diese Farben? Was bedeuten sie? Was ist das Ziel?

Der Künstler OKSE 126 hat vor 22 Jahren mit Graffiti angefangen und ist mit der Zeit auf einen mehr minimalistischen Street Art Stil gekommen. Seit 2016 macht er diese sogenannten CMYK-Dots, was gerade das Hauptprojekt seiner Street Arts ist. Die Idee ist wohl einfach auf eine simple Weise aufzufallen, so eine Art Unterschrift in der Geburtsstadt des Künstlers. „The modern way of pointillism“ (Die moderne Art des Pointillismus) nennt er seine Interpretation der ausschlaggebenden Kunstrichtung, von der er sich inspiriert fühlt und die er auf seine Weise weiterentwickelt.

Aber obwohl man gerne behaupten würde, dass dieses super Projekt rein ein Berlinerisches ist, ist es leider nicht der Fall. Denn der Künstler hat sich zum Ziel gesetzt, in mindestens 100 Städten seine Punkte auszubreiten. Und hat es auch geschafft: London, Leipzig, Linz, Lissabon und viele andere Orte wurden vom Künstler beehrt. Jede Stelle hat eine Nummer, wird sorgfältig ausgesucht und von ihm dokumentiert. Sein Instagram-Kanal weist mittlerweile 1130 Punkte in 16 Ländern Europas nach.

Hier eine Karte aller gepunkteten Orte: https://cmyk-dots.com/map.html

Auch die Regenbogenfabrik hatte die Ehre gepunktet zu werden (Nr. 425) und gleich daneben an der Reichenberger Straße (Nr. 954) ist auch wieder die farbige Überraschung zu finden.
Was ich besonders mag an diesen Installationen ist: Es ist sehr einfach und ist direkt erkennbar. Die Farben sind froh und die Größe der Punkte lässt auch genug Platz für andere Kunstwerke, so dass die Punkte sich auch in jedes Kunstwerk einmischen können. Das stellt irgendwie auch perfekt dar, wofür Street Art steht: Spaß und Kunstfreiheit.

Hier die offizielle Webseite des Künstlers:
https://cmyk-dots.com/index.html

Hier ein sehr gutes Interview mit dem Künstler in der TAZ:
https://blogs.taz.de/streetart/2021/03/23/interview-mit-cmyk-dots/

Charlotte

Fotos: Charlotte und Johanna

Nachtrag von einer, die jetzt auf den Geschmack gekommen ist: Ich kannte diese Zeichen und hatte mich erinnert, dass es in der Friedelstraße auch was gab.

Jetzt im Januar habe ich noch die Formen vorgefunden, die Farben sind überstrichen.

chz

Und wenn die Aufmerksamkeit schon mal geschärft ist, dann bringt der nächste Sonntagsspaziergang gleich noch mehr Entdeckungen:

Tag des Eichhörnchens

Die kuriosen Feiertage haben es uns bekanntermaßen angetan. Und dieser hier kommt uns durch unsere tierischen Bewohner:innen ganz besonders entgegen.

Die Initiative für den Ehrentag des Eichhörnchens geht auf die US-amerikanische Wildhüterin Christy Hargrove aus Asheville, North Carolina und das Jahr 2001 zurück.

Hargove, die für das lokale Western North Carolina Nature Center arbeitet, begründet die Wahl des 21. Januar als Datum für den Eichhörnchen-Ehrentag mit dem Umstand, dass es ihr vor allem um einen Termin mitten im Winter gegangen sei; denn zu dieser Zeit fänden die Tiere nur sehr wenig Nahrung. Hier steht also weniger der konkrete Termin als vielmehr ein spezifischer Handlungszeitraum im Vordergrund.

Dies auch vor dem Hintergrund, dass Eichhörnchen im Herbst viele Vorräte für den Winter vergraben. Gerade bei starkem Frost oder hoher Schneedecke gelangen die Tiere jedoch nicht mehr an diese Vorräte und laufen Gefahr, zu verhungern. Da die Hörnchen ab Januar ihre Jungen werfen, kann man durch gezielte Fütterung der erwachsenen Muttertiere hier unterstützen. Dass die Hörnchen aufgrund dieser künstlichen Nahrungsquellen dann nicht mehr durch die Natur versorgt werden, ist nicht zu befürchten bzw. wird auch von Experten nicht beanstandet.

Eichhörnchen zählen zu denjenigen Säugetieren, die keinen Winterschlaf im eigentlichen Sinne, sondern lediglich eine Winterruhe halten. D.h. die geschickten Kletterer kehren bei Einbruch der Dunkelheit wieder in ihre Kobel, sprich ihr Schlafnest zurück. Wobei die Nager während der kalten Monate grundsätzlich nicht sonderlich aktiv sind und zur Schonung ihrer Energiereserven die Aktivitäten auf ein Minimum einschränken. Diese Informationen fanden wir in der schon bekannten Lieblingsseite für skurrile Feiertage. Da gibt’s auch noch einiges mehr zum Weiterlesen: https://www.kuriose-feiertage.de/squirrel-appreciation-day-usa/


Mitten in Berlin ist die Ernährungslage für die Eichhörnchen sicherlich einfacher. So richtig kalt und voller Schnee war es schon länger nicht mehr.

Beim Betrachten der Bilder auf der oben genannten Homepage ist festzustellen, dass es bei den amerikanischen „squirrels“ vor allem um Streifenhörnchen geht. Und siehe da, auch diese haben wir hier in der Regenbogenfabrik schon gewürdigt:


„Genau genommen übte sie den Lebensstil eines abgebrühten Straßenkindes. Betteln, pöbeln, kleinere Diebstähle und ständig auf der Flucht – da hatte ich ein schönes Früchtchen an Land gezogen – Oliwanda Twist.“

So fasste unser Kollege Matthes seine Geschichte des Streifenhörnchens zusammen.

Fotos unserer „Haustiere“: Şerife
Diese unsere Eichhörnchen hatten wir schon einmal gewürdigt zum Tag der Haustiere am 11. April 2021:
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/04/11/tag-der-haustiere/