Von der Feuerwache zur Regenbogenfabrik

Die Regenbogenfabrik wurde am 14. März 1981 besetzt.

In das Geburtstagsjahr starteten wir mit einem Vortrag zur Vorgeschichte.

Am Sonntag, den 14. März haben wir das live gesendet aus dem RegenbogenCafé.

Andy zeigte im Vortrag den langen Weg/Kampf um ein Kulturzentrum im Kiez und erklärte dabei unter anderem, welcher geschichtliche Zusammenhang zwischen der UFA-Fabrik, dem Mehringhof und der Regenbogenfabrik besteht.

Wir freuen uns sehr, dieses Ereignis – jetzt nochmal neu geschnitten – gemeinsam mit Euch virtuell zu begehen.

Bericht von der Besetzung der Regenbogenfabrik

Der Südost Express berichtete in seiner Ausgabe vom April 1981:

Instandbesetzung in der Lausitzer Straße

In einer Blitzaktion besetzten eine Gruppe Gewerkschafter, eine Gruppe alleinstehender Frauen mit Kindern sowie einige Mitarbeiter und Freunde der Bürgerinitiative SO die leeren Wohnungen in der Lausitzer Straße 22a und 23 und die Fabrikgebäude in der Lausitzer 22. Unterstützt wurden sie von der Bürgerinitiative SO 36, dem Stadtteilzentrum Lausitzer Straße, Wohnen und Leben e.V. und durch viele Zusprüche von Nachbarn, der Ölberg-Gemeinde und anderen mit der Sanierung offiziell Betrauten in SO 36.

Kita für die Kleinsten

Im Winter 2016 beschlossen wir nach vielen Überlegungen, die leerstehende alte Töpferwerkstatt zu einer Kita für die Kleinsten umzubauen.

Lange war der Raum weitestgehend ungenutzt geblieben und die Nachfrage an Kitaplätzen gestiegen. Mit Freude und etwas Aufregung sahen wir diesem für uns riesigen Projekt entgegen.

Mit den Architektinnen von baukind fanden wir die perfekten Planerinnen für uns. Sie hatten den Blick fürs Detail, planten mit uns gemeinsam und unterstützten uns bei der Antragsstellung beim Senat. Um auch unseren Eigenanteil zu finanzieren, beschäftigten wir uns erfolgreich mit Crowdfunding und warben Fördergelder bei Trias ein.

Obwohl nur ein kleiner Raum, gab es eine Menge zu tun. Von alter Elektrik, aufsteigender Nässe bis hin zu einem großen Fenstereinbau – es gab fast nichts, was bleiben konnte. Der Raum musste komplett umstrukturiert werden, um kleinen Kindern gerecht zu werden.

Mit viel Eigenleistung und externen Firmen konnten wir die Kita für acht Kinder von 0 – 3 Jahren im Februar 2018 fertigstellen.

Wo vorher ein in die Jahre gekommener Dielenboden war, gab es nun einen hellen Linoleumbelag mit darunter liegender Fußbodenheizung. Mit einer Horizontalsperre bekamen wir die Nässe in den Griff. Durch geschickte Aufstellung neuer Wände mit Schiebetüren – um Platz zu sparen – schafften wir einen Ruheraum, sowie ein kleines Bad. Ein Gruppenraum mit offener Küche vervollständigte das Ganze.

Zum 01.03.2018 konnten wir mit zwei neuen Mitarbeiter:innen die kleine Kita eröffnen.

Ellena Carta

Regenbogenfabrik 2021

Gallisches Dorf Kreuzberg (Benvenuto Römer!): Cuvrystraße?, Heinrichplatz? Wohngemeinschaft im Altbau? Kultur am Flutgraben? Kindergarten? Café und Kantine? Hostel? Schlesische 27? Festung? Kommune? Kulturhalle?

Die Reihe wird endlos – hat aber nur eine Adresse, die Vieles verbindet: Die Regenbogenfabrik Block 109!

Was macht die Regenbogenfabrik so einzigartig: Es sind wohl zwei Hauptgründe:

  1. maoistisch gesehen und nach meiner Ansicht unter vielen Zitaten am besten getroffen: „Wasser kann ohne Fische fließen, aber Fische?“ – denen bleibt nur das Fahrrad.
  2. ist die alemannisch-deutsche Lebenserhaltungslogik: Erbbaurecht (seriöser als Bodenkauf!), gemeinnützig (kein Fisch weit und breit?), versorgungsnah (Kantine statt Curry36, aber kein Veggizwang!), Reparaturbetriebe (trainieren fürs autolose Zeitalter (ab Generation 2035?). Kindergarten und für alle Fälle Kino mit Kühlschrank.

Hoş geldiniz Türk hemşerileri!

Fazit: Wenn in den kommenden Jahrzehnten die „Mischung A+B =C“ weiterhin so gut funktioniert, ist mir nicht bange um die Menschen bei Euch, das Projekt und die Unterstützung „von draußen“.

Liebe Regenbognerinnen und Regenbogner (habe ich die Sternchen nicht gut vermieden?), ich wünsche Euch ein fortschrittliches, coronafreies, gesundes und dabei auch bestmögliches kollektives Wohlsein und grüße Euch von Ulrike. Euer Gert

Gert Behrens

Berlin 24. Januar 2021