Die Essens(z)gruppe – the essence group

Im Hinterhaus wohnen ja 33 Menschen, fast alle in 4-er Wohnungen/WGs, und bis heute gibt es zusätzlich zu den Küchen in den Wohnungen eine „Essensgruppe“. Immer angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse und doch ein Relikt aus der Zeit der Sanierung, als es überhaupt erstmal eine Küche im Haus für alle gab, ist das System: alle die dort mitessen, kochen einmal pro Woche für alle. So koche ich einmal pro Woche für ca. 10 Mitbewohner*innen, bekomme im Gegenzug jeden Tag eine warme Mahlzeit. Beim gemeinsamen Abendessen – und auch, wenn wir uns beim Frühstück oder in der Mittagseit über den Weg laufen in der Essensgruppe – bekommen wir voneinander mit. Wer hat gerade was aufregendes erlebt, wer ist krank, wer ist Oma geworden oder will demnächst verreisen.
Das verbindet und schafft das Gefühl von „ich bin Teil einer Gemeinschaft“.
Einige Jahre wohnten Heather und Graham aus Australien mit im Haus und waren auch aktive und liebevolle Mitglieder der Essensgruppe. In einem Mix aus Englisch und Deutsch kommunizierten wir. Und wenn du „Essensgruppe“ mit einem englischen Akzent aussprichst, wird eher „essence group“ [essenz grup] daraus. Mir hat dieses Bild sehr entsprochen, denn tatsächlich habe ich in all den Jahren, in denen ich im Hinterhaus der Regenbogenfabrik lebte, die Essensgruppe als eine Essenz, einen Dreh- und Angelpunkt für Orga und Menschliches empfunden.
Möge weiterhin viel Essentielles in und durch die Essenzgruppe kreiert werden. Und täglich guten Appetit!

Andrea

Damals und Heute

Regenbogenfabrik im April 2021

Zwanzig Jahre sind es ziemlich genau, die zwischen den beiden Bildern liegen. Im Februar 2001 hat jemand auf den Auslöser gedrückt. Jetzt, im April 2021, hat Şerife ein Weilchen suchen müssen, um genau den Platz zu finden, von dem aus 2001 die Aufnahme gemacht worden war. Und was da alles zu bedenken ist: Stehe ich wirklich am richtigen Ort? Habe ich den gleichen Ausschnitt gewählt oder zu viel oder zu wenig mit drauf? Und überhaupt, war der Andere damals vielleicht viel größer als ich? Ich muss mir eine Trittleiter holen. Und dann: Verflixt, jetzt steht da ein Baum! Der alte Ort, den gibt es so nicht mehr.

Für uns Betrachter*innen ist der Vergleich dann trotzdem eine feine Sache!

Die Fabrikgebäude haben eindeutig mehr Farbe gewonnen. Die rote Wand, hinter der sich das Kino verbirgt, ist in der historischen Form wieder hergestellt und die Narbe vom Brandschaden von 1981 konnte endlich überarbeitet werden.

Die Schaukel steht noch immer am gleichen Ort.
Es ist nicht zu erkennen, dass sie mal neu aufgestellt werden musste. Die Wippe ist verschwunden, statt dessen prangt im Vordergrund die kleine Außenbühne, die bei Hoffesten immer wieder zum Zentrum der Aufmerksamkeit wird.

Na und dann noch der stattliche Baum! Bäume, Bäume… – bestimmt 20 Exemplare sorgen im Sommer für ein wunderbares Klima für Alle.

Kinderbauernhof am Mauerplatz

Der Kinderbauernhof am Mauerplatz ist 1981 als Initiative von unten und als erster Kinderbauernhof in Berlin entstanden: Eine Mutter-Kind-Gruppe, Nachbar*innen, Kinder und Jugendliche entmüllten und begrünten ein ehemaliges Trümmergrundstück an der Mauer, bauten Ställe und schafften Tiere an, um vor allem für die Kinder in der Großstadt ein Stück Grün in der Betonwüste zu schaffen. Das Projekt wurde von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Altersgruppen zum größten Teil unbezahlt gemeinsam aufgebaut.
Genau da, wo er gewachsen ist, wird er gebraucht und weil er genau dort gebraucht wird, hat er sich über lange Durststrecken hinweg gehalten und weiterentwickelt.

Für die Bilder danken wir dem Kinderbauernhof, Mike Hughes und dem Archiv unserer Kita, die auch gerne zum Bauernhof gegangen ist.

Ein Glück, dass sie beim Kinderbauernhof den offenen Betrieb trotz Corona aufrechterhalten können.
Auch in diesem Jahr hätten sie gern am 21. März den Geburtstag des Kinderbaurnhofes mit Allen gefeiert. Dieses Jahr werden sie ebenso wie das Heile-Haus, die Schokofabrik und die Regenbogenfabrik 40 Jahre alt. Vier selbstverwaltete Projekte, die ihre Wurzeln in der kreativen Zeit der Besetzer*innenbewegung in einem damals romantisch maroden Stadtteil – SO36 – ausgebreitet haben.
Aus diesem Anlass planen wir miteinander in Zusammenarbeit mit dem Kreuzberg Museum eine Ausstellung, die hoffentlich trotz Corona im Spätsommer für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Wir haben es verpennt, lieber Kinderbauernhof, Euch in diesem Blog direkt an Eurem Geburtstag zu gratulieren. Da waren wir zu beschäftigt, das Ganze zum Laufen zu bringen.
Nun holen wir es nach und nehmen unseren 100. Beitrag zum Anlass, um Euch hochleben zu lassen!

Übrigens: Der Kinderbauernhof finanziert seine Arbeit ausschließlich durch Spenden! Vielleicht animiert es eine*n von Euch, sie zu unterstützen? Geld, Sachspenden und Tierpatenschaften helfen weiter. Mehr dazu auf der Homepage, die wir unter dem gelben Kreis versteckt haben.