KuKuCK | Kunst und Kulturzentrum Kreuzberg

Wieder eine Aufforderung zur sanierungspolitischen Propaganda der Tat! 1912 war das Haus in der Anhalter Straße als Gewerbe- und Bürokomplex erbaut worden.

Der „KuKuCK“ wurde schnell ein alternatives Kulturzentrum, das mit der Devise „Leben und Arbeiten als Einheit“ antrat, zehn freie Theatergruppen und Musiker beherbergte, ein kommunales Kino, eine Bibliothek, ein Café, eine Galerie, ein „Sleep In“ und vieles mehr unterhielt. (taz)

Hier war nicht nur Platz für Kunst, jeden Sonntag tagte hier der Besetzerrat.

Also 1984 nach langen Auseinandersetzungen mit großem Polizeiaufgebot geräumt worden war, gab es noch zehn besetzte Häuser in der Stadt.

Titelbild: Manfred Kraft

Geburtstagskind des Tages – Jenny

Unsere erste Frage an ein Geburtstagskind ist immer, seit wann jemand zur Regenbogenfabrik gekommen ist. Bei Jenny kommt eher die Frage auf, wann sie nicht auf der Regenbogenfabrik war. Jedenfalls kann Jennys Lebenszeit vor der Regenbogenfabrik in Tagen angegeben werden. In ihrer Geburtstagsanzeige stand geschrieben: So überraschend drängte sie in unsere Mitte, dass noch kein Name für sie gefunden ist. Na, das hat sich dann schnell geändert.

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchen Bereich?

Eigentlich seit 14.3.1981, der 24.7. ist es jedenfalls nicht, da war ich noch im Krankenhaus. Sagen wir 1.8.?

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Das Personalklo in der Rezeption. Im Winter ist es der wärmste, im Sommer der kühlste Ort in der Fabrik. Und dort gibt es musikalische Begleitung aus dem Musikübungsraum.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Familie

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Eier in Senfsoße

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Gelassenheit

taz Berliner Lokalprärie am 28.7.1981

Wer bekommt schon eine Demo zum Geburtstag geschenkt!

Sehr gern zitieren wir wieder den Südost Express, in diesem Fall von September September 85:

Unter dem Titel „Jahrmarkt der Sehenswürdigkeiten“ wird verlautet:

„Draußen ging es derweil mit Donner und Kapelle um den Erhalt der Regenbogenfabrik, mit deren Abriss Franke droht, um die Regenbogler zum Verlassen ihres angrenzenden Wohnhauses zu erpressen. Dass Franke auf den Protest der Regenbog’ler hin plötzlich bereit war, sogar deren Demonstration anzuführen, suggeriert hier unser Fotograf. Tatsächlich verprellt Franke lieber den Koalitionspartner FDP und Senatskollegin Schmalz-Jakobsen, die sich als neue Freundin des Stadtteilprojektes entpuppte. Für einen Abriss von Wohnhaus oder Fabrik aus Rache sei sie nicht zu haben, die Regenbogenfabrik sei eine „Tolle Sache für Kreuzberg!“

Menno, da hatte die FDP noch Arsch inne Hose.

Und unsere Anekdote ist: Jenny war fest davon überzeugt, dass diese Demo zum Anlass ihres Geburtstags organisiert worden war. Auch, wenn es damals nicht so gedacht war, wären wir heute sowieso bereit, es wieder zu tun, wenn es nötig wäre.

Christine

Schiff heiß, Schiff kalt

Juni 1985

Um etwas Geld für die Sanierung der Regenbogenfabrik zu verdienen – das eigentlich immer gebraucht wurde, denn die Fabrik war zu diesem Zeitpunkt in einem desolaten Zustand – trug man uns an, bei einer Kunstaktion der NGBK mit einem Würstchenstand etwas Geld zu verdienen. Freiwillige vor – und es fanden sich vor allem Leute aus der Cafégruppe und der Fahrradwerkstatt, welche sich für die mehrtägigen Dienste eintrugen. Damals wurde viel improvisiert, aber Würstchen braten und Kaffee oder Bier ausschenken, das konnte jeder. Doch man hatte nicht mit der Masse an Besuchern gerechnet – und es gab nicht genügend Geschirr und einer war immer unterwegs, um Nachschub zu besorgen.

Aber das eigentliche Highlight war die Kunstaktion. Dabei hatte man das Wrack eines alten Haveldampfers in den Boden gerammt, so dass das Heck nach oben zeigte. Bei der Aktion – Schiff blau – brachte ein Tanklaster von Linde, flüssigen Stickstoff, welcher über das Schiff gegossen wurde.
Nun lag zu diesem Zeitpunkt ein Tiefdruckgebiet über der Stadt und wir hatten irgendwie schlechte Luft. Jedenfalls war im Nu der ganze Platz – es handelte sich hierbei um die Freifläche am Potsdamer Platz – eingenebelt, so dass man buchstäblich die Hand nicht mehr vorm Gesicht sah. Die Besucher bekamen Panik und rannten davon und am nahe gelegenen Schöneberger Ufer hörte man einen Knall nach dem anderen, als die Autos durch den plötzlich einsetzenden Nebel aufeinander stießen.

Die Feuerwehr kam und löschte und einige Unverdrossene feierten weiter mit Bands, Theater und sonstigen Aktionen. Auf den Schreck hin, lief auch bei uns einiges aus dem Ruder.

Maria

https://archiv.ngbk.de/projekte/berliner-kulturplaetze-4/