2011 | Abschluss Pachtvertrag

11.224 Tage nach der Besetzung und 6.923 Tage nach dem ersten Entwurf für einen Pachtvertrag ist die Fabrik legalisiert.

Zu diesem Anlass geben wir Anette das Wort. Sie hat den folgenden Beitrag für unseren Freundeskreis geschrieben. Wir warben um ihre Unterstützung, um die Kosten für den Erbpachtvertrag aufzubringen. Insgesamt 80.000 Euro waren in kurzer Zeit zu mobilisieren. Denn zu einem Pachtvertrag gehört auch eine Wertermittlung der Bauten auf dem Grund und der Eigentümer erhält einen Gegenwert. Wenn der Vertrag zu Ende geht und keine Folgevereinbarung getroffen wird, gehört dieses Geld wieder dem Verein Regenbogenfabrik. Geld, das wir erst mal nicht hatten. Oben drauf kamen weitere Kosten, denn der beratende Anwalt und der Notar waren zu bezahlen, auch die Eintragung ins Grundbuch ist mit Kosten verbunden. Möglich wurde die Finanzierung über einen Bürgenkredit bei der GLS. Und nochwas: die im Text erwähnte Genossenschaft ist nicht entstanden. Dafür müssen wir uns noch ganz anders aufstellen. Doch nun zum damals aktuellen Bericht:

Damals war’s: Die Entstehungsgeschichte der REGENBOGENFABRIK

Die REGENBOGENFABRIK wurde 1981 gegründet, als eine Gruppe von 60 jungen Menschen ein altes Fabrikgebäude und angrenzende Wohngebäude besetzten, um deren Abriss und die damit verbundene Neubauplanung zu verhindern. Die Eigen­tümergruppe „Vogel & Braun“ hatte – wie viele andere Gesellschaften – große Teile alter Bausubstanz aufgekauft, um sie mit steuerbegünstigten Abschreibungsmodellen abreißen oder luxusmodernisieren zu las­sen.

1981

Diese senatsgeförderte Spekulationspolitik, die nicht nur baupolitische unsinnig, sondern auch menschenverachtend war, da ganze Quartiere ausgelöscht und deren Bewohne­rInnen vertrieben werden sollten, stieß auf massiven gesellschaftlichen Widerstand. Wie in Bürgerprotesten gegen AKWs oder die Startbahn West in Frankfurt, formierte sich auch in Berlin ein breites Bündnis un­terschiedlichster Couleur: Die Westberliner „Instandbesetzerbewegung“ mit ihrem Motto „Lieber instandbesetzen als kaputtbesitzen“ wurde ebenso aktiv wie Bürgerinitiativen und Unterstützerkreise aus gesellschaftspoliti­schen Zusammenhängen sowie eine „neue“ Stadtplanergeneration, die unter dem Motto „Kaputte Stadt retten“ statt Kahlschlagsanie­rung eine betroffenen-orientierte „Behut­same Stadterneuerung“ forderte ( „Internati­onale Bauausstellung IBA 1984“).

….. So auch in der REGENBOGENFABRIK:

Mit der Besetzung des Geländes konnten die Abriss- und Neubaupläne in letzter Mi­nute, nachdem alle legalen Bemühungen dies zu verhindern, gescheitert waren, ge­stoppt werden. Gleichzeitig sollte in dem sozio-kulturell unterversorgten Kiez mit des­sen BewohnerInnen ein Nachbarschafts­zentrum aufgebaut werden. Es entstanden in kürzester Zeit ein Café, eine Fahrrad- und eine Holzwerkstatt, eine Kleinkindgruppe, Offene Kinder- und Jugendangebote, ein Musikübungsraum sowie ein Kino-  und Veranstaltungsraum. Weiterhin war ein – ebenfalls vom Abriss bedrohtes – Nachbar­wohnhaus besetzt worden, in das die meis­ten der Regenbogenaktiven, junge Hand­werkerInnen, alleinstehende Mütter mit Kin­dern und Mitglieder der BI S036, einzogen. Allen gemeinsam war der Wunsch nach einem alternativen, basisdemokratischen gemeinsamen Leben, das in der REGEN­BOGENFABRIK in einer „Einheit von Woh­nen, Leben und Arbeiten“ verwirklicht wer­den sollte. Unter dem Motto „Wir wollen lachen, leben, lieben“ entstand ein Selbst­hilfeprojekt, das nicht nur zur sozialen Ein­richtung sondern auch zum sozialen Le­bensraum für und mit dem Kreuzberger Kiez wurde.

1981 bis 2011: 30 Jahre REGENBOGENFABRIK

In den darauf folgenden drei Jahrzehnten wurde weiter am „Regenbogen gebaut“, was durchaus wörtlich zu verstehen ist, denn es galt, die maroden Gebäude vor weiterem Verfall zu retten, instand zu setzen und den Nutzungen entsprechend umzubauen und zu modernisieren. Dies geschah – abgese­hen von vergleichsweise wenigen öffentli­chen Fördergeldern – vorwiegend mit gro­ßem Eigenengagement in Form von Selbst­hilfe und Eigenmitteln, aber auch mit Hilfe zahlreicher UnterstützerInnen und FörderIn­nen. Gleiches gilt für alle Projektaktivitäten, die ebenso fast ohne staatliche Subventio­nierungen auskommen mussten.

Frühjahr im Hof

Der Regenbogen wuchs in all seinen bunten Facetten mit der Vielfalt und Verschiedenar­tigkeit seiner Aktivitäten und Menschen. „Altes“ verschwand oder änderte sich, neue Ideen und Angebote kamen hinzu. So ver­steht sich die REGENBOGENFABRIK auch heute noch als „Projekt“ im klassischen Sinne, das auf Bewährtes aufbaut, aber dennoch Raum für neue Entwicklungen lässt. In diesem Sinne ist sie auch Forum für politische und soziale Gruppierungen und veranstaltet bspw.  Film- und Themenreihen zu gesellschaftsrelevanten Schwerpunkten (z.B. „Aktionsnetzwerk Globale Landwirt­schaft“), beteiligt sich an öffentlichen Diskur­sen zum Kiez und darüber hinaus und un­terstützt Initiativen wie den „Berliner Was­sertisch“ oder (leider erfolglos?) die Berliner AktivistInnen gegen Stuttgart 21 „Schwa­benstreich Berlin“ und beteiligt sich an be­troffenenorientierten Netzwerken.

Das Kinoschild war da ganz neu

Die Projektgruppen und –bereiche sind nach wie vor im pädagogischen, sozio-kulturellen sowie kreativ-handwerklichen Bereich ange­siedelt, hinzu kamen vor einigen Jahren Bildungs- und Beschäftigungsprojekte und ein Gästebereich:

  • Regenbogencafé mit hauseigener Kuchenbäckerei
  • Offene Angebote für Kinder und Ju­gendliche
  • Kitagruppe für Vorschulkinder
  • Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt
  • Nachbarschafts-Holzwerkstatt
  • Bau- und Instandsetzungsgruppe
  • Kino- und Kulturbereich
  • Kantine
  • Hostel
  • Integrationsbereich
  • Projektverwaltung und –koordinie­rung
  • Bildungs- und Beratungsbereich
  • Selbsthilfe-Wohnprojekt
Elefant am Lehräderschuppen

Die REGENBOGENFABRIK ist ein selbst­verwaltetes Projekt mit kollektiven Struktu­ren, in dem alle Arbeit gleich viel wert ist. Findung und Umsetzung der Projektziele erfolgen basisdemokratisch und die dafür notwendigen Beschlüsse werden nach dem Konsensprinzip entschieden. Dies war und ist nicht immer einfach, dennoch halten wir das für den für uns „besseren“ Weg, und sehen es – gerade in Zeiten von zunehmen­der Globalisierung und Fremdbestimmung – als gute Basis für weitere Regenbogenjahr­zehnte an.

Die REGENBOGENFABRIK und ihre Zukunft…

Nach 30 Jahren als Kreuzberger Kiezprojekt mit Bezügen in Berlin und darüber hinaus gelten wir als „Leuchtturm“ und erfolgreiches Beispiel einer nachhaltigen Stadtteilpolitik, die Berliner Abendschau nannte uns un­längst eine „Berliner Legende“, und immer wieder treffen wir auf Menschen, die sich die Regenbogenfabrik als Beispiel genommen haben oder nehmen wollen. Dies erfüllt uns mit einem gewissen Stolz, befremdet uns aber auch ein wenig, und auf gar keinen Fall dürfen wir uns auf diesen Lorbeeren ausru­hen, denn die Zeiten für sozio-kulturelle Zentren sind hart und mehr denn je brau­chen wir eine möglichst langfristige Projekt­sicherung:

Maus an der Wand der Rezeption

Auf dem Weg zur „Solidarischen Ökonomie“ und zur Genossenschaft

Einerseits profitieren wir von einem relativ hohen Bekanntheitsgrad und können ebenso ein hohes Maß an „sozialem Kapital“ (u.a. bedingt durch das hohe Engagement unserer MitarbeiterInnen) einbringen. Dem gegenüber steht jedoch ein massiver finan­zieller Druck, der unabdingbar wirtschaftli­ches Handeln und Tun fordert.

RegenbogenCafé

Seit einigen Jahren bemühen wir uns daher im Rahmen von „Solidarischer Ökonomie“ unsere sozio-kulturellen und politischen Ziele durch wirtschaftliche Aktivitäten zu realisieren, die nicht im Gegensatz zu die­sen stehen, sondern vielmehr Teil davon sind. Im Sinne von „not for private profit“ geht es dabei darum, unter solidarischen Bedingungen die gemeinsamen Ziele zu verwirklichen und dabei eine ebenso solida­rische Gewinnerzielung und –verteilung zu ermöglichen

Blick in die Kantinenküche

Dies geschah zunächst u.a. im gemeinnüt­zigen Kontext mit betroffenorientierten Be­schäftigungsmaßnahmen im Gästebereich. Nach massiven Mittelkürzungen wird dies nun ab dem 1. Januar 2012 im Rahmen einer UG fortgesetzt werden, deren Ge­winne dem gemeinnützigen Projektzweck zugute kommen. Genannte UG wird – ebenso wie der Verein Regenbogenfabrik – in absehbarer Zeit zur REGENBOGEN-GE­NOSSENSCHAFT werden, die sowohl die sozio-politische als auch wirtschaftliche Zu­kunft als basisdemokratisches Projekt si­chern helfen soll und dem solidarischen Grundprinzip der REGENBOGENFABRIK entspricht.

Spielplatz im Hof

Nach 30 Jahren endgültig legalisiert?

Der Abschluss eines Erbbauvertrages bis 2041

Parallel zu der Besetzung der REGENBO­GENFABRIK 1981 wurde mit breiter öffentli­cher Unterstützung umgehend nach Legali­sierungsmodellen gesucht, um den langfris­tigen Erhalt des Projektes zu sichern. Zwar konnten damit über Jahre hinweg die Räu­mung des Geländes verhindert werden, gleichzeitig schienen aber langfristig erfolg­reiche Vertragsverhandlungen unmöglich, da die Investorengruppe nach wie vor an ihrer Planung festhielt. 1984 wurde zwar im Rahmen der „Berliner Linie“, in der besetzte Häuser legalisiert oder geräumt wurden, ein befristeter Vertrag für ein Jahr geschlossen (der sich bis heute die einzige Vertrags­grundlage bildete!), dennoch blieb die Situa­tion unsicher, und das Projekt stand immer wieder vor dem Aus.

Der Neubau für den Gästebereich

Dies änderte sich erst als Land Berlin nach einem Abgeordnetenhausbeschluss zum „langfristigen und umfassenden Erhalt“ das Gelände 1992 kaufte und es in das Vermö­gen des Bezirks Kreuzberg übertrug, der es dann dem Projekt zur Nutzung überlies. Der erhoffte langfristige Vertrag kam dennoch nicht zustande, da es sich um eine ehema­lige Chemiefabrik handelt, was massive Umweltbelastungen zur Folge hatte, die zwar den Betrieb des Nachbarschaftszent­rums nicht gefährdeten aber das Grundwas­ser verseuchten. Über Jahre hinweg konnte daraufhin mit dem Bezirk keine nutzungs­vertragliche Lösung gefunden werden – ob­wohl dieser das Projekt als ausgesprochen unterstützenswert ansah – da die Altlasten­problematik immer wieder im Raum stand und eine einvernehmliche Lösung verhin­derte:

Winterbasar

Einerseits konnte der Verein Regenbogen­fabrik keinesfalls als Erbbauberechtigter die Spätfolgen der Chemiefabrik übernehmen, andererseits sah sich der Bezirk dazu ebenso wenig in der Lage. Nachdem in den vergangenen Jahren durch die zuständige Umweltsenatsverwaltung ein Weg zu einer – zumindestens langfristigen – Sanierung des Geländes gefunden wurde, konnten die Verhandlungen wieder aufgenommen und nun endlich ein Vertrag mit einer einver­nehmlichen Altlastenregelung abgeschlos­sen werden:

IG Blech beim 30. Geburtstag
aus der Ausstellung der Kita-Kinder

Am 5.12.2011 – 11.224 Tage nach der Be­setzung 1981 und 9.989 Tage nach Ab­schluss des „Legalisierungsvertrages“1984 – wurde endlich der heiß ersehnte Erbbauver­trag für die Regenbogenfabrik mit einer Laufzeit von 30 Jahren unterzeichnet:

fertig für den Winterbasar

Nach 30 Jahren relativer Unsicherheit wurde die REGENBOGENFABRIK endgültig lega­lisiert und blickt nun hoffnungsfroh in die Zukunft weiterer 30 Jahre!

Die Schrift über dem Eingang zu Kantine und Hostel | entstanden für die Dreharbeiten zu „Der ewige Gärtner“

Georg von Rauch

Noch ein paar Tage nur: Am 8. Dezember wird es dieses Jahr auf dem Mariannenplatz feierlich zugehen, Lieder werden gesungen am Abend und Redebeiträge gehalten. Es ist der „50. Geburtstag“ des Georg-von-Rauch-Hauses zu erinnern. Oder besser: die Erinnerung an die damalige Besetzung. Der Rauchhaussong der Ton Steine Scherben wird wieder mal erklingen.

Wie kam es zu der Benennung des besetzen Hauses nach Georg von Rauch und wer war dieser junge Mann?

Er war in den linken Gruppen der „nach-68er“ in Westberlin bekannt als einer aus dem Umfeld der Berliner „Haschrebellen“, war ins Visier des Staatsapparates geraten wie damals so viele. Auch sein Freund und Genosse Thomas Weisbecker. Am Nachmittag des 4. Dezember 1971 wurde er bei einer Fahndungsaktion gegen die sogenannte Bader-Meinhof-Gruppe in der Schöneberger Eisenacher Str. von einem Zivilfahnder gestellt und erschossen. Der Mord wurde nicht strafrechtlich verfolgt. Dieses skandalös-dramatische Ereignis war der Hintergrund für die Benennung bei der Besetzung vier Tage später.

Was bedeutet die Erschießung des Genossen Georg von Rauch für mich?

Zunächst war ich am 4.12.1971 sechszehneinhalb Jahre alt.

Im besten „fridays und greta“-Alter. War im Süden Westberlins behütet aufgewachsen und 1970 konfirmiert worden. Es war eine linksliberale Gemeinde und so ging ich hinein in eine Art lebendig praktizierten christlichen Antifaschismus.

Wir waren 1970 in die CSSR nach Prag gefahren, hatten die Gedenkstätten in Lidice und Theresienstadt besucht. Ich hatte zur Vorbereitung ein Referat über das Münchner Abkommen und die anschließende NS-Besatzung der Tschechoslowakei abgeliefert.

Wir, meine Freunde und ich, waren im Kontakt mit „den Großen“, d.h. älteren Studentinnen und Studenten, die in unserer Schlachtenseer Kirchengemeinde mit uns „Kids“ Arbeitskreise veranstalteten, z.B. zur Lektüre von A.S. Neill „Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung“.

Alles faszinierend neu für mich und es erdete meine Haltung gegen das Schweigen unserer Eltern(generation) über Faschismus und Beteiligung.

„Gebündelt“ hat sich für mich alles über die sich herausbildende Rockmusik. Besonders über die politische Rockmusik der Hippies, mit Woodstock, Friedensträumen und Revolutionsgesang. – für meine Eltern war das „primitive Urwaldmusik“. Nur in der Kirchengemeinde war der Raum zum Austausch und Einüben von Debatte. Wir trafen uns im Keller des Gemeindehauses, die Haare wuchsen auch tiefer ins Gesicht, die Mädchen wirkten auf mich immer attraktiver und blieben mir doch unerreichbar.

Und dann gab es da diese Rebellen in der Innenstadt. Die machten Alarm, die hatten viel längere Haare und die kamen wild und gefährlich daher.

Und sie hatten Recht. Das war das wichtigste, ich konnte sie gut verstehen.

Sie unternahmen etwas, was ich mich nicht traute. Und sie waren klug und listig.

Zum Beispiel Georg von Rauch und Tommy Weissbecker. Weil sie auch Sicht der Erwachsenenwelt in ihrem Aussehen nicht zu unterscheiden waren, sie galten eh nur als „langhaarige Affen“. Und beide kamen sie aus dem Kriminalgericht Moabit auf freien Fuss. Mit einem Trick, dem „Verwechselungsblues“: der freigesprochene von den Beiden bleibt sitzen im Gericht, der Verurteilte geht an seiner Stelle aus dem Saal, hinaus in die Freiheit. Der freigesprochene kann danach nicht inhaftiert bleiben.
Wie cool war das denn! Muss man erstmal bringen, solch ne freche Geistesgegenwart.

Und wie haben wir uns amüsiert auf dem Bolzplatz hinter dem Studentendorf Schlachtensee, wo wir Jungens mit den Studenten Fußball spielten – wenn sie uns mal mitspielen ließen.

Dann ein paar Monate später plötzlich die Nachricht in der Zeitung – bei uns zu Hause wurde „die Welt“ gelesen – dass sie einen „gefährlichen Terroristen“ in Schöneberg erwischt hätten, und in der Schießerei an der Eisenacher Straße wäre „der bewaffnete Angreifer“ seinen Verletzungen erlegen.

Ich glaubte kein Wort. Ich war nur wütend und ohnmächtig zugleich. Ich dachte, was wird wohl jetzt aus uns? Wo „sie“ anfangen unsere Helden abzuknallen wie im Italowestern.

Eine Zeit später, irgendwann 1972, kam die zweite Schallplatte von „Ton Steine Scherben“ raus, mit rauher deutscher Rockmusik und mit einem irren Song über die Besetzung am Mariannenplatz, dem „Rauchhaussong“.

Und da war Georg von Rauch plötzlich unsterblich geworden in meiner kleinen Welt.

Dass wir keine Helden brauchen und dass Georg auch kein Held war, wusste ich damals noch nicht. Es ist wie es ist. Alles muss der Mensch halt selber machen.

Der Rauchhaussong begleitet mich bis heute. Bald gehe ich in Rente.

Leh von Umbruch-Bildarchiv“

1985 | Aus der Großpflegestelle mit 8 Kindern wird eine Eltern-Initiativ-Kindertagesstätte mit 15 Plätzen

Die Jugendsenatorin Schmalz-Jakobsen kommt anlässlich der Einweihung vorbei und bekommt eine Kekstorte ab, in Form der Regenbogenfabrik.

Wir fragten an bei Günther Poggel, ob er die Situation noch erinnert. Wir können uns vorstellen, dass es schon einige Mühe gemacht hat, eine „richtige“ Kita bei uns einzurichten. Und dann zur Eröffnung auch noch die Senatorin zu bitten. So baten wir Günther um einen kurzen Kommentar.
Und den bekamen wir.

Das, liebe Christine, kommentiere ich gerne! Haben wir doch sowohl im Amt als auch gemeinsam über den TAZ-Artikel herzhaft gelacht (die TAZ erkannte man untrügerisch an den frechen Anmerkungen der „Sätzer“).

Was war an dem Artikel so spaßig? Dass man mich als den Fachzuständigen der Jugendverwaltung neben der Senatorin als Alternativen bezeichnete. Ich hatte das eher als Lob empfunden, waren die von uns mitverfolgten Wege der diversen Besetzerprojekte ja gegenüber der gewohnten Politik schon als alternativ zu bezeichnen. Es gab im Senat und in den Verwaltungen jedoch immer schon eine Reihe von Personen, die den Argumenten der Stadtteilprojektler aufgeschlossen gegenüber standen.
Frau Schmalz-Jacobsen z.B. hatte sich im Senat auch für die Legalisierung der besetzten Ufa-Fabrik eingesetzt, die ich bis zum Abschluss des Erbbauvertrags begleitet habe. Ihr Staatssekretär Dittberner hatte mich zu einem Termin ins Weißbecker-Haus begleitet, weil er die Leute kennenlernen und dort Lösungen wollte.

Spätestens nach den Kreuzberger Mai-Unruhen zwei Jahre später gaben alle Parteien ihre Einstellungen in Positionspapieren heraus und auch Abgeordnete aus dem Landesparlament waren immer häufiger auf den Besucherlisten der Projekte, um Volksnähe zu zeigen!

Frau Schmalz-Jacobsen hatte sich ja damals für den langfristigen Erhalt der Regenbogenfabrik einsetzen wollen, wie wir hier lesen.

Das scheint ja nachhaltig gewesen zu sein, denn euch gibt es ja heute noch!
Dass das so bleibt und ihr gesund

wünscht Günther Poggel