2016 | Globale Gerechtigkeit auch in der digitalen Welt

Erinnerung an die Veranstaltung mit

Lina Ben Mhenni, Tunesien
Bloggerin. Aktvistin der tunesischen Rebellion. Berichtet von ihren Erlebnissen und setzt sich kritisch mit den damaligen Erfahrungen der Flash-Mob-Mobilisierung auseinander.

Anivar Aravind, Indien
Aktivist der Widerstandsbewegung gegen den Versuch, ein neokoloniales Internet in Indien zu etablieren. Beschreibt die Entwicklung des überraschend erfolgreichen Kampfes gegen den Goliath Facebook.

Yves Ndangano, Republik Kongo
schuftete in Coltan-Minen. Bereist jetzt als Schauspieler, Tänzer, Sänger und Musiker mit eigenem Ensemble die Region Goma/Nord-Kivu. Unterstützt den Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Mittwoch, 5. Oktober 2016 | 19 Uhr
Regenbogenfabrik
Lausitzer Str. 22
Veranstaltet von: BUKO, Hamburg
Unterstützt von: Katholischer Fonds
Local Hero: Regenbogenfabrik

Zum weiterlesen und drüber nachdenken, die Schnittstelle liefert auch weiterführende Links: https://schnittstelle.berlin/2016/10/02/globale-gerechtigkeit-auch-in-der-digitalen-welt/

Geburtstagskind des Tages – Alina

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Ich wurde in die Regenbogenfabrik hineingeboren und war eines der Kinder, die in den 80er und 90er Jahren das gesamte Gelände bespielt und Flohmärkte auf dem Bürgersteig veranstaltet haben.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Es gibt mehrere Orte, mit denen ich viel verbinde. Sehr lange war das Café für mich Dreh- und Angelpunkt der Fabrik, wo immer jemand war, den ich kannte. Ansonsten das Kino mit den Erinnerungen an aufregende Partys und die Kinderfilme am Vormittag des Heiligabend, die das Warten bis zur Bescherung versüßt haben, als ich klein war. Und natürlich das Hinterhaus, in dem ich meine ersten 20 Jahre verbracht habe und in dem meine Familie immer noch ihr Zuhause hat.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Zuhause

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Ich bin zu selten dort, um ein Lieblingsessen zu haben.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Ich wünsche der Fabrik weiterhin so engagierte Menschen, die mit ihren Überzeugungen und ihrer Arbeit diesen Ort für viele Menschen zu einem ganz besonderen machen, eine Oase inmitten der großen Stadt.

Kulturarbeit in der Regenbogenfabrik

Wenn ich die Kulturarbeit hier bei uns in der Regenbogenfabrik beschreiben soll, da möchte ich das Bild eines Gartens wählen, den wir hegen und pflegen.

Die beständige Pflege der Rebstöcke lässt uns regelmäßig saftige Trauben ernten – nicht alle in derselben Farbe.

Das sind die Künstler:innen, zu denen wir den Kontakt halten, die immer wieder zu uns kommen: Kabarettist:innen, Musiker:innen, Lesungen, Kalendervorstellungen  und andere.

Dann gibt’s die scheuen Rehe, die vorbeihuschen und wir müssen sie behutsam einfangen, ihnen klar machen, dass sie uns gefallen und wie gerne wir sie hier zu uns einladen möchten.

Auch das können Musiker:innen – gesehen und gehört am Wegesrand, eine Autorin, die einem im Urlaub von einer Freundin empfohlen wurde empfohlen wurde.

Dann gibt’s die schönen reifen Äpfel, die hier wachsen und uns immer wieder geschmackvoll die Kultur bereichern: Künstler:innen, Musiker:innen, die direkt hier bei uns wohnen und uns sozusagen ihre Früchte in den Schoß fallen lassen.

Dann gibt’s auch ständig regen Austausch über den Gartenzaun:

Da sind solch enge vertraute Nachbarn wie Attac, das Griechenlandbündnis, der Wassertisch… Da tut man sich immer mal wieder gerne zusammen zu einem Ernteeinsatz und organisiert miteinander eine informative und  / oder auch kreative Veranstaltung.

Und zwischendurch muss Laub geharkt werden mit Besen und Schrubber, die vollen und die leere Körbe oder auch Getränkekästen müssen ausgetauscht werden, die Gartengeräte müssen immer bereitliegen für die Arbeit, die gerade ansteht – ob Beamer, Mikro, Scheinwerfer…

Und warum überhaupt das alles?

Zunächst mal macht es einfach riesig Spaß, diesen kreativen Teil der Fabrik zum Leben zu bringen und diese Freude darüber mit anderen, mit den Nachbar:innen im engeren und weiteren Sinne zu teilen, ist einfach ein natürliches Bedürfnis.
Wir alle brauchen die Früchte der Kultur als ein wichtiges Lebensmittel. Und dazu wollen wir einen Beitrag leisten, den sich jede*r leisten kann!

Noch nichts gesagt ist damit bisher über den speziellen Bereich des Gartens, der sich Kino nennt. Doch das ist ein anderes auch höchst spannendes Kapitel!

Johanna

Foto: Sylvesterparty 1984

in memoriam – Reiner Gleich

Reiner kam 1998 als Mitbewohner ins Hinterhaus und zog dann nach fünf Jahren in den Seitenflügel in der Reichenberger Straße. Wechselte so von der Südseite der Fabrik an die Nordseite. Weit hatte er es also nie auf seinem Weg zur Arbeit im RegenbogenCafé oder früher in der Baugruppe.

Er war aber auch immer zur Stelle bei Events jeder Art: zum Einsatz am Grill oder hinter der Bar, für die Fabrik im Görlitzer Park, bei der Ausstellungseröffnung im Café, dem Konzert im Kino oder dem Fest im Hof. Sei es Flohmarkt oder Denkmaltag. Und wenn er im Pfälzer Dialekt vom Schwenksteak schwärmte, floss auch dem Gegenüber das Wasser im Mund zusammen. Viele Freund:innen profitierten von seiner Kochkunst.

Die Pfalz war seine Welt, in der er gut lebte, trotzdem stand Veränderung an, zog es ihn nach Berlin. Schmerzen im Rücken plagten ihn sehr, nicht immer war Reiner einsatzfähig. Wenn er es war, dann hat er allen im Café ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. So freundlich und zuvorkommend und besorgt um Jede:n. Und das meint wirklich Alle, schauten doch die Hunde der Nachbarschaft regelmäßig beim Café vorbei, ob Reiner nicht noch ein Leckerli für sie bereit hatte. Hatte er immer!

Und dann: was für ein Abschied! Gestorben beim Kuchenbacken, den Kuchen noch aus dem Ofen geholt und dann einfach tot.

Nun ist auch er uns vorausgegangen in die unbekannten Gefilde und hat sich in die Gemeinschaft auf dem Luisenstädtischen Friedhof eingereiht.

Wie viele verschiedene Menschen ihn vermissen mag das letzte Bild ausdrücken. Sogar aus Australien ist damals, vor drei Jahren, von Natalie ein Grußfoto für Reiner eingetroffen.
Natalie, die viele Jahre als Guide in Sachen Nachhaltigkeit die Regenbogenfabrik immer im Programm hatte und deshalb mit ihren Gruppen regelmäßig bei Reiner im Café eingekehrt ist.