2012 | Kiezfrühstück im Stadtteilzentrum – Zwangsräumung verhindert!

Mit einer Sitzblockade verhindern 150 Menschen die Zwangsräumung einer fünfköpfigen Familie aus ihrer Wohnung in der Lausitzer Straße 8.
Nach einem Eigentümerwechsel war die Miete dort massiv erhöht worden. Der öffentlichkeitswirksame Beginn einer breiten Kampagne gegen Zwangsräumungen. https://berlin-besetzt.de/#!

Dazu gibt es einen sehenswerten Film von leftvision:
Zwangsräumung? Verhindert! Eine Geschichte über Verdrängung und Widerstand.

Wie die Geschichte weiterging, wird später erzählt!

Deutschland sucht den Fahrradführerschein

Na gut, vermutlich nicht ganz Deutschland. Ganz ehrlich wohl eher verschwindend wenige bis gar keine:r.

Als wir allerdings die Nachricht über die Neueröffnung der Jugendverkehrsschule nach der Renovierung im Görli bekamen, lag das alte Problem für mich wieder auf dem Tisch. Bei den ganzen Fahrraddebatten um Rowdy-Radler vs. Sonntagsfahrer, Pop-Up Radwege und Verkehrswende, war es in den letzten Monaten immer mal wieder ein belustigt erinnerndes Thema: Der Fahrradführerschein Berliner Grundschüler. Moment: Radfahrschein (Fahrräder werden wohl gefahren, nicht geführt, oder ist das tatsächlich was politisch-geschichtliches?) Wie auch immer. Keine:r wusste, wo der schlüpfer-rosa-orangene Pass ist, einige jedoch haben sich an die zähen (Theorie) Stunden im muffigen Verkehrsgarten erinnert. Und an den riesen Spaß im Außengelände, mit all den Ministraßen und winzigen Ampeln.

Und an die große Prüfung zum Ende der 4. Klasse. Ja diese Prüfung… In meiner Erinnerung ganz besonders für Kreuzberger Kinder und Verkehrspolizisten der 80er und 90er Jahre in SO36 eine spezielle Herausforderung:

Ein vornehmlich antiautoritär erzogener Hühnerstall brettert auf klapprigen 70er Jahre Kinderrädern (wahlweise wenige brandneue Modelle, gesponsort durch die Schwarzwald-Omas) durch den Görli. Autos hatten wenige Eltern, der Schulweg war deshalb zumeist ohnehin Fahrradzone. Erfahrene Radler:innen waren wir also alle. Nur eben nicht so, sagen wir mal, fokussiert, wenn es nicht darauf ankam.
Es kam, wie es kommen musste. Die Prüfung begann. Alle standen parat, die Konzentration war auf dem Höhepunkt.
Solide fuhren wir den Parcours ab, führten die Anweisungen des Verkehrspolizisten aus und hätten einfach unseren „Kinder-Lappen“ einsacken und zur Belohnung auf dem Heimweg ein Eis essen können. Dann aber gab der Prüfer NACH der Prüfungsrunde den Parcours zur spaßigen Radelei frei. Mit einem Schlag herrschte Anarchie und Chaos. Wildes Rasen, Klingeln, Schubsen, Verfolgungsjagden brachen aus. Ein Mordsspaß!
Wir waren in die Falle getappt. Strafpunkte und Standpauke für alle. Den Radfahrschein haben wir trotzdem bekommen, aber einen peinlichen Rüffel und einen Einblick, wer das letzte Wort auf der Straße hat, gab es eben auch.

Die Suche nach dem Fahrradführerschein habe ich aufgegeben; das Brettern und Schubsen im Straßenverkehr auch. Eine MPU oder Auffrischungsstunden für Fahrradfahrer gibt es wohl noch nicht. Falls doch, würde ich sie (wenn doch nötig) jederzeit gerne im Verkehrsgarten im Görli machen. Genau so.
Ich bereue nichts, würde heute aber einen Helm tragen und schauen, dass keine:r guckt. Und ich hoffe, dass es dort auch noch ein wenig muffig nach 80er Jahre Schullandheim riecht, trotz Sanierung.

2014 | In den Wind reden

West Coast Stories vom Rand des Vulkans und um den ‚Ring of Fire‘

Erzählabend mit Lydia Baldwin

Zum Zuhören, sich hineinsinken, Bilder erscheinen lassen, mitsummen!

Aus einem früheren Leben an der Pazifischen-Nordwestküste der USA bringt Lydia eine Fülle von Tänzen, Songs & Stories zu ihren interaktiven Theaterprojekten in Kitas und Feriencamps, Schulen und Ballsälen mit. Zusammen mit den Teilnehmer:innen spielt sie schwungvoll an der Kreuzung zwischen Tradition und Improvisation, zwischen Deutsch, Englisch, Gesang und Rhythmus.

In Berlin seit 2008, garniert von der Universität der Künste Berlin mit einem MA in Theaterpädagogik (2011) und einem Zertifikat in Künstlerischem Erzählen (2014) ist Lydia freiberuflich aktiv in Theater- und Tanzpädagogik und Erzählen in Berlin und Europa.

Für uns war das der unerwartete und wunderbare Auftakt zu einer großen Reihe von Erzählungen! Davon sicherlich demnächst mehr.

Auf den Spuren der Wölfe

2012 | Das halbe Hinterhaus macht sich auf nach Lieberose. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz folgen sie der Spur der Wölfe. In Brandenburg gibt es einige dieser Reservate und seit 2011 streiften dort Wölfe herum, gekommen waren sie aus Polen.

Der Aufruf war attraktiv: 27 Leute in 3 Autos, wollten den Wolfsspuren folgen. Die Tage im Oktober sind nicht mehr lang, früher Aufbruch in Berlin war angesagt. Die Fahrt mit Autos ist ungewöhnlich, die Wandergruppe macht sich sonst mit dem Nahverkehr „auf die Socken“.

Nach ca. 120 km wurde der Treffpunkt in Lieberose, Schloßhof 1, erreicht; dort wartete Heiko Schumacher von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg auf die erlebnishungrige Gruppe.

Aufbruch nach kurzer Begrüßung. Heiko Schumacher hatte etwa 2-3 Stunden eingeplant. Je nach Wetter, Kondition und fortgeschrittener Zeit konnte das Programm flexibel gestaltet werden.

Kunstwanderweg von Wiesenburg nach Bad Belzig

Die ersten „Wölfe“ in dieser Wandersaison hatten wir beim Kunstwanderweg im Fläming gesehen …

Was wenig überraschend war: 27 Leute können nicht erfolgreich anschleichen, Wölfe haben wir also nicht gesehen. Und trotzdem: Nach Auskunft des Rangers war die oben abgebildete Spur vielleicht 12 Stunden alt, so „nahe“ sind wir also den scheuen Tieren gekommen. Drum herum haben wir viel gelernt über die Renaturierung von Truppenübungsplätzen, die Ökologie, die Biotope wie eine Wüstenei, und ein wieder vernässtes Moor und hörten auch viel über die verschiedenartigen Interessen in der Region, die unter einen Hut gebracht werden mussten. Eine ehemalige Gefechtsstation und ein riesiges Feld mit Sonnenkollektoren waren noch aufschlussreiche Stationen.

Wie in den letzten Wochen zu lesen war, muss mensch gar nicht mehr so weit fahren, um in die Nähe eines Wolfsrudels zu kommen. https://www.tagesspiegel.de/berlin/30-kilometer-vom-alexanderplatz-entfernt-wolfsrudel-innerhalb-des-berliner-rings-entdeckt/27682846.html

chz

Fotos: Rafael und Martin