Einberufung der „Kottigruppe“

So sah also das erste Fundraising der Regenbogenfabrik aus. Tja, 316.000 DM, mit Kaufnebenkosten etwa 330.000 DM, das kam uns damals vor wie viel Geld. Was wäre uns erspart geblieben, wenn wir damals den Kauf wirklich durchgeführt hätten? Was wäre stattdessen schräg gelaufen? Wer weiß. Auf jeden Fall wurden die Pläne zurückgestellt, da der Senat seinen Kaufbeschluss verkündet hatte. Bekanntermaßen wurde dann erst in den 90er Jahren gekauft.

Letzte Frage: Warum Kottigruppe? Der Standardschnorrerspruch damals am Kotti war: Haste mal ne Mark fürn besetzes Haus?

Geburtstagskind des Tages – Uli

Der Geburtstagsfragebogen war im Gespräch mit Uli kein tauglicher Leitfaden. Im heutigen Leben ist die Verbindung zur Fabrik nicht da, mit verschiedenen Leuten aus der Fabrik schon. Dann wiederum sind die Erinnerungen an die ersten Jahre besonders wichtig; das Leben nach der Schule nimmt hier für Uli Fahrt auf. Die Wendepunkte in der Geschichte der Fabrik hat er intensiv miterlebt und mitgestaltet.

Vier Tage nach der Besetzung kam Uli aus Hannover nach Berlin und fand seinen Platz im Hinterhaus. Bau-Selbsthilfe und Gruppenleben, Verhandeln ums große Ganze und Feiern der ersten Siege und Begießen auch mancher Niederlage bestimmten den Besetzeralltag. Dann haben die Fallstricke der Liebe zum Auszug geführt und der Seitenflügel Reichenberger war der richtige neue Ort. Gleich in der Nähe der Freunde aus der Fahrradwerkstatt.

Die Fahrradwerkstatt ist mit Sicherheit einer von Ulis Lieblingsorten in der Fabrik. Vor allem – zu Ulis eigener Überraschung – war ihm der Kindertag am wichtigsten. Kleinen und großen Leuten auf die Sprünge helfen, was sie aus ihrem Drahtesel noch machen konnten, war eine erfüllende Arbeit.

Die Jahre in der Fabrik waren wichtiger Drehpunkt im Leben. Der Kontakt zu Kostas und Conny und anderen Menschen in der IBA prägten neue Interessen und die Verhandlungen über die Zukunft von Fabrik und Wohnhaus haben die Entscheidung reifen lassen, mit dem Studium der Architektur zu beginnen. Die Erfahrung der Selbsthilfe im Bau, alles selber können, war entscheidender Antrieb, wenn auch später die Uni ganz anderes verlangte.

Das Leben lockte nach Bayern und 1993 ging es für Uli zwar wieder nach Berlin, aber nicht mehr zurück in die Regenbogenfabrik. Die Kantine, 2000 entstanden, hatte Uli daher nichts mehr zu bieten. In den Anfangsjahren hatte die „Essensgruppe“ das kulinarische Leben bestimmt. Begonnen hatten wir tapfer mit „Besetzerpamps“ oder „Reis mit Scheiß“. Billig sollte es sein und unkompliziert, der Hunger hat’s dann reingetrieben. Und doch hat der kulinarische Ehrgeiz hier später Einzug gehalten. Und neben Freunden wie Achim, Arno oder Reiner musste auch keiner wirklich darben.

Und was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

„Ich wünsche der Regenbogenfabrik alles Gute für die Zukunft! Vor allem natürlich, dass es immer genug engagierten Nachwuchs gibt, wenn die alten Knöpfe abtreten. Und dass dieser Nachwuchs versteht, warum eigentlich die Fabrik besetzt wurde und was für Ziele wir damit verfolgt haben.
Ich meine damit nicht nur die des Zusammenlebens, sondern auch ganz explizit die politischen Verhältnisse, die es galt zu verändern. Was uns – aus heutiger Sicht – sicherlich auch gelungen ist und den jetzigen Kämpfer:innen gegen den Mietenwahnsinn, Gentrifizierung etc. weiterhin gelingen muss.

In diesem Sinne:
Meine herzlichsten Glückwünsche zum 40. Geburtstag!“

Dem Zitronenfalter folgen

Mitten im Herbst laden wir euch ein, einem Zitronenfalter zu folgen.
Eigentlich war der – ebenso unwahrscheinlich – im Februar geflogen, hat Ewa den Weg gezeigt zu Anettes Grab.

Geschenkt hat Ewa uns den Artikel zum Beginn unseres Blogs.
Wird Zeit, uns vielmals zu bedanken für die freundliche Begrüßung damals am 14. März.

Nun ist schon ein halbes Jahr ins Land gegangen und wir Bloggerinnen dreihundert Beiträge weiter.
Jetzt im stürmischen Herbst denken wir in vielfältiger Weise an den Abschied von Anette und so schicken wir euch weiter zu Ewas Blog.