Geburtstagskind des Tages – Antje

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

2008 vor der Geburt von Eva bin ich hier angekommen. Dann hab ich bei den Kreuzberger Kuchenbäckerinnen gebacken und verkauft. Das war eine kurze, aber intensive Zeit. So habe ich immer noch eine Verbundenheit mit der Regenbogenfabrik und bin mit vielen Menschen der Fabrik auch in Freundschaft verbunden.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Das Hinterhaus und der Garten, der dazu gehört. Die gemeinsamen Mahlzeiten mit den Leuten vom Haus.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Das ist nicht in einem Wort darstellbar. Ganz wichtige Lebensstation. Ort der Sicherheit. Ort der Vielfalt. Hier begannen Reflektion und Lernprozesse. Ort, der Reibung erzeugt hat und damit Klärung befördert. Ort der Hilfe auf verschiedenen Ebenen.

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Da gibt’s einige! Gemüsebratlinge mit hausgemachter Aioli und Coleslaw.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Dass sie noch ganz, ganz, ganz, ganz, ganz lange weiter lebt und sich weiter entwickeln kann.

Wohnhäuser dem Markt entziehen | das Mietshäuser Syndikat

2017 | Unser Archiv weist für den 14.12.2017 nach: Im Hinterhaus wird der Verein „Hinterm Regenbogen“ gegründet. Die Bewohner:innen brauchen eine juristische Person für den Vertragsabschluss oder die möglicherweise angestrebte Kooperation mit dem Mietshäuser Syndikat. Wie bereits berichtet, ist es anders gekommen; doch wir nehmen das Ereignis zum Anlass, das Mietshäuser Syndikat vorzustellen.

166 Syndikatsprojekte

Die Hausprojekte im Syndikatsverbund haben alle entscheidenden Schritte, also die Gründung einer Haus-GmbH mit Syndikatsbeteiligung und den Kauf eines Hauses und / oder eines Grundstücks bereits hinter sich gebracht. Die Bandbreite der Projekte ist groß: Sie unterscheiden sich in Alter, Bewohner:innenschaft, Lage, Zielsetzung, Größe und Gebäudeart – manche stecken noch mitten in der Sanierung und Aufbauphase, andere können bereits neue Initiativen unterstützen.

Der Projekteverbund

Das Projekte-Sammelsurium
166 Hausprojekte und 15 Projektinitiativen bilden einen festen Verbund. Das Bindeglied, das diesen Verbund herstellt, heißt Mietshäuser Syndikat. Jedes dieser bestehenden Hausprojekte ist autonom, d.h. rechtlich selbstständig mit einem eigenen Unternehmen, das die Immobilie besitzt. Jedes hat die Rechtsform der GmbH, der „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“.

Und es werden mehr.
Das Mietshäuser Syndikat ist generell offen für neue, selbstorganisierte Hausprojekte; so auch für die vorher genannten 15 Projektinitiativen, die sich „ihr Haus“ erst noch aneignen wollen. Die Folge ist, dass der Verbund fröhlich weiter wächst.

Wie funktioniert das Mietshäuser Syndikat? Was ist der Zweck? Kritisch gefragt: Was ist daran sinnvoll, eine feste Verbindung zwischen einer großen und wachsenden Zahl von autonomen Hausprojekten herzustellen?
Zwischen Projekten, die zum Teil Hunderte von Kilometern auseinander liegen. Deren Bewohner:innen die Leute aus den anderen Häusern oft nicht kennen. Und deren Unterschiedlichkeiten geradezu ins Auge springen, von der Größe und Lage über die Entstehungsgeschichte bis hin zur politischen und sozialen Zielsetzung. Welche Idee hält diesen Gemischtwarenladen von Projektidentitäten zusammen? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: Warum liegt der Eigentumstitel jedes Hauses ausgerechnet in den Händen einer erzkapitalistischen Rechtsform wie der GmbH, und nicht bei einem eingetragenen Verein oder einer Genossenschaft?

Häuser kollektiv aneignen
Trotz der Unterschiedlichkeiten findet sich bei allen Hausprojekten eine vergleichbare Ausgangssituation:

  • Hier nimmt eine Gruppe tatendurstiger Menschen leere Häuser ins Visier: Sie wollen endlich zusammen wohnen. Sie suchen ausreichenden und vor allem selbstbestimmten Wohnraum – häufig auch in Kombination mit öffentlichen Räumen für Veranstaltungen, für Gruppen, Projekte und Betriebe.
  • Da fügen sich die langjährigen Bewohner:innen eines Hauses nicht resigniert den Verkaufsplänen des Hausbesitzers, sondern entwickeln eine Vision: Die Übernahme „ihres Hauses“ in Selbstorganisation.
  • Dort suchen die Besetzer:innen eines sogenannten Abrissobjektes nach einer Perspektive, trotz der Wechselbäder von Räumungsdrohungen und Verhandlungen.

Allen gemeinsam ist der kollektive Wunsch nach einem Haus, in dem es sich selbstbestimmt leben lässt, dem nicht irgendwann die Zwangsräumung oder Abrissbirne winkt; mit bezahlbaren Räumen, die nicht durch Hausverkauf oder Umnutzung latent bedroht sind.
Dieser Wunsch steht am Anfang eines jeden Projekts.

Wie wir wissen, werden Mietshäuser, die eine dauerhafte kollektive Selbstbestimmung der Bewohner:innen über die eigenen vier Wände vorsehen, auf dem normalen Immobilienmarkt nicht angeboten. Also fasst die betreffende Gruppe irgendwann den kühnen Plan, einen Hausverein zu gründen, um das Objekt der Begierde einfach zu kaufen.

Die Kapitalfrage
Meist geht der starke Wunsch der Projektinitiative nach einem selbstorganisierten Hausprojekt mit einer äußerst schwachen Kapitalausstattung der Mitglieder einher. In Anbetracht der erforderlichen Mittel hat sie allenfalls symbolischen Charakter. Denn für den Erwerb der Immobilie muss der Hausverein Hunderttausende von Euros leihen: mit Krediten von der Bank und/oder direkt von Menschen, die das Projekt unterstützenswert finden und dort ihre Ersparnisse parken („Direktkredite“; darauf wird noch eingegangen). Das ist keine einfache Aufgabe.

Denn Kredite kosten laufend Geld, nämlich Zinsen und Tilgung. Sie betragen oft mehr als 3/4 der Mietzahlungen. Soll die Miethöhe sozial noch erträglich sein, ist der Spielraum äußerst knapp und das Projekt nur bei sehr niedrigen Kreditzinsen finanzierbar.

Die Anfangsphase, in der die Zinskosten am höchsten sind, gleicht bei jedem Hausprojekt einem ökonomischen Drahtseilakt. Dazu gesellen sich erlebnispädagogische Streifzüge der Gruppe in die fremde Welt der Kaufverhandlungen und der politischen Durchsetzung, der Rechtsformsuche und der Kreditwerbung, der Gruppenfindungsdynamik und nicht zuletzt der Bauaktivitäten.
Auf dem Weg zum eigenen Haus muss jede Projektinitiative einen wahren Hindernisparcours durchlaufen. Das könnte einfacher sein.

Weiterstöbern unter:

https://www.syndikat.org/de/

Und zur Auflockerung die Seite mit dem Film übers Mietshäuser Syndikat:

http://das-ist-unser-haus.de/

Heute zwischen Gestern und Morgen

Kurt Tucholsky, immer aktuell!

Vorgetragen von Helus Hercygier und Alexandra Gotthardt

Di., 14.12.2021 | 19:30 | RegenbogenKino

Helus Hercygier schöpft aus seiner Familientradition und würzt mit einer Prise Theatererfahrung…

Helus Hercygier, geb. 1951 in Berlin Wilmersdorf.
Er lernte Klavier, stieg später auf Gitarre um und war viele Jahre beim Berliner Brettl im Bereich Kleinkunst und Kabarett aktiv. Um 1970 war er Mitbegründer des legendären TIK (Theater in Kreuzberg), das mit seinem engagierten Theaterprogramm in Berlin wesentliche Impulse gab.

Neben der Theaterarbeit widmete sich Helus Hercygier mehr und mehr jiddischen Liedern, wobei er auf Liedtraditionen von zu Hause zurückgreifen konnte.
Sein Programm mit jiddischen Liedern und Geschichten bzw. Satiren stellt gleichzeitig eine Verarbeitung der jüdischen Geschichte dar. Neben jiddischen Liedern bildet das Kabarett – und da vor allem Lieder von Kurt Tucholsky – einen Schwerpunkt seines Programms.
In letzter Zeit hat sich der Künstler auch für Jazz und Swing interessiert.

Alexandra Gotthardt, geb. 1969 in Bad Homburg.
1984 Organistin in der heimischen Kirche. 1986 bis zum Abitur 1988 Klavierstudium am Konservatorium in Frankfurt/Main. 1988 bis 1990 Studium der Musikwissenschaft und Klavier in Freiburg/Breisgau. Meisterkurse für Klavier zu vier Händen. Seit 1991 in Berlin und Mutter von 3 Kindern.

Seit 2000 Zusammenarbeit mit Helus Hercygier. Tucholsky / Eisler, Jiddische Lieder und ein Swing-Programm.


Eintritt frei, Spenden willkommen.

Es gilt die 2G-Regel (-> aktuelle Hygienevorschriften).

Der Wal schwimmt im Dreiländereck

Hier endet langsam der Landwehrkanal, nordöstlich gehts weiter über Schleuse und Flutgraben zur Spree. Von Kreuzberg bis Charlottenburg erstreckt sich der Landwehrkanal über gut 10 Kilometer und verbindet so die obere mit der unteren Spree.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Kanal sozusagen als Umgehungsstraße für Schiffe gebaut, um den Verkehr auf der Spree zu entlasten. Die Entwässerung des Köpenicker Felds, der damals letzten unbebauten Fläche innerhalb der Berliner Stadtmauern, hat es auch befördert und das Material für die sich daran anschließenden Bauarbeiten kam auch auf diesem Weg aus dem Umland direkt auf die Baustelle.

Nach Osten beginnt der Neuköllner Schifffahrtskanal. Er er ist etwa vier Kilometer lang und verbindet den Landwehrkanal mit dem Teltow- sowie dem Britzer Verbindungskanal am Hafen Britz-Ost im Süden.

Dieses schönes Kanaldreieck trennt fein säuberlich die Bezirke Kreuzberg, Neukölln und Treptow. Oberhalb der Böschung, die heute der Wal ziert, stand früher die Mauer. Ganz Verwegene haben sich damals dort in Ruhe gesonnt.

Fotos: Martin