1984 | Spekulantenschicksal: Vogel frei Braun sitzt

1976 schien für die Wohnbau-Design die Welt noch in Ordnung: Innerhalb kürzester Zeit wurde diese Gesellschaft zum größten privaten Hauseigentümer in Kreuzberg. Die Steuermillionen für Abriss und Modernisierung flossen unaufhörlich. Heute, gerade acht Jahre später, steht diese in Kreuzberg unrühmlich bekannt gewordene Gesellschaft vor einem Scherbenhaufen: Von den drei Gründungsgesellschaftern ist nur noch einer übrig: Joachim Vogel. Sein erster Partner Willi Freitag musste sich bereits 1979 ins Ausland absetzen. Er wurde per Haftbefehl gesucht. Wegen Steuerhinterziehung. Anfang Oktober diesen Jahres war es mit Peter Braun auch vorbei. Er sitzt in Untersuchungshaft. Ebenfalls wegen Steuerhinterziehung. Die dunklen Geschichten und Affären um die Wohnbau-Design – auch i Südost Express oft beschrieben und aufgedeckt – nehmen kein Ende. Dos es scheint bald ein Ende zu geben: Die Zeichen stehen auf Sturm!

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FairBindung: Kompliz:innen seit einiger Zeit

Das Kollektiv FairBindung setzt sich seit 2008 für eine nachhaltige, solidarische und global gerechte Welt ein. Sie verstehen ihre Arbeit als Beitrag zu einer sozial-ökologischen Transformation hin zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft.
Da es für ihre Struktur keine Rechtsform gibt, sind sie seit 2009 rechtlich ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Nach innen organisieren sie sich basisdemokratisch als Kollektiv. Das bedeutet für sie, dass sie alle Entscheidungen und Verantwortungen gemeinschaftlich tragen.
Unter dem Leitbild „Wandel Leben Lernen“ gestaltet FairBindung e.V. Bildungs- und Mitmachangebote zu den Themen zukunftsfähiges Wirtschaften, Postwachstumsgesellschaft und globales Lernen. Bei dem Import und Vertrieb von Bio-Kaffee aus Guatemala arbeitet FairBindung nach den Grundsätzen des solidarischen Wirtschaftens. Die eigenen kollektiv-solidarischen Vereinsstrukturen sowie Kooperationen und Aktionen sind ein Lernfeld und Praxisbeispiel für alternative Formen der Zusammenarbeit. Dabei stehen die Bildungsarbeit und die Praxis nachhaltigen Wirtschaftens in engem Zusammenhang und inspirieren sich gegenseitig.
Fairbindung hatten wir schon lange auf dem Zettel, um sie als unsere Kompliz:innen vorzustellen. Nun nehmen wir eine aktuelle Veranstaltung zum Anlass, dies auch mal zu tun:

Filmvorführung: Bildungsvideos
der Weiterbildung „Cuerpo-Territorio: Theorie und Praxis des Territoriums, das uns bewohnt“

Am Mittwoch, den 15.12.2021 von 19 – 21 Uhr, eine Veranstaltung des Projektes „Ich sehe was, was du nicht siehst“- solidarische Handlungsweise entdecken.

Ein Gespräch mit: 

  • Paola Reyes (Regisseurin)
  • Josefina Morales (Casa Kua)
  • Uriara Maciel (Kuringa Forum Theater & Madalenas-Berlin)
  • Antonia Ramos (Respect)

Moderation:
Melina Castillo & Jessica Valdez (FairBindung e. V.)

https://www.fairbindung.org/

Kino: Legende der Russischen Rockmusik

Letztens bin ich in mein Büro gekommen und auf meinem Schreibtisch lag ein altes Plakat eines Konzertes, das in der Regenbogenfabrik noch zur Zeit der Deutschen Mark (wie es der Solibeitrag angibt) stattgefunden hat. Das genaue Jahr haben wir nicht rausgefunden, aber der DIY „Fanzine“ Stil des Plakats erinnerte auf jeden Fall an Ende 80er/Anfang 90er. Scheinbar hat Christine sich an unsere unzähligen Bürodiskussionen erinnert, dass eine skurrile Leidenschaft von mir russische Rockmusik ist, beziehungsweise für eine Band der 80er: Kino.

Natürlich war die Band von Sänger und Liederschreiber Wiktor Zoi nicht hier in der Regenbogenfabrik zu Gast, sondern zwei Bands aus Wolgograd mit den Namen Chozjain Kljutscha und Naprimer, aber bestimmt waren sie auch hervorragend.

Kino ist wohl die bekannteste Rock Gruppe der Perestroika-Ära und Zoi eine Kultfigur in der russischen und sowjetischen Kultur. Nicht nur bekannt: Zoi, der durch seinen vorzeitigen Tod bei einem Autounfall in Lettland 1990 seinen Status als ewiges Jugendidol festigte, wird in Russland richtig verehrt, sogar mit Gedenkmauern überall im Land.

Die Musik ordnet sich in das New Wave Genre der 80er Jahre ein, stark beeinflusst von britischen Bands wie Talking Heads, Joy Division/New Order und Blondie, aber auch von Folk und akustischer Musik wie Bob Dylan und Lou Reed.

Ich habe die Band sehr zufällig entdeckt, in dem ich eines Tages ins Kino (also ins richtige Kino) wollte und der Film Leto (лето, Sommer auf Russisch) gerade rausgekommen war. Da ich und meine Uni-Freundinnen gerade auch mit einem Russisch Sprachkurs angefangen hatten, wollten wir gern mal einen russischsprachigen Film besuchen. Darüber hinaus handelte die Geschichte von Rockmusik, was schon immer mein Herzensthema war.
Der Film erzählt von der Gründung der Band und ihrem Aufstieg zum Ruhm an der Seite einer anderen Band, Zoopark. Liebesgeschichten, Probleme mit dem Militärdienst und die unendliche Suche nach neuen Westschallplatten tragen den Film.
Aber was ihn besonders macht, ist die Ästhetik und natürlich die Musik. In Schwarz-Weiß gedreht, findet man trotzdem Flecken von Farben in Szenen, in denen die Wirklichkeit der Ereignisse infrage gestellt wird. Das Leben der USSR-Jugend wird dadurch realistisch dargestellt; zwar gedämpft von der Strenge des Regimes, aber trotzdem lebensfroh und hoch kreativ. So eine Darstellung ist nicht so häufig, besonders wenn sie von (manchmal wahren aber manchmal übertriebenen) Klischees der westlichen Gesellschaft getragen ist.

Ich liebe die Musik von Kino wegen ihrer sehr einfachen Poesie; es sind überwiegend Alltagsbeobachtungen mit melancholischen Melodien.
Wegen dieser Gruppe habe ich weiterhin versucht, Russisch zu lernen, um ihre Texte selbst zu übersetzen.
Okay, meine Sprachkenntnisse sind definitiv nicht besonders besser geworden, aber die Lieder höre ich immer super gern.

Ich finde es wichtig, sich als Musikfan anderen Horizonten zu öffnen und nicht ständig nur amerikanische und britische Musik als Kult Rockmusik zu betrachten, wo doch andere Länder uns auch sehr vielfältiges und originelles bieten. Klar die Rolling Stones, Nirvana usw. haben ultra viel für die Entwicklung von Rockmusik gemacht, aber in anderen Teilen der Welt, mit einer nicht so westlichen Perspektive, findet man richtige Schätze, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen ist:

Kino (Russland)
Rammstein (Deutschland)
Mashrou Leila (Lebanon)
Maneskin (Italien)
Molotow (Mexico)
Téléphone (Frankreich)
Volbeat (Dänemark)

Und viel mehr, die ich selbst nicht kenne, aber die ich gerne entdecken würde. Die Öffnung für Musik anderer Länder kann nur mehr Vielfalt und Schönheit in die Musikwelt bringen.

Charlotte

Geburtstagskind des Tages – Thorsten

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Seit der Besetzung 81 war ich vor Ort und war beim Bau und in der Fahrradwerkstatt tätig.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Kino, der Hof.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Nachbarschaft, Umwelt, ein Ort, an welchem ich über viele, viele Jahre tätig war und viel erlebt habe.

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Empanadas, Senfeier.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Mehr Grün, weniger Wüste (Sand ) auf dem Hof und dass dieser ursprüngliche Ort noch lange erhalten bleibt.