Manteuffels Bauhof von Bewohnerin Erna erklärt

An einem grauen Dienstag spaziere ich in den Straßen von Kreuzberg mit einem festen Ziel: mich mit einer Bewohnerin eines ganz speziellen Hausprojektes zu treffen, um mehr davon zu erfahren. Ich biege in die Manteuffelsstraße ab und schon bin ich da: der ehemalige Bauhof. Ich klingele und werde von der Stimme von Erna willkommen geheißen, die mir ganz genau erklärt, wie ich weiter hochkomme: durch den Innenhof, durch die rote Tür rechts und dann die Treppe hoch. Erschöpft und außer Atem komme ich in der letzten Etage an und begrüße zum ersten Mal Erna. Sie lebt hier seit 1999, mein Geburtsjahr: da weiß ich schon jetzt, dass ich heute viel erfahren werde.

Bei einer warmen Tasse Tee mit Honig fängt das Gespräch an:
Ich habe zwar Fragen vorbereitet, weil ich natürlich professionell bin, aber die Diskussion läuft frei raus, so als ob wir alte Bekannte wären. 

Die Hausgemeinschaft und die Food co-op

1981 wurde das Haus in der Manteuffelsstraße besetzt und wurde zum Bauhof, wo andere instandbesetzte Häuser Material holen konnten, um Reparaturen und Bauarbeiten durchzuführen.

Am 7.Februar 1981, um genau zu sein, feierte man den Anfang dieses Projektes und so lange wie es die Hausgemeinschaft gibt, gibt es auch das gemeinsame Küchenprojekt. Am Anfang war alles sehr improvisiert, weil es sehr kaputt und viel zu tun war, jetzt ist es aber zu einer richtigen Tradition geworden. Über die Anfänge des Projektes, weiß Erna leider nicht so viel, denn sie ist später angekommen. Aber das meiste kann man durch einen Film über das besetzte Haus, herausgebracht vom WDR im Juli 1982, lernen; Interviews mit den Erstbesetzer:innen sind auch vorhanden. Mittlerweile sind es 36 Bewohner:innen + 6 Kinder, richtig generationsübergreifend, die Altersverteilung rangiert gerade von 10 bis 79 Jahren, manche sind sogar hier geboren und leben ihr ganzes Leben schon im Hausprojekt.  Sie haben eine gemeinsame Haushaltskasse.
Wöchentlich wird bei einem Biogroßhandel bestellt und die Lebensmittel werden im Vorratsraum abgestellt, für alle benutzbar. Milch, Butter, Käse, Kaffee, Gemüse, Obst aber mittlerweile auch andere Produkte wie Waschpulver und Seife. Wenn etwas fehlt, ist immer jemand bereit und holt irgendwo nochmal 20 Dosen davon. Alkohol und Zigaretten werden nicht von der Haushaltskasse bezahlt. Zahnpasta, Parfum, Hygieneartikel usw. werden mittlerweile auch nicht von der Kasse bezahlt, da das Geld nicht ausreichen würde. Denn es wird so organisiert, dass jeder 30€ die Woche bezahlt. Kinder unter 18 bedienen sich aber kostenlos. Nur die Miete wird von den Eltern bezahlt.

In der ersten Etage des Hauses gibt es die Gemeinschaftsräume, wo der Vorratsraum, die Küche, der Essenssaal, ein Wohnzimmer und die Waschküche sich befinden. Alles was bestellt wird, wird im Vorratsraum abgestellt und jede:r kann sich bedienen.

Das alles scheint sehr viel Organisation zu sein, aber Erna behauptet, das sei eigentlich kein Problem, da das System mit der Zeit wie eine gut geölte Maschine funktioniert. Natürlich muss jede:r ein bisschen Verantwortung übernehmen, aber das wird auch schon bei der Auswahl der Mitbewohner:innen berücksichtigt: Wer hier wohnen will, soll auch zur Gemeinschaft mehr oder weniger beitragen.

Generell kümmern sich 2 Personen um die Bestellung beim Biogroßhandel, immer abwechselnd jede Woche. Die Bewohner:innen teilen sich das selbst auf und wer keine Lust mehr hat oder für eine längere Zeit im Urlaub fährt kann es einfach ansagen und jemand anders wird die Verantwortung übernehmen.
Eine Tafel mit Magneten (siehe Foto) zeigt, wer sich um was kümmert. Erna zum Beispiel ist für Gewürze verantwortlich. Ein paar Sachen werden für diese große Gruppe auch in der Metro gekauft, da es meistens billiger ist. Wer was Bestimmtes kochen will, schickt seine Wünsche den Leuten, die Einkaufen gehen. Erna meint, die Aufgabe des Bestellens und Einkaufens wird langsam langweilig, nachdem sie es tatsächlich schon 2 Jahre lang gemacht hat. Dass es abwechslungsreich bleibt, ist manchmal eine Herausforderung. Immer werden 3-4 Gemüse bestellt und 4-5 Obstsorten, je nach Jahreszeit. Es muss auch günstig bleiben.

Um mitzumachen, muss man natürlich da leben, in die Kasse zahlen und auch jede:r muss einmal im Monat mit jemanden anderen für alle kochen. Nicht alle machen immer mit, aber Erna kocht meistens für 28 Leute, zwischen 12 und 24 kommen regelmäßig, manchmal sind auch alle da und da gibt es richtig Feststimmung! Früher gab es jeden Tag diese Essen und vor der Pandemie auch schon 2 bis 3 Mal die Woche. Jetzt hat Corona auch leider die Frequenz dieser Abende stark verringert, sogar auf null gebracht, als die Krankheit angefangen hat. Natürlich können auch nicht immer alle mitmachen, wenn sie irgendwelche Hobbys haben. Aber es bleibt immer Essen übrig, was jede:r auch genießen kann, wenn sie abends zurückkommen.

Ein ganz besonderes Projekt, von Nachhaltigkeit getragen

Nachhaltigkeit im Haus ist sehr wichtig. Lokale und saisonale Produkte werden auch bevorzugt. Vor ein paar Jahren hatte das Haus selbst Bienenstöcke, aus denen die Bewohner:innen Honig ernten konnten. Sie befanden sich auf der Dachterrasse. Es gab auch früher ein Blockheizkraftwerk, das die Gemeinschaft mit 7 anderen Häusern in Kreuzberg betrieben hat.
Ich musste natürlich eine kurze Internetsuche machen, um rauszufinden, was es genau ist: eine Anlage die Wärme und Strom produziert, mit wenig Energieverlust. Der produzierte Strom wird vor Ort benutzt und das nicht gebrauchte wird an das öffentliche Stromnetz verkauft. Es wird in der Hausgemeinschaft besonders darauf geachtet, dass wenig Wasser und Strom verbraucht wird. Aber die Anlage musste letztendlich abgeschafft werden, da das Finanzamt Probleme gemacht hat: zu viel Strom wurde überflüssig produziert und bei einem Stromversorger eingespeist. Damit handelt es sich um einen Gewerbebetrieb, den die Genossenschaft nicht abdeckt.
In der nahen Zukunft kriegt das Haus wieder eine Grauwasseranlage: dadurch wird das Abwasser von der Dusche, von den Waschbecken, von der Küche und von den Waschmaschinen im Keller gesammelt und gereinigt und wird dann für die Klospülung benutzt.

Die Küche ist hauptsächlich vegetarisch, obwohl es nicht ausschließlich fleischlos ist. Im Haus selbst gibt es nur wenige Vegetarier:innen. Beim Kochen von Gerichten mit Fleisch, wird auch immer eine vegetarische Version daneben mitgekocht. Ein Standard beim Essen ist aber: immer Salat dazu und immer Nachtisch. Erna erzählt mir auch, dass das Essen immer anstrengungslos gesund ist, da die Lieferungen immer viel frisches Gemüse enthalten. Dazu kommt noch eine Anekdote aus früheren WG-Zeiten:
Eines Tages, die Sommersonne schien, mussten zwei Bewohner:innen kochen und hatten keine Lust. Da haben sie einfach eine Raviolidose auf den Teller von jeder Person gestellt und sind Schwimmen gegangen.
Die Stimmung ist scheinbar schon sehr entspannt, aber obwohl Erna es mit großen Lachen erzählt, meint sie, dass man es so nicht machen kann.

Trotz Corona sind die Bestellungen und Lieferungen gleichgeblieben. Plenum aber ist, wie viele Sachen in unserem allgemeinen Alltag, jetzt auf Zoom angewiesen. Im Sommer wurde das Plenum im Hof gemacht.
Am Ende des Sommers wurde wieder angefangen. in der Küche zu kochen. Aber mit der dritten Welle ist es wieder zu einem Stopp gekommen.
Erna meint auch, dass die Ängste vis-à-vis Corona auch in der Hausgemeinschaft sehr unterschiedlich sind. Mit den Lockerungen war es aber tatsächlich schwierig, die Essensgruppe wieder in Gang zu kriegen.

Die heutigen Bewohner:innen und ihre Verwaltung

Da es ein besetztes Haus war, konnte durch die Gründung einer Genossenschaft 1986 die Autonomie bewahrt werden. Die Bewohner:innen entschieden über eine gerechte Miete, die heute sehr gering ist im Vergleich zum üblichen Berliner Wohnungsmarkt. Jede:r bezahlt einen fixen Preis pro Quadratmeter, der Preis ist für alle Häuser gleich. Im ganzen Gebäude gibt es verschiedene Wohnungsformen: Familienwohnungen, Einzelwohnungen und WGs. Die Genossenschaft verwaltet mehr als 20 Häuser in Berlin, alles ehemals besetzte Häuser.
In der Genossenschaft selbst sind noch 10 selbstverwaltete Mitgliedshäuser, wie der Hausverein von Erna und die anderen bestehen aus Einzelwohnungen. Der Hausverein zahlt der Genossenschaft eine Miete. Dadurch besteht für das Haus sehr viel Entscheidungsmacht, insbesondere darüber, wer hier einzieht.
Wenn ein Zimmer im Haus frei wird, wird eine neue Mieterin / ein neuer Mieter meist durch Bekanntschaft ausgesucht.
Erna selbst ist auch über einen Bekannten eingezogen. Untervermieten ist generell nicht erlaubt. Aber wenn mal ein Ausnahmefall eintritt, dann muss die Person auch vorgestellt werden, die anderen Bewohner:innen müssen einverstanden sein und die Miete muss die gleiche bleiben, kein Profit.
Über die Einzelwohnungsmieter wird hingegen vom Vorstand der Genossenschaft entschieden. Jedes Haus kann zwei Personen zum Aufsichtsrat schicken, um die größtmögliche Mitbestimmung zu haben.

Entscheidungen werden mit der Genossenschaft zusammengetroffen:
Letztens wurde diskutiert, statt eines Fahrstuhl für die älteren Bewohner:innen einen Treppenlift einzubauen. Ein paar Erstbesetzer:innen sind tatsächlich dem Projekt treu geblieben und leben seit 1981 hier.

Wenn irgendwas im Haus kaputt geht, gibt es auch ein sehr gut geplantes System: Neben der Miete zählt das ganze Haus eine bestimmte Summe pro Monat auf ein Extrakonto bei der Genossenschaft, um große Reparaturen zu bezahlen. Kleine Sachen wie Betriebskosten sind schon in der Warmmiete einbezogen: Glühbirnen wechseln, Hausmeister bezahlen, usw.

Zusammenleben: ein Leitmotiv des Hauses

Gemeinschaftsleben ist das ausschlaggebende Wort hier. Manche Leute wollen ihr Leben lieber allein führen, hier ist aber das Alltagsleben wie eine kleine perfekte Gesellschaft aufgebaut. Und die Essensgruppe verstärkt auf jeden Fall das Gemeinschaftsgefühl: Essen bringt Leute zusammen. Gemeinschaft wird auch durch Filmvorstellungen im Gemeinschaftsraum gestärkt, wo eine Leinwand eingerichtet wurde. Die gemeinsamen Räume werden auch von den Bewohner:innen selbst geputzt. Als Großfamilienkind bevorzugt Erna das WG-Leben. Sie wollte schon immer in einer großen Gemeinschaft leben. Sie wünscht sich mehr Räume, wo gleichgesinnte Leute ihren Platz in so einem ähnlichen Kollektiv finden können.

Für die Zukunft geht Erna davon aus, dass der Zustand der Essensgruppe von vor der Pandemie wiederkommen wird, auch wenn es ein bisschen dauert. Zusammen wieder Feste feiern wünscht sich Erna auch und Beweis dafür, dass es schnell wieder zum normalen Alltag werden könnte, ist eine Geburtstagsfeier, die schon in derselben Woche geplant wurde. Geburtstagspartys, Hochzeiten oder auch Beerdigungen: alles wurde schon im Haus organisiert. 
Tradition des Hauses ist es auch, am 7. Februar immer Erbsensuppe mit Würstchen zu kochen, denn das war das erste Gericht was im Hause geteilt wurde. Beim 20. Geburtstag des Hauses haben sich 100 bis 150 Leute diese Suppe geteilt.

Erna fühlt sich auch unglaublich dankbar dafür, hier in diesem Haus zu wohnen, wo das Leben besonders schön ist. Das Gemeinschaftsgefühl begleitet sie täglich, aber es kann sich auch in ganz konkreten Situationen zeigen, dass eine Gesellschaft Zusammenarbeit braucht und sich auf gegenseitiges Helfen stützt:
Letztes Jahr hatte Erna ein schweren Unfall mit langem Krankenhausaufenthalt. Als sie nach Hause kam, mitten in der Corona-Krise, empfand sie dieses Haus als einen Segen. Sie konnte kaum laufen und für sich selbst sorgen, aber da alle zuhause waren, haben alle mitgemacht, um sich um sie zu kümmern. Es schien für alle wie eine Selbstverständlichkeit.
Auch als ein anderer Bewohner krank oder sogar Corona hatte, bekamen sie immer Unterstützung und was zu essen von jemanden im Haus.

Es wird nie wirklich ausgemacht, die Leute machen es einfach; weil sie wissen, dass alle dasselbe für sie machen würden. Das stellt den Sinn des Hauses gut dar.

Charlotte Castillon-Weiss

2001 | Interview mit Anette

von Ewa Maria Slaska

Anette, Erziehungswissenschaftlerin, meint, dass die Teilnahme an der Besetzung des Hauses und der Fabrik in der Lausitzer Straße nicht nur die Entscheidung war, die ihr Leben bestimmte, sondern auch, dass es für sie die beste Entscheidung ihres Lebens war.
„Mit meiner Entscheidung bin ich glücklich. Ganz viel von meinem Leben ist mit der Regenbogenfabrik verknüpft.“

Sie war aktiv in der BI (Bürgerinitiative BI SO36), die sich gegen „Kahlsanierung“ und bürgerfremde Baupolitik engagierte. Plötzlich ging es ganz schnell: Am Mittwoch, den 11.3.1981 wurde der BI bekannt, dass der Senat am Montag mit den Immobilienspekulanten Vogel und Braun einen Vertrag unterschreiben wollte und damit die Fabrikgebäude in der Lausitzer Straße zum Abriss freigegeben wäre. Daraufhin traf sich am Donnerstag die Gruppe der Besetzer und schon zwei Tage später, am Samstag, ist besetzt worden.

Doch im September 1981 kam es zu einem vom benachbarten Kiosk angestifteten Angriff der Neonazis und einem Brandanschlag. Die Arbeit vieler Monate lag brach, viel schlimmer aber war die Tatsache, dass die latente Bedrohung Wirklichkeit wurde. Dies zwang zum Überdenken bisheriger Entscheidungen.

Anette kann sich sehr gut an diese Nacht und ihre Gefühle erinnern. Ihre Tochter Jenny „war gerade mal drei Monate alt“, schrieb sie später in ihrer Magisterarbeit.

„Nicht das Haus brannte, sondern die Fabrik, aber wir wussten nicht, ob das Feuer auf das Haus übergreifen würde. Die Feuerwehr kam Ewigkeiten nicht und hilflos mussten wir zusehen, wie all unsere Träume und Hoffnungen in Rauch und Feuer aufzugehen drohten. Zähneklappernd, wütend und verzweifelt stand ich da, barfuß, in Jeans und T-Shirt, mit meinem Baby im Arm.
Tage später, als der Schock langsam nachließ, wusste ich nicht, ob die Gefahr, in der Regenbogenfabrik wohnen zu bleiben, nicht zu groß war. Ich entschloss mich zu bleiben, so wichtig waren mir das Projekt und die Leute in dem halben Jahr geworden. In den folgenden Jahren der quälenden unsicheren Projektsituation, die mehrmals fast das Aus bedeutet hatte, erinnerte ich mich immer wieder an diese eine Nacht:

Sie wurde mir zur Motivation für mein sämtliches Engagement für das Projekt, egal wie aussichtslos alles schien – es durfte nicht alles umsonst gewesen sein …

Und es war „nicht alles umsonst“.
Wenn das Projekt heute besteht und auch blüht, ist es gerade der Gruppe derer zu verdanken, die sich damals fürs Bleiben und Verhandeln entschlossen haben. Anette ist eine der wichtigsten „Verhandlerinnen“ geworden, die jahrelangen Verhandlungen mit dem Berliner Senat, den Eigentümern und dem Bezirksamt führte. In gewisser Weise tut sie das noch heute, verhandeln für den Erhalt der Regenbogenfabrik, wenn auch die Partner heute Arbeitsamt, Servicegesellschaft oder Stiftung heißen. Sie arbeitet weiterhin in der Fabrik und wohnt im Haus.

Ihr Engagement im Kiez setzte ihrem Studium an der Uni erstmal ein Ende, das wahre Leben war wichtiger geworden als alle Theorie. Aber nach neun Jahren Aktion und vielen Kämpfen wurde der Wunsch nach Reflexion wieder wichtiger. Anette begann, wieder zu studieren und beendete ihr Studium 1993 mit der Magisterarbeit „Das Kinder-, Kultur- und Nachbarschaftszentrum in Berlin-Kreuzberg. Soziale Einrichtung oder sozialer Lebensraum? Eine Projektgeschichte“, in der sie neun Jahre Regenbogenfabrik aus einer „unorthodoxen“ persönlichen Sicht beschrieben hat.

2007 | Für Anette zum 50. Geburtstag

Lustig, lustig, ihr lieben Brüder,
leget eure Sorgen nieder,
trinkt dafür ein warmes Becks,
trinkt dafür ein warmes Becks.

Auf die G´sundheit aller Schwestern
Seid nicht traurig über gestern!
Heut soll große Party sein!
Heut soll große Party sein!

Lustig lebt in Saus und Brause,
Weil wir jetzo sind am Schmause!
Arbeit drücket heut nicht viel!
Arbeit drücket heut nicht viel!

Geld gib´s ja in Hüll und Fülle,
Alles nehmen ist unser Wille,
Der Fabrik soll es halb sein!
Und für dich soll es halb sein!

Ei, was hast du hier geschaffen,
Vogel/Braun konnt nimmer raffen,
Weg wer kommanditieren will!
Weg wer kommanditieren will!

Wir sind alle freie Leute,
was uns sicher nie gereute,
Konsens das ist gut und recht,
Konsens das ist gut und recht.

Schlagt die Fässer ein, laßt´s laufen!
Jetzo heißt es tapfer saufen –
`s nächste Plenum kommt bestimmt!
`s nächste Plenum kommt bestimmt!

Mit diesem Lied auf die Melodie eines Gesellenliedes zeigten sich auch deutsche Handwerker mit der Pariser Commune solidarisch – auch auf die Gefahr hin, selbst eingekerkert zu werden.

Die Pariser Kommune des belagerten Paris markierte sozialgeschichtlich den Beginn einer neuer Epoche. Nach Sebastian Haffner ging es dabei zum ersten Mal um Dinge, um die heute in aller Welt gerungen wird: Demokratie oder Diktatur, Rätesystem oder Parlamentarismus, Sozialismus oder Wohlfahrtskapitalismus, Säkularisierung, Volksbewaffnung, sogar Frauenemanzipation – alles das stand in diesen Tagen plötzlich auf der Tagesordnung.
Aus diesen Gründen wird die Zeit der Pariser Kommune verschiedentlich auch als ein Manifestationspunkt der Moderne bezeichnet. (Schnell mal bei Wikipedia rausgefischt.)

Kleine Umdichtungen durch: Christine, Hilde, Willi, Brigitte, Mimi, Jonny, Maria, Andrea, Dorothea, Anette, Christine, Maja

Foto: Ulla Tasrini

Geburtstagskind des Tages – Mirko

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Bin ein waschechtes buntes Regenbogenbaby – aufgewachsen im Hinterhaus, auf der Fabrik in der Kita gespielt und zum Filme schauen bei Marten & zum Töpfern mit Ralf gegangen. 

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

In den letzten 2 Jahren war das Klavier im RegenbogenKino mein schönster Rückzugsort, um eine winzige Pause von der verrückten Welt zu bekommen. 

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

fürimmermeinzuhause 🙂

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Habe die Frage mit dem Essen weggelassen, ein Besuch in der Kantine hat sich dann für mich nicht mehr ergeben.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Dass weiterhin viele motivierte interessierte interessante verschiedenste Personen dazu kommen werden – denn nur ein Ort der Bewegung kann sich stetig weiter entwickeln und auf immer weiter leben.