Geburtstagskind des Tages – Maria

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Ich war 15 Jahre ehrenamtlich im RegenbogenKino tätig. Kino und Filme, meine grosse Leidenschaft. Daneben dann auch als Arbeitsassistentin von Havva in der Kantine aktiv. 2006 war ich massgeblich daran beteiligt, die Kuchenbäckerinnen zu gründen. Am 22. November fand die Eröffnung der Kuchenbäckerinnen statt.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Na natürlich das Kino. Eigentlich sogar eher der Projektorraum. Aber schon, wenn man in den Hof der RegenbogenFabrik kommt, fühle ich die heilsame Oase.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Eine lebendige Oase!

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Käsespätzle und die legendären Semmelknödel des Semmelknödelkönigs Julian, wie Havva ihn nannte.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Dass sie weitere 40 Jahre erfolgreich eine Oase bleibt und dem Kiez und den Anwohnenden gut tut. Ein Hoch auf die Fabrik! Wir brauchen solche Orte ganz dringend in dieser Stadt!!!

Foto: Silke Schlömer

2020 | Die Stimmung der Welt

Dies ist die Erinnerung an einen Abend, an dem wir schon über Corona redeten, aber überhaupt nicht ahnten, was uns ins Haus stehen könnte. Was für ein Glück, dass wir uns nochmal verzaubern lassen konnten von dieser ungewöhnlichen Buchvorstellung.

Jede:r hat von Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier gehört – aber über seine Reise nach Fis-Dur weiß kaum jemand etwas.

Im März des Jahres 1700, kurz vor seinem fünfzehnten Geburtstag, macht Johann Sebastian Bach sich auf den Weg. Sein Ziel: die vollkommene Musik zu schaffen, eine Musik, die Himmel und Erde in Harmonie vereint.

Seine Suche führt ihn schließlich nach Lübeck, wo er Andreas Werckmeister und die wohltemperierte Stimmung kennenlernt. In dieser Stimmung – das ist neu! – kann man alles spielen, alle Tonarten, in Dur und in Moll. Aber die Vollkommenheit hat ihren Preis: Alle Töne werden ein bisschen »temperiert«, das heißt verfälscht, die Musik hat von nun an einen Hauch von Künstlichkeit. Und nicht nur die Töne, auch die Natur und die Menschen werden temperiert.

Gärten werden mit geometrischer Exaktheit angelegt, Flüsse kanalisiert, Städte neu entworfen. Die Nacht wird durch die Straßenbeleuchtung zum Tag, die Taschenuhr erlaubt es, die Zeit mitzunehmen, die Stimmgabel den Chorton. Der Weg in eine künstliche Welt hat begonnen.

Als Bach das Wohltemperierte Klavier vollendet hat, befällt ihn der abgrundtiefe Zweifel: Ist dieses Werk nicht » nur von dieser Welt «, perfekt, künstlich, profan?

»Bachs Leben besteht für uns vor allem aus biographischen Lücken. Man weiß einiges, aber man weiß vieles nicht. Diese Lücken sind die Chance für den Romancier. Die Fakten waren meine Fessel, aber sie waren auch meine Inspirationsquelle. Frei im Sinne von willkürlich erfunden habe ich nichts.« Jens Johler.

Jens Johler las aus seinem Buch, Christine Kessler spielte dazu passend ausgewählte Musik von Bach auf dem Cembalo.

2001 | Interview mit Marten

von Ewa Maria Slaska

Marten gehört zu der Gruppe, die am 14. März 1981 das Haus und die Fabrik besetzte.

Geboren 1949, Akademiker, mit nicht abgeschlossenem Studium als Germanist und Politologe an der FU. Er kam 1971 nach Berlin, angezogen von der „magischen Kraft“, die diese Stadt vor allem die Freie Universität und insbesondere der „OSI“ – Otto-Suhr-Institut, aber auch der sich in Kreuzberg allmählich aufbauende alternative Lebensstil, auf alle politisch engagierten Menschen der Bundesrepublik ausübte.

Er studierte an der FU, arbeitete als Betreuer im Knast und in Jugendprojekten: allesamt Aufgaben, die dem Geist der Zeit entsprachen, genauso wie die Ausbildung zum Erziehen, die er nach Abbruch des Studiums absolvierte.

Man versuchte, die neuen Lebensformen zu entwickeln und dazu gehörte, dass die Männer die sog. Frauenberufe ausüben sollten und umgekehrt.

Marten meint, dass ein anderes, ebenso wichtiges Merkmal dieser Zeit die verschiedenen kommunenartigen Wohnformen waren. Er wohnt zuerst, noch in seiner Heimatstadt Braunschweig, in einer der ersten Wohngemeinschaften, die es dort gab, dann in Berlin in einem Studentenwohnheim und wieder in einer WG in Kreuzberg. So bildete das Zusammenleben mit einer Gruppe in einem besetzten Haus eine durchaus natürliche Entwicklungsstufe des gesellschaftlichen Miteinanders, die es zu erproben galt.

Fast sofort begann er Pläne für das breitangelegte Kinderbetreuungsprogramm mit zu entwickeln, wie z.B. einen Jugendklub für die türkischen Jugendlichen aus der Nachbarschaft. Diese waren 12 bis 18 Jahre alt, zu alt also für die Kita. So ist der „FC Regenbogen“ entstanden, der fabrikeigene Fußball Club.
Bevor er in der Kita arbeitete, machte er ein Praktikum in einem Projekt für Schüler aus sozial benachteiligten Milieus und bekam später eine ABM-Stelle in der Jugendkulturarbeit.

Wie es aber in der Fabrik typisch ist und zu dem alternativen Lebensstil gehört, bleibt man nie bei einer Beschäftigung auf Lebenszeit, sondern probiert neue Formen und neue Betätigungsfelder aus. So ist er nach fünf Jahren Arbeit in der Kita ins kalte Wasser gesprungen: in die Organisation des Kinderkinos; eine Arbeit, die er bis heute macht.

In dieser Zeit hat er sich mit Susanne befreundet, sie waren ineinander verliebt, zogen zusammen, alle fünf: Susanne, ihre zwei Töchter, er und seine Tochter. Sie haben einen gemeinsamen Sohn und wohnen immer noch zusammen, obwohl einmal auch eine Trennung eintrat und sie alle beide mit jemand anderem liiert sind.

Marten gehört zum Vorstand der Regenbogenfabrik und arbeitet im Team des RegenbogenKinos.

Ich habe die Gelegenheit gehabt, Marten und seine Freundin Chris besser als viele andere in der Fabrik kennenzulernen, weil sie zu der „Arbeitsgruppe CD“ gehörten. Chris ist eine fröhliche Persönlichkeit, Marten eher nachdenklich.

Ich hatte immer das Gefühl, er sei ein ausgeglichener, glücklicher Mensch. Auch glücklich verliebt. Ich habe jedoch nicht gefragt. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich stelle diese Frage lieber den Frauen als den Männern. Man wusste aber, dass ich kreuz und quer und über die Fabrik laufe und stets frage: Bist du glücklich?

Es war Marten, der mir nach unserem Gespräch, als ich schon gehen wollte, sagte: „Warum fragst Du mich nicht, ob ich glücklich bin? Ich bin glücklich. Ich habe alles, was ich zum Leben brauche in und durch die Fabrik bekomme: Arbeit, Geld und Beziehung.“

1981 | Besetzung Heilehaus

Wir gratulieren dem Heilehaus zum 41. Geburtstag! ´Zu diesem Anlass zeigen wir den Weg zum Film

Carlos – Der Heilehausfilm
„Barfussmedizin im Dschungel der Großstadt“

http://rbo-berlin.de/

Der Film ist 1984 entstanden, finanziert durch „Initiativen vor Ort-Stadtteilgruppen aus Kreuzberg stellen sich vor“, ein Projekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984, gefördert durch den Senat für Bau- und Wohnungswesen.

Drehbuch und Musikauswahl: Heilehauscrew und Benno Wenz
Kamera, Regie und Schnitt: Benno Wenz
Originalton und Mischung: Th. Knüppel
Sprecher: H. Eckhardt

Der Film wurde 2021 wiederaufbereitet
Bildbearbeitung: Screenshot Berlin
Tonbearbeitung: Caroline Moos

Wer nochmal zur Geschichte des Heilehauses nachlesen will, wird hier fündig:
https://heilehaus-berlin.de/geschichte/
https://dann-machen-wir-es-selbst.org/materialien#heilehaus