1999 | Eröffnung der Geburtstagsausstellung „ … schwindelfrei ins nächste Jahrtausend …“

Als wir planten, zum 18. Geburtstag der Regenbogenfabrik mal etwas ganz besonderes zu machen, nämlich eine Ausstellung, gingen wir ohne große Vorkenntnisse an diese neue Aufgabe. Wir hatten allerdings ein paar Gelder bekommen und hier ein Auszug aus unserem Projektbericht:
Zum Glück konnten wir zwei Fachleute gewinnen, die schon öfter solche Projekte bewerkstelligt hatten. Die zum Teil recht großen Unterschiede der Einzelansätze im Finanzierungsplan zu den tatsächlich angefallenen Kosten erklären sich zum einen durch unsere mangelnde Erfahrung im Herstellen von Ausstellungen und zum anderen durch die unerwartet große Kreativität der Ausstellungsmacherinnen.

Zu Beginn gab es einen Begrüßungstext für die Besucher:innen. Es folgte ein geschichtlicher Abriss mit alten Fotos und Plakaten. Dann gab es zu jeder aktiven Fabrikgruppe eine Stellwand in einer anderen Regenbogenfarbe. Diese Stellwände hatten jeweils eine Vorderseite mit Text und Fotos und auf der Rückseite die sogenannte „action-Seite“, wo Ausstellungsbesucher:innen aktiv etwas machen konnten, beispielsweise an der Kinowand in einen Guckkasten schauen, in dem durch Drehen an einer Kurbel verschiedene Dias zu sehen waren. Alte Transparente, Fahnen und andere Exponate schmückten den leider ansonsten nicht sehr gemütlichen Raum.

Zur Eröffnung brachte die IG Blech, die seinerzeit an der Besetzung der Regenbogenfabrik beteiligt war, ein Ständchen und Herr Orlowsky, ehemaliger Baustadtrat und Kämpfer für die Regenbogenfabrik hielt eine mitreißende Rede. Danach konnten sich die zahlreich erschienenen Besucher:innen an Sekt und Brezeln stärken und die Ausstellung genießen.“

Im Rathaus Kreuzberg war die Ausstellung einen Monat lang zu sehen, bald darauf konnte sie auch in Friedrichshain gezeigt werden.

Die Ausstellung ist hier nochmal durch den Antragstext vorgestellt. Sichtbar wird ein ganz besonderer Punkt in der Entwicklung der Regenbogenfabrik. Manches, was es heute gibt, deutet sich schon an. Manches ist heute schon wieder Geschichte.

„Als konzeptioneller Rahmen ist die Darstellung der Entwicklung der Regenbogenfabrik exemplarisch für die Entwicklung des Kreuzberger Kiezes vom „Gallischen Dorf“ bis zum (Wieder)lnnenstadtbezirk mit der Perspektive der Bezirkszusammenlegung mit Friedrichshain geplant. In diesem Zusammenhang ist die Ausstellung zum einen als Dokumentation von Zeitgeschichte, zum anderen aber auch als Beitrag zur Diskussion um Risiken und Chancen eines sich im Umbruch befindlichen Bezirks zu sehen. Folgende inhaltliche Schwerpunkte sind bislang vorgesehen:

1. Entstehungsgeschichte der Regenbogenfabrik

Die Regenbogenfabrik, d.h. das Fabrikgelände Lausitzer Str. 22 sowie Teile der Wohngebäude Lausitzer Str. 22a/23, wurde 1981 besetzt. Als Protest gegen Kahlschlagsanierung bzw. eine unmenschliche Baupolitik, die spekulationsbedingten Leerstand förderte und eine völlige Umstrukturierung der Kreuzberger Bevölkerung vorsah, forderten Bürgerinitiativen und andere „Lieber instandbesetzen als kaputtbesitzen“. Gleichwohl es im damaligen Westberlin sicher nie eine homogene Besetzer:innenbewegung gab, ist sie doch als Teil eines bundesweiten Bürger:innenprotestes zu sehen, der sich einfach nicht mehr mit politischer Willkür und offensichtlichen Mißständen abfinden wollte:
„Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“.

So auch in Kreuzberg SO 36 – mit breiter Unterstützung aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen und durch Institutionen wie den Verein SO 36 und die Internationale Bauausstellung, die eine behutsame Stadterneuerung forderten, wurde die Regenbogenfabrik Teil der alternativen Kreuzberger Projektelandschaft, deren Entstehungsgeschichte mit alten Videoaufnahmen, Plakaten, Flugblättern usw. in der Ausstellung hoffentlich sehr lebendig vermittelt werden kann.

2. Projektentwicklung und -beschreibung

Im Zusammenhang mit den Bedürfnissen von Nachbar:innen und Betreiber:innen der Regenbogenfabrik wurde das Konzept einer „Einheit von Wohnen, Leben und Arbeiten“ entwickelt, das insbesondere auch den Gedanken der „Hilfe zur Selbsthilfe“ sowie Selbstverwaltung und -verwirklichung beinhaltet. Auf dieser Grundlage wurden nach und nach verschiedene Projektbereiche im kulturellen, sozialen sowie im Kinder- und Jugendbereich aufgebaut, die in der Ausstellung dargestellt werden: Wohnhaus, Holz- und Fahrradwerkstatt, Nachbarschaftscafé, Kita, Kino, Offener Kinder- und Jugendbereich etc.
Während seiner gesamten Geschichte hatte das Projekt dabei immer gegen Widrigkeiten aller Arten, wie schlechte bauliche Voraussetzungen, ungesicherte vertragliche Verhältnisse und ständigen Finanzmangel, zu kämpfen.

Auch diese „unendliche Geschichte der Regenbogenfabrik“, die neben allen Problemen auch durch viel Engagement und Durchhaltevermögen geprägt war, wird Teil der Ausstellung sein.

3. Neues und Zukunftsperspektiven

Mit Maueröffnung und Wiedervereinigung wurde alles anders.
Die Stadt und der Kreuzberger Kiez veränderten sich mehr und mehr und immer drastischere Kürzungen der Fördermittel im sozialen Bereich erforderten neue Initiativen und mehr denn je Kraft und Mut. Zum einen schloss sich die Regenbogenfabrik mit anderen Projekten zu Bündnissen wie dem „Kreuzberger Projekteplenum“ zusammen bzw. wurden in diesem Kontext gemeinsame Kooperationsprojekte wie der „Interkulturelle Mädchentreff RABIA“ aufgebaut.
Zum zweiten entwickelte die Regenbogenfabrik auf der Grundlage ihrer bisherigen Erfahrungen neue Projektbereiche, die die bisherigen Schwerpunkte nicht ablösen sondern ergänzen sollten: günstige Übernachtungsmöglichkeiten vor allem für jugendliche Berlinbesucher:innen wurden eingerichtet, das Konzept einer deutschpolnischen Begegnungsarbeit (die sich im Kreuzberger Kontext als multikulturell definiert) entwickelt und ein Bildungs- und Qualifizierungsbereich für junge Erwachsene und Frauen aufgebaut.

Anknüpfend auf diese neuen Schwerpunkte hat sich die Regenbogenfabrik auch für die Zukunft Vieles vorgenommen (Erweiterung der Gästezimmer, Seminarräume, Kiezküche etc.).
Als dritter Schwerpunkt der Ausstellung werden wir die bisherigen Ergebnisse dieser neuen Schwerpunkte mit den damit verbundenen Perspektiven darstellen, die sich u.a. auch auf die Zukunft eines bislang von beiden Seiten meist nicht sehr beliebten gemeinsamen „Kreuzhain-Friedrichsberg“ beziehen.“

Rückseite der Einladungspostkarte
Otur ve yaşa – das heißt „Wohnen und Leben“

NEUSTART | Ab 04.03.22 läuft wieder RegenbogenKino!

Nach 2 mühseligen und sehr regenbogenKINOarmen Jahren, drehen wir zurück auf Anfang. Es geht endlich wieder los! Und nicht nur bei uns, sondern auch filmisch widmen wir uns dem Thema NEUSTART.

Zum Weltfrauentag am 08. März zeigen wir
*RAFIKI*

Fr., 04.03., Sa., 05.03. und So., 06.03. jeweils um 20 Uhr
Ein Film von Wanuri Kahiu
Kenia 2018, 83 Minuten, Originalfassung in Suhali mit deutschen Untertiteln

Zum Weltfrauentag zeigen wir mit RAFIKI eine Ode an die Liebe. Die junge Kena lässt sich von niemanden vorschreiben wie sie zu leben hat. Sie will ihren eigenen Weg gehen. Sie freundet sich mit Ziki an, trotzdem deren beider Väter politische Gegner sind.

Die Freundschaft im eigenen Viertel zu rechtfertigen ist schon schwer genug. Doch als sie sich dann ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: Für die vermeintliche Sicherheit oder für ihr gemeinsames Glück.
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=7M_-ucSaFpU

*Berlin Alexanderplatz*
Fr., 11.03., Sa., 12.03. und So., 13.03. jeweils um 20 Uhr
Buch: Burhan Qurbani, Martin Behnke Regie: Burhan Qurbani
Deutschland/Niederlande 2020, 183 Min.

Das Filmdrama orientiert sich frei an dem Roman von Alfred Doblin aus dem Jahr 1929 – die Handlung verlegt ins Berlin der Gegenwart.
Erzählt wird in fünf Kapiteln und einem Epilog die Geschichte eines illegalen afrikanischen Migranten, dargestellt von Welket Bungué, der sich nach der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer bemüht, trotz aller Umstände ein gutes und anständiges Leben zu führen.

*Neubau*
Fr., 18.03., Sa., 19.03. und So., 20.03. jeweils um 20 Uhr
Buch: Tuck Royale – Regie: Johannes M. Schmidt
Deutschland 2020, 81 Minuten, deutsche Originalfassung

Mit Neubau starten wir mit einer neuen Art Heimatfilm.
Markus ist hin- und hergerissen zwischen queerer Berliner Kreativszene und seinen beiden Omas, die er liebevoll in der Uckermark betreut.
Und dann verliebt er sich auch noch genau dort, in der sommerlichen Brandenburger Provinz.
Mit ihrem wunderbaren Debütfilm gewannen Johannes M. Schmidt und Tuck Royale nicht nur zahlreiche Preise, sondern auch unsere Herzen.

*Vater – Otac*
Fr., 25.03., Sa., 26.03. und So., 27.03. jeweils um 20 Uhr
Buch: Sordan Galubovic und Ognjen Svilicić – Regie: Sordan Galubovic
RS, FR, DE, HR, SI, BA 2020, 120 Minuten, Originalfassung in Serbisch mit deutschen Untertiteln

Eine Mutter, scheinbar ausweglos, zündet sich an. Im Film macht sich der Vater der Kinder auf einen Fußmarsch nach Belgrad, um seine Kinder zurückzubekommen, die die korrupte Behörde seiner Stadt in Pflegefamilien untergebracht hat, weil man ihm nicht zutraut, sich um diese kümmern zu können. Wobei am Ende ein ‚“Bild der Hoffnung“, so der Regisseur, bleibt.

—————————————————————-

Es gilt 2G Plus mit zusätzlicher FFP2-Maskenpflicht.

Maskenbefreiung am Sitzplatz, wenn das Abstandsgebot eingehalten werden kann.

Beitragsbild: https://www.salzgeber.de

Geburtstagskind des Tages – Dario

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Ich war in der Fabrik am Anfang des Jahrtausends, 2002 bis 2004 ungefähr und habe Jugendaustausche organisiert und durchgeführt.

Habe auch später in der Kantine gearbeitet, wo immer freundliche Mitarbeiter waren.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

 Der Hof, die Fahrradwerkstatt, die Kantine

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

 Ein Ort der Gemeinschaft

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Was die Araber dort kochen, schmeckt sehr gut…

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Freundliche Mitarbeiter

Foto: Denkmaltag 2005

Geburtstagskind des Tages – Sabine

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Ich bin 1986 im April in das Hinterhaus eingezogen. Der Große Umzug! Da sind auch die aus der Lausitzer 40 gekommen. Schon 1987 war ich dann für drei Jahre in der Kinogruppe. Mit denen, die dann das FSK angefangen haben. Und jetzt wohne ich noch immer im Haus. Hab die ganze Selbsthilfe mitgemacht, gleich nach Einzug und nochmal in den 90er Jahren. Als wir einzogen, war alles kaputt und versifft, das war ein eindrückliches Erlebnis.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Das ist natürlich das Kino, ganz klar. Ich liebe es, ich mochte es, mit den alten Maschinen zu arbeiten, mit den ganz großen Rollen. Nach einem Spielfilm hattest du das Gefühl, dass du einen Marathon gelaufen bist. Später bin ich dann mit meinem Sohn Luis immer ins Kino, da hat Marten Kinodienst gemacht und Willi hat die Karten abgerissen.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Ein einmaliger Ort, in dem man Sachen ausprobieren kann und Arbeit ausprobieren kann, die es vorher nirgendwo gegeben hat. Lebenseinstellungen und Projekte. Bis heute ist das so.

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Da war ich leider nie. Früher war ich anderswo und jetzt ist ja leider auch geschlossen für die Nachbarschaft.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Dass sie die nächsten vierzig Jahre genauso cool weiter macht wie bis jetzt und dass sie die Insel bleibt, die sie ist. Und sie immer noch den Spirit und das Flair aus den 80er Jahren weitertransportiert.