Lausitzer Straße 22 – Vorderhaus mit Durchfahrt zur Regenbogenfabrik
Dieses Haus wurde entmietet, sodass die Idee entstand, dort als deutsch-türkisches Wohnprojekt zu leben.
Es fand sich 1982 eine Gruppe aus deutschen und türkischen Handwerkern, Paaren in der Familiengründung, junge Familien, die gemeinsam das Haus wieder instand setzen und dort im Kontext der Regenbogenfabrik wohnen wollten.
Ein Verein wurde gegründet: Lausehaus e.V., die Deutschen besuchten Türkischkurse, reisten mit der Sprachlehrerin in die Türkei, eine Kindertagesstätte im Erdgeschoss wurde geplant.
Das Martinwerk e.V., das nach genossenschaftlichen Prinzipien arbeitet, wurde als möglicher Träger für das Hausprojekt gefunden. Auch die Umnutzungserlaubnis der EG-Wohnung als Kita lag vor.
Die Verhandlungen gingen schleppend voran.
Trotz Verhandlungen waren dann eines Tages plötzlich in den leerstehenden Wohnungen Öfen und Fenster zerschlagen. So kam es im August zu einer Besetzung des Hauses, die jedoch leider schon bald wieder von der Polizei geräumt wurde.
So wurde diese wunderschöne, integrative und nachbarschafts-stärkende Idee schon nach kurzer Zeit zerschlagen.
Am Samstag, den 23. April 2005 um 15.00 Uhr wird es eine Kräuter-Pflanz-Aktion auf der Regenbogenfabrik geben.
Es gibt Kaffee, Tee und Kuchen!
Rechts neben dem Eingang zur Kantine soll ein Küchenkräutergarten angelegt werden, von dem die Kantine dann auch frische Kräuter für die Gerichte nehmen kann. Vorausgesetzt, dass alles gut wächst.
Eingeladen sind alle Leute der Regenbogenfabrik, die Nachbarn und Freunde der Regenbogenfabrik. Wir bitten alle, ein Kräuterpflänzchen mitzubringen. Und damit es es nicht etwa nur Schnittlauch oder Basilikum in unserem zukünftigen Kräutergarten geben wird, bitten wir – wegen der Vielfalt – auf einer Liste das Kräutchen einzutragen, das Ihr mitbringen wollt. Die Liste hängt in der Kantine.
So lautete der Aufruf und viele kamen. Dieser Kräutergarten ist nun schon wieder Geschichte, es wurde gebaut und an anderer Stelle wachsen nun die Blumen und Kräuter, betreut von den Kinder aus der Kita.
„Vor neun Uhr morgens, und ich muss reden. Ok, ausnahmsweise“, erzählt mir Christine aus der Essensgruppe in der Lausitzer 23, Hinterhaus. Was nicht stimmt – wir haben schon häufig um 7 Uhr miteinander geredet, manchmal sogar stundenlang die Weltlage diskutiert. Und nicht nur mit ihr. Auch mit Johanna und Martin darf mensch die Uhr nicht aus dem Blick lassen – sonst ist der rechtzeitige Aufbruch zum morgendlichen Termin schnell passé.
Es geht aber nicht nur um die großen und kleinen politischen Themen. Jedes Mal, wenn ich aus dem Rheinland nach Berlin zu Besuch komme und im Gästezimmer unter dem Dach wohnen kann – so zwei bis dreimal im Jahr – habe ich als morgendlicher, passionierter Teetrinker ein Problem. Die Zubereitung des Heißgetränks ist technisch äußerst anspruchsvoll. Das Gerät ist dreiteilig: Eine Glaskanne, ein Einsatz und ein Timer, der aufgesteckt und mit Tee befüllt werden muss. Entscheidend ist die Menge des Wasser und die Geschwindigkeit, mit der es eingefüllt wird. Zugegeben, meine technische Begabung hält sich in Grenzen. Aber Tee kochen bereitet mir sonst eigentlich keine Probleme. Nur im Regenbogen. Jedes Mal, wenn ich zu Besuch bin, muss ich mir die Teemaschine, dieses Unikum, wieder auf’s Neue erklären lassen.
Mir ist das peinlich. Auch wenn, meistens Christine oder Johanna, immer wieder ganz geduldig die Funktionsweise erklären. Irgendwie komme ich mir doof vor. Drei Möglichkeiten habe ich mir überlegt: Ich kaufe mir selber so ein Gerät. Aber trotz intensiver Internetrecherche bin ich noch nicht fündig geworden. Das letzte Mal habe ich Christine mit meinem Handy gefilmt. Ein Erklärvideo. Aber es hat laute Nebengeräusche, weil im Hintergrund ein Mixer läuft. Also nicht wirklich brauchbar. Wohl die beste Lösung: Ich komme öfter mal nach Berlin. Damit ich es endlich kapiere.
Unser Freund Gerhard hatte letztes Jahr eine schöne Sache im Gepäck, die wir euch hier auch vorstellen wollen:
In Form einer Collage berichten Ich-Erzähler*innen in dem Hörspiel vielstimmig von ihrem Alltag im Jahr 2048. In dieser Welt gibt es mehr Zeitsouveränität, Gemeinschaft, Solidarität, Selbstbestimmung, Gesundheit und Demokratie. Abgenommen haben dagegen Lohnarbeit, Konkurrenz, Umweltschäden, Gewalt und Krieg. Doch auch 2048 verläuft das Leben nicht ohne Konflikte. Ein Streitthema ist die Verteilung derjenigen gesellschaftlich notwendigen Arbeiten, die kaum jemand machen möchte. Demokratie ist auch im Jahr 2048 noch anstrengend. Dazu kommen die Spuren der Zerstörung, die der bis in die 30er Jahre auf fossilen Energieträgern beruhende Kapitalismus hinterlassen hat.
Als wir das Listening together im Oktober 2020 im Kino machen konnten, hatte sich der lange Winterlockdown schon angekündigt.
Nicht schlecht staunten die Anwohner der Falckensteinstraße am Samstag, den 6. März, in aller Frühe. Im Handumdrehen bauten 25 junge Arbeiter das Gerüst vor der Falckensteinstraße 9 ab, nach zwei Stunden erschien die Polizei, um das zu verhindern, kam zu spät und machte sich lächerlich, als sie zwei der Gerüstbauer entwischen ließ. Es handelte sich nicht um einen normalen Arbeitsauftrag, sondern um eine Protestaktion von Mietern, Instandbesetzern und dem Vogel&Braun-Komitee. Die Falckenstraße 9 gehört diesen beiden Herren und ist seit Monaten den Methoden dieser größten Spekulantengruppe in Kreuzberg 36 ausgeliefert.
Weiterlesen im Kreuzberg Museum, Seite drei in der Ausgabe 4/1982