Gratis Comic Day

Wir haben gestöbert nach Gedenk- und Jahrestagen, nach ernsten und lustigen, nach skurrilen und nützlichen. Und entdeckten dabei den Gratis Comic Day. Das hat uns als nützlicher Tag sofort eingeleuchtet und entdeckten dazu auch eine freundliche Internetseite.

Der Gratis Comic Tag ist eine Gemeinschafts-Marketingaktion von Comicverlagen und -händlern. Er findet in Deutschland, Österreich und der Schweiz jährlich seit 2010 statt. Der Termin liegt auf dem zweiten Samstag im Mai, jeweils eine Woche nach dem US-amerikanischen Vorbild, dem Free Comic Book Day.

Dieses Jahr ist alles anders:
Schweren Herzens haben die Initiatoren eine Pause angekündigt. Wir wollen mal unseren Teil zum Comic Day beitragen und zeigen euch heute das kleine Heft, dass vor zehn Jahren zum 30. Geburtstag der Regenbogenfabrik entstanden ist.

Geburtstagskind des Tages – Maria

1. Seit wann bist, bzw. von wann bis wann warst du auf der Fabrik und in welchem Bereich?

1981 war ich Mieterin im Vorderhaus Lausitzer 23, als eines Tages junge Menschen mit einem Tulpenstrauß vor der Tür standen und meinten. sie hätten gerade das Hinterhaus besetzt. Ich kannte bis dahin nur das 1. Hinterhaus und war etwas verwundert, weil dieses ja bewohnt war. Erst danach nahm ich wahr, dass es da noch ein 2. Hinterhaus gab. Als ich die Ruine sah, dachte ich so bei mir: da hätten sie sich aber auch etwas Besseres aussuchen können. Aber okay – sie brauchen auf jeden Fall Unterstützung und deshalb gründeten wir Vorderhausmieter eine Unterstützergruppe und halfen bei diversen Festlichkeiten, Öffentlichkeitskampagnen, etc. mit. Bei mir wurde das immer mehr und so half ich tatkräftig beim Ausbau des RegenbogenCafés mit, in welchem ich auch noch viele Jahre neben meinem Job als Erzieherin tätig war.

Das RegenbogenCafé und samt Fabrik wurde mir zu einer Herzensangelegenheit  und irgendwann fand ich mich auch im Vorstand der Fabrik wieder. Es folgten noch viele Arbeitseinsätze, bis ich nach einem Jahr feststellte – da könnte ich doch gleich hinten einziehen und wäre sozusagen mittenmang im Geschehen und beim Aufbau beteiligt.

Außerdem lebte dort auch mein Lebenspartner. Später schloss ich mich noch der Kulturgruppe an und wir veranstalteten Konzerte unter dem Motto „Jazz in the Ghetto“. Als dann noch die Selbsthilfe im Hinterhaus dazu kam, war ich ziemlich ausgepowert und beschloss, nach 20 Jahren kürzer zu treten; weniger zu arbeiten, was meiner Gesundheit sehr zu Gute kam. Doch ganz weg bin und war ich nie – geht nicht, wenn man so direkt bei der Regenbogenfabrik wohnt und deshalb blieb sie immer ein Teil von mir; verbunden mit einmaligen, fantastischen und allerhand Erlebnissen.

2. Welches ist dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Dieser ist, neben dem früheren Café, der Fabrikhof. Dabei denke ich an die Begrünung, nachdem die Betonfläche in eine Grünfläche mit stattlichen Bäumen umgewandelt wurde, auf der ich beruflich viele Stunden, zusammen gerechnet Tage, Monate zubrachte.

3. Was ist die Fabrik für dich?

Die Rebofa ist für mich Heimat mit einer mir vertrauten Lebensweise. Immer wenn ich von meinen diversen Reisen zurückkehrte, überkam mich dieses wohlige Gefühl der Vertrautheit.

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Ich esse eigentlich alles, was auf den Tisch kommt.

5. Was wünschst du der Fabrik zum Geburtstag?

Ich wünsche, dass die Rebofa noch lange existiert und sich viele engagierte Leute finden, die die Sache am Laufen halten.

Gruß Maria

Geburtstagskind des Tages – Jens

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Seit Oktober 2014 wohne ich im 2. HH. … nicht ganz so häufig, besonders zu Coronazeiten, bin ich im „Kulturbereich“ und mache Musik auf der Fabrik, sei es bei den Mitsingliederabenden oder kleinen Konzerten.
Puh, freue ich mich darauf, wenn das wieder möglich ist…

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Hmm… da gibt es eigentlich so ein paar. Wenn ich das 2. HH dazu nehme, ist es wohl unsere Küche bei geöffneten Fenster im Abendlicht; wenn der Kirschbaum blüht und die Pappel rauscht.

Der Hof der Regenbogenfabrik ist auch so ein Ort, eine Oase…

Nach wie vor ist auch das RegenbogenCafé ein Lieblingsort für mich. Immer wenn ich am Fenster vorbeigehe, denke ich an vergangene und zukünftige Veranstaltungen.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

(Begegnungs- , Entfaltungs-, Frei-, Schutz-, Wohn-, …) Raum

4. Was ist dein Lieblingsessen in der Kantine?

Alles, was Auflauf ist.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Dass sie ein so besonderer, wertvoller Ort bleiben kann, getragen von Vielen! Und dass sie wertgeschätzt, gesehen und gefeiert wird.

Alles, alles Gute für die Zukunft.

Kein Betonklotz in die Hinterhöfe

1981 | Bewohnerversammlung in der Ölberggemeinde:

„Lebhaft und ohne falsche Zurückhaltung verlief die Versammlung der Bewohner der Ecke Lausitzer/Reichenberger Straße Anfang Mai in den Räumen der Ölberg-Gemeinde.“, schrieb der Südost Express in seiner Ausgabe im Juni 1981. Weiter im Text geht es so:

Ungefähr siebzig anwesende deutsche und türkische Mieter, Besetzer, Gewerbetreibende, Hausmeister, Vertreter der Bürgerinitiative, des Vereins SO 36, der IBA und in dem Block beschäftigte Architekten lieferten sich heftige Redegefechte, auf denen alle heißen Themen angepackt wurden. Hausbesetzungen überhaupt, die vielen Ausländer, das nicht sehr vorbildliche Verhalten von Deutschen, der Verfall der Häuser, versprochene und nicht erhaltene Umsetzwohnungen und einiges mehr. Mieter und Zeitungsladeninhaber, Besetzer und Planer schenkten sich nichts, um am Ende in unerwarteter Einigkeit auseinanderzugehen. Nachdem lange aufgestaute Aggressionen und Vorwürfe abgelassen waren, gingen die Versammlungsteilnehmer aufeinander ein und kamen sich näher. Insbesondere die Beiträge einiger türkischer Mieter ebneten den Weg der Verständigung. Der gemeinsame Gegner hatte, wenn auch durch Abwesenheit glänzend, nichts mehr zu lachen: die Bauherrengruppe Vogel&Braun und ihre Spekulationsfirmen mit ihrer Sanierungsplanung für die Blockecke.

Südost Express von Juni 1981, Seite 16

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