Spaziergang in Coronazeiten

Wir entdecken die Ideal-Passage.

Ein Jahr Sonntagsspaziergang, wohin noch gehen? Alle Himmelsrichtungen sind erforscht, Friedhöfe ermessen, das Spreeufer hoch und runter gegangen. Was tun?

Da haben wir uns eine ulkige Regel gegeben: Jetzt rechts aus dem Haus, dann wieder links, wieder rechts, wieder links, wieder rechts …

Wir hatten keine Vorstellung davon, wo wir rauskommen werden und fanden ein Juwel des Städtebaus, plötzlich standen wir vor der Einfahrt in die Ideal-Passagen.

Gefunden hatten wir eine Mietwohnanlage zwischen Fuldastraße 55–56 und Weichselstraße 8 im Quartier Donaustraße-Nord in Berlin-Neukölln. Sie wurde 1907/1908 errichtet. Die Anlage einschließlich ihrer Innenhöfe steht unter Denkmalschutz.

Die Bilder sind von Martin Cames. Mehr zu lesen gibt es bei Wikipedia.

Menschen, Häuser

Dokumentation – „Menschen, Häuser“ Berlin Kreuzberg in den 80er Jahren
Berlin, stadtentwicklung, Urbanism
Dokumentation – „Menschen, Häuser“ Berlin Kreuzberg in den 80er Jahren
By urbanshit · On 18. April 2014
„Menschen, Häuser“ ist eine Dokumentation, die den Berliner Stadtteil Kreuzberg in den frühen 80er Jahren zeigt. Es ist nicht nur spannend zu sehen, wie sich der Stadtteil und die Bewohner*innenstruktur bis heute verändert haben, sondern auch was unter der Berliner Strategie der sogenannten „behutsamen Stadterneuerung“ zu verstehen ist. Letztendlich lässt der Film somit auch eine Rückkopplung auf die heutige Zeit zu.

Bildnachweis: Das Titelbild hat nichts mit dem Film zu tun. Es stammt von Manfred Kraft  |  o3 – besetztes Haus in der Oranienstraße 3, Kreuzberg

wir danken

Die Essens(z)gruppe – the essence group

Im Hinterhaus wohnen ja 33 Menschen, fast alle in 4-er Wohnungen/WGs, und bis heute gibt es zusätzlich zu den Küchen in den Wohnungen eine „Essensgruppe“. Immer angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse und doch ein Relikt aus der Zeit der Sanierung, als es überhaupt erstmal eine Küche im Haus für alle gab, ist das System: alle die dort mitessen, kochen einmal pro Woche für alle. So koche ich einmal pro Woche für ca. 10 Mitbewohner*innen, bekomme im Gegenzug jeden Tag eine warme Mahlzeit. Beim gemeinsamen Abendessen – und auch, wenn wir uns beim Frühstück oder in der Mittagseit über den Weg laufen in der Essensgruppe – bekommen wir voneinander mit. Wer hat gerade was aufregendes erlebt, wer ist krank, wer ist Oma geworden oder will demnächst verreisen.
Das verbindet und schafft das Gefühl von „ich bin Teil einer Gemeinschaft“.
Einige Jahre wohnten Heather und Graham aus Australien mit im Haus und waren auch aktive und liebevolle Mitglieder der Essensgruppe. In einem Mix aus Englisch und Deutsch kommunizierten wir. Und wenn du „Essensgruppe“ mit einem englischen Akzent aussprichst, wird eher „essence group“ [essenz grup] daraus. Mir hat dieses Bild sehr entsprochen, denn tatsächlich habe ich in all den Jahren, in denen ich im Hinterhaus der Regenbogenfabrik lebte, die Essensgruppe als eine Essenz, einen Dreh- und Angelpunkt für Orga und Menschliches empfunden.
Möge weiterhin viel Essentielles in und durch die Essenzgruppe kreiert werden. Und täglich guten Appetit!

Andrea

Damals und Heute

Regenbogenfabrik im April 2021

Zwanzig Jahre sind es ziemlich genau, die zwischen den beiden Bildern liegen. Im Februar 2001 hat jemand auf den Auslöser gedrückt. Jetzt, im April 2021, hat Şerife ein Weilchen suchen müssen, um genau den Platz zu finden, von dem aus 2001 die Aufnahme gemacht worden war. Und was da alles zu bedenken ist: Stehe ich wirklich am richtigen Ort? Habe ich den gleichen Ausschnitt gewählt oder zu viel oder zu wenig mit drauf? Und überhaupt, war der Andere damals vielleicht viel größer als ich? Ich muss mir eine Trittleiter holen. Und dann: Verflixt, jetzt steht da ein Baum! Der alte Ort, den gibt es so nicht mehr.

Für uns Betrachter*innen ist der Vergleich dann trotzdem eine feine Sache!

Die Fabrikgebäude haben eindeutig mehr Farbe gewonnen. Die rote Wand, hinter der sich das Kino verbirgt, ist in der historischen Form wieder hergestellt und die Narbe vom Brandschaden von 1981 konnte endlich überarbeitet werden.

Die Schaukel steht noch immer am gleichen Ort.
Es ist nicht zu erkennen, dass sie mal neu aufgestellt werden musste. Die Wippe ist verschwunden, statt dessen prangt im Vordergrund die kleine Außenbühne, die bei Hoffesten immer wieder zum Zentrum der Aufmerksamkeit wird.

Na und dann noch der stattliche Baum! Bäume, Bäume… – bestimmt 20 Exemplare sorgen im Sommer für ein wunderbares Klima für Alle.