Kapelle B, Brass Percussion Band im Stile französischer Fanfaren, 20 Musiker
Wie beschreibt ihr/beschreibst Du, was ihr macht/du machst?
Straßenmusik, Weltmusik
(Seit wann seid ihr zusammen und) wann wart ihr/warst du das erste Mal in der Regenbogenfabrik?
Seit 2015
Erster Auftritt am 11. Dez. 2016 zum (verregneten) Wintermarkt
Spielst du/spielt ihr lieber drinnen oder draußen?
Selbstverständlich spielen wir am liebsten draußen, z.B. bei Straßenfesten
Was erwartet ihr/erwartest du von eurem/deinem Publikum? Singen, klatschen, tanzen?
Mitsingen, tanzen, klatschen, einfach mitgehen, gute Stimmung machen, gute Laune haben. All das ergibt sich meistens von alleine, weil die Spielfreude der Kapelle ansteckend ist
Was ist euer/dein wichtigster Corona-Fluch?
Schmerzlich lange Zeit keine gemeinsamen Proben, keine Umarmungen, keine Witzeleien
Was wünscht ihr euch/du dir und uns für die Zukunft?
Wieder viel Spaß, viel gemeinsame Musik, viele Veranstaltungen, z.B. bei Euch in der Regenbogenfabrik.
Mehr Informationen über uns verrät unsere Webseite KapelleB.de. Dort finden sich auch Fotos und Videoclips.
Bist du/seid ihr auch in anderen Formationen unterwegs, die vielleicht auch ins Regenbogenprogramm passen?
Wir haben einen kleinen Ableger, eine Dixieland-Band. Wir sind die Dixties, zu finden unter dixties.de. Am 8. Sept. 2019 haben wir schon mal auf Eurer Bühne gestanden.
Die Überschrift klingt für die meisten wohl nach einem sympathischen Ziel. Bei näherem Hinsehen enthält er durchaus Sprengstoff. Fangen wir mit dem Einfachen an: „Sichern“! Viele alte Projekte – „alte“ bedeutet für mich die 80er und 90er Jahre – sind als GbR, Verein oder Ein-Haus-Genossenschaft konzipiert worden. Inzwischen sind die Häuser bezahlt, der Generationenwechsel steht an. Damit aber gleichzeitig auch die Gefahr, dass solche Häuser privatisiert werden.
Die GbR kann ihr Haus verkaufen. Das ist Bruchteilseigentum in privater Hand. Der nicht-gemeinnützige Verein, wie auch die Genossenschaft können sich per Beschluss auflösen. Gegebenenfalls noch lästige, ideelle, Vereinbarungen der Satzungen werden vorher per Beschluss gestrichen. Nach der Auflösung wird das Vermögen auf die verbleibenden Mitglieder verteilt. Das bedeutet jede/r bekommt eine Wohnung oder eine erhebliche Summe Geldes aus dem Verkaufserlös. Ganz einfach, so eine Privatisierung.
Fördermittel des Landes Berlin? Geleistete Selbsthilfe ehemaliger Bewohner? 30 Jahre aus Mieten getilgte Darlehen? Finanzielle Unterstützung von Freunden des Hauses aus der Gründungsphase? Pech! Das fließt den Mitgliedern zu, die den Verein/die Genossenschaft auflösen – und das müssen nicht unbedingt die Mitglieder der ersten Stunde sein. Auch wer nur wenige Jahre im Haus wohnt und Mitglied wurde, wird „bereichert“. Das Haus ist wieder „auf dem Markt“. Jede/r neue Käufer*in bezahlt den (derzeit sehr hohen) Marktpreis und daraus resultiert wiederum eine Miete an der Oberkante des Marktes.
Die Leute aus dem Wohnhaus der Regenbogenfabrik haben das Gebäude an die Mietergenossenschaft SelbstBau e.G. übergeben. Mit ihr als Erbbaurechtsnehmerin ist die Gefahr einer Privatisierung sehr gering, weil die Genossenschaft aus 28 Häusern besteht, ein Auflösungsbeschluss also viel schwerer zu erwirken sein wird. Durch den Kauf des Grundstücks durch die Stiftung trias ist zudem eine unabhängige Dritte in der Konstruktion, die durch die Zweckbindungsklausel, sowie Vor- und Ankaufsrechte einschreiten kann, sollte doch ein Verkauf geplant sein.
„Bezahlbarer“ Wohnraum für alle? Auch hier türmen sich Fragen auf.
„Unsere“ günstigen Mieten sind „gesichert“. Was ist mit vielen anderen Berliner*innen, die auch so günstigen Wohnraum bräuchten? Die Kostenmiete alter Projekte liegt oft unter vier Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Mieten im Neubau oder in renoviertem Altbau auf dem freien Markt liegen über zwölf Euro. Wäre es so undenkbar bei Wohnungswechsel acht Euro zu berechnen? Von einer solchen Miete würden viele noch träumen. Was der Genossenschaft übrig bleibt geht in eine Rücklage zur Schaffung neuer, bezahlbarer Wohnungen. Oder ist „das Hemd näher als der Rock“ und „Hauptsache ich bin versorgt“. Ich habe so wenig Einkommen, mir muss geholfen werden?
Die Stiftung trias kennt diesen Widerspruch und weiß, wie schnell der Genossenschaftsauftrag „die eigenen Mitglieder zu fördern“ in Selbstversorgung umschlägt. Wenn Jede*r für sich sorgt, ist schließlich für alle gesorgt?! Der Erbbauzins aus dem Grundstück dient den Stiftungszwecken. So kann für ein neues Projekt ein Grund gekauft werden und über einen niedrigen Erbbauzins auch wieder günstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Die Stiftung muss ihre Erträge für gemeinnützige Zwecke verwenden. Insofern stellt sie den Gegenpol zum Genossenschaftsgedanken dar. Eine Polarität, die sich aufs Schönste ergänzt. Der Erbbauzins läuft 99 Jahre und länger? Ja! Das ist so gewollt. Solidarität ist auch eine Frage von Ökonomie und nicht nur von Sonntagsreden und Festschriften. Nur wenn auch Geld fließt, können „alle“ auch bezahlbaren Wohnraum erhalten.
Rolf Novy-Huy, Mitgründer und Vorstand der Stiftung trias
My name is Lukasz Lachowicz, and I was born and grew up in Szczecin, Poland. I live in New Zealand now.
When Regenbogenfabrik came to life in 1981 I was only 10 years old, still living far away on the other side of the Iron Curtain in communist Poland. Little did I know that some 150 km west – yet light years away in many respects – a group of people was coming together as Renegbogenfabrik in Kreuzberg, and that one day they would become an inseparable part of my life’s story!
That story and my connection with Regenbogenfabrik started with Christine Ziegler in 1998.
I first met Christine when she came as a Regenbogenfabrik “ambassador” to the local fair of non-government organisations in my hometown of Szczecin in Poland. She was looking for contacts with similar people, similar communities, trying to build a link between Szczecin and Berlin.
I remember that the fair was at our beautiful historic Renaissance castle, it was cold, gloomy and raining outside (no rainbows, unfortunately), but I also remember being very inspired by the whole core idea of Regenbogenfabrik: that a group of friends can stay together, commit themselves to building a lasting home together, living as a community where there is a place for everyone and sustain themselves over the years through social projects in a local community. it was visionary and ahead of its time. I was fascinated. I wanted to learn more.
Very soon after I visited Regenbogenfabrik for the first time with my partner Andrew (who was a New Zealander), met Christine again, met her Lieblingsoekonom Martin, and the others from the Essensgruppe. Friendship grew quickly. Many subsequent trips / visits followed, both in Poland and in Germany. We did many wonderful cycling trips and walking trips, including in the Tatra mountains in Poland. We cooked and sat over some spectacular and epic Kochevents at Regenbogenfabrik! What grew from those encounters has been an amazing and a precious friendship that has lasted for more than 20 years.
Of course, we kept in close touch even after I moved to New Zealand 21 years ago. In 2006 Christine and Martin came for a visit to New Zealand and the four of us stayed in Marlborough Sounds and we walked the beautiful Heaphy Track in the South Island.
I always visit Regenbogenfabrik and stay with Christine and Martin in Berlin each time I travel back to Europe – it would be unthinkable not to see them if I come anywhere near Poland! They have become a part of life’s rich tapestry, or a part of a woven cloth, metaphorically speaking. Great things have small beginnings.
Looking back over the years, I think I was blessed on that rainy day in Szczecin in 1998. As years go by I appreciate my connection with Regenbogenfabrik very dearly. Precious friendship. Long may it continue despite the passage of time, despite the physical distance, and despite COVID!
Von der „Freistadt Barackia“ 1872 über die gelungene Besetzung einer verlassenen Fabrik bis hin zur heutigen Diskussion um Gentrifizierung in Kreuzberg spannt sich der Bogen der Auseinandersetzung um Mieterrechte und bezahlbare Lebensräume. „Wir bleiben alle“ lautet auch heute das Motto der Regenbogenfabrik. Das denkmalgeschützte Ensemble rund um das ehemalige Dampfsägewerk von 1877 ist Symbol für die im 19. Jahrhundert entstandene Kreuzberger Mischung.
Zum Tag des offenen Denkmals im September 2011
Zeigten wir unsere Ausstellung
Kreuzberger Ansichten 150 Jahre Alltag und Veränderung Ausstellung
Hier ein paar Textauszüge:
„Schon seit Ende des Winterhalbjahres 1870/71 fiel in Berlin zunehmend die Obdachlosigkeit nicht nur einzelner Personen, sondern ganzer Familien auf, in deren Folge vor den Toren Berlins Barackensiedlungen entstanden waren; die erste im Sommer auf dem Tempelhofer Feld. Später folgten weitere „wilde Siedlungen“ – von den Berlinern BARACKIA genannt – vor dem Frankfurter, dem Landsberger und dem Kottbusser Tor. Auf wüstem Gelände hatten Wohnungslose Parzellen abgeteilt und aus Brettern, Fenstern und Türen von Abrissbaustellen, an denen oft noch Reste alter Tapeten oder Ölfarben klebten, notdürftige Unterkünfte gezimmert. Manche Hütten hatten einen Anbau mit Vorratsraum und Küche, aus dem das herausgesteckte Ofenrohr qualmte.“(aus: Eduard Bernstein: Die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung, Berlin 1907)
Situation
Noch bevor Berlin Kaiser- und Reichshauptstadt wurde, wuchs mit dem rasanten Anstieg der Industrieproduktion auch die Bevölkerung: von 613.000 im Jahre 1860 auf 824.000 ein Jahrzehnt später. Im Krieg 1870/71 fand praktisch kein Wohnungsneubau statt, die Zuwanderung jedoch hielt unvermindert an. Manche Berliner Stuben waren von drei Familien belegt. Die Behörden ließen obdachlose Familien auf städtischen Holzplätzen provisorisch unterkommen. Die in Beschlag genommenen Baracken auf dem Tempelhofer Feld waren ursprünglich Holzhäuser für kranke französische Kriegsgefangene. Was sich „vor dem Kottbuser Tor auf der Schlächterwiese und vor dem ehemaligen Landsberger Tor hinter dem Friedrichshain“ abspielte, wurde in der damaligen Presse sehr bildhaft beschrieben, die gutbürgerliche vermarktete die aus der Not geborenen Zustände „mit einem Hauch von exotischer Gemütlichkeit“. Da hieß es: “Die Leute sind zufrieden, erfreuen sich ihrer selbsterbauten Heimat, haben sie vielfach mit Gärtchen geschmückt, Flaggen mit den Reichsfarben und dem Reichsadler wehen lustig auf einigen Hütten …“ Die ungeschminkten Gründe für den „Umzug“ tausender Menschen in Bretterhütten wurden selten genannt.
Die Obrigkeit reagierte auf ein ihr ungeheuerliches und unangenehmes Geschehen (damals wie heute) mit Kriminalisierung. Recht offensichtlich war für keine der Notunterkünfte ein Bauantrag gestellt worden. Obgleich es mehrere Delegationen von Barackia gab, die beim Berliner Oberbürgermeister wie auch beim Polizeipräsidenten ihr Bleiberecht oder lebbare Alternativen einforderten, wurden die Hütten im August 1872 „als ihre Insassen nicht gutwillig gingen“ mit Polizeigewalt abgerissen. Den Vertriebenen wiesen sie das „Arbeitshaus“ am Alexanderplatz – allgemein als Tiefpunkt des sozialen Abstiegs angesehen – als vorläufiges Obdach zu. Am Planufer vor dem Kottbusser Tor, wo kurz davor noch 150 Hütten standen, begann die Bebauung mit vornehmen Bürgerhäusern.
Widerstand
Die Barackenplätze wurden auf direkte Order von Kaiser Wilhelm I. geräumt, der aus seinem Kurort Wiesbaden angesichts der „Blumenstrassenkrawalle“ seinen Innenminister anwies, die Vorgänge in Berlin „nicht als Bagatelle“ zu behandeln.
Was war geschehen: Im Juli 1872 befand sich Berlin, wie im Neuen Social-Demokrat zu lesen war, „fast ohne Unterbrechung im Zustande der Revolte, die bald hier, bald dort in den einzelnen Stadtvierteln sich geltend machte.“ Es gab unzählige Beispiele, wie Hauswirte unter allen möglichen Vorwänden versuchten, bestehende Mietverträge aufzukündigen, um am steilen Höhenflug der Mieten teilzuhaben. Diese Vermieterwillkür stieß auf heftigen Widerstand der Hausbewohner*innen, so auch in der Blumenstrasse am Strausberger Platz, als ein armer Tischler auf die Strasse gesetzt wurde. Die Folge war „eine gewaltsame Säuberung, welche durch Berittene und Schutzleute zu Fuß bewirkt wurde“. Als wenige Tage später Feuerwehr und Polizei begannen, die Baracken der Obdachlosen vor dem Frankfurter Tor niederzureißen, war das ganze Stadtviertel in Aufruhr: „Die Masse warf überall die Gaslaternen ein, hob die Rinnsteinbohlen aus und bildete aus denselben Barrikaden… Der Polizei wurde heftiger Widerstand entgegengesetzt; aus vielen Häusern wurde mit Steinen, Flaschen und dergleichen auf sie geworfen… Man zerschlug die Straßenlaternen, brach die Brenner ab und entzündete das ausströmende Gas, so dass mächtig auflodernde Flammen von den verübten Gewalttätigkeiten weithin Kunde gaben.“
Quellen: Kurt Wernicke: in http://www.luise-berlin.de und Joachim Berger: Kreuzberger Wanderbuch. Wege ins widerborstige Berlin
Wenn wir heute durchs Internet stromern, finden wir erneut interessante Aufbereitungen der alten Quellen: