Gentrifizierung | Die Auseinandersetzung läuft in vielen Orten

Gelegentlich landet in meiner Mailbox der Hinweis auf das Untergrund-Blättle. Lesestoff, der immer wieder interessant ist. Exemplarisch deshalb heute dieser Link auf einen Beitrag aus dem letzten Monat:

Viel Spaß beim Lesen und weiterblättern. Und vielleicht habt ihr Lust, die Auswahl zu kommentieren? Schreibt uns unter kontakt@regenbogenfabrik.de

Künstler:innen des Tages – Klangstrukturen

1. Wie heißt ihr (und wie viele seid ihr)?

“Klangstrukturen”

2. Wie beschreibt ihr, was ihr macht?

“Neuartige Kammermusik”

3. (Seit wann seid ihr zusammen und) wann wart ihr das erste Mal in der Regenbogenfabrik?

In der Regenbogenfabrik waren wir das erste Mal im Mai 2016.

4. Spielt ihr lieber drinnen oder draußen?

Vor allem drinnen.

5. Was erwartet ihr von eurem Publikum? Singen, klatschen, tanzen?

Klatschen ist absolut ausreichend 🙂

6. Was ist euer wichtigster Corona-Fluch?

(…).

7. Was wünscht ihr euch und uns für die Zukunft?

Keinen Lockdown mehr für Kultur !!!

8. Seid ihr auch in anderen Formationen unterwegs, die vielleicht auch ins Regenbogenprogramm passen?

Mit vielen internationalen Musiker*innen.

Künstler*innen des Tages – Yaëlle Dorison – bzw. Madame Ciboulette Klimbim

1. Wie heißt Du/ihr (und wie viele seid ihr)?

Yaëlle Dorison  – bzw. Madame Ciboulette Klimbim (meine Clownin). Wir sind also mindestens zwei Wesen, die sich einen Körper teilen.

2. Wie beschreibt ihr/beschreibst Du, was ihr macht/du machst?

Seit mehr als 20 Jahren trage ich die kleinste Maske der Welt – die rote Nase – mit mir rum.

Ich mache am liebsten Quatsch mit Menschen, weil meine Kunstform ja in Begegnung stattfindet.

Als Clownin erzähle ich gern Geschichten an vielen verschiedenen Orten – im Pflegeheim, auf der Straße, im Theater, in der Schule oder mitten im Wald – Jeder Ort ist magisch.

3. (Seit wann seid ihr zusammen und) wann wart ihr/warst du das erste Mal in der Regenbogenfabrik?

Es ist schon 18 Jahre her. Glücklicherweise dürfte ich für ein Jahr in der Regenbogenfabrik leben. Was für ein Geschenk! Diese Zeit hat einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen.

Seitdem komme ich immer gern wieder hier. Mal einfach zu Besuch – aber auch zum Singen, meine Bilder ausstellen oder um ein Clownstheaterstück zu spielen.

4. Spielst du/spielt ihr lieber drinnen oder draußen?

Ich spiele überall gern. Hauptsache, ich kann dem Publikum in die Augen schauen.

5. Was erwartet ihr/erwartest du von eurem/deinem Publikum? Singen, klatschen, tanzen?

Wenn das Publikum Emotionen erleben kann, bin ich zufrieden. Und wenn sie noch dazu lauthals lachen können, dann ist es wunderbar. Schön ist es auch, wenn das Publikum seelisch berührt wird und mit leichteren Füßen nach dem Auftritt für eine Weile durch die Welt hüpfen kann.

6. Was ist euer/dein wichtigster Corona-Fluch?

Es ist kein Fluch, sondern ein Leitmotiv: „Lachen ist Systemrelevant!“

7. Was wünscht ihr euch/du dir und uns für die Zukunft?

Ich wünsche mir in jeden Stadtteil, jeden Pflegeheim und jeden Krankenhaus und auch in jeder Schule Begegnungsclown*innen,

weil…

sie Emotionen wecken,

sie im Kontakt kleine Wunder entdecken,

das Clownsein ganz einfach berührt!

8. Bist du/seid ihr auch in anderen Formationen unterwegs, die vielleicht auch ins Regenbogenprogramm passen?

Ich habe ein Stück mit anderen Künstler*innen und das würden wir auch gern im Regenbogenprogramm spielen. Besonders mit der Märchenerzählerin Jule Richter kann ich es mir sehr gut vorstellen. Wir haben schon ein paar Geschichten zusammen getragen und es war jedes Mal sehr schön, wie hier zum Beispiel:

Kadyrs Glück

RegenbogenKino | Katjas Blog-Eintrag

Regenbogenkino – mir wird schon ganz warm zu Mute, wenn ich das Wort höre oder nur daran denke. Und damit verbunden – die Regenbogenfrauen. Chris, Johanna und Christine, die Seelen dieses Kunst- und Begegnungsraumes.

Ich bin durch mein Engagement im ‚Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin‘ ins Regenbogenkino gekommen. Wir waren auf der Suche nach einem Ort für regelmäßige Veranstaltungen, für unseren ‚Griechischen Salon‘. Da kam uns das Regenbogenkino in den Sinn und sofort war klar: das isses! Und das war’s.

Man kann es hier im Blog nachlesen, was wir so veranstaltet haben. Das alles nachzufühlen – da wird es schon schwieriger, wenn man’s nicht erlebt hat. Regenbogenfrauen und Griechenlandsolis, schnell ein eingespieltes Team. Das Buffet Berliner Griechenlandspezialitäten ist die Konstante. Die Veranstaltungen sind divers – Vortrag und Diskussion, Musik, Literatur, Film. Immer mit Herzblut, mit Leidenschaft organisiert. Und der Funke springt über. Es sind lebendige Abende, oft bis spät in die Nacht. Keine perfekt durchgestylten Events. Gläserklirren im Hintergrund, Lachen, Streit, Tränen auch.

Neben den zahlreichen ‚Griechischen Salons‘ wird die Vorstellung des neuen Buches von Doğan Akhanlı „Madonnas letzter Traum“ zu einem besonderen Abend für mich. Dieser Roman verknüpft die Situation geflüchteter Juden, die 1942 vor der Türkischen Küste ertranken, mit den Opfern unterlassener Hilfeleistung im Mittelmeer unserer Tage. So bedrückend die Geschichte und die Aussage und dennoch viel Humor in diesem Buch – all das lebt in der dichten Atmosphäre dieses Abends, an dem Doğan Akhanlı, Recai Hallac und ich gemeinsam aus dem Buch lesen und dann mit dem Publikum diskutieren. Begleitet von Patrick Reerink mit seinem Cello.

Für mich persönlich ergibt sich außerdem die Möglichkeit, weitere Veranstaltungen zu organisieren, die nicht direkt mit Griechenland verbunden sind. Anfangs gemeinsam mit meiner wunderbaren Gruppe über die Situation der Geflüchteten in Griechenland. Dann mache ich mich selbständig mit Abenden zum Asylrecht, Initiativen der Geflüchtetenhilfe. Nicht vergessen werde ich einen Filmabend über ein Abschiebegefängnis in Süddeutschland. Unsere Gäste erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen von Flucht und Inhaftierung. Von ihrer nach wie vor unsicheren Situation hier. Keine Fiktion mehr, Realität eines Lebenskampfes, vor der wir Zuhörer uns für diese Stunde des Zusammenseins nicht schützen konnten. Das ist in mir geblieben. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich diese Veranstaltungen organisieren durfte. Dass mir das Vertrauen entgegen gebracht wurde und all die Unterstützung.

Voriges Jahr gab es nun dieses abrupte Ende. Unterbrechung, möchte ich hoffnungsvoll berichtigen. Und da kann ich diesen Beitrag nicht beenden, ohne anzufügen, dass ich das Gefühl habe, meine politische Heimat verloren zu haben. Initiativen und Gruppen, mit denen ich sympathisiert, die ich unterstützt und mit denen ich mich verbunden gefühlt habe – ich reibe mir bis heute fassungslos die Augen über unkritisches Folgen und die Verteidigung von autoritärem und selbstherrlichem Regierungshandeln. Über die Diskreditierung Andersdenkender, in einer Zeit, in der Meinungsstreit so wichtig gewesen wäre. Über die Weigerung, eigene Positionen zu erarbeiten. Ich habe sie zumindest nicht wahrgenommen. Das fehlt und diese Lücke zu schließen wird nicht einfach, meine ich. Weil es ja nicht nur um ein Virus geht. Es gibt so viel zu verstehen, so viel zu tun. Ich hoffe, wir sitzen recht bald wieder zusammen im Regenbogenkino und können über all das reden. Ich glaube, das ist der allerbeste Ort dafür.