Reichenberger Schätze

Quer zur Lausitzer Straße, wo unsere geliebte Fabrik liegt, verläuft die Reichenberger Straße. Mehr als 2 Kilometer lang und voll verschiedener Gewerbe, diese Straße kann man als klassische Berliner Straße bezeichnen. Doch es gab eine Zeit, in der die Straße ein bisschen zu sehr vernachlässigt wurde.
Von der Stadt gab es keine Initiative, um diesen Ort als schönen Lebensraum aufzuwerten. 1986 jedoch hat die Stadt – zusammen mit der Internationalen Bauausstellung – einen Wettbewerb gestartet, um dies zu ändern. Der Umbau der Straße begann 1985, um der Straße mehr Grünfläche zu geben, den Verkehr zu entschärfen, um mehr Gehwege und Fahrradwege zu ermöglichen und das Pflaster zu erneuern. Abgerundet wurden diese Anstrengungen mit einem Künstlerwettbewerb: Mosaiken zur Verschönung der Straße!

Links und rechts der Reichenbergerstraße, sechszehnmal der Blick ins Innere der Blöcke“

„Aufgabe des Wettbewerbs war es, in Wiederaufnahme und zeitgemäßer Interpretation der alten Berliner Tradition Mosaikfelder auf den Gehwegen der Reichenberger Straße künstlerisch zu gestalten.“

Wer sich schon mal einen Spaziergang in der langen Allee gegönnt hat, ist vielleicht schon über ein paar dieser Kunstwerke gestolpert. Wie vom Titel des Wettbewerbs angekündigt, wurden 16 Mosaiken geplant, die einen Einblick in die reiche Geschichte der Straße ermöglichen und sie mit ihrer Gegenwart verbinden. Es scheint, dass nur 15 Mosaike realisiert wurden, den Grund dafür habe ich aber nicht gefunden.

Auch die Regenbogenfabrik hatte Teil des Projektes sein sollen, in dem es durch ein Mosaik zum Thema „ein Nachbarschaftszentrum überwindet Bauspekulation / Hausbesetzungen“ dargestellt sein sollte. Aber der Entwurf schied im Auswahlverfahren leider aus.

Vermutlich wurde dieses Projekt um den Zeitraum der Wende ausgeführt, aber ganz sicher bin ich mir nicht, da es schwierig war, ausführliche Information dazu zu finden. Wer es besser weiß, ist herzlich willkommen uns darüber mehr zu erzählen!

Die Kunstwerke stellen vielfältige Seiten der Geschichte der Straße dar. Die Mosaiken erzählen beispielsweise von der Arbeiterbewegung, von der Großen Berliner Pferdebahn, die ihr Depot in der Manteuffelstraße hatte und in der Straße bis 1896 fuhr, oder auch von der Klavierfabrik von Carl Bechstein.

Auf diesem Bild kann man die Blockverteilung der Straße sehen:

Und das sind die verschiedenen Themen, die ich durch meine Detektivarbeit nachvollziehen konnte:

Blöcke 142 und 148: „Pflaster/Kirche mit sozialem Engagement“ von Nobuho Nagasawa, Symbolhafter „Mosaikstrom“ ähnliche zur Schlangen in zwei korrespondierenden Wellenlinien beidseitig der Reichenberger Straße.

Block 147: „Nachrichtentechnik – damals und heute/Frauenarbeit“ von Lutz Werner Brand, Eckiges Mosaikfeld mit einem Kreis in der Mitte, wo eine Hand einen Telefonhörer hält.

Block 141: „Mehr grün in der Stadt (Höfe in Kreuzberg)“ von der Schulgruppe Ernst-Abbe-Oberschule, Darstellung des Blockes durch Vorderhausfassaden in einem Grünbereich gelegt.

Block 145: „Der Kampf um die Feuerwache und die Pumpe“ von der Gruppe Pflastertrost, Abbildung eines kaputten Schornsteins, umgeben von Regenbogensplittern.

Block 139: „Klavierfabriken in Berlin“ von Irene Niepel, verschiedene Klaviertastaturen.

Block 138: „Arbeiterbewegung“ von Werner Mühlbrecht, Darstellung eines Steinsetzers mit einer Taube über den Kopf.

Block 144: „Vom Milchgeschäft zum Supermarkt“ von Hanefi Yeter, Abbildung verschiedener Phasen des Geschäftes, Kuh mit Melker/Verkäufer/Käufer.

Block 144: „Vom Milchgeschäft zum Supermarkt“ von Lutz Werner Brand, Achtecke mit den Überschriften „Brot, Käse, Milch, Butter“.

Block 107: „Pferdebahn – Straßenbahn“ von Friederike Kilian, Schienen mit Pferdehufen.

Block 107: „Arbeiterbewegung“ von Walter Kronstein, 16 Kacheln mit verschiedenen Werkzeugen einbetoniert.

Block 106: „Von den Gartenbaufeldern zum Mietkasernenblock“ von Silvia Klüge und/oder Bärbel Rothhaar, Kombination von mehreren Elementen, Balken auf einer Seite und Schaufel/Pflanzen auf der anderen, leider sehr beschädigt; deswegen nicht mehr so gut erkennbar.

Block 108: „Kreuzberger Mischung: Luisentheater-Wohnhaus-Spezialisiertes Gewerbe“ von der Gruppe Pflastertrost, 3 Standorte und Mosaikdarstellungen: Rosette mit SO36 und Kreuzberg geschrieben, kleine abstrakte Braun/Weiße Mosaik und Große bunte Mosaike aus unterschiedlichen Formen.

Ich zähle also nur 12 Mosaikgesamtwerke und bin mir unsicher, ob die 15 dokumentierte Mosaiken so gezählt wurden, dass die mehrteiligen Projekte auch als einzelnen gezählt wurden. Andere Themen wurden in der Dokumentation auch genehmigt, aber diese habe ich in meinen Spaziergängen rauf und runter durch die Allee trotzdem nicht gefunden:

  • Badevergnügen (Block 143/149)
  • Kinder in der Großstadt (Block 146)
  • Selbsthilfe im Quartier/Widerstand (Block 140 aber wurde vermutlich in der Mosaik des Blocks 107 einbezogen)
  • Einwanderung damals und heute (Block 138)
  • Zerstörung von Geschichte- Kriegszerstörung, Angst und Schrecken des Bombenangriffs/Krieg gegen Bewohner (Block 88)

Es gibt nicht viel Dokumentation zu dem Projekt, deswegen entschuldige ich mich im Voraus, wenn manche Informationen fehlerhaft sind. Zu den mageren Quellen gehören offizielle Dokumente, die in den Archiven des Friedrichshain-Kreuzberg-Museums zu finden sind: Und es gibt diesen Artikel in der Kreuzberger Chronik, der den Bau der Mosaiken auch nach dem Fall der Mauer datiert:

„Die Reminiszenz im Straßenpflaster ist Teil eines Kunstprojektes, das nach dem Fall der Mauer ins Leben gerufen wurde, um das Image der Schmuddelstraße etwas aufzupolieren. 15 solcher Mosaike waren »links und rechts der Reichenberger Straße« im Pflaster des Trottoirs entstanden und sollen Spuren in die Vergangenheit aufzeigen.
Verschiedene Künstler schufen Straßenbilder von spielenden Kindern, wiesen mit einer schwarz-weißen Klavier-Tastatur auf die dortige Klavierfabrik von Carl Bechstein oder mit einer Friedenstaube auf das nahe gelegene St. Marien-Krankenhaus hin. Die Worte »Brot, Käse, Butter, Milch« sollen an die Bäcker, Metzger, Milch- und Gemüseläden erinnern, in denen einst alles Lebensnotwendige in der Straße verkauft wurde. Ins Pflaster eingelassene Werkzeugschlüssel und Maschinenteile sind eine leise Reminiszenz an die glorreiche Gründerzeit und die anschließende Arbeiterbewegung, die auch in der Reichenberger Straße mit ihren Produktionsstätten in den Hinterhöfen ihre Spuren hinterlassen hat.“

Auf jeden Fall den Anblick wert und es ist schön, mal zu wissen, worauf wir treten, wenn wir diese Straße entlanglaufen: nicht nur Steine, sondern auch Geschichte.

https://www.kreuzberger-chronik.de/chroniken/2013/oktober/strasse.html

Weitere Quellen:

https://www.rbb-online.de/heimatjournal/videos/reichenberger-strasse-zwischen-trubel-und-ruhe.html

https://berlin.museum-digital.de/?t=objekt&oges=43502

https://berlin.museum-digital.de/singleimage.php?resourcenr=86844

https://fhxb-museum.de/xmap/media/S7/T1791/U22/text/fhxb_spk_gutber_00407_72.pdf

Charlotte Castillon-Weiss

1984 | Spekulantenschicksal: Vogel frei Braun sitzt

1976 schien für die Wohnbau-Design die Welt noch in Ordnung: Innerhalb kürzester Zeit wurde diese Gesellschaft zum größten privaten Hauseigentümer in Kreuzberg. Die Steuermillionen für Abriss und Modernisierung flossen unaufhörlich. Heute, gerade acht Jahre später, steht diese in Kreuzberg unrühmlich bekannt gewordene Gesellschaft vor einem Scherbenhaufen: Von den drei Gründungsgesellschaftern ist nur noch einer übrig: Joachim Vogel. Sein erster Partner Willi Freitag musste sich bereits 1979 ins Ausland absetzen. Er wurde per Haftbefehl gesucht. Wegen Steuerhinterziehung. Anfang Oktober diesen Jahres war es mit Peter Braun auch vorbei. Er sitzt in Untersuchungshaft. Ebenfalls wegen Steuerhinterziehung. Die dunklen Geschichten und Affären um die Wohnbau-Design – auch i Südost Express oft beschrieben und aufgedeckt – nehmen kein Ende. Dos es scheint bald ein Ende zu geben: Die Zeichen stehen auf Sturm!

Weiterlesen:

Fundsache | ein taz-Artikel über das soziokulturelle Zentrum Regenbogenfabrik

An Wochenenden stehen öfter mal Pärchen in schicken Mänteln vor der Lausitzer Straße 22 und denken: Hier sind wir irgendwie falsch. Eigentlich wollten sie ins „RegenbogenKino“; in der Zeitung haben sie gelesen, es käme ein Film von Wim Wenders, aber hier ist Baustelle und alles dunkel.

Wahrscheinlich finden sie im Hinterhof nach einem Weilchen den hell ausgeleuchteten Türrahmen, „Kino“ ist drangesprüht, das Pärchen geht befremdet die Treppe rauf, landet auf alten Sofas vor einer respektablen, richtig professionellen Leinwand.

Schwellenangst vor „Kultur“-Veranstaltungen oder gar vor‘m Kino haben sie sich eigentlich längst abgewöhnt, aber in der Regenbogenfabrik, da kommt sie plötzlich wieder hoch. Es sind verkehrte Welten, wenn ein ganz normales altes Fabrikgebäude den Filmfans schon komisch vorkommt. Der neue deutsche Schick ist ihnen viel vertrauter.

Die Kinder aus der Nachbarschaft dagegen haben diese Schwellenangst vor der Fabrik überhaupt nicht. Sie kennen die Gebäude wie ihre Westentasche, und genau wie die Tasche hat auch die Fabrik immer ein Loch: Zum Abhauen, zum Verstecken. Die Fabrik ist ihr Spielplatz, sie wissen, dass es drei Treppenaufgänge, rund zehn Türen nach draußen gibt, wie man wohin entkommt und wo man sich wieder über den Weg läuft. Mal hilft einer der Jugendlichen im RegenbogenCafé, mal will einer in der Fahrradwerkstatt ne chicke Zange mitgehen lassen.
„Kultur“ fängt in der Regenbogenfabrik ein gutes Stück weiter unten an als im Café Einstein oder in der Deutschen Oper. Sie fängt damit an, dass eine ganze Menge Leute – 30 Besetzer mit ihren acht Kindern aus den Wohngebäuden nebenan und noch mal genauso viele Aktive aus dem Kiez – einen Freiraum auf der Fabrik erkämpfen wollen gegen die Neubaupläne des Vogel-Braun-Konzerns. Kultur fängt damit an, dass das Dach über’m Kino mit Hilfe mühsam zusammengekratzter Gelder regendicht gemacht wird. Dass auf den kiezbekannten Fabrikfesten die türkische Theatergruppe der Schaubühne genauso spielt wie die „Panzerknacker“ oder eine der Musikgruppen, die im Übungsraum der Fabrik proben.

Am Anfang, als im März 1981 besetzt wurde, stand die Lust am Kollektiv und eine Idee: Kultur-, Kinder- und Nachbarschaftszentrum. Die nächsten zwei Jahre politischer Auseinandersetzung boten alles inklusive: von der Brandstiftung durch Rechtsradikale bis zur Mauschelei in den Senatsverwaltungen, bei der die Regenbogen-Leute lernten, wie Politiker falsche Hoffnungen wecken können. Jetzt droht am 1. Dezember die Räumung. Vogel/Braun hat mit einem unbezahlbaren Pachtvertrag ein Scheinangebot gemacht; bloß, wenn der Senat sich zum Kauf entschließt, kann das Projekt gerettet werden. Ob der Senat allerdings ein Fünkchen Bereitschaft zeigt, darüber werden die Regenbogen-Leute im Unklaren gelassen. Kunz und Lummer halten ihre freundlicher gesinnten Amtskollegen im Zaum.

In der Zwischenzeit, wenn die Aktivisten mal gerade nicht um die politische Durchsetzung ihres Projektes kämpfen, kämpfen sie um die Ordnung auf dem Fabrikhof und um mehr Grün gegen die baulichen Schwierigkeiten. Und auch für Kultur im Kreuzberger Hinterhof.
Die Regenbogenfabrik hat sich seit März 1981 – manchmal mit Hängen und Würgen, manchmal mit Lust und Laune – bis heute gehalten.

Und das ist eigentlich schon ein Wunder.
Die Fabrik ist zu einem Symbol geworden, ebenso wie sie einen Nutzen im Alltag einer ganzen Menge von Leuten darstellt.

Dass die Regenbogenfabrik so einen Symbolcharakter für Stadtteilarbeit und Widerstand im Kiez bekommen hat, hängt sicher auch damit zusammen, dass sie nicht nur einen Raum für Gruppenaktivitäten darstellt, sondern dass von ihrem Bestand auch der Lebensraum der Besetzer im benachbarten Hinterhaus und Seitenflügel abhängt. Hier geht es nicht nur um „Projekte“, da ist kein Kommen und Gehen, sondern die Leute sind zum Teil so eng mit der Fabrik verwachsen, dass ihnen schon der Gedanke an ein Ende nicht denkbar ist. Für einige Leute bedeutet das Ende der Fabrik der Zusammenbruch ihrer gerade gewachsenen Lebenszusammenhänge.
Da wären manche echt am Arsch.

Durch das deutsch-türkische Selbsthilfeprojekt „Lausehaus“ im Vorderhaus Lausitzer Straße 22 wäre der Zusammenhang von Leben und Arbeiten noch enger geworden, außerdem wären mehr Ausländer ins Projekt gezogen worden. Jetzt wird das Haus luxusmodernisiert. Von den Leuten, die um die Regenbogenfabrik leben, kam in den vergangenen Jahren immer wieder die Power, über den Alltagstrott hinaus mal was auf die Beine zu stellen.

So wurden an einem Wochenende über 1000 Fahrräder, die der Senat über den Verein SO 36 abgab, hier von der rasch erfundenen „Gesellschaft Pedale und Randale“ vertrieben: nie waren wohl so viele „Normalbürger“ auf einmal im „besetzten Teil Berlins“.
Ein anderes Mal packten die Fabrik-Leute zusammen mit der Kiezprominenz von Jugendstadtrat König bis zu Gustl Roth, Superintendent der Evangelischen Kirche Kreuzbergs – mit Schaufel und Hacke an, um auf dem Fabrikhof mehr Grün zu schaffen. 50.000 Mark und unzählige Arbeitsstunden stecken inzwischen in der Fabrik. Es gab natürlich auch viele Ansätze zur Nutzung, die in baulichen oder persönlichen Schwierigkeiten steckenblieben. Sechs Gruppen haben durchgehalten: die starken Männer der Fahrradwerkstatt, die zusammen mit dem Stadtteilzentrum Lausitzer Straße organisiert wird; die Tischlerei „Holznagel“, die von ihrem Vorgänger „Kahlschlag“ (so heißt sie wirklich!) den ziemlich perfekten Maschinenpark übernommen hat; mehrere Musikgruppen, die sich einen Übungsraum eingerichtet haben; das Regenbogenkino mit Heizungsproblemen und einem echt tollen Programm – es ist Mitglied im Verbund der Off-Off-Kinos; die Babygruppe, die – als einziges Projekt auf der Fabrik – öffentlich gefördert wird; schließlich als Dreh- und Angel- und Treffpunkt das Vereins-Café im Vorderhaus Lausitzer Straße 22a, wo Bauarbeiter, auch underdogs, und vor allem nette Leute Kaffee und Zeitungen konsumieren.
Mittwochs beim Fabrikplenum sitzen all diese Gruppen zusammen – und noch mehr: jetzt z.B. türkische Jugendliche, die den Fußballclub „Regenbogen“ gegründet haben und einen weiteren Raum herrichten.

Die Mischung auf dem Plenum ist oft explosiv. Eigentlich verlangt die Fabrik mehr Arbeit, als die Leute leisten können. Da außer der Babygruppe nichts öffentlich gefördert wird, bleibt über die konkrete Arbeit in der einzelnen Gruppe oft keine Kraft – oder Lust – übrig für grundsätzlichere Dinge. Die Fabrikleute legen Wert darauf, dass sie öffentliche Arbeit für die Nachbarschaft leisten wollen. Damit haben sie sich aber einen Klotz ans Bein gebunden, weil das Projekt trotz seiner öffentlichen Nutzung als besetzt gilt und man deshalb keine Finanzmittel bekommen kann, durch die z.B. Kinderarbeit oder Kulturveranstaltungen leichter zu organisieren wären. Das, was von den Leuten fürs Gesamtprojekt getan wird, reicht einigen, die diesen hohen Anspruch nicht aufgeben wollen, nicht – und dann kracht‘s. Der Senat hat bisher seine Position, selbst einzelne Projekte auf der Regenbogenfabrik von jeder Förderung auszuschließen, nicht revidiert. Da hat auch die politische und planerische Unterstützung der Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg, der IBA und vieler anderer nichts geholfen.

Aber es ist ja nicht eine finanzielle Frage, ob das Projekt unterstützt wird. Das Entscheidende ist, ob der Senat politisch soweit unter Druck gesetzt werden kann, dass er sich zum Kauf der Fabrik entschließt; nur dieser würde das Projekt langfristig sichern, und damit hätte der Senat die Bedürfnisse von unten, die Strukturen im Stadtteil ausnahmsweise mal respektiert. Was nämlich die Regenbogenfabrik vielen anderen Projekten voraus hat, ist, dass sie sich eben völlig von unten, von Initiativen aus dem Kiez her entwickelt hat. Das geschah natürlich schon deshalb, weil von „oben“ nichts kam, was das Projekt insgesamt abgesichert hätte, aber damit ist immerhin ein Netz entstanden, das es in anderen Kulturzentren aus der Retorte nicht gibt.
Die Tischlerei macht die Fenster im Kino, im Café wärmen sich die Leute der Fahrradwerkstatt, die Eltern der Babygruppe machen vielleicht bei der Hofbegrünung mit – vielleicht auch nicht –.
So geht das kreuz und quer, und Kultur ist nicht ein großer Anspruch, sondern wird nur gemacht, wenn sie auch Spaß macht. Und das ist gut so.

Dieter Thomä, taz, 19.11.1983

Foto: Kostas Kouvelis

1985 | ein Brief an die Gesellschaft der Eigentümer

23. November 1985, mehr als ein Jahr nach der Legalisierung von Regenbogenfabrik und Wohnhaus. Aber die Zukunft des Hinterhauses scheint ungewisser denn je.

In nervtötender Wiederholung wird abwechselnd Fabrik gegen Haus ausgespielt oder manchmal auch umgekehrt. Wieder war es also notwendig geworden, die Beteiligten an den Verhandlungstisch zu bringen. Zweimal gehörte zu diesen Bemühungen auch, die Kommanditisten der beteiligten Firmen anzusprechen. Wir dokumentieren unseren zweiten Brief, der erste ist (noch?)nicht auffindbar. Dafür haben wir zu der ersten Briefaktion die Antworten parat. Dokumentiert in der Sondernummer des Südost Express zu Vogel-Braun von 1983.

Interessant zu lesen ist die Anschrift, denn komplizierter geht es kaum: AWE Gesellschaft für die Errichtung von Mieträumen mbh & Co. 2. Immobilien KG, bzw. Comforta Beteiligungsgesellschaft für Miethausbauten mbH & Co. 4. Immobilien KG

Wird heute nicht anders sein. Außer vielleicht auf Englisch.