Wer bekommt schon eine Demo zum Geburtstag geschenkt!

Sehr gern zitieren wir wieder den Südost Express, in diesem Fall von September September 85:

Unter dem Titel „Jahrmarkt der Sehenswürdigkeiten“ wird verlautet:

„Draußen ging es derweil mit Donner und Kapelle um den Erhalt der Regenbogenfabrik, mit deren Abriss Franke droht, um die Regenbogler zum Verlassen ihres angrenzenden Wohnhauses zu erpressen. Dass Franke auf den Protest der Regenbog’ler hin plötzlich bereit war, sogar deren Demonstration anzuführen, suggeriert hier unser Fotograf. Tatsächlich verprellt Franke lieber den Koalitionspartner FDP und Senatskollegin Schmalz-Jakobsen, die sich als neue Freundin des Stadtteilprojektes entpuppte. Für einen Abriss von Wohnhaus oder Fabrik aus Rache sei sie nicht zu haben, die Regenbogenfabrik sei eine „Tolle Sache für Kreuzberg!“

Menno, da hatte die FDP noch Arsch inne Hose.

Und unsere Anekdote ist: Jenny war fest davon überzeugt, dass diese Demo zum Anlass ihres Geburtstags organisiert worden war. Auch, wenn es damals nicht so gedacht war, wären wir heute sowieso bereit, es wieder zu tun, wenn es nötig wäre.

Christine

Schiff heiß, Schiff kalt

Juni 1985

Um etwas Geld für die Sanierung der Regenbogenfabrik zu verdienen – das eigentlich immer gebraucht wurde, denn die Fabrik war zu diesem Zeitpunkt in einem desolaten Zustand – trug man uns an, bei einer Kunstaktion der NGBK mit einem Würstchenstand etwas Geld zu verdienen. Freiwillige vor – und es fanden sich vor allem Leute aus der Cafégruppe und der Fahrradwerkstatt, welche sich für die mehrtägigen Dienste eintrugen. Damals wurde viel improvisiert, aber Würstchen braten und Kaffee oder Bier ausschenken, das konnte jeder. Doch man hatte nicht mit der Masse an Besuchern gerechnet – und es gab nicht genügend Geschirr und einer war immer unterwegs, um Nachschub zu besorgen.

Aber das eigentliche Highlight war die Kunstaktion. Dabei hatte man das Wrack eines alten Haveldampfers in den Boden gerammt, so dass das Heck nach oben zeigte. Bei der Aktion – Schiff blau – brachte ein Tanklaster von Linde, flüssigen Stickstoff, welcher über das Schiff gegossen wurde.
Nun lag zu diesem Zeitpunkt ein Tiefdruckgebiet über der Stadt und wir hatten irgendwie schlechte Luft. Jedenfalls war im Nu der ganze Platz – es handelte sich hierbei um die Freifläche am Potsdamer Platz – eingenebelt, so dass man buchstäblich die Hand nicht mehr vorm Gesicht sah. Die Besucher bekamen Panik und rannten davon und am nahe gelegenen Schöneberger Ufer hörte man einen Knall nach dem anderen, als die Autos durch den plötzlich einsetzenden Nebel aufeinander stießen.

Die Feuerwehr kam und löschte und einige Unverdrossene feierten weiter mit Bands, Theater und sonstigen Aktionen. Auf den Schreck hin, lief auch bei uns einiges aus dem Ruder.

Maria

https://archiv.ngbk.de/projekte/berliner-kulturplaetze-4/

Damals und Heute

Blick auf Rezeption und Kinderbereiche – April 2021

Hier geht der Blick aus dem Hof hinüber zur Durchfahrt im Vorderhaus. Der Zeitsprung ist groß – 38 Jahre sind vergangen. Was ist gleichgeblieben? Es stehen Fahrräder vor dem Haus. Bunter ist es bestimmt geworden, viel zu Reparieren gab es damals und heute wieder. Verräterisch ist der Streifen mit dem Kleinpflaster im neuen Bild, darunter liegt die Gasleitung für den Herd in der Kantine.

Das Vorderhaus wurde saniert und hat seine Treppenhausfenster mit der schönen Aufteilung verloren. Schön war das schon in den 80er Jahren nicht, allet Plastik halt.

Das Telefon in der Bülow 52

Praxis Bülowbogen ist der Titel einer Vorabendserie des Ersten Deutschen Fernsehens, die von 1987 bis 1996 von der ARD produziert und gesendet wurde.

Im Mittelpunkt der Serie steht die Praxis des Arztes Dr. Peter Brockmann (dargestellt von Günter Pfitzmann). Die Praxis befindet sich in der Zietenstraße 22, nahe dem Bülowbogen, einer Kurve der Bülowstraße bzw. der dort als Hochbahn fahrenden U-Bahn-Linie U2 im Berliner Ortsteil Schöneberg. Neben den vielen Alltagsproblemen seiner Patienten hat sich Brockmann selbst mit seiner schwierigen Familie auseinanderzusetzen und nebenher seine Beziehungsprobleme, insbesondere zu seiner Arzthelferin Gabi Köhler (Anita Kupsch), zu meistern. So weit, so schön, wer hat sich erinnert?

Im Gegensatz zur Fernsehserie kommt die folgende Geschichte wirklich aus der Bülowstraße:

Es passierte im ersten Jahr der Bülow 52, Aufgang 5

Es gab nur ein Telefon im Aufgang 5, ein Spätnachmittag ; es klingelt, ich gehe an s Telefon und melde mich mit B-52, Mile, mein Spitzname aus Schulzeiten.

Dann:  Am anderen Ende zunächst …:erstauntes Schweigen. „Bitte geben Sie mir die Redaktion Fernsehen!“

Ich: sie haben sich wohl verwählt, hier ist die Bülowstr. 52

Er: Junger Mann, machen Sie keine Scherze ich habe keine Zeit…! Geben Sie mir die Fernsehredaktion

Ich: aber Sie sind im besetzten Haus gelandet…

Er: Wie meinen Sie das? Besetztes Haus ? Ich spreche doch mit dem NDR Hamburg

Ich: Nein, das ist hier ein besetztes Haus

Er: Lacht, junger Mann jetzt ist‘s aber gut ich habe hier eine automatische Wahleinstellung beim Bayerischen Rundfunk und habe die Nummer des NDR eingespeist….!

Ich: Aber glauben Sie mir wir sind ein besetztes Haus…!

Er: Jetzt reicht es mir ….geben Sie mir ihren Abteilungsleiter!

Ich: Hier gibt es keinen Abteilungsleiter … Sie telefonieren  hier mit einem  besetzten Haus in Berlin-Schöneberg …. 

Er: Das kann gar nicht sein, ich telefoniere jede Woche auf dieser Nummer mit dem NDR….So eine Frechheit ist mir noch nie passiert; ich will Ihren Chef sprechen…

Ich: …lache und sage: Tut mir leid und lege auf

Leider habe ich diesen Dialog nicht noch weiter geführt, später hatten wir Ideen dazu: der Bayerische Rundfunk meldet: der NDR wurde durch Hausbesetzer gekapert und löst damit einen Polizeieinsatz in Hamburg aus…

Oder: Auch der Abteilungsleiter kann nur bestätigen dass er nicht mehr frei ist sondern den Aufforderungen der Besetzer folgt usw. usf…..

Ich weiß bis heute nicht wie es zu diesem Telefonat kam, ob der Journalist vom Bayerischen Rundfunk versehentlich eine falsche Taste betätigt hat und statt 040 auf 030 gedrückt hat… ich werde es nie erfahren…es bleibt eine Anekdote im Besetzer-Alltag 1981/82

Michael

PS.: Die Bülowstraße gehört zum sogenannten Generalszug in den Berliner Ortsteilen Charlottenburg, Schöneberg und Kreuzberg. Es handelt sich um eine großzügig angelegte Straßen- und Platzfolge, deren Namen an die Befreiungskriege 1813–1815 gegen Napoleon I. erinnert. Er basiert, mit Ausnahme der Umfahrung des späteren Gleisdreieckgeländes, auf älteren Planungen von Peter Joseph Lenné (ab 1841 bis 1855) und dem Hobrecht-Plan von 1862. Die Benennungen wurden zum 50-jährigen Gedenken durch Kabinettsorder vom 9. Juli 1864 verfügt. Der Straßenzug wurde bis etwa 1880 fest ausgebaut. In West-Ost-Richtung wurden die Generäle geehrt, die Plätze und Querstraßen erhielten die Namen von wichtigen Schlachten des Krieges.

Eine ziemlich bellizistisch gefärbte Ausprägung von Stadtentwicklung, oder?

zum Nachschlagen: https://de.wikipedia.org/wiki/Generalszug