Mietkampf in der Wiener Straße

Erstmal Hallo, ich wohne in der Wiener 20 wie einige andere hier, hallo!!

Auch wir sind betroffen von diesem ganzen Umwandlungsmist, und als vor 2 Jahren der Brief kam, dachte ich son Moment auch: Hey kauf die Kiste, ich hab Vorkaufsrecht, warum nicht. Und dann hab ich mal durchgerechnet. 5.000 Euro Marktpreis pro qm, das macht über 600.000 Euro, Kredit, ist ja kein Ding heutzutage, nur dann … Welche Bank gibt einem Soloselbständigen, der dazu seit Corona faktisch ohne Einkommen ist einen Kredit? Und was für eine Rate könnte ich mir leisten? 30 Euro im Monat? Da müsste ich 3000 Jahre abbezahlen. Und was für einen Wohnung wäre das, die ich dann dafür bekomme? Im Keller sind die Ratten, auf dem nicht isolierten Dach die Tauben, Schimmel unterm Haus, Ofenheizung in der Wohnung.

Der Marktpreis hat mit dem tatsächlichen Wert der Wohnung nichts zu tun. Das wäre so als würde ich einen Fiat Panda mit Motorschaden für den Preis von einem neuen 7er BMW kaufen.

Und dann hab ich erstmal gar nix mehr gemacht. Saß im Sessel und dachte so: Ja, das wars dann wohl. Da gibt es dieses Schlupfloch im Mileuschutzgesetz, Umwandlung das geht eben mit diesen Fristen, das ist alles rechtens, total blöd, und unbequem und ungerecht aber eben Gesetz. Dauert noch n bisschen aber dann muss ich raus. Iss so. Kannste nix machen. Toll. Dieser Drops ist gelutscht.

Ja und dann hab ich gesehen, dass ich da nicht allein bin mit dem Problem, dass es nicht nur unser Haus betrifft, sondern eine unfassbar große Anzahl anderer Häuser, in allen Bezirken, dass viele schon aus den Wohnungen und Kiezen vertrieben wurden und dann dachte ich so, nee, der Drops ist nicht gelutscht. Diesen Drops lutsche ich nicht. Ich spucke ihn aus und sage NEIN.

Leute, in 10 Jahren wird das Berlin, das wir kennen, lieben oder hassen, nicht mehr existieren. All die verrückten Nudeln, muffigen Alten, lauten Studenten, fröhlichen oder streitenden Familien, die Revoluzzer und die Angepassten, die Brüllaffen und Leisetreter, alle werden hier nicht mehr wohnen. Die Kieze werden zerstört und Bezirke verlieren ihren Charakter. Massen von Mietern werden auf den Markt geworfen mit keinerlei Aussicht auf bezahlbaren Wohnraum. Wo sollen denn alle hin? Es betrifft mittlerweile mindestens 300.000 Mieter, und das ist erst der Anfang. Der große Ausverkauf der Stadt ist im vollen Gange, die goldenen Einkaufswägen werden durch die Gassen geschoben, alles muss raus, auch für Ramsch werden Höchstpreise erzielt, Goldgräberstunde für einige wenige, Horror der Wohnungslosigkeit für alle anderen.

Hier muss ein Riegel vorgeschoben werden. Diesen Drops werde ich nicht lutschen, den wirst Du nicht lutschen wollen, den wird Deine Oma nicht lutschen und auch deine Kinder werden diesen Drops nicht lutschen. den spucken wir aus.  Wir erheben uns aus unserem Sessel und stehen auf.

Wir sagen Nein.                  Nein.           Wir wollen bleiben.                         Alle.

Und wir stehen nicht allein da. Das geht alle etwas an, und vor allem auch den Senat und den Bundestag. Da sind unsere Volksvertreter und keine Firmenvertreter, und diese Verantwortung müssen sie tragen. Der Ausverkauf der Stadt muss sofort gestoppt werden. Notfalls mit Enteignungen. Und wenn der Senat nicht handelt, müssen wir handeln, wir haben einen Ruf zu verlieren. Wir kommen aus Kreuzberg, wir stellen uns in den Weg, wir werden laut sein. Wir stellen die Waren die sie schon in ihre goldenen Einkaufswägen gelegt haben wieder zurück in die Regale.

Wir beenden den Sommerschlussverkauf.

Ja aber was sollen wir denn mit unserem Geld anfangen, auf der Bank gibts nix, Aktien sind so unsicher.

Leute, nehmt Euer Geld und lebt davon wie alle anderen auch, oder spendet es den Armen und den Hungernden. Kauft Brachflächen und pflanzt Bäume drauf, investiert in Wasserstoffautos, kauft Gemälde von jungen Künstlern, geht schön essen, verschenkt das Geld an Obdachlose, mietet Euch n Hubschrauber und lasst ne Million in kleinen Scheinen auf Berlin regnen, finanziert tolle Independent-Filme, meinetwegen kauft Euch teure Autos, es gibt so tolle Sachen, die man mit Geld machen kann, nur bitte, kauft keine Häuser oder Wohnungen nur um Euer Geld zu parken weil es grad keine Zinsen auf der Bank gibt,

IHR ZERSTÖRT DAMIT EINE STADT!!

Ach Herr Luczak da hätte ich noch was für Sie, so eine Art Einfühlungskampagne, damit sie sich emotional weiterentwickeln können, ein Sensibilisierungsprogramm: Wir tun uns alle zusammen, machen den großen Klingelbeutel auf, wenn jeder in der Stadt n bisschen was reinschmeißt wird es reichen. Dann kaufen wir Ihre Wohnung und schmeißen Sie mit Eigenbedarf raus. Und wenn Sie sich eine nächste Wohnung anmieten, haben wir ihre erste schon längst wieder gewinnbringend veräußert und genug Geld um auch diese Wohnung zu kaufen. Und dann wieder raus mit Ihnen.

Herr Luczak, spätestens nach der 3. Räumungsklage werden sie in unseren Chor einstimmen:

verantwortliche Mieterpolitik sonst Enteignung.

Wohnungen für Menschen nicht für Geldsäcke!

Umwandlung stoppen. Wir bleiben Alle. Rettet Berlin!

Volker könnt ihr mit seiner Rede auch auf You Tube sehen:

Housing Action Day

europaweit für menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen demonstrieren

Frühling liegt in der Luft und es wird Zeit für den europaweiten #HousingActionDay2021
👉 Am 27.03.2021 wollen wir gemeinsam mit euch für eine solidarische Stadt auf die Straße gehen.
📢 Sagt es weiter und macht mit!
Stadt für Alle statt #Mietenwahnsinn und #Verdrängung

Hier findet ihr die notwendigen Infos: Housing Action Day

Letztes Jahr ist bei uns dieses Mobi-Video entstanden.

Maryla

Am 26. März 2019 verstarb die bekannte Berliner Übersetzerin Maria Gast-Ciechomska, Maryla oder Marlena genannt. Sie war die Enkelin des letzten Bürgermeisters von Warschauer Stadtteil Mokotów, eine Germanistin, hervorragende Übersetzerin, antikommunistische Aktivistin, Mitglied von Solidarność Masoviens, Aktivistin der Bewegung zur Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte. Während des Kriegszustands wurde sie im Frauenlager in Gołdap interniert – sie war die jüngste Gefangenen in diesem Lager. Später zog sie nach Berlin, wo sie sich weiterhin für Frauen und polnisch-deutsche Beziehungen einsetzte. Sie war unter anderem in der deutsch-polnischen Literaturverein WIR tätig und in der Berlin-Warschauer Fraueninitiative. Sie war Mitbegründerin der Polnischen Feministischen Vereinigung und der Initiative Bewegung gegen die Kriminalisierung der Abtreibung.
Sie schrieb das Buch Vom Matriarchat zum Feminismus.
Einige Wochen vor ihrem Tod wurde ihre Arbeit in der Regenbogenfabrik und dann im “Lichtblick”-Kino bei der deutschen Premiere des Films von Marta Dzido und Piotr Śliwowski Siłaczki / Frauen der ersten Stunde präsentiert. Sie hat den Soundtrack des Films perfekt übersetzt. Maryla war schon immer in Frauenangelegenheiten involviert, daher ist es kein Wunder, dass ihre letzte großartige Arbeit auch mit diesem Thema zu tun hatte.

Heute ist es also zwei Jahre her, dass Maria (Maryla Gast-Ciechomska) gegangen ist. Letztes Jahr wollten Anna Krenz, Iwona Dadej, Christine Ziegler und ich ein Treffen zu Marias ersten Todestag in der Regenbogenfabrik organisieren; leider wurden wir durch die Pandemie oder vielmehr den am 15. März eingeführten Lockdown gehindert. In diesem Jahr schlug Iwona Dadej ein Zoom-Meeting vor, das jedoch aus irgendeinem Grund wahrscheinlich nicht stattfinden wird. Das Treffen werde ich also ganz privat organisieren. Es wird nächsten Montag um 19 Uhr stattfinden. Ich lade Sie zur Teilnahme ein!

Ewa Maria Slaska

Lest mehr – auch in polnischer Sprache – auf dem Blog von Ewa Maria!