Pfützen – Entstehung und Verstetigung

Eine Pfütze, auch Lache (österr. Lacke, niederdeutsch auch teilweise Lusche, pfälzisch u. a. Latsche,[1] schweizerdeutsch Glungge oder Gunte), ist eine Ansammlung von Flüssigkeiten – meist Wasser – an der Erdoberfläche, die sich z.B. nach einem Regen bildet und einige Tage später versickert oder verdunstet ist. Pfützen bilden die kleinste Form der Stillgewässer.

Das Wort Pfütze (ahd. pfuzza, puzza; ndd. Putte; ndl. put) ist entlehnt aus dem lateinischen puteus für „Grube, Brunnen“.[2]

Für den Individualverkehr (z.B. Fußgänger*innen) gelten Pfützen auf Verkehrswegen als Beeinträchtigungen. Deswegen werden Wege nach Möglichkeit gepflastert oder asphaltiert. Auch in Grünflächen, wie zum Beispiel Rasenflächen und Viehweiden, versucht man, Senken ebenso wie kleine Erhebungen zu planieren. Für Kinder bieten Pfützen Spielmöglichkeiten.

Ökologisch stellen Wasserpfützen temporäre Kleinstgewässerbiotope dar. Antoni van Leeuwenhoek entdeckte um 1668, dass Pfützen im mikroskopischen Bereich Leben enthalten. Für viele Kleinlebewesen, wie Insekten, bieten Senken Kühle, Feuchtigkeit und Wasser, während Erhebungen mehr Sonnenlicht und einige Grad Celsius mehr Wärme bieten. In tieferen Waldpfützen gedeihen insbesondere Lurche und Molche oder rasten auf ihren Wanderungen. Die Kreuzkröte benötigt vegetationsarme Pfützen, z.B. in Kiesgruben, zur Vermehrung. Für Vögel sind Pfützen Trink- und Bademöglichkeiten. Schwalben verwenden feuchten Lehm aus Pfützen für ihren Nestbau. Ein Grund für den Rückgang der Rauchschwalbe ist auch das Verschwinden der Pfützen aus der Landschaft, der durch den Ausbau landwirtschaftlicher Wege (Wirtschaftswegen) im Rahmen der Agrarstrukturförderung der Europäischen Union oder Maßnahmen der Kollektivierung durchgeführt wurde.

Pfützen neigen dazu, immer größer und dauerhafter zu werden (Selbstverstärkung). Das stehende Wasser weicht den Boden auf, beim Durchfahren der Pfütze wird schlammiges Wasser verspritzt und gröbere Bestandteile des Bodens bleiben im Umfeld liegen. Die Pfütze wird tiefer und größer. Zusätzlich fließen feinste Tonteilchen mit dem Wasser zurück in die Pfütze und dichten diese zum Untergrund hin immer mehr ab, sodass das Wasser in der Pfütze kaum noch versickern kann.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pfütze

1981

Klaus Jürgen Rattay

Am 22. September 1981 starb Klaus-Jürgen Rattay anlässlich der Räumung von 8 besetzten Häusern in Berlin. Sein Tod veränderte die Bewegung. Bei einigen löste die Brutalität, mit der die Räumungen durchgezogen wurden, Angst und Ohnmachtsgefühle aus. Bei dem weitaus größeren Teil der Besetzer*innen überwogen jedoch Wut und Zorn – sie radikalisierten sich mit hoher Geschwindigkeit.

Während der Innensenator Lummer provokativ in der nahegelegenen, gerade geräumten Bülowstraße 89 eine Pressekonferenz abhält, treibt die Polizei die Demonstranten, daruntern den 18-jährigen Klaus-Jürgen Rattay in den fließenden Verkehr. Rattay gerät unter einen BVG-Bus.

Am Abend kommen die Menschen zu einem Trauermarsch zusammen, es kommt zu schweren nächtlichen Auseinandersetzungen.

Eine ausführliche Berichterstattung findet sich bei

Ein aktuelles Interview in der taz vom 18.9.2021 gibt auch einen Eindruck von diesem Vorfall und über die damalige Zeit: „Rattays Tod war entscheidend für mein Leben“

Die Podcasts sind fertig! – Wichtige Ergänzung zur Ausstellung „Dann machen wir’s halt selbst“

Wieder ist ein Stück geschafft! Die Interviews mit Schokofabrik, Casa Kuà und Regenbogenfabrik sind online. Kinderbauernhof und Heilehaus folgen im Oktober, der Audioschnitt braucht etwas Zeit. Ein extra Dank an die Kuratorin Inga Zimprich!

Doch auf einen Happen ist die Fülle an Material sowieso nicht zu schaffen. Also hört immer mal wieder vorbei unter:

https://dann-machen-wir-es-selbst.org/podcasts

Oder gleich nochmal ins FHXB Museum in der Adalbertstraße 95A.
Bis 12.12. ist die Ausstellung
Di-Do 12 – 18 Uhr
Fr – So 10 – 20 Uhr
geöffnet.

Bitte beachtet die aktuellen Covid-19 Regelungen.

Foto: Inga Zimprich

Patenschaften für besetzte Häuser

In Berlin existierte noch in den 80er Jahren eine Mietpreisbindung für Altbauten, die die Mieten sehr niedrig und auch für sozial Schwache erschwinglich hielt. Abriss und Neubau dagegen ermöglichten Vermietern weit höhere Einnahmen. Um die Genehmigung dafür zu erhalten, mussten Vermieter allerdings nachweisen, dass der „Verfall der Bausubstanz“ so weit fortgeschritten war, dass ein Abriss dringend notwendig schien. Um dies zu erzielen, erwiesen sich zahlreiche Vermieter und Spekulanten als sehr fantasievoll. „Dächer wurden so geschickt abgedeckt, dass der Regen innen an der Wand herunterlaufen kann, Fenster werden herausgeschlagen, damit Feuchtigkeit und Schwamm schneller vorwärts kommen, Wasserrohre werden aus den Wänden gerissen, schöne alte Kachelöfen mit der Spitzhacke demoliert, Löcher in Fußböden geschlagen, Feuer brechen aus unerklärlichen Gründen aus …“ (Bacia/Scherer 1981, S. 99) So wurden allein in Berlin jährlich etwa 3000 Altbauwohnungen durch Abriss zerstört.

Da die Hausbesetzer also auf ein viele Menschen betreffendes und empörendes Problem aufmerksam machten, fiel das Echo der Bevölkerung erstaunlich positiv aus. Das ist umso erstaunlicher, da die Hausbesetzer das Prinzip der Gewaltfreiheit, das die Alternativbewegung der Siebzigerjahre geprägt hatte, zu großen Teilen aufgaben. Zur „Müsli-Fraktion“ hatte sich nun eine autonome „Molli-Fraktion“ gesellt, die den Häuserkampf zu einem „Guerillakrieg gegen das Schweine-System“ ausweiten wollte. Pflastersteine wurden zu Argumenten, während oder nach Demonstrationen wurden gezielt Scheiben von Banken, Konzernen und Behörden eingeworfen, ein Teil der Szene suchte nun vorrangig die militante Konfrontation mit der Polizei, die ihrerseits häufig unnötig brutal gegen Besetzer vorging. Am 22. September 1981 gibt es sogar einen Toten: Der Hausbesetzer Klaus Jürgen Rattay wird während einer Protestdemonstration gegen die gerade erfolgte Räumung eines Hauses von Polizisten auf eine dicht befahrene Straße gedrängt und dort von einem Bus überfahren. Auf den Leichenbegleitschein schreibt ein Polizist unter Angaben zur Person: „berufsmäßiger Chaot“. Die Zeiten wurden härter.

Dennoch ergaben diverse Meinungsumfragen jener Jahre, dass rund 40 Prozent der Bevölkerung Hausbesetzungen akzeptierten. Kirchengemeinden, Mietervereine, Gewerkschaftsgruppen und zahlreiche Prominente übernahmen „Patenschaften“ für besetzte Häuser, Berliner Professoren hielten dort Vorlesungen, 43 Prominente, darunter der Theologe Helmut Gollwitzer, die Schriftstellerin Ingeborg Drewitz, der Staatsrechtler Professor Fritz Eberhard, Mitautor des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, bezogen demonstrativ Zimmer in besetzten Häusern.

Auszug aus: https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/jugendkulturen-in-deutschland/36244/hausbesetzer-ii

Wie oben zu lesen hatte die Regenbogenfabrik auch Paten zur Unterstützung. Mit dem Stadtteilzentrum und der Ölberg-Gemeinde sind wir bis heute nachbarschaftlich verbunden.