Blair Avon Martin

1. Wie heißt Du/ihr(und wie viele seid ihr)?

Ich heiße Blair Avon Martin.

2. Wie beschreibt ihr/beschreibst Du, was ihr macht/du machst?

Im Bereich Musik spiele ich Saxophone und Latin Percussion Instrumente hauptsächlich in Richtung Jazz, Kubanische/Lateinamerikanische Musik.

3. (Seit wann seid ihr zusammen und) wann wart ihr/warst du das erste Mal in der Regenbogenfabrik?

März 2001

4. Spielst du/spielt ihr lieber drinnen oder draußen?

Ich spiele Innen als auch Draußen.

5. Was erwartet ihr/erwartest du von eurem/deinem Publikum? Singen, klatschen, tanzen?

Von dem Publikum erwarte ich nur Ihre Höflichkeit. Wenn sie tanzen, klatschen oder etwas anderes Fröhliches und Wertschätzendes machen, dann ist das noch eine gute Anregung mit Leidenschaft weiter zu spielen.

6. Was ist euer/dein wichtigster Corona-Fluch?

Ich habe eigentlich keinen „Corona Fluch“.

7. Was wünscht ihr euch/du dir und uns für die Zukunft?

Dass es weniger Sorge in der Gegenwart geben soll.

8. Bist du/seid ihr auch in anderen Formationen unterwegs, die vielleicht auch ins Regenbogenprogramm passen?

Ja, ich glaube schon, wenn die Formationen sich formatieren lassen.

Friederich, der Wüterich

eine musikalische Satire

Die positive Resonanz zu LIZZY WILL ES WISSEN – Musiktheater zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels, hat uns ermuntert, ein weiteres Stück des Weber-Herzog-Musiktheaters zu streamen:

Friederich, der Wüterich – Musiktheater gegen rechts

Im Jahr 2014 spielte das Weber-Herzog-Musiktheater dieses Stück in Salzwedel. Der Offene Kanal Salzwedel zeichnete es auf. Das Stück erzählt mit Zitaten aus dem ‚Struwwelpeter’ und ‚Max und Moritz’ in Liedern und rhythmischen Sprechpassagen ‚Streiche’ einer Nazi-Gruppe (z.B. einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim, Überfälle auf afrikanische Mitbürger und Obdachlose, die Ermordung Silvio Meiers…). Die musikalischen Szenen werden ab und zu unterbrochen durch kabarettistische Spielszenen, die rassistisches Gedankengut in unserer Gesellschaft unter die Lupe nehmen und den NSU-Komplex. Satirisch auseinander genommen werden u.a. auch die geistigen Wegbereiter des Friederichs, z.B. Thilo Sarrazin. Nicht nur das Urteil im Mordfall Lübcke – der Mittäter erhielt lediglich eine Bewährungsstrafe – auch die nach wie vor vielen Umtriebe faschistischer Gruppen zeigen, wie aktuell und wichtig das Stück (leider) immer noch ist.

Es spielen: Michael Ihnow, Dorothee Krüger, Berit Künnecke, Mattis Nolte, Christa Weber und Christof Herzog.

Im Anschluss an die Aufführung fand eine Diskussion mit den Zuschauern statt, die ebenfalls mitgeschnitten wurde.

Auf der Website des Weber-Herzog-Musiktheaters gibt es noch viele Infos und Fotos zum Stück:

http://www.christa-weber.de/whmt_friederich.html

Siehe dazu auch die Kritik in der jW:

https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/207071.es-gilt-wer-wen.html?sstr=Es|gilt|Wer|wen

Der Film ist zur Zeit leider nicht zugänglich, wir bitten um Entschuldigung.

in memoriam – Gabi

Am kleinen Makel stören sich Kleingeister. Sie sah darüber hinweg

Jörg Machel

Wabi-Sabi, das ist ein ästhetisches Konzept aus Japan, nach dem Vollkommenheit erst in der Brechung zur Geltung kommt. Der kleine Fehler macht die Teeschale perfekt, nicht ihre makellose Rundung. Der Satz „Das ist ein echter Gabi“ bedeutete, dass die Tür ein wenig klemmte, die Figur wackelte, die Küche nach dem Kochen wie ein Schlachtfeld aussah. Der große Wurf war wichtig, das Ergebnis als Ganzes musste stimmen. Am kleinen Makel stören sich Kleingeister – sie sah darüber hinweg. Der rechte Winkel lag ihr nicht und der millimetergenaue Anschluss gelang ihr selten.

Sie blühte auf, als sie mit Naturholz zu arbeiten begann, das Material so nahm, wie sie es vorfand. Rundungen und Kanten, von der Natur geschaffen, so zusammenzufügen, dass daraus ein brauchbares Möbelstück entstand, das war ihr Ding.

Gabi suchte sich das Umfeld, wo ihre Ecken, Kanten und Rundungen akzeptiert wurden, wo niemand an ihr herumfeilen wollte. Über die Hausbesetzerbewegung, zu der sie schon in Bielefeld Kontakt hatte, fand sie in Berlin ihr Zuhause in der Kreuzberger Regenbogenfabrik. Der politische Anspruch sollte sich verbinden mit dem guten Leben, die Solidarität mit den Schwachen sollte sich paaren mit der Toleranz gegenüber jeglichen Schwächen, den eigenen und denen der anderen. Viele Projekte der Hausbesetzerszene begannen mit großen politischen Konzepten und endeten als Eigentümergenossenschaft mit peinlich hoher Rendite. Die Leute aus der Regenbogenfabrik wollten immer mehr als ein mietfreies Zuhause: Zusammen leben und miteinander arbeiten.

Es war ein weiter Weg vom wohlgeordneten Zuhause bis in die besetzte Fabrik. Die Fürsorge von Mutter und Vater zielte darauf, dass auch bei Gabriele alles in geordneten Bahnen läuft, solide Ausbildung, sicherer Job. Dafür aber war sie nicht die Richtige. Vielleicht wurde der Keim ja schon gelegt, als sie die Bielefelder Laborschule des Reformpädagogen Hartmut von Hentig besuchte. Auf jeden Fall haben Reisen nach Südamerika und auf den Balkan Weichen gestellt. Da erlernte sie die Kunst der Improvisation. Und dann gab es noch die große Schwester, die schon vor ihr in die alternative Szene von West-Berlin eingetaucht war.

In einem Film über solidarische Ökonomie sagte Gabi über ihre Arbeit in der Regenbogenfabrik: „Ich bin 1987 nach Berlin gezogen, zufällig ins Vorderhaus und da ich Tischlerin war, passte mir das natürlich ganz gut, dass hier eine Werkstatt war. Es waren Tischlerinnen und Tischler schon drin, aber die Werkstatt war ziemlich runtergekommen, und es war alles zugerümpelt, und die waren eigentlich dabei auszuziehen. Ich wurde anfangs sehr skeptisch von den Leuten der Regenbogenfabrik beäugt: Na, was ist denn das für eine?“

In der Werkstatt hat sie Herzblut gelassen. Und auch im Regenbogenkino mischte sie kräftig mit. In der letzten Zeit hat sie häufig in der Kantine gearbeitet. Ihre Kochkünste waren legendär, das Chaos, das sie in der Küche hinterließ, gefürchtet. Unschlagbar waren ihre „Malfatti“, eine Art Spinat-Gnocchi. Einige wenige kennen das Rezept, ab und zu kommt es noch auf den Tisch in der Kantine.

Gabi hinterließ Spuren. Sie baute Puppen, malte Bilder, inszenierte Stücke, drehte Filme, prägte Kinder und Jugendliche in wichtigen Phasen ihres Lebens. Nichts von dem, was sie tat, war vollkommen, Preise gewann sie keine mit ihren diversen Unternehmungen. Aber sie erntete spontanen Applaus und bewegte die anderen mitzumachen.

Gabi konnte nerven, brachte Leute zur Verzweiflung; sie nannte ihre Art „spontan“, andere fanden sie chaotisch. Sie war so schnell und assoziativ, dass es nicht ganz leicht war, ihr zu folgen. Manchmal schien es, als könne sie selbst mit dem eigenen Tempo nicht Schritt halten.

Fassungslos war sie, als man vor zwei Jahren Lungenkrebs bei ihr diagnostizierte. Sie wollte leben und wehrte sich gegen den Tod. Und die Chemotherapie wirkte. Im April verkündete sie: „Ich glaube, ich hab’s geschafft.“ Dann aber kam die Krankheit zurück, und wieder reagierte sie fassungslos und hielt dagegen. Diesmal siegte der Krebs.

Gabi Schopp 29.1.1955 – 13.7.2015

Kreuzberg kocht

»Kreuzberg kocht« portraitierte 55 außergewöhnliche Menschen und Initiativen, Kulturprojekte und Vereine, die Kreuzberg heute prägen. In Interviews erzählen sie, wie sie neue Wege beschreiten, was sie antreibt und wie sie Schwierigkeiten überwinden.
Und: Sie alle verraten ein Lieblingsrezept zum Nachkochen. In den Topf und auf den Teller schauen lassen sich so unter anderem das Ballhaus Naunynstraße, die Ohrbooten und das SO36. 
Das Ergebnis: ein Mut machendes Buch mit Nähr- und Mehrwert!

Das Kochbuch war eine Idee aus dem Berliner Büchertisch.

Die Regenbogenfabrik war darin in verschiedener Weise vertreten.

Wir setzen im Blog die Dokumentation des Kochbuchs mit den Kreuzberger Kuchenbäckerinnen fort.

Es war der 2.11.2006, an dem die Kreuzberger Kuchenbäckerinnen das erste Mal die Ladentür öffneten. Gegründet wurde der Backladen von Frauen auf der Suche nach einem Weg aus Arbeitslosigkeit und Fördermaßnahmen. Leider mussten wir zum 31.12.2018 nach 12 Jahren und 2 Monaten unser Projekt „Kreuzberger Kuchenbäckerinnen“ einstellen.
Lassen wir sie hier nochmal zu Wort kommen.

Brownies im Bollerwagen – Die Kuchenbäckerinnen

In einem Café der Regenbogenfabrik in der Lausitzer Straße gibt es Kuchen wie bei Oma. Handgemacht, unkompliziert und preiswert. Gegründet wurde der Backladen von Frauen, die auf der Suche nach einem Weg aus Arbeitslosigkeit und Fördermaßnahmen waren.

Cornelia: Habt Ihr unter euren Kuchen einen Bestseller?

Jenny: Der Russische Zupfkuchen läuft immer. Ohne den brauchst du den Rollladen gar nicht hoch ziehen. Gerade unter der Woche. Und für Kinder auch Brownies, die sind einfach günstig, die passen in jede Kinderhand, kosten um die fünfzig Cent und sind schnell verspeist. Aber das heißt nicht, dass es unsere Backfavoriten sind. Die Brownies sind immer eine unheimliche Mantscherei.

Cornelia: Die Kuchenbäckerinnen sind als Selbsthilfeinitiative entstanden. Wie kamt ihr ausgerechnet auf Kuchen?

Jenny: Wir hatten Frauen, die was konnten, nämlich sehr gut backen. Sie waren keine gelernten Fachfrauen, keine Konditorinnen, aber sie konnten guten hausgemachten Kuchen backen, dafür hatten sie die Leidenschaft. Aber was willst Du damit anfangen? Sie haben halt alle eine Aufgabe gesucht und wir haben dann festgestellt, dass es im Kiez und eigentlich in ganz Berlin schwierig ist, normalen guten Kuchen zu kriegen, zu annehmbaren Preisen, ohne Schnickschnack, ohne Tiefkühlgedöns und irgendwelche Zusatzstoffe. So was kriegst Du einfach nicht. Und dann war eine kleine Ladenwohnung frei, wo man das verkaufen konnte und somit war die Idee geboren. Damals war das jetzige Café noch eine Kneipe, das Vereinslokal. Die Kuchenbäckerei war also zuerst nur ein reines Außerhaus-Verkaufsgeschäft. Es gab etwa zwei oder drei Bäckerinnen und am Anfang haben unheimlich viele Leute mit verkauft. Die kamen aus allen Gruppen der Regenbogenfabrik. Das ist ja ein Dorf hier. Man unterhält sich auf dem imaginären Marktplatz. Also musste dafür keine Stellenausschreibung gemacht werden. Da stand dann ein Mann aus der Fahrradwerkstatt da und hat Kuchen verkauft. Am Anfang hat also jeder ein bisschen Babysitting gemacht.

Cornelia: Ihr seid mit einer LOS-Förderung mit Europageldern gestartet und wolltet unabhängig von Ämtern und Fördertöpfen werden. Hat das geklappt?

Jenny: Bisher leider nicht. Wenn man die Qualität bieten und die Kiezpreise halten will, dann kann man damit nicht fünf Mäuler stopfen mit einem vollen Gehalt. Das funktioniert nicht. Ich würde mir schon wünschen, dass wir ohne sämtliche Förderungen klar kommen, wobei auch viel von der Unterstützung vom Kiez abhängt. Oft sagen die Leute: „Wir sind arm dran und ihr seid arm dran, also müsst ihr es für uns doch billig machen“.
Aber wir müssen halt genauso davon leben. Wir produzieren ja nicht in Massen und so ein handgemachter Kuchen muss angemessen im Preis sein. Wir müssen die Zutaten genauso bezahlen und wir bezahlen uns ja schon selber nicht fürstlich, wenn überhaupt. Das sind dann ganz einfache Rechenbeispiele.

Cornelia: Diskutiert ihr also mit den Leuten darüber, ob 1,60€ für ein Stück Kuchen zu viel ist?

Jenny: Es ist ganz unterschiedlich. Es gibt tatsächlich manchmal Situationen, wo alle in die Küche rennen und sagen: Nee, mit dem diskutiere ich jetzt nicht (lacht). Und bei machen versucht man, es zu erklären: „Ja, du sagst mir jetzt da und da ist es noch billiger, die werden aber subventioniert. Die kriegen ihren bestimmten Betrag im Monat, den kriegen wir nicht. Dementsprechend können wir es einfach so nicht anbieten“. Manche verstehen das, manche nicht.

Cornelia: Beliefert ihr auch andere Projekte?

Jenny: Wir haben da ein paar Mankos. Wir haben einfach kein schönes Bäckerauto, was dann bunt durch die Stadt flitzt und den Kuchen ausliefert. Wenn es nah ist, dann können wir es auch mal mit dem Bollerwagen hin zerren, so haben wir es beim Kinderkarneval gemacht. Da hatten wir einen Stand und dann haben wir eben tatsächlich den Kuchen mit dem Bollerwagen dahin geschleppt, aber ansonsten gibt es eher unregelmäßige Anfragen; gerade wenn andere Projekte Straßenfeste machen.

Russischer Zupfkuchen

Knetteig:
375 g Weizenmehl
40 g Kakaopulver
3 gestr. TL Backpulver
200 g Zucker
1 Pck. Vanille Zucker
1 Ei (Größe M)
200 g weiche Butter oder Margarine

Füllung:
250 g Butter oder Margarine, wahlweise 200 g Schmand
500 g Speisequark (Magerstufe)
200 g Zucker
1 Pck. Vanille Zucker
3 Eier (Größe M)
1 Pck. Vanillepudding-Pulver

1. Für den Teig Mehl mit Kakaopulver und Backpulver mischen und in eine Rührschüssel sieben. Übrige Zutaten hinzufügen und alles mit einem Handrührgerät (Knethaken) zunächst kurz auf niedrigster, dann auf höchster Stufe zu einem Teig verarbeiten. Diesen anschließend mit den Händen zu einer Kugel formen und in Frischhaltefolie gewickelt etwa 30 Minuten kalt stellen.
2. Inzwischen Butter oder Margarine für die Füllung in einem Topf zerlassen und abkühlen lassen. Backofen bei Ober- und Unterhitze vorheizen und Springform (ø 26 cm) einfetten.
3. Knapp die Hälfte des Teiges auf dem vorbereiteten Springformboden ausrollen. Vom übrigen Teig knapp die Hälfte zu einer langen Rolle Formen, als Rand auf den Teigboden legen und so an die Form drücken, dass ein etwa 2 cm hoher Rand entsteht.
4. Für die Füllung Quark mit Zucker, Vanillin-Zucker, Eiern, Pudding-Pulver und der zerlassenen Butter oder Margarine mit einem Schneebesen zu einer einheitlichen Masse verrühren, in die Form geben und glatt streichen. Den restlichen Teig in kleine Stücke zupfen und auf der Füllung verteilen. Form auf dem Rost in den Backofen schieben und etwa 65 Minuten backen [(Ober-/Unterhitze: etwa 180 °C (vorgeheizt), Heißluft: etwa 160 °C (nicht vorgeheizt), Gas: Stufe 2-3 (nicht vorgeheizt)].
5. Schließlich den Kuchen in der Form auf einem Kuchenrost erkalten lassen.