Geburtstagskind des Tages – Anne

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Ich bin seit September 2020 bis Ende August 2021 in der Fabrik (hoffentlich noch viel länger). Ich mache ein FÖJ in der Fahrradwerkstatt und helfe in der Kultur.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Natürlich die Werkstatt, die Rampe vor der Werkstatt; aber mein Lieblingsort ist die Schaukel. Die rechte, weil die linke schräg ist und mein Becken passt nur in die rechte. Ich liebe den Moment ganz oben, wenn man fällt und die Gesichter meiner Freunde, wenn sie schaukeln wiederentdecken.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

der schönste Ort Berlins und in einem Wort:
Gemeinschaft

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Nudeln mit Brokkolisauce ❤

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Herzlichen Glückwunsch, dass ihr und wir so lange bestehen, und dass es nach wie vor so ein tolles Projekt ist.

Heute ist der 13. August

Alle werden sich erinnern und sagen: Klar. Ich weiß Bescheid, am 13. August vor 60 Jahren…

Mir war das immer zu wenig. Zumal an diesem Tag mein einer Großvater und eines meiner Patenkinder zur Welt kam. Der eine 1898 in Charlottenburg, was damals noch eine selbständige Stadt war, und der andere 2012 in der Niederlausitz.

Geschichte hat viel zu bieten und natürlich will sie gerne, für meine Phantasie zumindest, andocken an Geschichten, die mit Daten verbunden werden können. Seit langem „erinnere“ ich mich auf diese Art, jedes Jahr erneut und wieder. Bin mir auch bewusst, dass jeden Moment für jeden Menschen etwas anderes Entscheidendes passiert. Irgendwas ist ja immer.

Die Auswahl in meinem Taschen-Kalender (sic) für heute geht so.

1521. 1727. 1871. 1913. 1926. Und in meinem Kalender steht danach in gleicher Reihenfolge: Cortez vernichtet endgültig das Aztekenreich. Im Herrnhut der Gründergeneration feiern sie ein Fest mit Einheimischen und Geflüchteten zusammen. Karl Liebknecht wird geboren. August Bebel düst ab in die ewigen Jagdgründe. Fidel Castro erblickt irgendwo in Kuba das Licht der Welt.

Aber zurück zum geteilten Berlin. Da will ich dann doch eine Geschichte erzählen. Eine, die mit dem Café der Regenbogenfabrik zu tun hat.
Besser: Etwas, was ohne dieses wunderbare Café nie verwirklicht worden wäre.

Ein paar Jahre lang kamen im Rahmen von Bildungsradtouren der Böll-Stiftung jeden Sommer bildungshungrige Touristinnen für ca. zwei Stunden ins Café. Und das Thema jeder kleinen Zeitzeugenrunde war die Frage, wie unterschiedlich der Blick auf diese Stadt Berlin ausfiel, je nachdem, auf welcher Seite der Mauer mensch aufgewachsen war oder wo mensch lebte.
Zur Zeit des sogenannten Kalten Krieges. Und Uta Wilczok und ich, wir waren für diese Gesprächsrunden ausgesucht worden, zwei Guides aus Berlin, die genau darüber mit den Gruppen sprechen konnten.

Uta war Journalistin und aktiv in Ostberlin. Ich beruflich und häuserbewegt unterwegs in Westberlin.

Und wie war das dann zum Mauerfall?

Mit dieser Einstiegsfrage kamen wir jedes Mal ins erzählen – und ins Zuhören. Denn auch unsere Caféhausgruppen hatten ja auch immer etwas erlebt in Zeiten des Kalten Krieges. Wir lernten in diesen Runden, darauf zu achten, dass „Wahrheit“ wohl eher aus vielen persönlichen Wahrheiten besteht. Mit dieser Erkenntnis will ich durchaus weitermachen im Leben.

Wie auch immer. Es waren jedes Mal sehr anregende Gespräche im Regenbogencafé. Und ich gestehe, dass ich nicht nur deswegen dieses Café vermisse.

Ach so.

Was ist denn nun meine Erinnerung an den 13. August 1961?

Hab keine.

Ich war noch nicht mal Schulkind, damals im amerikanischen Sektor von Berlin.

Aber irgendwas ist immer los.

Schönen Tag euch.

Leh von umbruch-bildarchiv

Und Danke fürs Mauerbild an den Kinderbauernhof! (chz)

Die Künstlergruppe Ratgeb

Die Kunst der Verteidigung des öffentlichen Raumes: Politische Wandbilder in West-Berlin 1979-89

bewegte Bilder

Der hier verlinkte Film ist Emily Bjodstrup Moore zu verdanken, die eine wissenschaftliche Arbeit in den USA zum oben genannten Thema eingereicht hat. Das Video an sich ist schon eine interessante Zeitreise. Im Folgenden die Zusammenfassung ihrer Arbeit und eine Adresse, an der sie bei Interesse in deutscher Sprache heruntergeladen werden kann.

“My research follows the work of the artist group Ratgeb, a collective of five West German artists from the generation of Germans who grew up in the immediate aftermath of the Second World War. During the eight years that the group was active, the Ratgeb Collective worked with squatters, school children, teenage runaways, immigrant minorities, juvenile delinquents and even a biker gang to create more than a dozen large-scale murals within Berlin. Eleven of these murals can still be seen today, nearly four decades after their creation. My thesis focuses on both Ratgeb’s commissioned and illegal mural projects, all of which comment on the housing crisis that arose in the 1980s following the retail speculation government officials had organized with foreign investors. The namesake of the group, and honorary sixth member, Jörg Ratgeb was an altar and fresco painter who regularly infused his religious paintings with messages of political dissent, and was later executed due to his leadership role in the Farmer’s uprising. In honor of this early fellow German artist and activist, the Collective Ratgeb adopted not only his name but his revolutionary drive to use murals as a means of communicating the wants and needs of those civilians that had been overlooked and neglected by government officials and the social elite of West Berlin.”

https://emilybjodstrupmoore.weebly.com/kuumlnstlergruppe-ratgeb.html

Zum Weiterlesen auch noch Berliner Quellen:

Interview mit dem Künstler Werner Brunner im Tagesspiegel.

Und dazu noch das Berliner Mietermagazin.

https://www.werner-brunner-kunst.com/wandmalerei.html

chz

Nachwort
Eine Leserin hat mir geschrieben:
Es gibt im Böhmischen Dorf ein Wandbild „Die Geschichte von Böhmen und Rixdorf“ der Gruppe Ratgeb. Es befindet sich im Hof der „Richardstraße 99“ in Neukölln. Darin werden die Einwanderer, eher Flüchtlinge, aus Böhmen gezeigt und es wird eine Verbindung zu den Hausbesetzer:innen in Berlin hergestellt. Im Internet findest Du unter „Richardstraße 99“ Fotos dazu. Und es lohnt sich, es sich einmal anzuschauen!
Vielen Dank für den Hinweis!