Die Seele Kreuzbergs lebt im Skurrilen: das Baumhaus

Der Berliner Bezirk Kreuzberg, wo unsere liebe Regenbogenfabrik liegt, hat seit Jahrzehnten Internationalen Ruhm als Heimat der Künstler und der alternativen Lebensweisen. Die Offenheit und die Originalität sind aber leider was auch die Investoren wie Ratten anzieht, und was paradoxal die authentischen Seiten des Bezirks auch langsam durch das hässliche G-Wort zerstört.

Aber Kreuzberg hatte schon immer eine kämpferische Seele und wird sich jeder Räumung und Kapitalanlage von Großinvestoren mit Demos und Besetzung entgegenstellen. Manchmal scheitert es und manchmal, wie im Falle der Regenbogenfabrik, sind die Guten auch mal Gewinner. Ein anderes Monument von Kreuzberg, das sich neben den vielen noch stehenden alternativen Orten einreiht, und das dazu noch von der deutsch-deutschen Geschichte geprägt ist, ist das Baumhaus an der Mauer.

Im Jahr 1982 hat der türkische „Gastarbeiter“ Osman Kalin, ohne es wirklich als politische Aktion zu betrachten, ein Stück Land in Kreuzberg an der Grenze von Ost-Berlin besetzt.
Es war nur eine Grasparzelle, die von der Nachbarschaft als Schrottplatz benutzt wurde. Kalin entschied, es zu seinem persönlichen Projekt zu machen, das Grundstück zu säubern und daraus einen Garten machen. Interessanterweise lag dieser Teil des Landes an der Mauer auch in einer Juristischen Grauzone, denn es lag zwar im Westlichen Teil hinter der Mauer, aber es gehörte trotzdem noch der DDR. Als die Mauer gebaut wurde, 1961, wurden manche Ecken vergessen einzuschließen und hier wurden dann 350 m² freigelassen, die Westberlin nicht benutzen durfte und Ostberlin nicht erreichen konnte. Dieses Durcheinander ermöglichte es Kalin, sein Projekt weiterzuführen. Die Ostdeutschen Behörden genehmigten ihm die Bearbeitung des Grundstückes; erstens, weil sie sahen, dass es nur ein Garten war und sie ohnehin es nicht benutzten, und zweitens, weil es die Westdeutschen Behörden auch ordentlich störte.
Er errichtete seinen Garten und ein Gartenhaus drauf, was er Jahrzehnte lang pflegte und mit Hilfe der Nachbarschaft beschützte, trotz der Versuche der Stadt, das Projekt stillzulegen.

Die Hausbesetzer und Punks des Bezirkes betrachteten ihn wie einen von ihnen, unabsichtlicher selbstorganiserter Landbesetzer; ein echter Teil der Kreuzberger Authentizität.

Eine Sehenswürdigkeit in Berlin, das Baumhaus an der Mauer wurde nach dem Tod von Kalin 2018 von seinem Sohn übernommen, der ein Museum draus machen will. Das Gartenhaus steht heute immer noch, wörtlich aber auch im übertragenem Sinne: Als Zeichen des unermüdlichen Willens von Kreuzberg, auch Kreuzberg zu bleiben.

Mehr dazu in diesem super Artikel der BBC:

https://www.bbc.com/news/stories-44601030