2017 | 1. Mitsingabend im RegenbogenCafé

Wir nannten es Lieblingslied! Und waren glücklich und begeistert, dass die Idee, sich im Café um ein virtuelles Lagerfeuer zu scharen und einfach loszusingen, sofort angenommen wurde. Spontan sollte es sein, keine große Kopierarie im Vorhinein benötigen. Einfach die Liederbücher in die Mitte gelegt und eine Vorauswahl als Liste präsentiert. Und es konnte losgehen.

Vorher ausgetüftelt der liebevolle Nachbau eines Overhead-Projektors, in anderen Landstrichen auch Polylux genannt. Unter dem Holzgestell lag das jeweils gewünschte Lied und auf den Gestell die Kamera von Jens. Und die wurde an den Beamer angeschlossen. So hatte jede:r die Möglichkeit, textsicher durchs Lied zu kommen. Die musikalische Leitplanke war dann das Geschick von Jens, sich spontan auf die ausgesuchten Lieder einzulassen und uns mit Gitarre und Stimme den Weg zu weisen.

Und wenn es uns doch aus der Kurve trug, so what! Wir hatten riesigen Spaß. Perfektionismus ist bei dieser Veranstaltung keine Option.

Bis 2020 ging das und in dem Jahr hatten wir Großes vor. Zehn Termine hatten wir uns bereits für das „Mitsingding“ ausgeguckt. Doch wie alle nun wissen, gemeinsames Singen war im Zeichen der Pandemie nicht der richtige Zeitvertreib. Aber wir werden es wieder starten, im Sommer im Freien, versprochen!

Satirischer Jahresrückblick von Gerald Wolf

Na det war wieda’n Jahr!

Mi., 12.01.2022 | 20:00 | RegenbogenKino

* Auf Nimmerwiedersehen: Tschüss Donald Trump!
* Angies Geheimnis: „Vorhang zu und alle Fragen offen!“
* Ohne Tempolimit, aber mit Cannabis:
   „Hurra, die Schwampel kommt!“
* Klimawandel: „Wer wird uns verbraten?“
* „Zurück Marsch, Marsch!“: Rückzug aus Afghanistan!
* Charitè-Streik: „Mehr von uns ist besser für alle!“
* Monstrum des Jahres: Claus Weselsky!
* Volksbegehren: „Marmor Stein und deutsche Wohnen bricht!“

…und ein pandemisches Märchen!

Stegreif, Parodie und satirische Songs.

Mehr zu Gerald Wolf:
https://gerald-wolf-kabarett.de/

Südost Express

von Hans W. Korfmann vor 20 Jahren veröffentlicht.

»Sie gehen … – wir auch!« So stand es auf dem Titel der »Allerletzten« Ausgabe des Südost Express, der Nr.141 vom Juli 1990. Damit verabschiedete sich die wohl erfolgreichste »Kreuzberger Lokalzeitung« von ihren Lesern. Das Titelbild zeigt zwei amerikanische Soldaten, die wenige Monate nach dem Fall der Mauer von einem Fenster am Checkpoint Charlie aus einen vermeintlich letzten Blick in den einst feindlichen Osten werfen.

Doch es war nicht das Feindbild des Yankees, von dem sich der Südost Express hätte verabschieden müssen. Denn der Südost Express war mehr als ein einseitiges politisches Sprachrohr. Auf der allerletzten Seite dieser letzten Nummer haben sie das noch einmal betont: »Der SOE war nie Zentralorgan eines Zentralkomitees, Politbüros oder Geschäftsführenden Ausschusses einer Partei oder Liste.« Wenn sich der Südost Express mit diesem letzten Titelbild von etwas verabschiedete, dann war es das Kreuzberger Exil. Es war das kleine politische und kulturelle Biotop im Schutz der Mauer, in dem sich Studenten, Fotografen und Autoren zusammengefunden hatten, um 13 Jahre lang eine Zeitung zu machen, ohne je eine Mark daran zu verdienen.

Begonnen hatte alles mit einem achtseitigen, grobschlächtigen Faltblatt – der Nullnummer im Dezember 1977. Herausgeber war die inzwischen legendäre Bürgerinitiative SO36. Nach 77 Ausgaben beging die Redaktion ein erstes Jubiläum: »Die einzige Kreuzberger Stadtteilzeitung von unten feiert Geburtstag.« Im 7. Jahr hat sie 170000 Exemplare verkauft, ist auf 40 Seiten angewachsen, hat Gerichtsverfahren überstanden, innere Querelen und die schlaflosen Nächte der Produktionswochenenden. Waren sie zu Anfang noch drei oder vier, saßen nun bis zu 30 Mitarbeiter und Mitstreiter in den Redaktionsräumen in der Wrangelstraße.

Das bald glänzende Blatt hatte sich stets an großen Zeitschriften orientiert, pflegte Stil und Sprache, sogar das Layout der Titelseite hätte ohne Deutschlands bekanntestes Nachrichtenmagazin wahrscheinlich anders ausgesehen. Auch inhaltlich unterschied sich die Stadtteilzeitung deutlich von den bislang erschienen Druckwerken aus den Kreuzberger Kellern und Hinterhöfen. Mit der politisch eher einäugigen 883 etwa oder der Radikal hatte der Südost Express nichts mehr zu tun. Zwar erschien kaum ein Heft ohne einen Beitrag über Kahlschlagsanierung, Gewobag und Besetzerszene – doch nahm man sich auch im weiteren Sinne des Wortes »kein Blatt« vor den Mund und berichtete ebenso über die Wiederbelebung der Wannseebahn, über historische Themen und kulturelle Ereignisse, die den politisch korrekten Linken keine Zeile Wert gewesen wären.

Sogar mit den Kreuzberger Autonomen legte man sich an. Im September 1987 persiflierte der Express die Psychotestseiten gängiger Frauenzeitschriften und stellte die Frage: Bin ich ein echter Revolutionär? Jeweils drei Antworten – a, b, und c – standen zur Auswahl:

Den Test bestand, wer möglichst häufig das »C« ankreuzte und über 1500 Punkte erreichte. Der Südost Express gratulierte: »Bravo, du bist einE echteR RevolutionärIN«, und mit diesen echten Revolutionären gäbe es bald »keine Bullen, Ausbeutung, Schickis, AL-Fritzen, Sympis, Wähler, Orlowskys, Sozialamtscheißer …« mehr.

Daß angesichts solch offensichtlicher Zweifel an der geistigen Gesundheit der Linksradikalen eines Tages drei Autonome in der Redaktion des Südost Express auftauchten und mit der Zerstörung der Einrichtung drohten, war nicht weiter verwunderlich. Zwar konnten die Schwarzmützen den Zeitungsmachern weder Profitgier noch rechtsgelagerte politische Positionen vorwerfen, doch Kritik an ihrer Strategie vertrugen sie nicht. Und Diskussionen darüber, ob man mit Wort und Bild einen Beitrag zum Kampf gegen Mißstände und Ungerechtigkeiten führen könnte, hielten die wahren Autonomen längst für romantisch und veraltet.

In der Redaktion aber blieben sie immer ein Thema, und nicht selten gingen die Meinungen weit auseinander. Viele der Mitarbeiter verließen im Lauf der Jahre die Redaktion, Neugierige kamen einmal und nie wieder. Besonders an Volker Härtig, der seit dem ersten Jahr in der Redaktion saß, gleichzeitig aber der AL angehörte und immer wieder in Verdacht geriet, den SOE zum AL-Blättchen zu machen, schieden sich mitunter die Geister. Denn wenn es eine Maxime für den Südost Express gab, dann war es die, »Sprachrohr einer Bürgerinitiative« zu bleiben, die gegen die »Methoden der staatlichen Wohnungspolitik wetterte«. Konsequent veröffentlichte die Zeitung umfangreiche Listen leerstehender Häuser, und es bedurfte dabei weder der AL noch der SEW. Tausend leerstehende Wohnungen einerseits und die Wohnungssuchenden andererseits: Das war das Thema im Südosten Berlins. Und der Kampf gegen die Abrißbirne einte die unterschiedlichsten Gruppen.

Deshalb auch expandierte der Südost Express Anfang der achtziger Jahre bis in den Chamissokiez. Doch scheiterte dieses Unternehmen am Lokalpatriotismus der 36er. Sogar Raimund Thörnig – neben Dieter Kramer, Michael Rädler und einigen anderen Aktivisten der 1. Stunde – »fand die Ausweitung nicht gut.« Es gäbe »zu viele Seiten«, die der Kreuzberger aus 36 nicht mehr lese. Volker Härtig dagegen meinte in einem Interview aus dem Jahr 1984: »Vielleicht erscheint das in den Augen einiger Leute als Größenwahn, aber es gibt keine vernünftige Bezirkszeitung für ganz Kreuzberg. (…) Insofern finde ich die Ausweitung notwendig und richtig. Wir sind kein Gemeindeblättchen, die Zeitung hat eine andere Dimension bekommen.«

Dennoch war auch ihre Zeit einmal abgelaufen. Die Journalisten, die sich im Südost Express allmählich profiliert hatten, landeten als Redakteure bei der ARD, bei taz und zitty, oder sie fotografieren heute für Geo und Spiegel. Nach dem Fall der Mauer gelang es den wenigen Verbliebenen nicht mehr, Nachwuchs für die Redaktion zu rekrutieren. Und so verabschiedete sich der legendäre Südost Express ein wenig melancholisch auf der allerletzten Seite seiner »Allerletzten« Ausgabe mit einer Bemerkung über Vergänglichkeit und Vergeßlichkeit: »Ein für allemal: Südost Express schreibt man genau so, also nicht SüdOstExpress, Süd-Ost-Express« oder sonstwie. Aber das muß sich jetzt niemand mehr merken.«

Salecina feiert 2022 seinen 50. Geburtstag

Theo Pinkus und Amalie Pinkus-de Sassi gründeten im Jahre 1972 die Stiftung „Salecina“. Ziel der Stiftung war, Lehrlingen, Studenten und Leuten mit wenig Einkommen Ferien zu ermöglichen und Bildungsveranstaltungen durchzuführen. Das konnten einige von uns auch schon nutzen. 2012 gab es ein prima Seminar: Politik ist stressig – Ein Seminar mit Erkenntnisgewinn und Bewegung, da wurde ausgeglichen Wert auf Reflektion der eigenen Situation und auf Bewegung in der grandiosen Natur gelegt.

Salecina Herbst 2012 – Blick vom Haus zur Staumauer

Da hatte ein Jahr später unser Delegation zum Seminar Selbstverwaltete Projekte stellen sich vor, dann leider Pech mit dem Wetter. Vier Tage lang hielt dichter Nebel den Kolleg:innen die schöne Aussicht fern. Sie glaubten bis fast zum Schluss nicht an die Berge, die sich um sie herum auftürmen. Und die wunderschöne Herbstfärbung der Lärchen blieb ihnen verborgen.

Erleben konnten wir ein Haus, das einen wirklich interessanten Weg gefunden hat, den Hüttenalltag so selbstverwaltet wie möglich zu organisieren. Ein engagiertes Hüttenteam flankiert die Besucher:innen, die im Wechsel das Frühstück vorbereiten, das Kochen der gemeinsamen Abendmahlzeit übernehmen und das Saubermachen ist auch in Regie der Gäste.

Schade, dass es so weit weg von Berlin ist und die Preise in der Schweiz machen es trotz solidarischer Preisgestaltung etwas schwer, sich auf die Angebote einzulassen. Und doch: Probiert es mal aus! Schon die Anreise mit der Bahn ist ein wunderbares Abenteuer.

Runde Geburtstage fordern heraus zu großen Feierlichkeiten. Die kündigen sich jetzt an. Vielleicht ist eine Anregung dabei, die euch lockt.

Macht euch ein Bild: https://salecina.ch/

Übrigens: Amalie Pinkus-de Sassi hatten wir im Blog schon mal „zu Gast“ gehabt.
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/03/19/amalie-pinkus-de-sassi-1910-1996/

Dank für deinen Beitrag an Gisela Notz!