Wohnhäuser dem Markt entziehen | das Mietshäuser Syndikat

2017 | Unser Archiv weist für den 14.12.2017 nach: Im Hinterhaus wird der Verein „Hinterm Regenbogen“ gegründet. Die Bewohner:innen brauchen eine juristische Person für den Vertragsabschluss oder die möglicherweise angestrebte Kooperation mit dem Mietshäuser Syndikat. Wie bereits berichtet, ist es anders gekommen; doch wir nehmen das Ereignis zum Anlass, das Mietshäuser Syndikat vorzustellen.

166 Syndikatsprojekte

Die Hausprojekte im Syndikatsverbund haben alle entscheidenden Schritte, also die Gründung einer Haus-GmbH mit Syndikatsbeteiligung und den Kauf eines Hauses und / oder eines Grundstücks bereits hinter sich gebracht. Die Bandbreite der Projekte ist groß: Sie unterscheiden sich in Alter, Bewohner:innenschaft, Lage, Zielsetzung, Größe und Gebäudeart – manche stecken noch mitten in der Sanierung und Aufbauphase, andere können bereits neue Initiativen unterstützen.

Der Projekteverbund

Das Projekte-Sammelsurium
166 Hausprojekte und 15 Projektinitiativen bilden einen festen Verbund. Das Bindeglied, das diesen Verbund herstellt, heißt Mietshäuser Syndikat. Jedes dieser bestehenden Hausprojekte ist autonom, d.h. rechtlich selbstständig mit einem eigenen Unternehmen, das die Immobilie besitzt. Jedes hat die Rechtsform der GmbH, der „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“.

Und es werden mehr.
Das Mietshäuser Syndikat ist generell offen für neue, selbstorganisierte Hausprojekte; so auch für die vorher genannten 15 Projektinitiativen, die sich „ihr Haus“ erst noch aneignen wollen. Die Folge ist, dass der Verbund fröhlich weiter wächst.

Wie funktioniert das Mietshäuser Syndikat? Was ist der Zweck? Kritisch gefragt: Was ist daran sinnvoll, eine feste Verbindung zwischen einer großen und wachsenden Zahl von autonomen Hausprojekten herzustellen?
Zwischen Projekten, die zum Teil Hunderte von Kilometern auseinander liegen. Deren Bewohner:innen die Leute aus den anderen Häusern oft nicht kennen. Und deren Unterschiedlichkeiten geradezu ins Auge springen, von der Größe und Lage über die Entstehungsgeschichte bis hin zur politischen und sozialen Zielsetzung. Welche Idee hält diesen Gemischtwarenladen von Projektidentitäten zusammen? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: Warum liegt der Eigentumstitel jedes Hauses ausgerechnet in den Händen einer erzkapitalistischen Rechtsform wie der GmbH, und nicht bei einem eingetragenen Verein oder einer Genossenschaft?

Häuser kollektiv aneignen
Trotz der Unterschiedlichkeiten findet sich bei allen Hausprojekten eine vergleichbare Ausgangssituation:

  • Hier nimmt eine Gruppe tatendurstiger Menschen leere Häuser ins Visier: Sie wollen endlich zusammen wohnen. Sie suchen ausreichenden und vor allem selbstbestimmten Wohnraum – häufig auch in Kombination mit öffentlichen Räumen für Veranstaltungen, für Gruppen, Projekte und Betriebe.
  • Da fügen sich die langjährigen Bewohner:innen eines Hauses nicht resigniert den Verkaufsplänen des Hausbesitzers, sondern entwickeln eine Vision: Die Übernahme „ihres Hauses“ in Selbstorganisation.
  • Dort suchen die Besetzer:innen eines sogenannten Abrissobjektes nach einer Perspektive, trotz der Wechselbäder von Räumungsdrohungen und Verhandlungen.

Allen gemeinsam ist der kollektive Wunsch nach einem Haus, in dem es sich selbstbestimmt leben lässt, dem nicht irgendwann die Zwangsräumung oder Abrissbirne winkt; mit bezahlbaren Räumen, die nicht durch Hausverkauf oder Umnutzung latent bedroht sind.
Dieser Wunsch steht am Anfang eines jeden Projekts.

Wie wir wissen, werden Mietshäuser, die eine dauerhafte kollektive Selbstbestimmung der Bewohner:innen über die eigenen vier Wände vorsehen, auf dem normalen Immobilienmarkt nicht angeboten. Also fasst die betreffende Gruppe irgendwann den kühnen Plan, einen Hausverein zu gründen, um das Objekt der Begierde einfach zu kaufen.

Die Kapitalfrage
Meist geht der starke Wunsch der Projektinitiative nach einem selbstorganisierten Hausprojekt mit einer äußerst schwachen Kapitalausstattung der Mitglieder einher. In Anbetracht der erforderlichen Mittel hat sie allenfalls symbolischen Charakter. Denn für den Erwerb der Immobilie muss der Hausverein Hunderttausende von Euros leihen: mit Krediten von der Bank und/oder direkt von Menschen, die das Projekt unterstützenswert finden und dort ihre Ersparnisse parken („Direktkredite“; darauf wird noch eingegangen). Das ist keine einfache Aufgabe.

Denn Kredite kosten laufend Geld, nämlich Zinsen und Tilgung. Sie betragen oft mehr als 3/4 der Mietzahlungen. Soll die Miethöhe sozial noch erträglich sein, ist der Spielraum äußerst knapp und das Projekt nur bei sehr niedrigen Kreditzinsen finanzierbar.

Die Anfangsphase, in der die Zinskosten am höchsten sind, gleicht bei jedem Hausprojekt einem ökonomischen Drahtseilakt. Dazu gesellen sich erlebnispädagogische Streifzüge der Gruppe in die fremde Welt der Kaufverhandlungen und der politischen Durchsetzung, der Rechtsformsuche und der Kreditwerbung, der Gruppenfindungsdynamik und nicht zuletzt der Bauaktivitäten.
Auf dem Weg zum eigenen Haus muss jede Projektinitiative einen wahren Hindernisparcours durchlaufen. Das könnte einfacher sein.

Weiterstöbern unter:

https://www.syndikat.org/de/

Und zur Auflockerung die Seite mit dem Film übers Mietshäuser Syndikat:

http://das-ist-unser-haus.de/

Im Café Schlürf ein Pop-Up-Dingsbums

Liebe Freund:innen der Regenbogenfabrik!

Den Winterbasar vermissen wir schmerzlich.
Doch haben wir eine Möglichkeit gefunden, uns allen noch ein bisschen Kaufrausch zu  ermöglichen.
Seit dieser Woche haben wir zu den Öffnungszeiten des Café Schlürf ein Pop-Up-Dingsbums im Café.

We proudly present:

Astrid Zink und ihre wunderschönen Geldbörsen
Taschen und Beutel von Muanana

Dienstag und Donnerstag 12 -18 Uhr

Kommt vorbei und lasst Euch inspirieren von der schönen Atmosphäre im Café.
Genießt den leckeren veganen Kuchen und den guten Kaffee. Alles abzugeben gegen Spende. Zeigt Euch großzügig, es ist für einen guten Zweck.

Eure Regenbogenfabrik

…und am Samstag, den 11.12.2021:
Glühwein & Fensterverkauf von 15 – 21 Uhr

Tag der Menschenrechte

Der Tag der Menschenrechte (englisch Human Rights Day) wird am 10. Dezember gefeiert und ist der Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International nehmen diesen Tag jedes Jahr zum Anlass, die Menschenrechtssituation weltweit kritisch zu betrachten und auf aktuelle Brennpunkte hinzuweisen.

Das Europäische Parlament verleiht um diesen Tag zudem den Sacharow-Preis. Des Weiteren verleiht die Organisation Reporter ohne Grenzen deren jährlichen Menschenrechtspreis.

Das sind alles wichtige Instrumente zur Stärkung des Bewusstseins um die Menschenrechte. Daneben geht es Tag für Tag um ihre Sicherung. Es gibt viele gute Organisationen; eine davon wollen wir heute vorstellen.

Die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW) macht seit mehr als 60 Jahren gute solidarische Politik. Wir zitieren aus ihrer Homepage:

Die ASW wurde 1957 unter dem Namen Aktionsgemeinschaft für die Hungernden ins Leben gerufen und gehört damit zu den ältesten entwicklungspolitischen Spendenorganisationen in Deutschland.

Das Hauptanliegen galt zunächst den Hungernden in Indien. Die ersten Spenden wurden dort vor allem für die Flüchtlings- und Nothilfe verwendet.

Weltnachbarschaft

In ihrem Gründungsaufruf von 1957 stellt die Aktionsgemeinschaft gleichzeitig klar, dass es ihr nie um eine rein mildtätige Haltung gegangen ist. „Es dürfen nicht nur Almosen sein.
Die zum neuen Selbstbewusstsein erwachten, im raschen sozialen Umbruch begriffenen Völker öffnen sich unserer Teilnahme nur, wenn sie eine wirkliche Solidarität verspüren“, ist dort zu lesen.

Der ehemalige ASW-Vorsitzende Wilfried Warneck prägte für diese Haltung später den Begriff der Weltnachbarschaft. Entscheidend sei dabei, so Warneck, „dass wir als Personen und Gruppen das ganz unwägbare Risiko eingehen, uns der neuen Situation der Weltnachbarschaft auszusetzen. Wir geben nicht etwas von dem, was wir zuviel haben, sondern wir geben unsere bisherige isolierte Existenz auf und verschmelzen sie mit der des Mitmenschen: Wir werden solidarisch mit den Hungernden.“ 

Die Umbenennung in Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt

Ab 1961 wurden von der Aktionsgemeinschaft auch Patenschaften für indische Heimkinder vermittelt und in Dorfprojekten Handwerk und Landwirtschaft gefördert. 1964 wird die Hilfe zur Selbsthilfe zum Programm erhoben.

Anfang der 70er Jahre wurden die Projekte noch stärker auf Gemeinschaftsförderung ausgerichtet. Außerdem orientierte sich die Arbeit nun stärker an politischen Kriterien. Noch gab es portugiesische, spanische und britische Kolonien in Afrika, in denen Befreiungsbewegungen nach Unabhängigkeit strebten. Einige von ihnen und die Anti-Apartheidsbewegung für Südafrika wurden von der Aktionsgemeinschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt.

In der konkreten Arbeit der Aktionsgemeinschaft ging es jetzt um mehr als den Kampf gegen den Hunger. Es ging um den Kampf gegen die Ausbeutung der Dritten Welt und für eine umfassende Gerechtigkeit. Dieses erweiterte Verständnis führte 1973 zur Umbenennung in „Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt“.

Enteuropäisierung der Projektarbeit

Auch in Indien wurden bald praktische Schritte eingeleitet und es wurde mit der Enteuropäisierung der konkreten Projektarbeit begonnen. Mehr und mehr sollten Partnergruppen vor Ort die wichtigen Themen identifizieren und die betroffenen Menschen dazu organisieren. In Indien verlief dieser Prozess beispielhaft. 1975 wurde ein indischer Aktivist fester ASW-Mitarbeiter und ASW-Consultant in India und bald gab es ein eigenes ASW-Indienbüro. Daraus ging schließlich 1992 das Centre for World Solidarity, CWS, als eigenständige indische Nichtregierungsorganisation hervor. Bis heute betreuen und beraten die erfahrenen Kolleg:innen vom CWS die indischen Projekte vor Ort und wählen in Absprache mit uns neue förderungswürdige Gruppen aus.

Organisierung von Frauen und Stärkung von ganzen Gemeinschaften

Mitte der 1970er Jahre entstanden unter der Führung der ASW und Terre des Hommes Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Kinderpatenschaften. Die Förderung einzelner Kinder spalte Familien und Dorfgemeinschaften, so das Argument. Um das zu vermeiden, richtete die ASW die Unterstützung auf die ganze Gemeinschaft aus und ließ die Kinderpatenschaften auslaufen.
Bald darauf wurde die Solidaritätsarbeit auf Länder in West- und im südlichen Afrika sowie auf Lateinamerika ausgeweitet.

Seit den 80er Jahren wird Frauenförderung und kollektives Empowerment von Frauen großgeschrieben, und die immer offener zutage tretenden weltweiten Umweltprobleme führten zur stärkeren Berücksichtigung ökologischer Kriterien bei der Projektförderung.

Neben der konkreten Projektarbeit wurde für die ASW die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit hier immer wichtiger. Die ASW beteiligt sich deshalb am weltweiten Austausch und der Vernetzung von Umwelt-, Frauen- und Menschenrechtsinitiativen.

https://www.aswnet.de/spenden

https://www.un.org/en/udhrbook/

Das Beitragsbild zeigt die Illustration zu Artikel zwei in dem hier verlinkten Booklet.

chz

2012 | Besetzung der ehemaligen Gerhard-Hauptmann Schule

Am 8. Dezember 2012 besetzten Aktivist:innen des Refugee Protest Camps das leerstehende Gebäude der Gerhart-Hauptmann-Schule. Das Camp stand seit dem Sommer 2012 am Oranienplatz. Die Besetzungen gingen aus einem Protestmarsch von Flüchtlingen 2012 gegen die Unterbringung in „Lagern“, die Residenzpflicht und das Arbeitsverbot von Würzburg nach Berlin hervor und wurden zunächst vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg geduldet. Das Haus soll in erster Linie als Schlaf-Unterkunft für die Protestierenden dienen. Gleichzeitig wurde auf demselben Gelände ein weiteres Gebäude okkupiert und als Soziales Zentrum „Irving-Zola-Haus“ wiedereröffnet.

Zwei Jahre lang hielten Refugees die Schule besetzt. Im Juni 2014 beendete ein Großaufgebot der Berliner Polizei die Besetzung. Die Räumung stellt in vielerlei Hinsicht eine Zäsur dar.
Zum Einen, weil die Grünen nach dem Oranienplatz ein weiteres Mal direkt dabei halfen, einen symbolträchtigen Ort der Refugeebewegung zu aufzulösen. Zum Anderen, weil erstmalig eine Berliner Polizei ein ganzes Straßenviertel über zehn Tage lang quasi in Haft genommen hat. Und zum Schluss, aber nicht zuletzt, weil die Refugee-Bewegung, wie selten zuvor Mobilisierung erfahren hat und Unterstützung von allen Seiten her bekam.

Foto: Christina Palitzsch